"Habe offensichtlich wunde Punkte erwischt"

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Marcel Kollers Antwort auf die Kritik von Paul Scharner, die dieser in einem Interview vor dem Moldawien-Match formulierte, überraschte den Ex-ÖFB-Spieler, wie er in seiner "Kurier"-Kolumne am Samstag schreibt.

"Dass Marcel Koller öffentlich die Fassung verliert, ist für mich noch überraschender. Eine passende Reaktion auf meine Kritik wäre gewesen: 'Wer? Paul Scharner? Kenne ich nicht'", meint der 37-Jährige.

Durch die Wogen, die das Interview geschlagen hat, sieht sich Scharner bestätigt.

"Ich habe offensichtlich zwei wunde Punkte erwischt. Erstens: Die von mir in Frage gestellte Qualität des Trainers für Endrunden und der dort notwendigen Flexibilität. Zweitens: meine erwähnte Weigerung von David Alaba, im Finish gegen Irland linker Außenverteidiger zu spielen."

Wimmer hätte den Mund aufmachen sollen

Die beschriebene Reaktion von Alaba nimmt Scharner in Schutz.

"Falls jemand weiß, wie es aussieht, wenn ein Spieler eine Position nicht ausfüllen will, dann ich. Joachim Löw kann das bestätigen", spielt er auf seine Zeit bei der Wiener Austria an.


Marcel Kollers Antwort auf die ursprüngliche Kritik im VIDEO:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


"Ich möchte festhalten, dass ich David Alaba durchaus verstehen kann. Wenn ein Spieler massive Probleme und wohl begründete Zweifel hat, eine Position zu spielen, soll er das auch dem Trainer mitteilen", so Scharner über den 24-Jährigen, der für seine Leistungen als Linksverteidiger bei Bayern München unter anderem dreimal im "UEFA Team des Jahres" und mehrmals zur Diskussion für das FIFA-Pendant stand.

Stattdessen nimmt er Kevin Wimmer, der die Linksverteidiger-Rolle im ÖFB-Team im Herbst eher erfolglos bekleiden musste, in die Pflicht, sich zu weigern: "Er würde jetzt in einer ganz anderen Position sein, wenn er Koller rechtzeitig gesagt hätte: "Nein, Trainer! Tut mir leid, aber mich als linken Außenverteidiger aufzustellen, ist keine gute Idee. Da kann ich meine Stärken nicht abrufen und der Mannschaft nicht helfen.'"

Koller würde aber persönliche Abhängigkeiten aufbauen, Dankbarkeit für anfängliche Loyalität erwarten und den Spielern diesen Schritt somit besonders schwer machen.

"Als Führungspersönlichkeit solltest du immer flexibel bleiben. Nur einen Plan A zu haben, ist auf Dauer zu wenig."

Ein Seitenhieb auf Canadi

Damit aber nicht genug: Auch die Arbeit von Damir Canadi gefällt Scharner nicht.

"Genauso wenig bringt es, seinen Stil ohne Rücksicht auf Verluste durchzuboxen. Die Spieler waren jahrelang Barisic mit der 'Meine-Buam'-Mentalität gewöhnt. Und dann kommt Canadi, der zwischenmenschlich den Gegenpol einnimmt."

Ein erfolgreicher Trainer würde sich in erster Linie an dem Menschen, nicht an dem Spieler orientieren, mit dem er zu arbeiten hat. Als Gegenbeispiel wird Peter Stöger angeführt.

Scharner selbst sei zwar auch immer wieder mit Trainern in Konflikt geraten. Mit anderen, die den Spielern mehr Eigenverantwortung überließen, habe es aber immer funktioniert.

Textquelle: © LAOLA1.at

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