Nationalteam: Wettlauf um die Plätze im ÖFB-Kader

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Die Personalpolitik im Nationalteam kann man aus zwei Perspektiven betrachten: Einerseits den Kampf um einen Platz in der Startelf, andererseits den Kampf, überhaupt einen Platz im Kader zu ergattern.

Seinen Stamm betreffend ist ÖFB-Teamchef Franco Foda beim mit der 0:3-Niederlage gegen Brasilien zu Ende gegangenen Lehrgang tendenziell einen großen Schritt weitergekommen.

Bei allen Beschwörungen bezüglich großem Konkurrenzkampf und allen Hinweisen, dass alle Akteure im Aufgebot Einsätze verdient hätten, haben sich jene Spieler, die in den Partien gegen Russland, Deutschland und Brasilien weitestgehend die Startelf bildeten, einen Vorsprung herausgearbeitet.

Wenn man so will, bilden Kapitän Julian Baumgartlinger, David Alaba, Marko Arnautovic, Sebastian Prödl und Martin Hinteregger das Gerüst dieser Mannschaft. Aleksandar Dragovic, Alessandro Schöpf und Stefan Lainer haben in allen drei Partien begonnen - ein deutliches Indiz. Shootingstar Peter Zulj und Florian Grillitsch haben ebenfalls Plus-Punkte gesammelt.

Diese zehn Spieler sind es wohl, die quasi auf der Pole-Position in den Pflichtspiel-Herbst starten, in dem dann einige derzeit verletzte ÖFB-Kicker mit teils hohen Ansprüchen wieder zur Verfügung stehen sollten.

Und dann wird nicht nur der Kampf um ein Stammleiberl toben - so richtig tobt dann der Kampf um einen Platz im Aufgebot.

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(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

22 überzeugende Feldspieler

Wenn man das Duell zwischen Heinz Lindner und Jörg Siebenhandl um den Job als Nummer eins im ÖFB-Tor beziehungsweise das dahinter inszenierte Kennenlernen der weiteren Goalies um Richard Strebinger, Cican Stankovic, Markus Kuster und Pavao Pervan ausklammert, hat Foda für den abgelaufenen Lehrgang 22 Feldspieler nominiert gehabt.

Dies war ein unüblich großer Kader, dessen Mitglieder den Teamchef laut dessen Aussage allesamt überzeugt haben - auch Neulinge wie Thomas Murg, der etwa gegen Brasilien nur auf der Tribüne saß.

"Das hat mir extrem Leid getan, weil er im Training wirklich gut agiert hat. Das ist das Unangenehme am Trainer-Job, dass du manchmal Entscheidungen treffen musst, die weh tun", meint Foda.

Foda: "Die Auswahl ist größer geworden"

Im Herbst werden weitere folgen. Denn das Aufgebot wird wohl wieder kleiner werden, weshalb auf den Deutschen einige harte Entscheidungen zukommen werden, wie seine eigene Rechnung verdeutlicht:

"Dann bist du schnell mal bei 30 Feldspielern, wo du sagst, dass sie alle spielen könnten."

Franco Foda

"Hier hatten wir 22 Spieler. Dann kommen mit Sabitzer, Lazaro, Gregoritsch, Ulmer und Wöber weitere Spieler dazu, die diesmal verletzt waren. Dann gibt es noch Kandidaten wie Laimer oder Lienhart, den Freiburg jetzt fix verpflichtet hat. Dann kann es im Herbst immer noch ein, zwei Spieler geben, die gut spielen, überraschen und vielleicht neu dazukommen. Dann bist du schnell mal bei 30 Feldspielern, wo du sagst, dass sie alle spielen könnten."

"Das wird interessant, aber bis dahin habe ich noch ein bisschen Zeit, darüber kann ich mir später den Kopf zerbrechen", grinst Foda, für den dieses ÖFB-Camp gerade in diesem Hinblick einen großen Wert hatte: "Die Auswahl ist größer geworden."

Der Versuch eine Kader-Powerrankings

Der Versuch eines aktuellen Kader-Powerrankings (ausschließlich Feldspieler) aus den derzeitigen Kadermitgliedern, den diesmal verletzten Spielern plus den genannten Aspiranten ist erstens gar nicht so einfach und verdeutlicht zweitens das Gedränge:

STAMMPLATZ: Alaba, Arnautovic, Baumgartlinger, Prödl, Hinteregger

GUTE STARTELF-CHANCEN: Dragovic, Schöpf, Lainer, Grillitsch, Sabitzer

KADERPLATZ (RELATIV) SICHER: Zulj, Lazaro, Kainz, Ilsanker, Schaub, Burgstaller, Bauer, Gregoritsch, Danso, Schlager, Ulmer

UM DEN KADERPLATZ KÄMPFEN: Alar, Hierländer, Potzmann, Wimmer, Murg, Wöber, Laimer, Lienhart

Man sieht: Der Wettlauf um Kaderplätze wird zu Beginn der neuen Saison spannend zu beobachten sein. Foda legt jedoch auch Wert auf die Feststellung, dass sich auch die vermeintlichen Stammkräfte und fixen Kadermitglieder bei ihren Vereinen wieder neu beweisen müssten:

"Wir werden unsere Spieler wieder in allen Ligen beobachten, uns ein Bild von jedem einzelnen machen und im September einen Kader nominieren, von dem wir glauben, dass es in diesem Moment die besten Spieler sind. Jedem muss bewusst sein: Diesen Konkurrenzkampf gibt's! Es gibt keinen Freifahrtschein! Jeder muss sich immer neu beweisen!"

Mischen Transfers die Karten neu?

Bezüglich Vereins-Leistungen kommt der Aspekt dazu, dass zwischen zwei Saisonen bekanntlich eine Transferzeit ansteht. Der eine oder andere ÖFB-Teamspieler hat bereits einen Wechsel vollzogen, andere könnten folgen.

Durch solche Tapetenwechsel können auch die Karten im Hinblick auf das Nationalteam neu gemischt werden. Schlägt, nur als Beispiel, Wimmer in Hannover ein, kann auch seine Kaderzugehörigkeit bald wieder eine fixe sein, weshalb ein Powerranking wie jenes oben auf Nationalteam-Ebene stets nur eine Momentaufnahme sein kann.

In gewisser Art und Weise ist Foda diesbezüglich nur Passagier, wenngleich er seinen Schützlingen seinen Rat anbietet: "Man redet drüber und ich versuche, wenn mich jemand fragt, meine Erfahrung weiterzugeben. Ich bin mit den Spielern jetzt auch so verblieben, dass sie mich immer informieren werden, wenn etwas ist."

Kein öffentlicher Rat an Lainer

Mit öffentlichen Empfehlungen, etwa ob Stefan Lainer den Sprung in die Serie A wagen soll, werde er sich jedoch weiterhin zurückhalten. Letztlich müsse ohnehin der Spieler selbst entscheiden:

"Der Spieler muss die Vor- und Nachteile abwägen. Er muss entscheiden, ob er sich in einer Topliga beweisen will - mit dem Risiko, dass er dann vielleicht nicht regelmäßig spielt."

Franco Foda

"Man kann immer mit allen reden, man kann seine Erfahrung weitergeben, aber: Entscheiden muss immer der Spieler! Denn es ist seine Karriere und er muss sich gut überlegen, was er tut. Er muss die Vor- und Nachteile abwägen. Der Spieler muss entscheiden, ob er sich in einer Topliga beweisen will - mit dem Risiko, dass er dann vielleicht nicht regelmäßig spielt."

Andererseits könnte mit einem Auslands-Transfer auch der nächste Entwicklungsschritt gelingen, was wiederum im Nationalteam helfen kann und den Konkurrenzkampf weiter anheizen würde.

Foda: "Es gibt keinen Grund zum Pessimismus"

Generell betont Foda, dass man sich auf die Zukunft mit dieser Mannschaft freuen könne, daran habe auch die Niederlage gegen Brasilien nichts geändert. "Meine Spieler waren zwar enttäuscht, können diese Niederlage aber relativ nüchtern einschätzen. Es gibt keinen Grund zum Pessimismus, im Gegenteil", bekräftigt der 52-Jährige.

Und besonders erfreulich "Im September geht es dann endlich um etwas!"

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Textquelle: © LAOLA1.at

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