Nach Lettland-Pleite: Was Foda anders machen würde

 

Auch am Tag nach Österreichs 0:1-Blamage in Lettland steht Franco Foda zu seiner Maßnahme, mit einer B-Elf anzutreten und Spielern aus der zweiten Reihe eine Chance zu geben, anstatt auf die Stamm-Garnitur zu setzen.

"Ich würde das immer wieder so machen", stellt der ÖFB-Teamchef klar und verweist darauf, dass er die Ausgangsposition für diese Begegnung nach der vorzeitig geschafften Qualifikation für die EURO 2020 zum Testen nutzen musste:

"Für einen Trainer ist es dann wichtig, noch einmal etwas auszuprobieren, denn wir haben nächstes Jahr nur wenig Zeit. Wir haben im März noch zwei Spiele, im Juni noch zwei Spiele, dann beginnt die Europameisterschaft. Daher war es schon immer mein Plan, sollten wir uns vorher qualifizieren, dass ich im letzten Spiel allen Spielern, die vorher wenig im Nationalteam gespielt haben, die Möglichkeit gebe. Dass dann nicht alles perfekt funktionieren würde, war mir bewusst. Aber ich hätte mir im Spiel schon viel mehr erwartet - mehr Begeisterung und mehr Leidenschaft von jedem einzelnen Spieler."

Zu gutmütig? Was Foda anders machen würde

Foda ist zwar für gewöhnlich ein Charakter, der zu seinen Entscheidungen steht. Einen Lerneffekt aus diesem Lehrgang gibt es jedoch auch bei ihm, etwas würde er nämlich definitiv anders machen.

Am Tag nach der EM-Party gegen Nordmazedonien, sprich am Sonntag, hat der 53-Jährige seinen Schützlingen frei gegeben und kurzfristig das anberaumte Training abgesagt. Nach dem Einrücken ins Team-Quartier stand lediglich eine taktische Besprechung auf dem Programm.

"Sie würden wieder frei bekommen, sie können auch wieder feiern, aber wenn wir uns für die WM oder die nächste Europameisterschaft qualifizieren, würden wir am nächsten Tag definitiv trainieren. Das würde ich schon anders machen", gibt Foda zu - dessen Gedanken in Richtung WM 2022 oder EM 2024 man als Interesse, den Vertrag zu verlängern, interpretieren könnte, wenn man diese Aussage überinterpretieren möchte.

Ob er hier zu gutmütig war und sich von den Spielern breitschlagen habe lassen? "Was heißt gutmütig? Es war einfach der Situation geschuldet. Ich habe dann mit den Spielern kommuniziert. Es war auch für mich eine neue Erkenntnis, das würde ich beim nächsten Mal sicher anders handhaben."

Klartext nach dem Spiel war "angebracht"

Wir waren weder zwingend, noch zielstrebig - wir haben nur quer oder zurückgespielt. In der Halbzeit habe ich gesagt: Da vorne steht ein Tor, wir wollen nach vorne spielen. Man hatte das Gefühl, als ob jeder die Verantwortung zu einem anderen geschoben hat.

Hierbei würde es jedoch nicht um eine etwaige Enttäuschung über die Mannschaft, was die Disziplin betrifft, gehen: "Nein, gar nicht! Sie hatten frei und das hat nichts mit Disziplin zu tun. Meinem Gefühl nach wäre es einfach besser gewesen, noch ein Training zu absolvieren, um vielleicht einen Tag vorher schon wieder die Sinne zu schärfen, auch wenn man ohnehin nicht viel trainieren hätte können. Ob es besser geworden wäre, weiß ich im Nachhinein nicht, aber man muss sich trotzdem Gedanken machen und gewisse Dinge reflektieren."

Mit durchaus deutlicher Kritik an der Mannschaft hat Foda die Leistung in Riga unmittelbar nach dem Spiel analysiert. Eine Einschätzung, zu der er vollinhaltlich steht, auch wenn er nach einer Nacht drüber schlafen feststellt: "Jetzt überwiegt wieder die Freude, dass wir uns für die EM qualifiziert haben. Dort spielen die besten Mannschaften Europas und dazu gehören wir - das darf man auch nicht vergessen!"

Zu seinen diesmal härteren Worten meint er: "Die waren angebracht. Ich bin jemand, der versucht, die Spieler auch zu verstehen, aber es ist auch wichtig, dass man die Punkte anspricht, wenn es nicht läuft. Dazu gehört, dass man sich im Trainerteam selbst reflektiert, aber den Spielern schon auch aufzeigt, was nicht in Ordnung war - und es waren viele Sachen, die nicht in Ordnung waren. Es waren grundlegende Dinge, die gefehlt haben."

Die vielen einfachen Passfehler hätten folglich auch nichts mit Taktik oder neun neuen Startelf-Mitgliedern zu tun: "In der ganzen Quali hat uns unser Kombinationsspiel ausgezeichnet, aber wir waren diesmal nicht in der Lage, über fünf, sechs, sieben Stationen zu kombinieren. Wir waren weder zwingend, noch zielstrebig - wir haben nur quer oder zurückgespielt. In der Halbzeit habe ich gesagt: 'Da vorne steht ein Tor, wir wollen nach vorne spielen.' Man hatte das Gefühl, als ob jeder die Verantwortung zu einem anderen geschoben hat."

Lernen von Lettland

Seine Eindrücke gab der ÖFB-Chefcoach seinen Spielern nicht unmittelbar in der Kabine zum Besten, sondern beim gemeinsamen nächtlichen Essen nach der Partie.

"Ich habe schon noch mal ein paar Worte an die Mannschaft gerichtet, worauf es in Zukunft ankommt", so Foda. Da sich das ÖFB-Team jetzt vier Monate nicht sieht, war es umso wichtiger, den Spielern vor der Heimreise zu ihren Vereinen die entsprechenden Botschaften mit auf den Weg zu geben.

Vielleicht stellt sich diese Blamage noch als Lerneffekt heraus. Foda lobt jedenfalls Gegner Lettland, dem es gelungen sei, mit einfachen Mitteln, aber den entsprechenden Tugenden zum Erfolg zu kommen. In gewisser Hinsicht könne man sich dies zum Vorbild nehmen, wenn es bei der EURO gegen scheinbar übermächtige Gegner geht:

"Ich sage es immer wieder, im Fußball ist alles möglich. Lettland hat mit viel Leidenschaft und Kompaktheit in der Defensive gegen uns gewonnen. Sie haben auf grundlegende Basics gesetzt. Dass sie nur lange Bälle gespielt haben, war legitim. Deshalb sind auch wir in der Lage, wenn wir an unser Optimum gehen, jedem Gegner weh zu tun. Ob das Frankreich oder Deutschland ist, spielt keine Rolle."

Eine Gruppe, in der das Achtelfinale möglich ist

In eineinhalb Wochen findet die Auslosung der EURO-Gruppen statt, darauf wird sich nun der ÖFB-Fokus richten - eine Gruppe mit den beiden letzten Weltmeistern Deutschland und Frankreich liegt im Bereich des Möglichen.

Für Foda würde es jedoch keine Wunschgegner geben: "Ich lasse das auf uns zukommen. Wir wollen eine Gruppe bekommen, in der wir die Möglichkeit haben, vielleicht das Achtelfinale zu erreichen."

Textquelle: © LAOLA1.at

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