Zweikampf um ÖFB-Präsidentschaft?

Zweikampf um ÖFB-Präsidentschaft? Foto: © GEPA
 

Im Schatten der laufenden WM-Qualifikation naht die Entscheidung über die Nachfolge von Leo Windtner als ÖFB-Präsident. Am Montag steht in Wien eine richtungsweisende Sitzung des ÖFB-Wahlausschusses an - dabei werden der oder die Kandidaten für den Chefposten des größten Sport-Fachverbandes des Landes nominiert. Die formale Installierung des neuen Präsidenten erfolgt im Rahmen der Ordentlichen Hauptversammlung am 17. Oktober in Velden.

Die Fronten werden aber schon davor geklärt sein - voraussichtlich am 11. September, wenn in Salzburg ein neuerliches Treffen des Wahlausschusses geplant ist. In dieser Sitzung sind Hearings der Präsidenten-Anwärter vorgesehen. Nach derzeitigem Stand dürfte es sich dabei um Burgenlands Landes-Verbandschef Gerhard Milletich und Ex-Rapid-Präsidentschaftskandidat Roland Schmid handeln.

Landesfürst gegen Beinahe-Rapid-Präsident

Der 65-jährige Unternehmer Milletich fungiert seit 2012 als Verbandspräsident des Burgenlands und Mitglied des ÖFB-Präsidiums. Der 45-jährige Schmid, ebenfalls Unternehmer, gilt als Kandidat von außen und wäre im November 2019 beinahe Rapid-Präsident geworden. Einige Monate später verließ Schmid die Hütteldorfer als Sponsor und engagiert sich mittlerweile beim Wiener Ostligisten Vienna.

Wolfgang Bartosch, Vorsitzender des ÖFB-Wahlausschusses, bestätigte gegenüber der APA, mit Milletich und Schmid Gespräche über eine mögliche Präsidentschaft geführt zu haben. "Aus meiner Sicht wären beide gute Kandidaten. Ob das auch der Wahlausschuss so sieht, wird sich am Montag zeigen", meinte Bartosch. An diesem Tag könnten beide als Präsidenten-Anwärter bestätigt werden. Sollte dies der Fall sein, müssten sie fünf Tage später die Wahlausschuss-Mitglieder in Hearings überzeugen.

Es könnte aber auch das Szenario eintreten, dass sich der Wahlausschuss bereits am Montag auf einen Kandidaten festlegt - damit wäre der Termin am 11. September hinfällig. Ebenfalls nicht ausgeschlossen ist, dass kurzfristig ein weiterer Anwärter auf den Chefsessel dazukommt. Bartosch: "Man muss sehen, welche Alternativen sonst noch bestehen."

ÖSV als mahnendes Beispiel

Auf jeden Fall soll eine turbulente Präsidentenwahl wie jene im ÖSV vor wenigen Monaten tunlichst vermieden werden. "Ausschließen kann man es nie, dass es ähnlich wie in anderen Verbänden ablaufen wird. Aber wir hatten zuletzt gute Sitzungen. Ich gehe davon aus, dass wir das alles sehr geordnet über die Bühne bringen werden", meinte Bartosch.

Der neue Verbandschef soll laut Bartosch "fußballbegeistert, möglichst unabhängig und gut vernetzt sein" sowie Fachkompetenz besitzen. Ein hauptamtlicher, also bezahlter ÖFB-Präsident ist zumindest für die kommende, vierjährige Periode kein Thema. "Dazu wäre eine Satzungsänderung nötig, und die ist in der kurzen Zeit nicht mehr möglich", erklärte Bartosch.

Über Schmid meinte Bartosch: "Er ist dynamisch und würde gute Ideen einbringen." Eventuell würde der ÖFB vom Gründer und CEO von "IMMOunited" auch wirtschaftlich profitieren, schließlich zeigte sich der Wiener in der Vergangenheit im Sportbereich durchaus spendabel. "IMMOunited" ist zudem ÖFB-Sponsor. Allerdings stellte Bartosch klar: "Wenn man Sponsoren auftreibt, ist das ein Zusatzpunkt, doch kein Kriterium. Der ÖFB ist gut aufgestellt und nicht abhängig von einem Geldgeber."

Lobende Worte gab es von Bartosch nicht nur für Schmid, sondern auch für Milletich. "Er ist erfahren, lange im Fußball-Geschäft und ein erfolgreicher Unternehmer. Seine Lebensbiografie ist eng mit dem Fußball verbunden, insofern wäre auch er eine gute Wahl."

Kontinuität statt Revolution

Der künftige Verbandschef, wie immer er auch heißen mag, muss auf jeden Fall keine einschneidenden Veränderungen vornehmen. "Ich erwarte mir vom neuen Präsidenten keine Revolution, sondern eher Kontinuität", meinte Bartosch.

Der ÖFB-Präsident gilt als eine Art Aufsichtsrats-Vorsitzender, der in wichtigen Bereichen - wie in der Teamchef-Frage - ein Vorschlagsrecht besitzt. Die operative Leitung des Verbandes obliegt Generalsekretär Thomas Hollerer sowie dem Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH, Bernhard Neuhold.

Die erste großen Herausforderung des Windtner-Nachfolgers dürfte es sein, den Bau des Trainingszentrums und der neuen ÖFB-Geschäftsstelle zu finalisieren. In dieser Angelegenheit, die auf Basis eines Präsidiumsbeschlusses verfolgt wird, hat sich Windtner deutlich für den Standort Wien-Aspern ausgesprochen, doch dagegen gibt es nicht unerheblichen Widerstand im Präsidium.

Daher erscheint es fraglich, dass dieses Projekt noch in der Amtszeit des 71-jährigen Oberösterreichers fixiert wird. "Ich glaube hier nicht an eine Entscheidung in den nächsten Tagen", erklärte Bartosch.

Textquelle: © APA Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..