Was 2017 im ÖFB-Nationalteam besser werden muss

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ÖFB-Teamchef Marcel Koller blickt nur ungern auf das Jahr 2016 zurück.

"Ergebnistechnisch war es mit 3 Siegen, 3 Remis und 6 Niederlagen kein erfolgreiches Jahr. Schon am Anfang des Jahres haben wir nach der grandiosen Quali für die Euro gesehen, dass es schwierig wird, das zu bestätigen und zu toppen. Wir haben auch gespürt, dass Verunsicherung da war. Die Leichtigkeit, die wir vorgespielt haben, war ein bisschen weg."

Trotzdem gibt der Schweizer die Hoffnung nicht auf, dass es 2017 besser wird.

MARCEL KOLLER...

...über trotzdem positive Erkenntnisse aus dem Länderspieljahr 2016:

"Das Team hat funktioniert. Da rechne ich alle ein, auch das Betreuerteam. Alle haben sehr gut gearbeitet und alles getan in diesen Situationen. Auch wenn du Spiele verlierst, sind viele gute Dinge dabei, die man den Spielern rein von der Philiosophie her vermitteln und weitergeben kann. Man darf nicht alles kaputtreden, sondern wir müssen ihnen weiter Selbstvertrauen geben. Das hat früher auch geklappt, da müssen wir weiter dran bleiben. Die negativen Dinge dürfen nicht überhandnehmen. Man sollte das Gute in den Vordergrund stellen und seine Ideen vermitteln."


Warum es im ÖFB-Team 2016 nicht lief:


...über das Manko 2016 und die Offenheit für Veränderungen im kommenden Jahr:

"Zur Zeit spielen wir uns Torchancen heraus, aber der Ball will nicht über die Linie. Grundsätzlich haben wir Probleme, Tore zu erzielen. Wir haben nicht diese Lockerheit, es gibt dabei auch keine Selbstverständlichkeit und man kann das nicht als normal annehmen. Trotzdem sollten wir da weitermachen und konsequent diesen Weg weitergehen. Es ist schwierig, kurzfristig Dinge im großen Bereich zu verändern - wenn man eine andere taktische Variante dazunehmen will. Die Dreierkette ist sicher in meinem Kopf drinnen, um noch mehr Druck entwickeln zu können. Da sind viele kleine Dinge, die wird auf dem Platz besser und noch konsequenter machen müssen, um wieder dort hinzukommen, wo wir schon waren."

...über Spieler, die im vergangenen Jahr im ÖFB-Team unter ihren Möglichkeiten geblieben sind:

"Das stimmt! Wir haben uns gesteigert, das ganze Team hat sich entwickelt. Wir waren auf Platz 10 der Weltrangliste. Dass du so weit oben bleiben kannst, ist eine ganz enge Kiste. Es gibt mal Hochs und Tiefs. Dass man abrutschen kann, gehört dazu. Und wichtig ist das Selbstvertrauen. Hat der Spieler das im Klub oder nicht? Viele spielen in Deutschland das ganze Jahr im Abstiegskampf. Die kommen zum Team und haben dieses Selbstverständnis nicht. Das ist aber nötig, um den bestmöglichen Fußball am Limit zu spielen. Jetzt ist diese Kritik auch beim Nationalteam dazugekommen. Damit muss man auch umgehen können. Früher war alles schön, es ist gut gelaufen. Zum Klub werden die Spieler jetzt aber auch noch im Team kritisiert. Es wird gefragt, was sie spielen können und was das Optimum ist. Der eine oder andere bringt das dann nicht mehr. Es ist nicht mehr so, dass dann hier alles schön ist, es gibt auch schlechte Dinge. Das sind alles junge Menschen, das hat viel mit der Psyche zu tun. Da stellt sich dann die Frage: Bist du im Kopf frei, kannst du das umsetzen, bist du locker? Die konditionellen Werte stimmen, aber im Kopf muss es auch stimmen. Da herrscht ein immenser Druck, der nicht leicht wegzustecken ist."


Die Highlights von Österreich gegen Slowakei:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


...über angwandte Selbstreflexion und Fehler, die er sich selber eingesteht:

"Absolut. Ich bin der Erste, der vorne weg gehen und das vermitteln muss. Ich freue mich jedes Mal, wenn die Spieler zum Nationalteam kommen. Ich versuche, sie aufzunehmen, ihnen in die Augen zu schauen und mit ihnen zu sprechen. Am Anfang ist das gut geglückt, im Moment hapert es auch daran, dass sie das nicht aufnehmen können. Ich versuche aber weiter positiv zu bleiben, sie anzutreiben, aber ich weiß auch, dass es in drei, vier Tagen nicht möglich ist, alles auf den Kopf zu stellen und Probleme, die sie mitbringen, in den Griff zu kriegen. Das sind ja mehrere Faktoren. Es ist mein Job, das mit Sportpsychologen zu berarbeiten, aber dass es nicht immer glückt und man nicht immer dieses Händchen hat, ist verständlich."

...über die Hoffnung, dass es 2017 anders und besser wird:

"Da braucht es nicht nur den Teamchef sondern alle dazu. Ich hoffe, dass im Betreuerteam alle dahinter sind. Wir müssen die Spieler unterstützen, aber ich kann nicht 24 Stunden bei den Spielern sein. Wir brauchen diese positive Grundeinstellung, das Innere der Spieler können wir nicht beeinflussen. Diese Unterstützung ist wichtig. Das ist mein Ding, das habe ich immer getan, ob jetzt im positiven oder negativen Ergebnis-Bereich. Das ist die einzige Möglichkeit, zu Spielern hinzugehen, sie zu unterstützen, sie zu fördern und ihnen positive Dinge mitzugeben. Das werde ich solange tun, bis irgendwann das Ende kommt."

...darüber, ob er das Team noch erreicht und die Harmonie stimmt:

"Absolut, ich kann nichts Gegenteiliges spüren. Vielleicht ist einmal ein Spieler sauer, weil er nicht spielt. Aber das ist auch gut und gehört dazu, dass sie sich danach noch mehr reinhängen, es zeigen wollen und sich dementsprechend im Training aufdrängen. Wir versuchen Dinge umzusetzen, die wir ihnen mitgeben. Aber es ist keine Spur, dass irgendwer keine Lust darauf hat, Fußball zu spielen."

...über die Marschroute für 2017 und was er in der WM-Quali sehen will:

"Dass wir gewinnen! Das ist das einfachste. Von der Spielweise her, müssen wir vielleicht auch überlegen, dass wir nicht nur schön spielen, denn wir haben oft gesehen, dass das nicht immer etwas bringt. Vielleicht holen wir mal die Brechstange raus, igeln uns ein oder überlassen dem Gegner den Ballbesitz, um das Spiel zu gewinnen. Was zählt sind die drei Punkte, egal wie. Diese Weisheit kenne ich schon mein ganzes Leben. Wenn du die drei Punkte auf deiner Seite hast, passt vieles. Wenn nicht, ist die Kritik da. Es hat aber nicht nur mit der Taktik zu tun, du musst auch Fußball spielen. Wir haben die Dreierkette vor dem Spiel gegen Island trainiert. Sie waren überrascht, haben aber ihr Spiel gespielt und wir konnten es nicht so umsetzen, um es für einen Sieg zu nützen. Der Gegner erwartet von uns, dass wir spielerisch auftreten. Du kannst sie damit überraschen, dass du dich hinten reinstellt und auf Konter spielst. Die Frage ist aber, ob der Gegner überhaupt mitspielen will."

....darüber, ob Zuwachs im ÖFB-Team 2017 möglich ist oder ob Potenzial ausgeschöpft ist:

"Es gibt immer wieder neue Spieler. Wir haben jetzt drei Spieler zur U21 abgegeben, wenn man dazu noch Lazaro und Sabitzer nimmt - die sind auch noch jung. Aber man muss bedenken, dass nicht jede Position gleich gut besetzt ist. Dass wir bei der U21 Spieler für jede Position haben und alle mitnehmen können ist nicht so. Andere brauchen mehr Zeit, außerdem wird es auch nicht bei Jedem fürs A-Team reichen. Das ist nicht nur in Österreich, sondern in vielen Nationen so. Wir haben drei Spieler abgegeben, die schon in mehreren Lehrgängen dabei waren und die bei uns gegen die Slowakei gespielt hätten. Da sieht man im Training, von der Erfahrung und vom Druck her, dass was da ist. Man kann aber nicht davon ausgehen, wenn jemand drei, vier Mal gut spielt, dass er gleich einen Stammspieler auf die Seite drängt. Zuerst kriegen sie Einsätze, wo sie reinkommen und Erfahrungen sammeln. Wichtig ist, dass wir weiter beobachten und die Möglichkeit haben, auf hohem Level zu spielen."

...über zu große Erwartungshaltung im Umfeld:

"Es ist ja schön, wenn man guten Fußball spielt, alle mit dabei sind und die Leute ins Stadion kommen. Dann freuen wir uns natürlich. Es ist aber auch gerade bei Fans so, dass sie bei jedem Großereignis und bei jeder Endrunde dabei sein wollen. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit, davon kann man nicht ausgehen. In der Weltrangliste unter die Top 30 zu kommen, war unser Ziel vor fünf Jahren und ist Realität, das kann man erreichen. Jetzt waren wir Zehnter. Klar will man mehr, mein Ziel war es, in den einstelligen Bereich zu kommen, das ist im Moment auch wieder weiter weg und schwierig zu erreichen. Wir wissen, wie schwer es war, die Top 10 zu erreichen. Die Luft wird dann natürlich dünner, es wird schwieriger für ein kleines Fußball-Land wie Österreich. Diese Selbstverständlichkeit ist einfach nicht vorhanden. Genauso können wir nicht locker, flockig sagen, dass wir uns für jedes Turnier qualifizieren. Das können Top-Nationen wie Deutschland, Italien oder Frankreich. Österreich ist noch nicht so weit. Ob Österreich irgendwann so weit sein wird? Das wird auch schwierig."


Aufgezeichnet von Alexander Karper




Die besten Bilder vom Länderspiel Österreich gegen Slowakei:

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