Baumgartlinger als "positiver" ÖFB-Außenminister

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Neigt man ein wenig zur Untertreibung, könnte man behaupten, dass die Stimmung rund um das österreichische Fußball-Nationalteam schon einmal euphorischer war.

Der schwache Quali-Herbst, der eine oder andere Rücktritt, die angespannte Personalsituation, zuletzt der Weckruf von Teamchef Marcel Koller in Richtung seiner eigenen Spieler - bezüglich der Zeiten, in denen man sich als ÖFB-Kapitän vornehmlich mit Wohlfühl-Themen beschäftigen konnte, ist derzeit die Pause-Taste gedrückt.

Dieser Luxus war Christian Fuchs in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit gegönnt, aber nicht mehr seinem Nachfolger Julian Baumgartlinger.

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(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


Zwischen positiv und negativ

Wird derzeit rund um den ÖFB aber gar alles zu negativ dargestellt?

"Es ist schon eine kritische Haltung da, das ist nicht von der Hand zu weisen. Es ist aber auch so, dass wir im Herbst nicht die Ergebnisse bestätigt haben, die wir schon einmal hatten. Wir lassen uns ja auch an dem messen, was wir schon einmal geleistet haben. Es ist ja nicht so, dass wir nicht selbstkritisch sind", meint der Leverkusen-Legionär.

Gleichzeitig betont er: "Trotzdem ist es für uns als Mannschaft wichtig, dass wir eine positive Grundstimmung erhalten beziehungsweise erzeugen, sonst wird es schwierig, erfolgreich Fußball zu spielen. Wenn man sich nur von negativen Gedanken, Drucksituationen und Erwartungshaltungen leiten lässt, dann können eben Situationen wie bei oder nach der EURO rauskommen, die wirklich sehr negativ waren. Deswegen haben wir auch über das Jahr 2017 gesagt: Der Herbst ist abgehakt, und jetzt haben wir die Chance, mit fünf Spielen die WM-Qualifikation positiv und erfolgreich abzuschließen. Das ist der Weg."

"Chance" ist das richtige Stichwort

Baumgartlinger ist ein aktiver Kapitän. Ein Spielführer, der offenkundig mit typisch österreichischer Grantelei wenig anfangen kann und stattdessen lieber ansteckend optimistisch gepaart mit einer gewissen Portion Realismus agiert. Worte wie "positiv", "Herausforderung" oder "Chance" ziehen sich durch die Statements des "ÖFB-Außenministers", mit denen er vor dem Showdown in Irland eine gewisse Denkweise vermitteln möchte.

Chance sei das absolut "richtige Stichwort" für den Auftritt in Dublin: "Die Iren haben im Herbst auch gemerkt, was wir können und haben sich deswegen defensiv sehr clever verhalten. Sie wissen, was auf sie zukommt. Wir müssen die Chance einfach sehen und sie langsam auch ergreifen."

Mit einem Sieg sei wieder alles drinnen, weil im Herbst noch die direkten Duelle mit Wales und Serbien warten würden. Zu behaupten, ein Unentschieden wäre zu wenig, würde jedoch zu kurz greifen: "Im Herbst haben wir gesagt, wir müssen auf Sieg spielen, aber zum Beispiel in Serbien hätten wir locker ein Unentschieden erreichen können. Auch das Spiel gegen Irland müssen wir zu Hause nicht unbedingt verlieren. Durch diese Ergebnisse wäre ein Sieg schön und es gilt, nicht zu verlieren. Aber einen Punkt auswärts beim Gruppen-Zweiten mitzunehmen, auch das ist ein Erfolg. Sonst bringen wir uns wieder in Zugzwang. Das wäre falsch."

Vorfreude bei "McBaumgartlinger"

Für Baumgartlinger selbst ist es der erste Auftritt nach monatelanger Nationalteam-Abstinenz. Die beiden März-Länderspiele versäumte er gesperrt beziehungsweise verletzt. Letztmals für Österreich auf dem Feld stand er im November bei der Nullnummer gegen die Slowakei.

Entsprechend groß ist die Vorfreude. Einerseits, weil er die Stimmung im Aviva Stadium seit dem Gastspiel im März 2013 sehr positiv in Erinnerung hat, andererseits weil Michael Gregoritsch dem "Menschenfresser" offenbar nicht umsonst den Spitznamen "McBaumgartlinger" verliehen hat:

"Auch das Duell mit Irland im Herbst war ein imposantes Spiel, weil die Iren einfach einen Männerfußball spielen, wenn ich das so sagen darf. Die schenken dir nichts, sind aber ehrliche Fußballer, die Gas geben ohne zu lamentieren. Ich denke, dass das auch für uns wieder eine Herausforderung sein kann."

In Leverkusen wieder im Rhythmus

Als Herausforderung bezeichnete er auch stets seinen Wechsel von Mainz nach Leverkusen im vergangenen Sommer, und die wurde es schließlich auch. Unter Roger Schmidt pendelte er zwischen Spielfeld und Ersatzbank, während der Verein in der Bundesliga eine unerwartete sportliche Talfahrt hingelegt hat.

"Ich habe natürlich nicht damit gerechnet, dass wir gegen Ende hin auf den Relegationsplatz rutschen können, das hatte keiner eingeplant. Das sollte auch nicht mehr passieren", gibt der 29-Jährige zu.

Dennoch kann Baumgartlinger positive Erkenntnisse aus der Saison mitnehmen, zumindest aus der Schlussphase, schließlich war er unter Schmidts Nachfolger Tayfun Korkut wieder gesetzt: "Ich konnte mir wieder einen Rhythmus holen, habe viele Spiele gemacht, es waren auch einige wirklich gute dabei."

Durch das in persönlicher Hinsicht gelungene Finish sei auch die eigene Position im Verein wieder gestärkt: "Ich hänge es nicht gerne an Zahlen auf, aber ich habe in dieser Saison am Ende doch 30 Pflichtspiel-Einsätze gehabt. Auch unter Roger Schmidt habe ich im Herbst einige Spiele gemacht, aber nicht in der Regelmäßigkeit und direkten Abfolge. Für mein Gefühl, aber auch für das Drumherum war das jetzt schon wichtig."

Schmidt-Rotation als Überraschung

Ob die Rotation unter Schmidt abgesprochen gewesen sei oder eine gewisse Ungewissheit über die zwischenzeitlichen Degradierungen zum Reservisten geherrscht habe?

"Nein, abgesprochen war das nicht. Es war schon so, dass man sich immer wieder ein bisschen hat überraschen lassen müssen. Wir waren auch ein bisschen Opfer unserer Ergebnisse, weil wir einfach immer den Erwartungen hinterhergehinkt und nie in einen Flow gekommen sind, sodass man einmal aus Luxus oder Erfolgsgründen hätte rotieren können. Wir hatten immer das Gefühl, jetzt müssen wir. Das hat es auch den Trainern nicht leicht gemacht. Ich hoffe, dass es in der neuen Saison gleich anders losgeht."

Bleibt nur noch die Frage zu klären, unter welchem Übungsleiter die neue Spielzeit in Angriff genommen wird. "Ich lasse mich überraschen, was in Leverkusen passiert. Das muss ich auch zwangsläufig", grinst der Salzburger.

Vorerst gilt für Baumgartlinger die Konzentration ohnehin dem Nationalteam: "Leverkusen ist nach dem Urlaub wieder ein Thema. Hier beim Team ist alles klar für mich, weiß ich, wer um mich herum ist und kenne ich meine Rolle."

Es ist die Rolle des Kapitäns, der positiv vorangeht.




Textquelle: © LAOLA1.at

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