Beppo Mauhart ist verstorben

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Beppo Mauhart ist am Sonntag im Alter von 83 Jahren verstorben.

Der Oberösterreicher war von 1984 bis 2002 Präsident des heimischen Fußball-Verbandes und damit längstdienender Funktionär in diesem Amt.

Kurz nach seiner Amtsperiode wurde die EURO 2008 nach Österreich vergeben - im zweiten Anlauf. Zuvor bewarb sich Österreich mit Ungarn für die Endrunde 2004 und scheiterte an Portugal, mit der Schweiz gab es 2002 den Zuschlag.

Mauhart folgten Friedrick Stickler und Leo Windtner als ÖFB-Präsidenten.

Der längstdienende ÖFB-Präsident

"Zu meiner Zeit ist der modernste Sportverband des Landes entstanden", betonte Mauhart anlässlich seines 75. Geburtstags stolz über seine Zeit an der Spitze des ÖFB.

Mit mehr als 17 Jahren, neun Monaten und zehn Tagen an der Spitze war der einstige Germanistik-und Zeitungswissenschafts-Student der nach 1945 längstdienende Präsident des Verbandes.

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Unter seiner Führung von Juni 1984 bis April 2002 erfolgte im ÖFB die Schaffung eines finanziell gesunden Fundaments durch bessere Vermarktung. Außerdem wurde das Prater-Stadion mit einer Vollüberdachung versehen und im Oktober 1986 mit dem Länderspiel gegen Deutschland (4:1) neu eröffnet. Auf sportlicher Ebene fielen die zwei WM-Qualifikationen 1990 in Italien und 1998 in Frankreich in seine Amtszeit.

Bekanntheitsgrad, Auftreten und Hartnäckigkeit prädestinieren den stets perfekt gekleideten "Manager der alten Schule" zum Proponenten für Großprojekte.

Der Macher der Heim-EURO 2008

Mauhart ist der eigentliche Macher der EURO 2008, ein Projekt, das er trotz Rückschlägen hartnäckig weiterverfolgte und letztlich auch sein Nachfolger Friedrich Stickler mit dem Zuschlag im Dezember 2002 als Erfolg verbuchen durfte.

"Die EM in Österreich war für mich die Krönung, nachdem es zuvor mit Ungarn als Partner für 2004 nicht geklappt hatte", sagte Mauhart, der in seinem Nebenjob als ÖFB-Chef Verträge mit insgesamt acht Teamchefs abgeschlossen hatte und sich bei seinen Entscheidungen laut Mitarbeitern ungern dreinreden ließ. So soll Mauhart auch als Hauptgeldgeber der Wiener Austria ab 1977 (bis Juni 2004) viele Entscheidungen im Alleingang getroffen haben.

Kritiker warfen dem Vater eines Sohnes gelegentlich Arroganz vor. Beim Debakel um die schwer verschuldete Sportartikelgruppe Head-Tyrolia-Mares (HTM) ging sein Konzept nicht auf. Kurz nach dem Ankauf durch die damals staatliche Austria Tabak erwies sich HTM als Sanierungsfall, der die AT-Bilanzen in Milliardenhöhe belastete. Der Vorstand mit Mauhart trat zurück. In Summe kostete das HTM-Engagement die Republik 3,6 Mrd. Schilling - 262 Mio. Euro.

Mauhart verzichtete, um Stronach zu verhindern

Der in Enns geborene Mauhart begann seine Berufslaufbahn als Angestellter in der oberösterreichischen Viehverwertungsgenossenschaft.

Parallel dazu besuchte er die Arbeitermittelschule, maturierte und ging nach Wien. 1970 wurde er Pressesekretär von Finanzminister Hannes Androsch, mit dem er seit Studententagen befreundet ist. Das war der Startschuss für einen steilen Aufstieg: 1972 wurde der eng mit der Sozialdemokratien verbundene Mauhart in den Aufsichtsrat der Austria Tabak berufen, 1979 wechselte er in den Vorstand. Eine Tätigkeit als Ministersekretär sei generell eine "gute Schule", sagte der "Tabakzar" später.

Als ÖFB-Boss trat er nach fünf Wiederwahlen nicht mehr an. Mauhart räumte nicht ganz freiwillig den Posten. Frank Stronach strebte das Amt an, nach einer Unterredung mit dem Austro-Kanadier verzichteten beide. Stickler wurde neuer Chef des Verbandes.

Auch in der Pension wurde es um Mauhart nicht still. Der Kettenraucher hatte einen Stammplatz in Seitenblicke-Sendungen und Adabei-Kolumnen, war medial weiter präsent.

Im Auftreten stets elegant, eloquent, belesen und kunstinteressiert - so zeigte sich der in Wien-Favoriten lebende Mauhart stets. Seiner Ausbildung blieb er mit der Veröffentlichung einer Reihe von Büchern, darunter "Das Winterpalais des Prinzen Eugen" oder "Staat, Steuern, Gesellschaft", treu.

STECKBRIEF BEPPO MAUHART

Geboren: 14. September 1933 in Enns (OÖ)

Familienstand: verheiratet, ein Sohn

Wohnort: Wien-Favoriten

Ausbildung: ab 1952 Arbeiter-Mittelschule, Matura (1956), Studium an der Universität Wien (Germanistik/Zeitungswissenschaft)

Karriere: ab 1952: Angestellter der OÖ-Viehverwertungsgenossenschaft

1956: Chefredakteur der "Neuen Generation"

1963: Angestellter Freier Wirtschaftsverband und Chefredakteur der Zeitung "Der Selbstständige in der Wirtschaft"

1970: Bundesministerium für Finanzen

1972: Aufsichtsrat der Austria Tabakwerke AG (AT)

1979: Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AT

1984: Wahl zum ÖFB-Präsidenten

1988: Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der AT

1995: Niederlegung des Vorstandsmandates der AT

1997: Aufsichtsrat der Salinen Austria

2002: Ende der Amtszeit als ÖFB-Präsident

seit 2002: ÖFB-Ehrenpräsident

2006 bis 2008: Vizepräsident "2008 - Österreich am Ball"

Größte Erfolge in ÖFB-Präsidentschaft: WM-Teilnahmen 1990 und 1998

Längstdienender ÖFB-Chef nach 1945

Vorbereitung der Bewerbungen um EM-Endrunde 2004 (mit Ungarn als Partner gescheitert) und 2008 (mit Schweiz erfolgreich, bei Vergabe nicht mehr im Amt)

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang»
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