Daniel Bachmann: So geil sind Drucksituationen

Daniel Bachmann: So geil sind Drucksituationen Foto: © GEPA
 

"Bei der EURO im Tor stehen zu dürfen, ist natürlich eine geile Sache", kommentiert Daniel Bachmann die Entscheidung, dass er Österreich bei der EM als Einser-Goalie vertreten wird.

Dies ist der nächste Höhepunkt eines Kalenderjahres 2021, wie es für den 26-Jährigen bislang nicht besser hätte verlaufen können - zuerst der Premier-League-Aufstieg mit dem FC Watford, nun die persönliche Nationalteam-Punktlandung.

"Ich habe im Jänner im Verein meine Chance bekommen und sie genützt. Jetzt habe ich im Nationalteam meine Chance bekommen und bin froh, wenn ich der Mannschaft helfen kann. Jetzt freue ich mich schon auf das erste Gruppenspiel", erklärt der Wiener.

Den Druck, der als EM-Goalie auf ihn zukommt, interpretiert Bachmann jedenfalls nicht als Belastung, sondern als Ansporn:

"Ich muss ganz ehrlich sagen, Druck hatte ich schon in den vergangenen Monaten in jedem Spiel aufgrund der Situation, in der wir mit dem Verein waren. Mit Druck kann ich ganz gut umgehen."

Seine Begründung: "Ich denke, dass viele Sportler mit Druck noch besser spielen. Ohne Druck spielst du eventuell ein bisschen befreiter, aber nur der Druck macht dich noch ein bisschen geiler, noch ein bisschen schärfer, noch ein bisschen aggressiver. Als Sportler gibt es nichts Geileres, als in den größten Drucksituationen zu spielen wie jetzt bei der EM."

Bachmann: "Habe immer an mich geglaubt"

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Worte, die das Selbstvertrauen des Keepers widerspiegeln - und typisch sind für Bachmann. Er hat auch an seinen Durchbruch beim FC Watford geglaubt, als dies viele bereits aufgegeben hatten.

Zu Silvester waren es rund eineinhalb Jahre, in denen er erst eine Saison auf der Tribüne gesessen ist und dann im vergangenen Herbst die Bank gedrückt hat. Zum Jahreswechsel war solch ein Fußball-Märchen in eigener Sache eher nicht absehbar.

"Es ist ein bissl unglaublich, wie das Ganze gelaufen ist", strahlt Bachmann, "ich habe immer gewusst, dass ich ein guter Tormann bin, ich habe immer an mich geglaubt."

Auch der Verein habe an ihn geglaubt, betont der Goalie: "Aber mit einer Legende wie Ben Foster als Konkurrenten habe ich ein bisschen länger warten müssen. Nachdem ich die Chance bekommen habe, ist es natürlich überragend gelaufen mit dem Aufstieg und dem ÖFB-Debüt in England, was es noch ein bisschen spezieller macht."

Zwei Minuten die Ehefrau gesehen

Genau zehn Jahre ist es her, dass Bachmann den Nachwuchs von Austria Wien verließ und bei Stoke anheuerte. 2017 erfolgte die Unterschrift bei Watford, und das schon als Kadermitglied im Nationalteam. Teamchef Marcel Koller glaubte damals schon an das Potenzial des Schlussmanns.

Aber ohne Vereins-Einsätze war es schwierig, im ÖFB-Team eine Chance zu bekommen. Daran änderte auch eine gelungene Leihe nach Schottland zu Kilmarnock nichts. Koller-Nachfolger Foda dachte in dieser Phase zwar schon laut über Bachmann nach, berief ihn jedoch nie in den Kader.

Dass er nun doch noch zu Österreichs Nummer eins avanciert ist, hat sich natürlich auch in seiner Wahlheimat herumgesprochen. Da sein Debüt gegen die "Three Lions" natürlich alle verfolgen konnten, waren logischerweise diverse Reaktionen am Handy:

"Klar habe ich einige Nachrichten von Freunden und Bekannten gekriegt. Meine Frau war auch im Stadion. Es war schön, dass ich sie noch kurz sehen konnte, auch wenn es nur für zwei Minuten war. Leider waren meine Kinder nicht dort, weil es doch ein bisschen spät war."

Vorfreude auf die EURO überwiegt

Der Gefühlsausbruch von Marko Arnautovic am Samstag zeigte, dass Profi-Fußball zu Corona-Zeiten für Familienväter eine schwierige Sache sein kann.

Auch Bachmann redet erst gar nicht lange um den heißen Brei herum und gesteht, wie schwierig es sei, Frau und Kinder so lange nicht zu sehen. Da es aus England kommend derzeit Einreisebeschränkungen nach Österreich gibt, kann die Familie auch nicht für den freien Montag anreisen.

Er sei somit das erste Mal so lange von den Kindern getrennt. "Da muss ich durch. Ich werde zu meinen Eltern fahren und mit ihnen einen schönen Tag verbringen", sagt Bachmann und stellt klar: "Es tut ein bisschen weh, aber die Vorfreude auf die EURO überwiegt."

Wenn man die Möglichkeit hat, sich längerfristig als Nummer eins seines Heimatlandes zu etablieren, nimmt man wohl auch diese schwere Entbehrung in Kauf. Denn daran, wie wichtig ihm das Nationalteam ist, ließ Bachmann über die Jahre keinen Zweifel. Selbst in schwierigen Vereins-Phasen erklärte er immer wieder, dass das ÖFB-Team sein Ziel sei.

Gegen Nordmazedonien das nächste zu Null?

Gegen die Slowakei bestritt er sein zweites Länderspiel und musste dabei einige Chancen entschärfen. Ob er mehr zu tun bekommen habe, als ihm lieb gewesen ist?

"Ich hatte einige Bälle zum Halten, aber dafür bin ich da. Das ist meine Position. Genauso wie ein Stürmer dafür da ist, Tore zu schießen, bin ich dafür da, dass die Bälle nicht ins Tor gehen. Das versuche ich in jedem Spiel zu machen. Am Mittwoch in England hat es leider nicht ganz geklappt, heute hat es geklappt. Ich bin guter Dinge, dass es beim ersten Gruppenspiel auch so sein wird."

Ein zu Null wäre gegen Nordmazedonien schon mal die halbe Miete für einen gelungenen Start in die EURO. Für Watford spielte Bachmann übrigens in 23 Liga-Spielen 13 Mal zu null.

Es sei in jedem Spiel sein Ziel, den Ball nicht ins Tor zu lassen und so der Mannschaft zu helfen: "In den letzten Monaten ist mir das sehr gut gelungen. Dadurch habe ich natürlich ein ordentliches Selbstvertrauen."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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