Özcan: "Es hat einen faden Beigeschmack"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Nach dem Kreuzbandriss von Robert Almer ist Ramazan Özcan zur Nummer 1 des ÖFB-Teams avanciert.

"Es ist komisch, weil es mit Roberts Verletzung ein bisschen einen faden Beigeschmack hat. Ich habe das im Fernsehen gesehen und ihm direkt an diesem Abend geschrieben. Das gehört sich so unter Sportsfreunden", hat der Leverkusen-Legionär gemischte Gefühle bezüglich dieses Karriere-Schritts.

"Mir ist egal, welche Nummer ich am Rücken trage, ich versuche das Beste zu geben - ob mit Nummer 1 oder 99."

"Auch mich kann eine Verletzung treffen"

Özcan, der bislang stets mit der 23 auflief, übernimmt nicht nur Almers Position in der Hackordnung, sondern auch die 1 als Rückennummer.

Einen Neustart seiner bislang mitunter durchwachsenen Länderspiel-Karriere sieht der 32-Jährige jedoch nicht, auch weil man nicht langfristig planen könne: "Verletzungen sind für jeden Sportler brutal bitter. Es bedeutet ja nicht, dass es mich nicht auch treffen kann."

In Serbien lernte Özcan das Gefühl kennen, bei einem Pflichtspiel die Hymne auf dem Feld zu hören. Gegen Irland wird dies erstmals im Happel-Stadion der Fall sein.

Generell würde sich für ihn nicht allzu viel ändern: "Ich habe auch als Nummer 2 im Training Gas gegeben. Was sich natürlich ändert, ist, dass du am Matchtag fokussierter bist. Du wendest deine Abläufe, mit denen du in der Vergangenheit gut gefahren bist, an."

In Österreich keine Wertschätzung für Leverkusen

Wie zuvor im Nationalteam ist der Vorarlberger seit diesem Sommer auch bei seinem Arbeitgeber der Backup. Er wehrt sich jedoch dagegen, dass das Leben einer Nummer 2 - gerade bei einer Top-Adresse wie Bayer Leverkusen - geringgeschätzt wird.

Schon gar nicht würde er auf die Verletzung eines Konkurrenten hoffen: "Nein, darauf wartet man nicht. Man muss einfach da sein, wenn etwas passiert. In den letzten fünf Jahren war ich Stammspieler, habe fast jedes Spiel gespielt. Jetzt bin ich bei einem Champions-League-Verein, der letztes Jahr der drittbeste Verein in Deutschland war und in der Champions League gegen Atletico Madrid im Elfmeterschießen ausgeschieden ist. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. ich finde, es ist ein geiler Verein und bin stolz, dass ich dort gelandet bin. Wenn du dir die Gegenwart anschaust, dass mittlerweile 22-Jährige Stammtorhüter sind, ist es nicht typisch, wenn du von so einem Verein noch so eine Anerkennung bekommst."

Eine Anerkennung, die Özcan hierzulande abgeht: "Ich finde einfach schade, dass aus Österreich keine Wertschätzung gegenüber dem Verein Leverkusen kommt."

Qualitätssteigerung in Leverkusen

Seiner Meinung nach sei die fehlende Spielpraxis, die er in Ingolstadt noch genoss, ob der Klasse seines Klubs auch kein Problem: "Das Training in Leverkusen hat eine so hohe Qualität, sodass sogar eine Qualitätssteigerung dabei ist. Es ist unglaublich, wenn man sieht, welche Spieler wir haben. Es ist ja nicht so, dass du als Nummer zwei nur in der Kabine rumliegst."

Das Risiko, mit dem Gang auf die Vereins-Ersatzbank die Nationalteam-Karriere zu gefährden, war gegeben. Marcel Koller war jedoch in "Rambos" Pläne eingeweiht: "Ich habe das mit dem Teamchef abgesprochen. Ich habe ihm gesagt, dass ich diesen Schritt machen werde."

In Gefahr ist die ÖFB-Laufbahn derzeit überhaupt nicht, im Gegenteil. Für Özcan bietet sich nach dem einen oder anderen unglücklichen Auftritt die Chance auf einen Wendepunkt.

"Ich gebe zu, dass ich Fehler gemacht habe"

Ein Umstand, der in seinen Gedanken jedoch keine Hauptrolle spielt: "Klar ist das bei euch ein Thema, aber für mich nicht wirklich. Ich gebe zu, dass ich Fehler gemacht habe, die zu Toren geführt haben, und ich werde auch noch Fehler machen, weil ich ein Mensch bin. Aber ich mache mir jetzt keinen Kopf wegen irgendwelcher Bilanzen."

Für den Tormann zählt mehr, dass sich seine Hartnäckigkeit doch noch bezahlt macht: "Ich habe meinen Traum immer verfolgt und weiß auch, woher ich komme."

Vielleicht gelingt es Özcan spät, aber doch auch, so manchen Beobachter eines Besseren zu belehren. Denn über seine Qualitäten möchte er aus gutem Grund nicht sprechen: "Fragt die Experten! Es laufen genügend herum, die glauben, sie kennen mich besser, als ich mich selbst kenne."

Peter Altmann



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