Der türkische EURO-Traum 2024 lebt

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Am Donnerstag (19 Uhr - LIVE im LAOLA1-Ticker) empfängt Konyaspor in der Gruppenphase der UEFA Europa League erstmals eine Mannschaft aus Österreich im Europacup.

Der türkische Cupsieger hat am dritten Spieltag den rot-weiß-roten Meister Red Bull Salzburg zu Gast. "Das wird kein Langeweiler", verspricht Fatih Demireli gegenüber LAOLA1.

Der deutsch-türkische Journalist und Herausgeber des Sportmagazins „Socrates“ weiß bestens über den Gegner des Tabellenführers in der Gruppe I Bescheid und erwartet eine Offensivschlacht.

„Konya hat gegen Guimaraes deutlich besser gespielt als in Marseille. Für Salzburg wird es kein Selbstläufer, denn die Mannschaft ist spielerisch gut und Trainer Akcay setzt auf Offensive – sie haben aber auch Schwächen in der Defensive, was Salzburg in die Karten spielen kann.“

Am Mittwoch sind die „Bullen“ rund 2000 Kilometer gereist, um in der von der Fläche her größten Stadt der Türkei (2,2 Millionen Einwohner) ihre Zelte aufzuschlagen.

Bereits beim Abschlusstraining durften sich die Salzburger vom 2014 eröffneten Büyüksehir Stadyumu überzeugen, einem Schmuckkästchen, in dem 42.000 Zuschauer Platz finden.

Dort hätten 2016 Spiele der Fußball-Europameisterschaft stattfinden sollen, doch die Türkei ging bekanntlich im Rennen um den Zuschlag leer aus – Frankreich bekam ihn.

2024 soll sich das ändern.

"Sicher, die politischen Unruhen in den vergangenen Monaten haben nicht für Sympathiepunkte gesorgt, aber die Weltmeisterschaften finden etwa auch in Russland oder Katar statt.“

Nicht nur in Konya steht ein neues Stadion, etwa auch in Bursa (2016) oder Istanbul (Besiktas/2016).

„Die Türkei ist von den Stadien her gut aufgestellt. Man könnte heute dort eine EM spielen. Und ich glaube auch, dass eine reelle Chance da ist, den Zuschlag zu bekommen“, hält Demireli fest.

„Sicher, die politischen Unruhen in den vergangenen Monaten haben nicht für Sympathiepunkte gesorgt, aber die Weltmeisterschaften finden etwa auch in Russland oder Katar statt.“

Noch nie fand eine WM oder eine EM in der Türkei statt. Der große Konkurrent punktet aber mit viel mehr Erfahrung – und der heißt Deutschland. Dennoch ist der Optimismus nicht gebrochen.

„Die Kontakte der Türkei zur UEFA sind sehr gut. Jahrelang war ein Türke Vizepräsident der UEFA, jetzt ist wieder einer hochrangig vertreten. Die Konkurrenz ist mit Deutschland sehr groß, das weiß man in der Türkei – allerdings auch, dass es Probleme gab. Stichwort: Sommermärchen“, so Demireli.

Der Staat nutzt den Sport und besonders den Fußball, um Werbung für sich zu machen. Wie so oft soll ein Groß-Event dafür sorgen, sich von der besten (progressiven) Seite zeigen zu können.

"Dass es die Nationalmannschaft nicht zur WM geschafft hat, hat niemanden überrascht."

„Sport ist wie in vielen Ländern ein Apparat, den man für Eigenwerbung nutzt. Die Türkei ist nicht anders und wird alles investieren, um die EURO zu bekommen“, sagt der türkische Insider.

Der Verband will etwa auch westliche Journalisten für eine PR-Tour einladen.

„Die Türkei ist weiter als bei der Bewerbung 2016. Man hat bewiesen, dass man nicht nur redet, sondern auch umsetzt. Deswegen rechnet man sich Chancen aus. Und auch wenn Deutschland der Konkurrent ist, ist man beim Verband, soweit ich das mitbekomme, sehr zuversichtlich.“

Noch ist das sieben Jahre entfernte Turnier aber freilich kein Thema, somit auch die Gegner-Schar noch nicht so laut. Forderungen, das Geld anderweitig einzusetzen, können schnell lauter werden.

Aktuell keine Werbung betreibt die türkische Nationalmannschaft, die wie Österreich die WM-Endrunde 2018 in Russland verpasst hat. In der Türkei hat man aber ohnehin nicht damit gerechnet.

„Dass es die Nationalmannschaft nicht zur WM geschafft hat, hat niemanden überrascht. Es gibt so viele Querelen innerhalb der Mannschaft, sie war auch noch nie so unbeliebt wie jetzt. Früher war ein Spiel immer ein großes Fest, das ist aktuell nicht so. Die Nationalmannschaft ist am Tiefpunkt. Der Trainer ist unbeliebt, Kapitän Arda Turan ist unbeliebt – es gibt einfach viele Angriffsflächen.“

Zumindest im Klubfußball läuft es dieser Tage nicht so schlecht. Mit Besiktas hat erstmals eine türkische Mannschaft die ersten drei Spiele in der CL-Gruppenphase gewonnen.

In der türkischen Süper Lig führt indes Galatasaray ungeschlagen mit 22 Punkten, den bislang letzten Sieg fuhr der Rekordmeister auswärts gegen Salzburg-Gegner Konya am Wochenende ein (2:0).

„Bislang ist es die hochwertigste Meisterschaft seit Jahren, rein sportlich ist es auf einem guten Niveau“, analysiert Demireli, der auch ein Umdenken bei den kleinen wie großen Klubs erkannt hat.

„Alleine durch TV-Verträge ist in den vergangenen Jahren viel Geld in den Fußball geflossen. Konya war einer der wenigen Klubs, die die gute Idee hatten, das strukturell aufzuziehen und das Geld klug zu investieren, sei es etwa in Infrastruktur oder in Personen im Scouting. Dass sich dieser Weg bezahlt macht, zeigte der erste Pokalsieg der Vereinsgeschichte im Sommer.“

„Digitürk“ blättert pro Saison 557 Mio. Euro für TV-Rechte hin. Nur England (2,7 Mrd.), Deutschland (1,16 Mrd.), Spanien (883 Mio.), Italien (945 Mio.) und Frankreich (590 Mio.) bekommen mehr.

Zum Vergleich: In Österreich sind Anbieter bislang mit 22,5 Millionen Euro pro Saison ausgekommen. Langsam aber sicher wird dieses Geld in der Türkei auch sinnvoll und nicht in Altstars investiert.

„Die kleineren Mannschaften haben profitiert, weil sie nicht in alte Spieler sondern in Infrastruktur oder Jugendarbeit investiert haben. Das hat sich sportlich auch ausgewirkt. Denn die großen Klubs schießen die Kleinen nicht mehr vom Platz. Wiederum sind die selbst am Weg, die Jugendarbeit zu verbessern. Noch stehen sie am Anfang, auch wegen des Verbands, der Alibiregeln bezüglich der Anzahl an Jugendspieler in den Kadern aufgestellt hat. Die Strafe sind verschwindend gering.“

Konyaspor setzt indes auf Scouting. Eine Gemeinsamkeit mit Salzburg gibt es diesbezüglich, die Vorliebe für die Verpflichtung afrikanischer Spieler. Konya hat gleich acht im Profi-Kader.

Irgendwann will Konya mit ihnen Geld machen, wiederum eine Parallele zu Salzburg. Wenn es um junge Spieler geht, hat Salzburg die Nase aber sogar voraus. Die türkischen Klubs sind aber am richtigen Weg.

Erst im Sommer wechselte Cengiz Ünder von Basaksehir zur Roma – für immerhin 13,40 Mio. Euro. Kein türkischer Klub bekam bislang mehr Geld für einen heimischen Spieler in der Geschichte.

Ein Indiz dafür, dass sich das Umdenken im türkischen Fußball auch bezahlt macht.

Büyüksehir Stadyumu
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Konyaspor - FC Red Bull Salzburg
Konya, Büyüksehir Stadyumu, 19.00 Uhr MESZ/live Sky, SR Craig Pawson/ENG

Konya: Kirintili - Skubic, Turan, Filipovic, Sahiner - Bourabia, Jönsson - Fofana, Araz, Milosevic - Eze

Ersatz: Carlgren - Ay, Moke, Albayrak, Bora, Findikli, Evouna, Ezekiel

Salzburg: Walke - Lainer, Miranda, Caleta-Car, Ulmer - Haidara, X. Schlager, Samassekou, Va. Berisha - Dabbur, Gulbrandsen

Ersatz: Stankovic - Onguene, Farkas, Atanga, Yabo, Minamino, Ch. Leitgeb, Rzatkowski, Wolf

Es fehlen: Hwang (Oberschenkelverletzung), Daka (Knöchelverletzung), Pongracic, Stangl (beide im Aufbautraining)


Textquelle: © LAOLA1.at

Ex-Austrianer Petar Filipovic über RBS-Gegner Konyaspor

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