Selmen Sassi: Der 2. ÖFB-Coach bei Southampton

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Dass Ralph Hasenhüttl Chefcoach des Southampton FC ist, weiß jeder, der sich ein wenig für Fußball interessiert. Dass mit Selmen Sassi allerdings noch ein weiterer Österreicher als Trainer beim Klub aus der Premier League arbeitet, ist nur Insidern bekannt.

2015 entschied sich der mittlerweile 30-Jährige, den SK Rapid zu verlassen, um auf der Insel zu arbeiten. "Ich habe eine Woche lang vor dem Arsenal-Trainingscenter gewartet, um Arsene Wenger nach einem Job zu fragen", berichtet der Wiener im Gespräch mit LAOLA1. Der Plan ist nicht aufgegangen, dann landete Sassi bei den "Saints".

Im Interview berichtet er über die Bedingungen in England, die Unterschiede zur Nachwuchsarbeit in Österreich und seine möglichen nächsten Karriereschritte.

LAOLA1: Sie sind seit 2015 Trainer in der Jugend von Southampton. Können Sie vielleicht kurz beschreiben, welche Aufgaben Sie im Trainerteam haben und welche Altersgruppe Sie betreuen?

Selmen Sassi: Ich habe 2015 als Assistant Coach bei Southampton angefangen. Im ersten Jahr hat mir dann jemand aus dem Verein die internen Abläufe gezeigt. Und seit 2016 bin ich Headcoach bei der U15.

LAOLA1: Sie haben ja selbst in der Jugend, unter anderem bei der Admira und bei Rapid, gespielt und später dann in der Wiener Stadtliga gekickt. Wann haben Sie festgestellt, dass Ihre Stärken eher im Bereich des Trainers liegen?

Sassi: Als ich selbst noch Nachwuchsspieler war, hatte ich diesen Traum eigentlich noch nicht. Das Interesse für den Trainerjob hat sich entwickelt, als ich dann selbst in der Wiener Stadtliga und der Regionalliga gespielt habe. Meiner Meinung nach ist der Trainer sowas wie der Maestro eines Teams. Und ich finde auch, dass ein guter Trainer einen Spieler immer noch verbessern kann. Gerade bei Jugendspielern ist es sehr wichtig, dass man die Stärken eines jungen Spielers erkennen und fördern kann. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich im Trainerbereich sicherlich mehr Talent habe als ich es als Spieler hatte.

"Ich habe dann eine Woche lang täglich vor dem Trainingscenter des FC Arsenal gewartet, um Arsene Wenger zu treffen und ihn nach einem Job zu fragen"

LAOLA1: Bis Ende 2014 waren Sie als Nachwuchscoach bei Rapid Wien tätig und ein gutes halbes Jahr später begann dann Ihre Tätigkeit beim FC Southampton. Wie kam es da zum Kontakt zwischen Ihnen und dem Verein?

Sassi: Ich bin schon seit meiner Kindheit ein großer Fan der Premier League. Ich hatte auch immer den Traum, eines Tages selbst im englischen Fußball tätig zu sein. Ich bin dann Ende 2014 an einem Punkt angekommen, an dem ich mich selbst für gut genug hielt, um in England zu arbeiten. Ich hatte eine schöne Zeit bei Rapid. Aber ich habe dann trotzdem mein Engagement beim SK Rapid beendet und bin nach England geflogen, um mir dort einen Job im englischen Fußball zu suchen. Ich war immer schon großer Arsenal-Fan und ich wollte auch eigentlich dort arbeiten. Ich habe dann eine Woche lang täglich vor dem Trainingscenter des FC Arsenal gewartet, um Arsene Wenger zu treffen und ihn nach einem Job zu fragen. Das hat aber leider nicht geklappt. Also habe ich mich dann beim FC Southampton zusammen mit 51 anderen Kandidaten für einen Job als Jugendtrainer beworben. Nach zwei Gesprächen und ein paar Probetrainings habe ich die Stelle dann auch bekommen. Das hat mich selbst ein bisschen überrascht, da viele meiner Mitbewerber vorher schon bei großen Akademien in England tätig waren.

LAOLA1: Southampton setzt sehr stark auf die eigene Jugend. Da ist es ja auch wichtig, dass es zwischen den Jugendabteilungen eine gute Zusammenarbeit gibt. Stehen Sie auch mit den Trainern der anderen Jugendauswahlen und Ralph Hasenhüttl in Kontakt?

Sassi: Ja, die Premier League ist ja eine High-Budget Liga. Wenn man dann als Verein nicht über so ein hohes Budget verfügt, dann braucht man einen Masterplan, um trotzdem in der Liga mitzuhalten. Und gerade Southampton war da einer der ersten Vereine, die versucht haben, die Jugend stärker zu fördern. Da gibt es natürlich auch eine ständige Verbindung zu den Betreuern der anderen Jugendmannschaften. Gerade mit Radhi Jaidi von der U23 stehe ich in sehr engem Kontakt. Ich kannte ihn schon, bevor ich zum Verein kam. Seit 2018 mache ich auch Individualtraining mit einigen Spielern aus seiner Mannschaft. Mit Ralph Hasenhüttl habe ich jetzt nicht so viel Kontakt. Klar treffen wir uns ab und zu bei vereinsinternen Meetings. Aber eine persönliche Beziehung habe ich leider nicht zu ihm. Aber das kann sich ja noch ändern.

Sassi mit Arsenal-Coach Emery

LAOLA1: Heutzutage ist es ja Standard, dass in einem Verein eine durchgehende Struktur besteht bezüglich der Spielweise. Wie sehr hat die Tätigkeit von Ralph Hasenhüttl den Spielstil im gesamten Verein verändert? Denn im Gegensatz zu seinen Vorgängern lässt er ja gerne ein sehr hohes Angriffspressing spielen. Beeinflussen diese neuen Impulse Ihre Arbeit mit der Jugend?

Sassi: Naja, ich glaube jetzt nicht, dass sich die Spielphilosophie des Vereins großartig geändert hat. Southampton war immer schon sehr offensiv ausgerichtet. Diesem Spielstil entsprechend wurde dann Hasenhüttl geholt. Und da die Akademie sowas wie das Herz des Klubs ist, ist es natürlich wichtig, dass in sämtlichen Altersgruppen die selbe Art von Fußball gelehrt wird. Der Verein hat Ralph auch geholt, weil sie wussten, dass er ein Trainer ist, der gerne die Jugend fördert.

LAOLA1: Wie sehr unterscheidet sich die Nachwuchsarbeit in England von der in Österreich?

Sassi: Ehrlich gesagt ist da ein großer Unterschied. Das fängt schon bei den Trainern an. In Österreich gibt es viele gute Jugendtrainer, die bei keinem großen Verein unterkommen, weil es dort immer noch sehr viel Freunderlwirtschaft gibt. Salzburg ist da meiner Meinung nach der erste Verein, der auch eine richtige Struktur im Nachwuchs hat. Als ich bei Rapid war, gab es auch keine wirkliche Trainings- und Spielphilosophie, die sich durch den ganzen Verein gezogen hat. Hier in England wird mit den jungen Spielern auch viel im Bereich Ernährungswissenschaft und Persönlichkeitsentwicklung gearbeitet, damit ihnen der Sprung in den Profifußball leichter fällt. Das ist meiner Meinung nach auch ein Grund, warum es in England mehr Jugendspieler in die erste Mannschaft schaffen.

LAOLA1: Gibt es einen Spieler, den Sie trainiert haben, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist oder gibt es vielleicht aktuell einen besonders talentierten jungen Spieler in Ihrem Team?

Sassi: Es gibt sehr viele Spieler mit großem Potential, auch bei Rapid, die ich trainiert habe. Auch in der letzten Saison gab es einige Spieler in meinem Team, denen ich den Sprung in die Premier League durchaus zutrauen würde. Der Österreicher Christoph Klarer, der jetzt Kapitän bei der U23 ist, ist auch sehr talentiert. Er ist auch ein Beispiel dafür, dass in Österreich oft nicht erkannt wird, wer das Zeug zum Profi hat. Gerade beim Erkennen von Talenten läuft da einiges sehr unprofessionell ab. Wie kann es sonst sein, dass ein Spieler wie z.B. Marko Arnautovic aus sämtlichen Akademien fliegt und dann mit der richtigen Förderung so eine Karriere hinlegt, wie er es getan hat?

"Eine Option wäre der Cheftrainer-Posten bei der U23 des New York City FC"

LAOLA1: Welche Ziele haben Sie in der nächsten Zeit? Wollen Sie eher dem Jugendfußball treu bleiben oder streben Sie ein Engagement im Trainerstab des A-Teams an? Haben Sie vor, die UEFA-Pro-Lizenz zu machen?

Sassi: Es ist für mich jetzt die letzte Phase mit Southampton, weil ich jetzt auch den nächsten Schritt machen will und selbst in einer ersten Mannschaft mitwirken will. Eine Option wäre der Cheftrainer-Posten bei der U23 des New York City FC. Ich war jetzt auch schon ein paar Mal dort und muss sagen, dass es eine spannende Challenge wäre. Mein Ziel ist es sowieso, dass ich eines Tages im Erwachsenenfußball Fuß fasse. Ich habe auch vor, dass ich beim Eignungstest für die Profilizenz antrete. Die Profilizenz zu machen ist in der nächsten Phase meiner Karriere mein größtes Ziel, da ich sie brauche, um eines Tages auch eine Kampfmannschaft betreuen zu dürfen. Ich arbeite sehr gerne im Nachwuchsbereich. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, fehlt mir hier der gewisse Druck. Im Profifußball geht es darum, gute Ergebnisse zu erzielen und Punkte zu holen. Und solange ich nicht in der Situation bin, selbst Resultate erzielen zu müssen, kann ich auch eigentlich noch nicht sagen, ob ich ein guter oder ein schlechter Trainer bin. Ich möchte mich diesem Druck aber auf alle Fälle jetzt stellen.

LAOLA1: Wer sind Ihre Vorbilder?

Sassi: Da ich immer schon ein großer Fan des FC Arsenal war, ist Arsene Wenger seit jeher ein großes Vorbild von mir. Wie er den Klub über Jahre geführt hat, ist schon beeindruckend. Außerdem habe ich jetzt den selben Agenten wie Unai Emery. Dadurch habe ich zu ihm auch eine sehr gute Beziehung. Ich versuche auch viel von ihm zu lernen und er ist mittlerweile ein guter Freund von mir.

LAOLA1: Sie sind ja auch in der Firma Everyone Active in der Abteilung Westway Football tätig? Können Sie etwas über das Unternehmen erzählen? Welche Tätigkeit üben Sie dort aus?

Sassi: Ich wohne in der Nähe der Firma und nach dem schlimmen Hochhausbrand in West-London habe ich dort als Fußballtrainer gearbeitet, um mein Gehalt an die Menschen zu spenden, die durch dieses Unglück obdachlos wurden.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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