Geisterspiele? Fuchs ortet Risiko für Spieler

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Christian Fuchs ist derzeit ein gefragter Interview-Partner.

Schließlich weilt der 33-jährige Leicester-Profi mit seiner Familie in den USA und ist bekanntlich früh aus Manhattan ins eineinhalb Stunden entfernte Landhaus geflüchtet. Die derzeitigen Entwicklungen in der Coronakrise und einer riesigen Zahl an Todesfällen erschüttert den Familienvater. Geplant waren fünf Tage, mittlerweile schottet sich die Familie des Ex-ÖFB-Kapitäns seit drei Wochen ab.

"Es ist sehr beängstigend. Vor ein paar Wochen dachte jeder, es wird bald wieder weggehen. Aber was da in New York passiert, mit 1.600 Toten in den letzten zwei Tagen...", ist Fuchs bei "Sport am Sonntag" im "ORF" sprachlos.

Er selbst musste schnell handeln, bekommt aber durch den "Umzug" aufs Land wenig vom unmittelbaren Krisenherd mit. "Aber hier haben wir einen großen Garten, den Wald, können mit den Quads herumfahren und draußen sein. Das wäre in New York nicht möglich. Wir haben ein Stück Luxus in der aktuellen Situation."

Derzeit gebe es wahrlich Wichtigeres, als an die Rückkehr auf den Fußballplatz zu denken, auch wenn Fuchs als Unternehmer selbst betroffen ist. Die Möglichkeit, den Spielbetrieb wieder mit Geisterspielen anlaufen zu lassen, hinterfragt er jedoch skeptisch.

Risiko bei Geisterspielen auch für Spieler groß

Ob die Premier-League-Saison überhaupt fortgesetzt wird, sei derzeit völlig offen. Der Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohne Zuschauer könnte Fuchs wenig abgewinnen, weil auch in Geisterspielen der Virus weitergegeben werden könnte.

Ob er trotzdem für Spiele ohne Zuschauer ist? "Gute Frage, aber trotzdem sind 22 Menschen oder mehr am Platz und du kommst mit diesen wieder in Kontakt. Da geht es nicht nur um die Zuschauer, sondern auch als Spieler bist du in hautengem Kontakt mit anderen Spielern. Dadurch ist die Chance, dass sich der Virus verbreitet wieder gegeben. Geisterspiele hin oder her - aber die Spieler sind wieder betroffen", würde der Defensivspieler das Risiko nicht eingehen wollen.

Darüber hinaus fühlt er sich an seinem jetzigen Standort sicher, und Gesundheit und Sicherheit für die Familie habe derzeit oberste Priorität. Die Flüge für die Rückkehr nach England waren eigentlich gebucht, doch dann kam alles anders.

"Ich würde mich aktuell sehr unwohl fühlen, wenn ich mich in ein Flugzeug setzen oder auf einen Flughafen fahren müsste", sagte Fuchs. Im Bundesstaat New York sind bisher mehr als 4.100 Menschen mit oder an einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Fuchs will für ein weiteres Jahr unterschreiben

Die aktuelle Situation hat auch Auswirkungen auf seine Zukunft, die weiterhin offen ist. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, eigentlich sollten die Gespräche schon abgeschlossen sein.

"Es ist ganz klar, dass Corona einen Effekt darauf hat. Ich weiß von Leicester und Brendan Rodgers, dass sie unbedingt wollen, dass ich unterschreibe. Das hat sich aber rausgezögert. Es ist schwer für Vereine daran zu denken, wenn sie nicht einmal wissen, ob die Saison beendet wird. Was passiert mit den Verträgen? Meiner läuft mit Juni aus. Was dann? Das sind Themen, die bearbeitet werden."

Was mit vertragslosen Spielern passiert, habe dabei nicht oberste Priorität, dafür hat Fuchs auch Verständnis. Aber: "Das Vertrauen habe ich. Ich bin auf alle Fälle dazu geneigt, für ein weiteres Jahr zu bleiben. Aber ich verstehe, wenn die Verhandlungen derzeit stocken. Da kann man nicht egoistisch sein."

Gehaltverzicht? "Man muss das mit zwei Augen sehen"

Der Außenverteidiger hat in der Debatte um den bisher ausgebliebenen Gehaltsverzicht der Fußball-Profis in der englischen Premier League auch um Verständnis geworben. "Man muss das mit zwei Augen sehen", erklärt der 33-Jährige.

"Einerseits verstehe ich, dass man als Fußballer gutes Geld verdient", sagte Fuchs. "Auf der anderen Seite zahlen wir auch sehr viele Steuern, die auch der Regierung in der Bekämpfung von dem ganzen Problem zugutekommen." Gespräche werden weiterhin geführt. Fuchs, seit 2015 in England tätig, gab sich zuversichtlich, dass es noch zu einer Einigung kommt. "Es wird sicher etwas ausgearbeitet werden."

Neben seinem Schicksal als Sportler ist Fuchs auch als Unternehmer betroffen. Seine Fußballschulen, die Fox Soccer Academy, und sein Sportkomplex in der Nähe von New York City sind schon seit längerem geschlossen.

"Der Staat unterstützt uns schon", schildert er, dass Präsident Donald Trump zwei Billionen für alle Kleinunternehmen versprochen hat. "Eine unangenehme Situation", so Fuchs. "Wir mussten einige Leute entlassen, weil es eine finanzielle Bürde wäre, die zu behalten."

Dafür gebe es derzeit ein Umdenken. Medien und soziale Medien werden genützt, um Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, "weil die Leute einen Ausgleich brauchen. "Wenn man nur zu Hause eingeschlossen ist, ohne sportliche Aktivität, ist es noch frustrierender, als mit dem Ball zu gaberln oder aktiv zu sein."

Textquelle: © LAOLA1.at

Premier-League-Profis wollen nicht auf Gehalt verzichten

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