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"Würde mich natürlich mit Österreich beschäftigen"

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Vor nicht allzu langer Zeit stieg Stipe Vucur mit Wacker Innsbruck aus der österreichischen Bundesliga ab, mittlerweile ist der 23-jährige gebürtige Salzburger über den Umweg Aue beim 1. FC Kaiserslautern gelandet.

Bei den Roten Teufeln ist der Innenverteidiger, nach einer vom damaligen Trainer Kosta Runjaic Mitte September verordneten schöpferischen Pause von zwei Spielen, unter Neo-Coach Konrad Fünfstück wieder absoluter Stammspieler. In seinen zwölf Saisoneinsätzen in der 2. Bundesliga spielte er ebenso wie in den beiden Pokal-Partien immer durch.

Zwar liegen die Lauterer aktuell als Tabellenelfter hinter den Erwartungen zurück, der Sieg in Leipzig gab vor der Länderspielpause aber Aufwind, der den FCK nun wieder in höhere Gefilde tragen soll. Im Gespräch mit LAOLA1 erklärt Vucur was sich seit dem Trainerwechsel geändert hat, warum Kaiserslautern sein erster längerfristiger Verein werden könnte und wie es eigentlich um seine noch nicht gestartete Nationalteam-Karriere steht.

LAOLA1: Stipe, du bist seit Sommer in Kaiserslautern und hast dir auch hier wieder einen Stammplatz erkämpft. Es scheint, als hättest du dich gut eingelebt.

Stipe Vucur: Es wurde mir auch sehr leicht gemacht, ich wurde toll aufgenommen. Ich bin zum Glück gesund geblieben und bis jetzt läuft es bei mir persönlich ganz gut. Wir waren zwischendurch in einem kleinen Formtief, mit dem letzten Sieg in Leipzig hoffen wir aber, dass es wieder bergauf geht.

LAOLA1: Ihr habt auch schon einen Trainerwechsel hinter euch. Was hat sich unter Konrad Fünfstück geändert?

Vucur: Es wurden sehr viele Gespräche geführt, das war in dieser Situation wichtig. Wir hatten aufgrund der Ergebnisse alle nicht das größte Selbstvertrauen, daher wurde darauf geschaut, dass die Spieler wieder das abrufen, was sie stark macht. Der große Unterschied ist, dass wir jetzt versuchen, schneller und direkter nach vorne in die Spitze zu spielen. Unter dem neuen Trainer sind wir gut gestartet, dann aber in ein kleines Loch gefallen. Die Mannschaft muss sich natürlich an den neuen Stil gewöhnen, aber wir harmonieren und es wird von Tag zu Tag besser.

Mit Wacker stieg Vucur aus der Bundesliga ab

LAOLA1: 2014 bist du mit Wacker abgestiegen, jetzt spielst du bei einem großen Traditionsverein in der 2. Bundesliga. Hättest du dir das vor eineinhalb Jahren gedacht?

Vucur: Ehrlich gesagt nicht. Ich habe immer nach Deutschland geschielt und Kaiserslautern als Klub wahrgenommen, wo ich mir gedacht habe, da ist es geil zu spielen, mit dem geilen Stadion und den geilen Fans. Dass ich jetzt wirklich hier bin, freut mich umso mehr. Der Verein hat alles, was zu einem großen Klub dazu gehört, eigentlich ist Kaiserslautern ein Bundesligaverein. Wir werden jetzt versuchen, weiter Gas zu geben und an das Spiel in Leipzig anzuknüpfen. Das wird nicht einfach, aber ich denke, mit dem Verein, seiner Führung, den Fans und dem ganzen Umfeld ist in Deutschland einiges möglich.

LAOLA1: Vom Absteiger aus Österreich ist es vermutlich nicht ganz einfach, in Deutschland unter zu kommen. Wie kam der Kontakt zu Aue zustande?

Vucur: Ich bin in Innbruck schon mehrmals beobachtet worden, damals war noch Falko Götz Trainer in Aue. Als man mich gefragt hat, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könnte, musste ich ehrlich gesagt nicht lange überlegen. Deutschland war für mich schon immer das Ziel.

LAOLA1: Bei den Erzgebirglern hast du eine starke Premieren-Saison hingelegt, musstest am Ende aber wieder den Abstieg hinnehmen. Gab es Überlegungen, mit Aue in die 3. Liga zu gehen oder war klar, dass du weiterziehen würdest?

Vucur: Trotz des Abstiegs war es für mich persönlich eine gute Saison, ich habe viel dazugelernt und auch viele gute Leute kennengelernt. Ich habe bis auf eine Partie, in der ich gesperrt war, alle Spiele gemacht und drei Tore geschossen, es ist gut gelaufen. Mein Vertrag war ohnehin nur für die 2. Liga gültig und da ich eine gute Saison gespielt hatte, war eigentlich klar, dass ich den Verein verlassen würde.

In Aue spielte sich Vucur weiter in den Fokus

LAOLA1: In welchen Bereichen musstest du dich in Deutschland umstellen?

Vucur: In den einen Bereichen weniger, in den anderen mehr, aber eigentlich in allen ein bisschen. Das Medieninteresse ist natürlich auch bei kleinen Vereinen in Deutschland enorm und von Kaiserslautern brauchen wir gar nicht reden, da ist alles nochmal eine Spur größer. Nach dem Wechsel zu Aue war etwa das Tempo und die Robustheit der Liga neu. In Deutschland wird auch von den Schiedsrichtern vieles laufen gelassen, was in Österreich abgefpiffen wird. Die Härte der Spieler, die Härte der Liga und die individuelle Klasse war schon eine Umstellung, auch wenn es natürlich auch in Österreich gute Spieler und gute Mannschaften gibt. Aber die 2. Bundesliga ist sehr ausgeglichen, das hat man letztes Jahr gesehen und auch heuer.

LAOLA1: In welchen Bereichen hast du die größte Entwicklung durchgemacht?

Vucur: Ich habe mich in den Zweikämpfen verbessert, versuche von Spiel zu Spiel mehr Verantwortung zu übernehmen und das Ganze von hinten zu dirigieren. Das letzte Jahr in Aue hat mir einiges aufgezeigt, wo ich mich verbessern muss. Dort war ich einer der jüngeren Spieler, habe aber auch versucht, Verantwortung zu übernehmen, andere Spieler auf dem Feld zu coachen und ihnen zu helfen. Ich denke, da habe ich mich schon deutlich verbessert. Auch an körperlicher Fitness habe ich zugelegt.

LAOLA1: Liegt dir die Rolle als Leader?

Vucur: Speziell auf meiner Position muss man den Spielern weiter vorne helfen, weil man von hinten bessere Sicht hat. Es muss aber immer die eigene Leistung passen, damit man den anderen Anweisungen geben kann. Das lief im letzten Jahr ganz gut und jetzt in Kaiserslautern auch. Das passt mir, ich bin der Typ dafür, einer der gerne Verantwortung übernimmt. Man braucht aber, glaube ich, allgemein in einer Mannschaft viele solche Spieler. So tut man sich leichter, so funktioniert es, dass die Mannschaft Erfolg hat.

LAOLA1: Was bei dir auffällt ist, dass du im Erwachsenenfußball jedes Jahr den Verein gewechselt hast. Es war zwar immer eine Verbesserung, aber gibt es nicht auch Bestrebungen, nicht jeden Sommer umzuziehen und sich auf Neues einstellen zu müssen?

Vucur: Natürlich wäre es cool, wenn man sich einmal länger mit einer Mannschaft einspielen könnte, aber es ist heutzutage ganz normal im Fußball, dass man den einen oder anderen Verein wechselt. Wie du sagst, bei mir war es immer ein Schritt nach vorne und solange das so ist, passt es auch. Jetzt bin ich mit Kaiserslautern bei einem Klub, für den man schon länger spielen möchte und wir haben hier mittelfristig auch andere Ziele als beispielsweise in Aue. Daher könnte ich mir auch sehr gut vorstellen, hier über einen längeren Zeitraum zu spielen.

Transfer von zu
August 2010 Akademie Salzburg SV Seekirchen
Juli 2011 SV Seekirchen USK Anif
Jänner 2012 USK Anif FC Lustenau
Juli 2013 FC Lustenau FC Wacker Innsbruck
Juli 2014 FC Wacker Innsbruck Erzgebirge Aue
Juli 2015 Erzgebirge Aue
  1. FC Kaiserslautern

LAOLA1: Was noch auffällt: Das Thema Nationalteam scheint bislang völlig an dir vorbeigegangen zu sein. Auch in den Nachwuchsmannschaften bist du nie zum Einsatz gekommen. Wie sieht die Situation bei dir aus, im Moment wärst du nur für Kroatien spielberechtigt, richtig?

Vucur: Ich habe nur die kroatische Staatsbürgerschaft, bin aber in Salzburg geboren und aufgewachsen. Ich fühle mich auch teils als Österreicher. Ich bin wie ein geteilter Mensch. Ich habe schon ein Stück von Österreich in mir drinnen. Puncto Nationalteam schauen wir, wie es da weitergeht und wie es kommen könnte. Laut aktuellem Stand wäre ich nur für Kroatien spielberechtigt, wenn es soweit kommen sollte und Österreich Interesse zeigen würde, würde ich mich aber natürlich mit dieser Entscheidung beschäftigen und wäre auch bereit, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen, was in meinem Fall leichter funktionieren würde.

LAOLA1: Kontakt gab es aber noch keinen, weder zum österreichischen noch zum kroatischen Verband?

Vucur: In den letzten Monaten wurde in Kroatien etwas spekuliert, zu mehr ist es aber noch nicht gekommen.

LAOLA1: Bei deiner bisherigen Karriere muss die abschließende Frage kommen: Wo wird Stipe Vucur in der nächsten Saison spielen?

Vucur: Ich gehe davon aus in Kaiserslautern. Ich spiele gerne hier und habe einen Vertrag bis 2018 unterschrieben. Ich gehe es ganz ruhig an, versuche eine richtig gute Saison zu spielen, dem Verein zu helfen, die Ziele zu erreichen. Aber darüber, wo ich nächste Saison spielen werde, mache ich mir jetzt keine Gedanken, das ist noch weit weg. Wichtig ist, dass ich gesund bleibe, gut trainiere und meine Leistung bringe. Der Rest kommt so wie es kommen soll.



Das Gespräch führte Christoph Kristandl

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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