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Nur SIE(ben) haben Marco Rose schon besiegt

Foto: © GEPA

Marco Rose verliert nie, fast nie.

Seit der Salzburg-Trainer 2013 in Österreich angeheuert hat, absolvierte der heute 41-Jährige insgesamt 138 Partien als Trainer der Salzburger U16, U18, U19 (Youth League) und Profis.

Seine unfassbare Bilanz: 100 Siege, 31 Unentschieden und nur 7 Niederlagen. Damit hat der Deutsche 94,9 Prozent (!) seiner Partien in Österreich nicht verloren.

Ausgerechnet der sensationelle 2:1-Sieg in Dortmund am vergangenen Donnerstag markierte Roses 100. Erfolg in seiner Red-Bull-Ära. Nur sieben Trainern gelang es in den vergangenen bald fünf Jahren, Rose zu besiegen  - einer davon ist nun ÖFB-Teamchef.

Franco Foda fügte als Sturm-Trainer Rose die bislang einzige Niederlage bei den Profis zu (1:0/h, 27. August 2017), sechs Betreuer schafften das Kunststück im Nachwuchs-Bereich.

LAOLA1 sprach mit den Rose-Besiegern über den Erfolgstrainer:

Bilanz von Marco Rose als Trainer in Salzburg:

RONALD BRUNMAYR (LASK)

26. April 2014: Fußballakademie Linz U16 - AKA Red Bull Salzburg U16 3:2

Wir haben damals 15 aus 17 Partien gewonnen, hatten also eine sehr gute Bilanz und Spieler wie Marko Raguz oder Dominik Reiter im Kader. Man braucht schon eine sehr gute Mannschaft, um Salzburg zu schlagen. An das Spiel kann ich mich noch erinnern, Salzburg bekam auch eine frühe Rote Karte (15.). Überhaupt kann ich mich an Spiele gegen Red Bull erinnern, weil es Highlights sind. Und das war ein besonderes. Marco und ich waren damals gemeinsam im Trainer-Lehrgang und man hat damals schon gesehen, welch sensationeller Kollege er ist. Sowohl was das Fachliche angeht als auch das Menschliche – auch als Kollege. Er hat den nötigen Respekt, ist für alles offen. Die Statistik lügt nicht, irgendwas muss ja dran sein. Er geht mit 15 Jahre alten Spielern genauso erfolgreich um wie mit Profis. Es wäre schön, wenn er mit Salzburg gegen Dortmund aufsteigt – vor allem für den österreichischen Fußball.

ARNOLD WETL (STURM GRAZ)

30. August 2014: AKA Steiermark Sturm Graz U16 - AKA Red Bull Salzburg U16 5:3

Das ist schon lange her. Ich muss ehrlich sagen, die Erinnerung an diese Partie ist nicht mehr so da. Aber bei einem 5:3 muss es schon rund gegangen sein, denn acht Tore fallen auch im Jugendbereich nicht immer. Natürlich musste sich Marco Rose im Profibereich umstellen, aber als Trainer-Typ hat er sich nicht geändert. Sein Auftreten an der Linie war schon im Jugendbereich so wie jetzt. Diese Coolness, Abgebrühtheit und Lockerheit hatte er schon damals. Wenn man von 138 Spielen 131 nicht verliert, hat der Trainer natürlich großen Anteil daran. Er kann Mannschaften sehr gut einstellen. Ich kenne ihn zwar zu wenig, aber ich schätze ihn so ein, dass er sehr gut analysieren und seine Mannschaften vor allem im mentalen Bereich sehr gut einstellen kann. Das sieht man jetzt ja auch, sie setzen alles sehr gut um. Rose hat damals schon versucht, das System der Kampfmannschaft umzusetzen. Im Jugendbereich ist das nicht immer so einfach. Anlehnung an dieses System versuchen alle Salzburger Trainer zu nehmen, aber mir ist aufgefallen, dass es nicht jeder extrem durchzieht. Bei unserem Sieg waren damals Dario Maresic und Romano Schmid dabei. Sie waren jünger, wurden aber hochgezogen, weil sie schon weiter als die anderen waren. Dass Romano inzwischen auf der anderen Seite steht, ist das Geschäft. Die „Bullen“ wildern gerne bei uns, das ist leider so. Sie versuchen die Besten aus ganz Österreich zu gewinnen. Aber es tut immer weh, wenn man Spieler verliert, egal wohin. Dario macht mir große Freude, er hat sich oben wirklich reingebissen und ist nicht mehr wegzudenken. Ich hoffe, er bleibt bei Sturm. Mir macht es immer eine große Freude, wenn es unsere Talente in den Profibereich schaffen. Das ist auch unser Ziel, wenn wir sie in der Akademie ausbilden. Marco Rose ist den Weg aus dem Nachwuchs zu den Profis gegangen. Ich bin gerne im Jugendbereich, mir macht diese Arbeit Spaß. Ehrlich gesagt ist es nicht mein vorrangiges Ziel, irgendwo im Kampfmannschaftsbereich Fuß zu fassen.

ROMAN STARY (AUSTRIA WIEN)

11. April 2015: AKA Austria Wien U16 - AKA Red Bull Salzburg U16 3:2

Da wir leider nicht sehr oft gegen Red Bull gewinnen konnten, kann das nur mit der U16 (Jahrgang 1999) vor drei Jahren gewesen sein. Wir haben daheim in einem 4-3-3-System gespielt und waren 0:1 und 1:2 hinten, doch durch ein Kopfballtor in der Nachspielzeit von Aleksandar Borkovic haben wir mit 3:2 gewonnen. Ich habe Marco Rose das letzte Mal im Sommer gesehen. Er hat bei der Next-Gen-Trophy in Liefering zugesehen, wo ich mit der aktuellen U16 angetreten bin. Er war sehr interessiert und wir haben ein sehr nettes Gespräch geführt. Ich finde, sein Werdegang ist so, wie er für einen Trainer sein sollte. Er ist nach Salzburg gekommen und hat sich dort einen guten Namen gemacht. Dann hat er mit einer tollen Mannschaft und tollen Leistungen die Youth-League gewonnen und sich dadurch eine Chance bei den Profis verdient und diese genützt. Hut ab, nicht nur vor Marco, sondern auch vor der Vereins-Philosophie, das man ihm diesen Job zugetraut hat. Und ich freue mich für ihn, dass er es so gut macht. Denn er ist ein unheimlich sympathischer Kerl. Er wurde in seiner Zeit als Akademie-Trainer auch von seinen Spielern immer sehr geschätzt. Man hat schon bei seinen Nachwuchs-Teams die klare Handschrift des Trainers gesehen. Er war phasenweise richtig laut an der Linie, aber das sehr positiv und fair seinen Mit- und Gegenspielern gegenüber. Marco ist ein sehr netter Kollege. Und aktuell spielt Salzburg unter seiner Führung einfach die erste Geige in der Liga und das muss man neidlos anerkennen. Natürlich haben sie einen unglaublich großen und qualitativ hochwertigen Kader, aber es zeichnet Marco aus, dass er die vielen Leute bei Laune hält und ihnen Einsatzzeit gibt. Das ist schon beachtlich. Es bekommen nicht nur die Jungen wie z.B. Wolf und Schlager Spielzeit sondern auch internationale Stars. Das alles so toll zu vereinen, muss man ihm hoch anrechnen.

STEFAN FUHRMANN (RAPID):

3. Mai 2015: AKA Red Bull Salzburg U16 - AKA Rapid Wien U16 1:3

Ich kann mich noch gut an das Spiel erinnern, es war eines meiner letzten Spiele als Akademie-Trainer bei Rapid. Es war nicht in dem Sinne ein Duell Rose gegen Fuhrmann, sondern ein Duell mit der Spielphilosophie von Red Bull. Wir haben für das Spiel das System geändert, sind mit einer dynamischen Fünferkette, die in einer vorgegebenen Zone sehr aktiv nach vorne arbeiten musste, und einer Viererlinie davor aufgetreten, also einem 5-4-1. Es hat in gewissen Pressingzonen Pressingsignale gegeben. Wir haben die Räume eng gehalten, hatten ein gemeinsames Verteidigungskonzept und haben blitzschnell umgeschalten. Nach Ballgewinn haben wir versucht, binnen kürzester Zeit in Kontersituationen zu kommen. Unser Matchplan ist zu 100 Prozent aufgegangen. Meine Kollegen und ich haben auf der Bank schon nach zehn Minuten gesagt: „Alles, was wir letzte Woche trainiert haben, geht auf.“ Von Beginn an hat alles gegriffen, Salzburg hatte Probleme, ins letzte Drittel zu kommen. Die Jungs haben das auch gespürt, es war ein typisches Flow-Spiel, wo man merkt, dass nichts passieren kann. An Rose sieht man, dass das Scoutingsystem bei der Trainersuche von Red Bull sehr ausgeklügelt ist, da werden schon im Akademie-Bereich die richtigen Trainertypen geholt. Bei seiner Auswahl hat der Verein ein gutes Händchen bewiesen. Bei den Profis ist seine Handschrift zu sehen, gleichzeitig ist es aber die Handschrift von Red Bull, wenngleich er natürlich federführend und dafür verantwortlich, dass Top-Ergebnisse erzielt werden, ist.

CHRISTIAN WEGLEITNER (ADMIRA WACKER)

10. September 2016: AKA Red Bull Salzburg U18 - AKA Admira Wacker Mödling U18 1:2

An diese Partie erinnere ich mich immer wieder gerne. Es war ein echtes Messen auf Augenhöhe mit dem besseren Ende für uns. Für uns war es ein glücklicher Umstand, dass es ein spielfreies Wochenende für die Profis war und auch die Runde in der Regionalliga für die Amateure abgesagt wurde. Dadurch standen mir die besten Spieler, die für diesen Jahrgang noch spielberechtigt waren, zur Verfügung. Die hatte ich sonst nicht. Es war echt cool, dass wir dort gewonnen haben, da Salzburg davor zuhause sehr lange ungeschlagen geblieben ist. Es war ein intensives Spiel mit hohem Tempo mit dem glücklicheren Ende für uns. Wir haben die Partie genossen, denn wir haben gesehen, dass wir mithalten können, wenn wir alle an Bord haben. Damals haben etwa Marco Hausjell, Florian Fischerauer und Pascal Petlach mitgespielt – sie alle sind ja mittlerweile bei den Profis und kommen dort auch zum Einsatz. Ich habe mit Marco Rose den Elite-Kurs gemacht, er hat ihn aber nach den ersten drei, vier Modulen abgebrochen, um die DFB-Lehrer-Ausbildung zu absolvieren. Er war damals schon so, wie er jetzt im TV rüberkommt. Er ist wirklich nett und hat nicht nur den Fußball im Kopf. Er ist sehr feinfühlig, was die Spieler betrifft. Er beherrscht dieses Handwerk. Roses Handschrift war schon damals zu sehen, weil sie ja eine Salzburg-Idee ist. Ihre Spielidee ist super und lobenswert, weil sie von oben bis ganz unter durchorganisiert haben, wie sie spielen wollen. Sie sind die einzigen, die das so praktizieren. So sollte es auch überall sein. Dadurch hat Salzburg einen echten Vorteil und Vorsprung gegenüber den anderen Klubs in Österreich. Sie "züchten" sich nicht nur ihre guten Leute für ihre Spielidee, sondern auch die Trainer innerhalb des Vereins. Marco verfeinert einiges noch mit einem tollen Co-Trainer. Ich vergönne ihm den Erfolg und wünsche ihm nur das Beste.

ZELJKO RADOVIC (RAPID):

11. März 2017: AKA Rapid Wien U18 - AKA Red Bull Salzburg U18 1:0

Ich kann mich auf jeden Fall an das Spiel erinnern, weil es in den letzten drei, vier Jahren nicht so viele Siege gegeben hat, das war nicht so einfach gegen Salzburg. Die U-Jahrgänge sind genauso dominant wie die Profimannschaft. Ein Rezept, wie man Marco Rose schlägt, ist aber schwierig. Man muss gewisse Phasen überstehen, da muss alles passen. Das war an diesem Tag der Fall, wir waren voll auf Augenhöhe, sind durch Oliver Strunz (12.) 1:0 in Führung gegangen, hätten dann durch Kelvin Arase nachlegen können. Die Chancen haben wir nicht genützt. Es war ein knapper Sieg, der der Mannschaft aber einen Push gegeben hat, um zu sehen, dass man auf höchster Ebene mit den Salzburgern mithalten kann. Der Zeitpunkt war ein guter, weil sie gerade mit den Älteren unter Rose in der Youth League von Sieg zu Sieg geeilt sind – deshalb war es für uns ein Sieg fürs Selbstvertrauen und die Moral. Wir waren damals relativ flexibel, haben auch eine dynamische Dreierkette spielen lassen, aber in diesem Spiel haben wir aus einer fixen Dreierkette mit drei Innenverteidigern herausgespielt, gegen zwei Stürmer, weil wir die Überzahl im Zentrum haben wollten. Da sie in diesem Spiel nicht so die Breite gesucht haben, sind unsere Außenverteidiger nach innen gekommen und haben da Überzahl geschaffen. So konnten wir ihr Zentrum-lastiges Spiel unterbinden. Jetzt spielen sie ja ein bisschen abgeändert bei den Profis, wo sie mehr Breite im Spiel suchen, das war vor ein, zwei Jahren undenkbar. Wir sind unabhängig von den Spielen sehr gut miteinander ausgekommen. Rose war immer respektvoll, es war ein freundschaftliches Verhältnis, als wir durch die Akademie geführt wurden, vor oder auch nach dem Spiel. Er ist eine Win-win-Situation für Salzburg. Er hat sich in der Akademiezeit sehr viele Fähigkeiten angeeignet, die ihm dann bei den Profis geholfen haben, Dinge sofort entstehen zu lassen und den Respekt zu bekommen. Er hat nahtlos mit Spielern zu tun gehabt, die er schon kannte, das ist schon ein Riesenvorteil. Er kennt den Verein sehr gut und hat einen Kader vorgefunden, der trotzdem die Qualität gehabt hat, auch wenn man das im Sommer noch nicht sagen konnte. Wie man sieht, passt die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft sehr gut, sonst wäre so eine utopische Quote gar nicht möglich. Es sind nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Art und Weise, wie gespielt wird. Es ist ein Wiedererkennungswert da, das macht es noch spezieller. Er ist schon auch ein emotionaler Typ, eine gute Mischung zwischen Emotion und ruhiger Sachlichkeit und Fachlichkeit. Nur mit Emotion wirst du nicht führen können. Aber man muss ihm gratulieren, alle vier Tage seinen Mann zu stehen und diese Ergebnisse zu bringen. Viel, viel Respekt von meiner Seite. Die Art und Weise, wie man sich in Dortmund präsentiert hat, der Wiedererkennungswert war klar zu sehen. Sie haben sich nicht eingeigelt, sondern versucht, ihr Spiel 90 Minuten zu bringen. In den letzten Monaten kommt da sehr viel raus. Bei allem Konkurrenzdenken muss man den Hut ziehen vor den Leistungen. Da greift ein Rad ins andere.

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