Thomas Rotter: Mehr Hartberg geht nicht

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Wenn die Spieler des TSV Hartberg am Donnerstag, um 20 Uhr, das Stadion Miejski in Gliwice betreten, ist es ein historischer Moment. Der Klub aus der rund 6.800 Einwohner zählenden Stadt aus der Oststeiermark bestreitet zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Europacup-Spiel. LIVE-Ticker >>>

„Hätte man das vor ein paar Jahren prophezeit, hätte man am Gesundheitszustand des Wortführers zweifeln müssen. Das ist eine unglaubliche Geschichte, von der vielleicht ein paar Leute geträumt haben“, sagt Bürgermeister Marcus Martschitsch in der „Kleinen“.

Vor vier Jahren sah die Fußball-Welt in Hartberg noch ganz anders aus. Die Hartberger hatten eben vor rund 200 Zusehern im Sportpark von St. Florian 2:2 gespielt. Nach neun Runden rangierte der TSV Hartberg in der Regionalliga Mitte schon mit sechs Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Stadl-Paura nur im oberen Mittelfeld.

"Ein Kindheitstraum wird wahr"

Damals schon längst mit von der Partie, inzwischen schon ein waschechtes Urgestein: Thomas Rotter. Der 28-Jährige verkörpert den Klub TSV Hartberg wie kaum ein anderer. Bodenständig, hart arbeitend, sich selbst stets treu.

„Ich lebe hier, bin hier aufgewachsen und habe hier jede Nachwuchsstufe durchlaufen. Das ist ein Kindheitstraum, der wahr wird“, sagt der Abwehrspieler in der „Kleinen“.

Wobei fast zu bezweifeln ist, dass er als Kind tatsächlich zu träumen gewagt hat, mit den Hartbergern irgendwann mal international zu spielen. Seit dem 6. September 1999 ist Rotter als Spieler des Klubs gemeldet. Er war damals siebeneinhalb Jahre alt, und die Kampfmannschaft der Steirer nach dem Meistertitel in der Regionalliga im Playoff an Wattens und somit am Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse gescheitert.

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Rotter selbst hat seine gesamte Fußballerkarriere nie ein anderes Trikot getragen. Der Abwehrspieler ist in der Oberliga Süd Ost für die zweite Mannschaft aufgelaufen, hat in der Landesliga, in der Regionalliga, in der 2. Liga und in der Bundesliga seine Knochen für Hartberg hingehalten.

„Das Stadion hier war und ist praktisch mein Lebensmittelpunkt. In meiner Freizeit bin ich hier im Nachwuchs dem runden Leder nachgejagt. Und auch sonst war ich fast immer hier – die Hauptschule ist ja auch gleich nebenan. Bei mir passt der Begriff Urgestein wirklich wie die berühmte Faust aufs Auge“, erklärte er der „Sportzeitung“ vor zwei Jahren.

15 Stunden pro Woche im Gemeinde-Büro

Der Abwehrrecke ist einer jener Bundesliga-Profis, die nie eine Fußball-Akademie von innen gesehen haben, dafür umso früher im Erwachsenen-Fußball ihre Erfahrungen sammeln konnten. Weil er aber sehr lange Zeit nicht davon ausgehen konnte, später einmal mit dem Kicken seinen Lebensunterhalt verdienen zu können, war er anderweitig alles andere als untätig.

„Ich wollte immer einen Beruf erlernen, habe in der HTL Pinkafeld meine Bautechnik-Matura gemacht und dann als Techniker gearbeitet. Ich wollte immer zwei Standbeine. Das war mir ganz wichtig“, sagt er.

Sein Arbeitgeber abseits des Fußballs: Hartberg. Der Ingenieur ist schon länger in der Gemeinde für die Abteilung „Wasser/Abwasser“ zuständig. Daran hat auch der Bundesliga-Aufstieg im Sommer 2018 nichts geändert, wenngleich sich Rotter als Vollprofi sieht.

„Ich bin weiterhin Gemeindebediensteter und bin 15 Stunden pro Woche im Büro. Man muss ja auch immer an das Leben nach dem Fußball denken“, verriet er der „Krone“ vor drei Monaten.

Wieder Stammspieler

Rotter wohnt in unmittelbarer Nähe zum Stadion, ist der einzige „echte“ Hartberger im Trikot der Mannschaft von Trainer Markus Schopp. „Der Verein ist mein Herz und meine Leidenschaft“, sagt er.

Im August erst hat der Verteidiger seinen Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert. „Thomas hat Geduld bewiesen und ist dafür belohnt worden. Er ist für uns ein sehr wichtiger und zudem kopfballstarker Spieler“, lobte ihn Sportchef Erich Korherr danach.

Tatsächlich hat Rotter in den beiden ersten Bundesliga-Jahren immer wieder schwierige Zeiten erlebt. In der ersten Saison war er nie länger als eineinhalb Monate am Stück Teil der Startelf, 2019/20 brachte er es vor der Corona-Pause überhaupt nur auf zwei Partien von Beginn an. Nach der Wiederaufnahme der Meisterschaft hat sich das schlagartig geändert, Coach Schopp schenkt ihm das Vertrauen.

Das wird wohl auch beim Europacup-Debüt so sein. Und da verzichtet Bürgermeister Marcus Martschitsch dann gerne auf einen Mitarbeiter. „Ich hoffe, dass wir ihm an einigen Donnerstagen freigeben dürfen“, lacht er.

Textquelle: © LAOLA1.at

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