Lukaku: Pleite, Wette, Superstar

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Romelu Lukaku ist eine Erscheinung.

Mit 1,91 Metern und seiner bulligen Statur flößt er den meisten Verteidigern Respekt ein, trotzdem vereint er Robustheit mit technischen Fähigkeiten, Antrittsschnelligkeit und Durchsetzungsvermögen.

Faktoren, die nicht überall so funktioniert haben. Faktoren, die er sich selbst angeeignet hat - von der Pike auf. Doch es waren andere Faktoren, die überhaupt dazu geführt haben, dass der gebürtige Belgier immer das Maximum erreichen wollte, nie aufgab und nun Inter Mailands großer Hoffnungsschimmer auf der Jagd nach dem Europa-League-Titel (FINALE: FC Sevilla - Inter Mailand, Fr., ab 21 Uhr LIVE bei DAZN, Puls 4 und im LIVE-Ticker) ist.

Lukaku wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, seine Familie war pleite. Der Fußball war die einzige Konstante für klein "Rom". Ein Versprechen und eine Wette verschafften ihm den Durchbruch bei RSC Anderlecht, der Rest ist Geschichte.

Aktuell ist der Sohn kongolesischer Eltern mit 33 Toren in 50 Pflichtspielen für Inter on fire und für einige Experten sogar aktuell der gefährlichste Stürmer Europas. Der Lohn dafür, dass er immer schon der Beste sein und der Armut entkommen wollte.

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Gewässerte Milch, keine Elektrizität und heißes Wasser

Beim Portal "Players Tribune" schrieb der mittlerweile 27-Jährige einst über seine Anfänge als Kind: "Jedes Spiel war für mich ein Finale. Wenn ich im Park gespielt habe, war es ein Finale. Wenn wir im Kindergarten in der Pause spielten, war das für mich ein Finale. Ich war todernst."

Lukaku sah sich auf "auf einer Mission", der beste belgische Fußballer aller Zeiten zu werden. Aktuell kann er Inters Bester werden, nämlich dann, wenn er im EL-Finale gegen Sevilla noch einen Treffer folgen lässt - dann würde er nämlich jenen Pflichtspiel-Rekord der brasilianischen Legende Ronaldo aus der Saison 1997/98 egalisieren. Seit dem Aus in der Champions League traf Lukaku in allen fünf Europa-League-Duellen in Folge - zuletzt im Halbfinale gegen Shakhtar sogar doppelt.

Dass der Stürmer jemals in Gefilde wie diese vordringt, war vor gut 20 Jahren nicht absehbar. Jeden Tag gab es im Familienhaus Brot und Milch, Lukaku kannte es nicht anders. Dass die Familie pleite war, realisierte er erst, als seine Mutter die Milch auch noch wässerte, um länger über die Runden zu kommen. Doch damals ließ er sich nichts anmerken, wollte seine Eltern nicht bloßstellen. Auch sein Vater war Profi-Kicker, das ganze Geld war aber schnell aufgebraucht.

"Wir waren nicht nur arm, wir waren pleite", erinnert sich Lukaku, der die Champions League oder die Playstation meist nur aus Gesprächen aus der Schule kannte. Daheim wurde der TV-Anschluss gekappt, teilweise musste die Familie wochenlang ohne Elektrizität auskommen, es gab kein warmes Wasser.

Versprochen ist versprochen...

Eine Zeit, die Lukaku zu dem machte, was er heute ist. Mentale Stärke ist heute ein Schlagwort, doch der Profi-Kicker sieht sich als "stärksten Typen, den du je treffen wirst. Weil ich mich daran erinnere, wie ich mit meinem Bruder und meiner Mutter im Dunklen gesessen bin, wir unsere Gebete aufgesagt haben und daran gedacht, geglaubt und gewusst haben...es wird passieren."

Von seinem Weg, über den Fußball irgendwann einmal seiner Familie helfen zu können, brachte ihn keiner ab. Es war ein Versprechen an sich selbst, als er seine Mutter eines Tages weinend antraf: "Mum, es wird sich alles ändern. Du wirst schon sehen. Ich werde Fußball für Anderlecht spielen, das wird bald passieren. Es wird uns gut gehen. Du musst dir keine Sorgen mehr machen."

Auch seinem Großvater musste er versprechen, dass er sich um seine Mutter kümmern würde. Dieser Wunsch kam unerwartet, fünf Tage später wusste er warum, als sein Opa starb. Mit 16 Jahren für Anderlecht zu spielen, war sein Ziel - ambitioniert, wie alles, was Lukaku angriff. Doch er verfehlte diese Richtmarke nur um 11 Tage.

Der Belgier spielte sich bei Anderlecht nach oben, hatte mit zwölf Jahren schon 76 Tore in 34 Spielen und startete mit 15 Jahren "noch" für die U19 in die Saison, und kam dort von der Bank. Ein Rückschlag, schließlich wollte er mit 16 Jahren unbedingt seinen ersten Profi-Vertrag unterschreiben. Also forderte er seinen Trainer heraus.

Eine Wette, die alles veränderte

Auf den Mund gefallen war Lukaku nie, schon damals hatte er eine stattliche Größe. Eltern im Nachwuchs glaubten ihm sein Alter nicht und machten ihm das Leben schwer. Der Hüne biss sich durch und stellte seinen U19-Trainer trotz Reservistenrolle in der U15 auf die Probe.

"Ich garantiere Ihnen: Wenn sie mich spielen lassen, erziele ich bis Dezember 25 Tore", wettete Lukaku und erntete Gelächter. Da es so unrealistisch war, willigte der Coach ein, drohte allerdings, ihn wieder auf die Bank zu verbannen, wenn er das Ziel nicht erreichen sollte.

Der Spieler hingegen forderte zusätzlich, dass der Trainer im Fall der Fälle die Team-Fahrzeuge reinigen und er dem Team jeden Tag Pancakes machen müsse. Da Lukaku bereits im November 25 Tore hatte, gab es schon vor Weihnachten das tägliche Frühstück.

Mit dieser Visitenkarte ließ ein Anruf von oben nicht lange auf sich warten. Der Youngster solle sofort zu den Profis kommen, das Playoff-Finale um den Meistertitel gegen Standard Lüttich am 24. Mai 2009 stand an. Lukaku konnte es nicht fassen, überhaupt dabei zu sein - am Ende wurde der Angreifer sogar eingewechselt - mit 16 Jahren und 11 Tagen.

"Wir haben das Finale zwar verloren, aber ich war bereits im Himmel. Ich hatte mein Versprechen an meine Mutter und meinen Großvater eingehalten. Das war der Moment, wo ich wusste, dass alles okay wird", gestand Lukaku.

Sportlicher Erfolg und Titel nur Mittel zum eigentlich Zweck

Die Geschichte nahm ihren Lauf. Nach 29 Toren ind 55 Spielen für Anderlecht wechselte der Sturmtank 2011 mit 18 Jahren zum FC Chelsea, wo der große Durchbruch ausblieb. Seine Leihe zu West Bromwich lief mit 17 Treffern in 35 Spielen weitaus besser.

Zum großen Star wurde er beim FC Everton, wo er in 141 Partien 68 Mal netzte und auf Belgiens WM-Zug 2014 aufsprang. Wenn es mal nicht lief, wurde Lukaku schnell kritisiert. Rassismus spielte eine große Rolle. Er selbst beschrieb das so: "Wenn es gut war, hieß es 'Romelu Lukaku, der belgische Stürmer'. Wenn es mal nicht gut lief, war ich sofort Lukaku, der belgische Stürmer mit kongolesischer Abstammung."

Damit kämpfte er bei Manchester United, wo er trotz 42 Toren in 96 Spielen nie so richtig angekommen war. Auch in Mailand war die Situation anfangs nicht leicht, doch Lukaku ließ seine Kritiker mit Leistung verstummen. 78 Millionen Euro ließen sich die Nerazzurri seine Dienste kosten.

Bislang hat sich jeder Cent ausgezahlt. Den vereinsinternen Ronaldo-Rekord hat er vor der Nase, auch wenn er die Gala von "El Fenomeno" bei der WM 2002 nicht im TV sehen konnte, da er keinen hatte. Auch Zinedine Zidanes Traumtor im CL-Finale 2002 gegen Bayer Leverkusen sah er erst, als sich ein Schulfreund das Video heruntergeladen hatte. Auch Thierry Henry hätte er als Kind gerne im "Spiel des Tages" gesehen, dafür arbeitete er vor kurzem mit ihm im belgischen Nationalteam zusammen und schwärmte.

In Wirklichkeit geht es aber um viel mehr als Fußball. Nur zu gerne hätte er noch ein Telefonat mit seinem Großvater. Nicht um ihm zu zeigen, was er alles erreicht hat oder wo er nun spielt. "Das ist nicht, was ich meine. Ich würde mir nur wünschen, dass er noch da wäre, um zu sehen, welches Leben wir jetzt haben. Ich habe es dir gesagt, deiner Tochter geht es gut. Keine Ratten mehr im Appartement, kein Schlafen mehr auf dem Boden, kein Stress mehr. Es geht uns gut", so Lukaku.

Textquelle: © LAOLA1.at

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