AEK Athen - Heimat der Heimatlosen

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Am Donnerstag (LIVE ab 19 Uhr im LAOLA1-Ticker) geht es für die Wiener Austria in der Europa League ins "Endspiel" gegen den aktuellen griechischen Tabellenführer AEK Athen.

Dass AEK aktuell so gut dasteht, ist alles andere als selbstverständlich, denn die jüngste Vergangenheit des Klubs aus der griechischen Hauptstadt hatte es in sich.

Geflüchtet, abgestiegen, insolvent, auferstanden - LAOLA1 klärt über die Geschichte dieses besonderen Klubs auf:

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Wer ist AEK?

"Athlitiki Enosis Konstantinoupoleos" - "Sportvereinigung Konstantinopel": Bereits im Namen des Klubs verbirgt sich dessen Identität.

Die Griechenverfolgung in Anatolien Anfang des 20. Jahrhunderts zwang die dort ansässigen Griechen aus Kleinasien, insbesondere aus Konstantinopel, zu fliehen. Die Geflohenen gründeten dann 1924 in Athen ihren neuen Klub. Dabei ist der Name "Vereinigung" nicht zufällig gewählt, denn Mitglieder verschiedener Vereine aus Konstantinopel schlossen sich unter der Flagge von AEK zusammen. Diese ziert bis heute der byzantinische Doppelkopfadler als Erinnerung an die Herkunft.

AEK gilt seither als Klub für jene, die ihrer Heimat fern sind. Ein stolzer Klub und mit elf Meisterschaften sowie 15 Pokalsiegen nach den Erzrivalen Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen auch der erfolgreichste im griechischen Fußball. Doch die letzte Meisterschaft liegt bereits 23 Jahre zurück.

Die jüngste Vergangenheit

Eines der dunkelsten Kapitel der Vereinsgeschichte ist gerade einmal vier Jahre alt.

Ein Schuldenberg von 160 Millionen Euro sorgte dafür, dass AEK seine Spiele mit nicht mehr als einer verstärkten Jugendmannschaft bestreiten konnten. Zusätzlich wurden dem Klub, als Konsequenz eines Platzsturms durch Hooligans, drei Punkte in der Meisterschaft abgezogen. Aller Einspruch half nicht: AEK stieg erstmals in der 86-Jährigen Klub-Geschichte aus der ersten griechischen Spielklasse ab.

Die Verantwortlichen nahmen den Abstieg als Anlass für einen radikalen Neustart: AEK meldete Insolvenz an, tilgte damit seine Schulden, musste dafür aber freiwillig von der dritten Liga aus den Kampf zurück nach oben antreten.

Das Kunststück gelang auf Anhieb, seit 2015 spielt AEK wieder erstklassig. Möglich gemacht hat das Ganze Präsident Dimitris Melissanidis, einem 66-Jährigen Unternehmer, der sich ein Imperium im Bereich Treibstoff und Öl für Schifffahrt aufgebaut hat und den Klub seit 2013 führt.

Die Gegenwart

Seit vergangener Saison hat der Spanier Manolo Jimenez das Traineramt inne und verhilft dem Team zu beinahe vergessener Stärke. Bereits 2011 gewann man unter Jimenez' Leitung den griechischen Cup. Er lässt seine Mannschaft häufig im 3-5-2-System, das je nach Gegner offensiv oder defensiv interpretierbar ist, auflaufen.

Marko Livaja im Kopfballduell
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Zudem gelang es dem Verein, wichtige Stammkräfte zu halten. Topscorer des Teams sind Lazaros (9 Tore/ 2 Assists) und Las-Palmas-Leihgabe Marko Livaja (6/4). Das Herz des Teams bilden die beiden Sechser Andre Simoes und Jakob Johansson, der zwar für seine Schweden in den WM-Quali-Playoffs den entscheidenden Treffer gegen Italien erzielte, jedoch mit einem Kreuzbandriss lange ausfallen wird.

Der Glaube, erstmals seit 1994 wieder Meister zu werden, lebt - illustriert durch die jüngsten Erfolge. Den Erzrivalen Olympiakos geschlagen, PAOK und andere direkte Konkurrenten besiegt und außer gegen Panathinaikos (1:1) die Athener Derbys für sich entschieden. So steht man nach 13 Runden einen Punkt vor dem Erzrivalen aus Piräus.

Auch International läuft es für AEK wieder: Auf Umwegen, über die gescheiterte Champions-League- und erfolgreiche Europa-League-Qualifikation, hat man nun den Aufstieg in die EL-K.O-Phase in der eigenen Hand.

Eine neue Heimat?

Seit 14 Jahren hat der Klub, konvergent zur Vereinsgeschichte, keine eigene Heimspielstätte. Das Nikos-Goumas-Stadion musste 2003 wegen eines Erdbebens vier Jahre zuvor endgültig abgerissen werden. Zwischenzeitlich spielte AEK in vier verschiedenen Stadien. Nach den Olympischen Spielen 2004 schlugen sie ihr Lager im Olympiastadion von Athen auf.

Nach langer Planung wurde heuer mit dem Bau des "Hagia Sophia" Stadions begonnen und soll 2019 bezugsbereit sein. Auch im Namen des neuen Stadions spiegelt sich die untrennbare Verbundenheit in die alte Heimat Konstantinopel wieder. Es erhält den Namen der ehemaligen byzantinischen Kirche "Hagia Sophia" im alten Konstantinopel. Die Aussicht, bald wieder in einem eigenen Stadion zu spielen, verleiht der Euphorie bei AEK Athen zusätzlichen Aufschwung.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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