Diese Teams wollen auf den EURO-Zug aufspringen

Diese Teams wollen auf den EURO-Zug aufspringen Foto: © getty
 

Rund 20 Monate nach dem ersten Qualifikationsspiel für die ins kommende Jahr verschobene EURO 2020 werden am Donnerstag die letzten vier Tickets für das Großereignis vergeben.

In den vier Finali der Nations-League-Playoffpfade wird in nur einem Spiel über das Turnierticket entschieden. Auch für das ÖFB-Team hat dieser Finaltag Relevanz, so wird im Weg D über den Gegner Österreichs bei der Europameisterschaft entschieden.

Neben Debütanten, Langzeitabstinenten und Überraschungsteams der Vergangenenheit hat das Ende der EM-Qualifikation einiges zu bieten.

Weg A – Ungarn gegen Island

Österreichs Gruppengegner aus dem Jahr 2016 duellieren sich um das letzte Ticket im Weg A. Die Überraschungsmannschaft der letzten EURO im Jahr 2016 besiegte Rumänien in Reykjavik 2:1, um den Einzug ins Finale zu realisieren.

Dieses Ergebnis hatte auch Auswirkungen auf die Gruppe des ÖFB-Teams bei der Endrunde. Rumänien wäre als einer der beiden Ausrichter der Gruppe C zu den Niederlanden, der Ukraine und Österreich gerutscht. Da dies nicht mehr möglich ist, wartet auf das ÖFB-Team der vermeintlich einfachste EURO-Gegner aus Weg D.

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Corona allgegenwärtig

Den ersten Schritt zur Endrunde haben die Magyaren im Oktober mit einem 3:1-Sieg in Bulgarien gemacht, ohne Talisman Dominik Szoboszlai. Wegen positiver Coronatests vor der letzten Länderspielpause verweigerte Double-Sieger Red Bull Salzburg seinen Nationalspielern die notwenige Freigabe.

Das 20-jährige Mittelfeld-Juwel hätte durch die Verwirrung um positive Coronatests bei den Mozartstädtern Anfang der Woche beinahe auch das Entscheidungsspiel gegen Island verpasst. Dank eines negativen Tests konnte der Mittelfeldspieler dennoch zum Nationalteam reisen.

"Leider konnte ich im Oktober nicht im Teamkader stehen, aber ich habe schon öfter gesagt, dass die Partie gegen Island das Spiel meines Lebens wird, selbst wenn man die Spiele gegen große Mannschaften in der Champions League dazunimmt", meint Szoboszlai in einem Interview mit dem ungarischen TV-Sender MLSZ.

Die Mannschaft des an Corona erkrankten Teamchefs, Marco Rossi, rutschte nur knapp in die Playoffs um die EURO-Teilnahme. Nach Platz vier in der Qualifikationsgruppe E hinter Vizeweltmeister Kroatien, Wales und der Slowakei, war es die Performance in der vorangegangenen Nations League, die Ungarn rettete.

Platz zwei in Gruppe C2, einen Punkt vor Griechenland, das den Sprung in die Playoffs nicht mehr schaffte, reichte gerade so, um die zweite Chance auf die EURO am Leben zu halten.

Hammergruppe wartet

Eine zweite Chance, die auch Island erhalten hat. In Qualigruppe H erreichte das Team aus dem hohen Norden Rang drei hinter Frankreich und der Türkei. Trotz einer punktlosen Nations League 2018/19 reichte es für ein Playoff-Ticket, da alle anderen Mannschaft aus Liga A die Qualifikation für die EURO über den herkömmlichen Weg geschafft haben.

Bei der Europameisterschaft 2016 trennten sich Island und Ungarn in Marseille 1:1. Beide Mannschaften schafften es auf Kosten des ÖFB-Teams in die K.o.-Phase. Ein Unentschieden wird am Donnerstag aber nicht stehen bleiben können. Sollte es nach 90 Minuten keinen Sieger geben, kommt es zur Entscheidung in der Velängerung bzw. Elfmeterschießen.

Die Belohnung wäre eine Teilnahme an der EURO. Dort warten mit Deutschland, Europameister Portugal und Weltmeister drei harte Brocken. Für Ungarn gäbe es gegen Portugal und Frankreich sogar zwei Heimspiele. Wer auch immer sich letztlich durchsetzt, in Gruppe F sind Island und Ungarn bestenfalls krasse Außenseiter.

Weg B – Nordirland gegen Slowakei

Auch im Weg B treffen zwei Mannschaften aufeinander, die bei der EURO 2016 die Qualifikation für das Achtelfinale geschafft haben. Österreichs Gegner in der aktuellen Nations-League-Ausgabe, Nordirland, wird vor der Reise nach Wien im heimischen Windsor Park das wichtigste Spiel des Jahres gegen die Slowakei bestreiten.

Im Oktober setzte sich die Mannschaft von Trainer Ian Baraclough im Elfmeterschießen gegen Bosnien und Herzegowina durch und sorgte damit für ein Kuriosum der besonderen Art.

2018/19 schloss Bosnien und Herzegowina die Gruppe B2 der Nations League vor Österreich und Nordirland als Sieger ab. Da sich aber nur die ÖFB-Elf über die EM-Qualifikation für das paneuropäische Ereigbnis qualifizieren konnte, mussten Bosnien und Nordirland in die Playoffs. Wie der Zufall es wollte, trafen die Nations-League-Kontrahenten gleich im Halbfinale aufeinander, wo die Nordiren dafür sorgten, dass ausgerechnet der Gruppensieger keine Chance mehr auf die Endrunde hat, während Österreich auf jeden Fall und der nominelle Absteiger der vergangenen Ausgabe möglicherweise an der ins kommende Jahr verschobenen EURO teilnehmen werden.

Die Slowakei hat sich im Halbfinale auch erst nach Elfmeterschießen durchsetzen können. Die Elf um Kapitän Marek Hamsik beendete die EM-Träume Irlands nach torlosem Spiel vom Elfmeterpunkt.

Dem Sieger des Duells winkt beim Finalturnier ein Platz in Gruppe E bei Spanien, Schweden und Polen und damit Spiele in Bilbao und Dublin.

Weg C – Serbien gegen Schottland

Während 2016 sowohl die Serben als auch Schotten zusehen mussten, kann eine Mannschaft das Ticket für das paneuropäische Turnier buchen. Serbien setze sich im Oktober gegen Norwegen nach Verlängerung durch, um sich ein Heimspiel im Finale zu sichern.

Schottland bezwang Israel im Elfmeterschießen, wo ausgerechnet der israelische Torgarant Eran Zahavi den einzigen Strafstoß verschoss.

Flucht aus Italien

Im Kader der Serben stehen sechs Italien-Legionäre, die von den erlassenen Reisebeschränkungen der italienischen Regierung vor Herausforderungen gestellt wurden.

So berichteten italienische und britische Medien von einer regelrechten Flucht von Inter Mailands Aleksandar Kolarov und Lazios Sergej Milinkovic-Savic. Das Duo ist demnach aus Italien mit Privatjets ausgeflogen, kurz bevor der von lokalen Behörden verordnete Lockdown samt Reise-Einschränkungen griff. Auch bei Fiorentina, Genoa und Sassuolo beschäftigte Nationalspieler durften wegen Corona-Fällen in ihren Mannschaften vorerst nicht ausreisen. "Wir haben ein großes Problem mit den italienischen Klubs", sagte Serbiens Teamchef Ljubisa Tumbakovic zu Wochenbeginn.

Die beiden Fiorentina-Spieler Nikola Milenkovic und Dusan Vlahovic trafen dann am späten Montagabend in Belgrad ein. Inwiefern dies Konsequenzen der Behörden nach sich ziehen wird, war vorerst unklar.

"Anders als Norwegen hat Schottland keine Superstars, aber sie sind eine Mannschaft, in der jeder hart für den anderen arbeitet", warnte der Teamchef. Dies würde auch auf die beiden prominentesten schottischen Spieler, Liverpools Andy Robertson und Scott McTominay von Manchester United, zutreffen.

Die Mannschaft von Trainer Steve Clarke hat gegen Serbien die Chance, ein langjähriges Trauma zu beenden. Schottland nahm 1998 zuletzt an einer Endrunde teil, in der Zwischenzeit stehen zehn misslungene Qualifikationen zu Buche.

Immerhin stimmen die letzten Ergebnisse der Schotten optimistisch. Die Mannschaft von Steve Clark hat die letzten acht Länderspiele nicht verloren, sechs davon gewonnen. Mit Ausnahme eines 6:0-Sieges gegen San Marino und eines 3:1 gegen Kasachstan aber jeweils nur mit einem Tor Vorsprung.

Der Sieger des Duells zwischen Serbien und Schottland darf sich bei der EM-Endrunde auf die Gruppe D mit England, Kroatien und Tschechien freuen. Sollte sich Schottland qualifizieren, winken außerdem zwei Heimspiele gegen Kroatien und Tschechien in Glasgow.

Weg D – Georgien gegen Nordmazedonien

Die Partie mit der größten Relevanz für das ÖFB-Team steigt indes in Tiflis. Georgien und Nordmazedonien duellieren sich in der Boris Paichadze Dinamo Arena um die jeweils erste Endrunde für die beiden Länder, die 1991 ihre Unabhängigkeit erreicht haben.

Georgien setzte sich im Halbfinale mit 1:0 gegen Weißrussland durch, Nordmazedonien gewann ein Nachbarschaftsduell mit dem Kosovo 2:1.

Kurioserweise duellieren sich die beiden Playoff-Finalisten in der aktuellen Ausgabe der Nations League. Beide Mannschaften halten in Gruppe C2 bei sechs Punkten, die beiden Duelle gegeneinander endeten jeweils 1:1, zuletzt am 14. Oktober in Skopje. Für Georgiens Otar Kiteishvili von Sturm Graz endete das Spiel verletzungsbedingt schon nach wenigen Minuten, der Spielgestalter arbeitet nach einem Muskelbündelriss derzeit am Comeback.

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams wird auch am Donnerstag Relevanz haben, da Mazedoniens Stammtorhüter Stole Dimitrievski vom spanischen Zweitligisten Rayo Vallecano wegen einer im Oktober eingehandelten Roten Karte für das Entscheidungsspiel gegen Georgien gesperrt ist.

Doch auch bei Georgien wird ein wichtiger Mann fehlen: Khvicha Kvaratskhelia. Der 19-jähige Mittelfeldspieler von Rubin Kazan wurde Nationalmannschaftskollege Levan Shengelia positiv auf das Coronavirus getestet. Der Russland-Legionär erzielte im Oktober den Führungstreffer gegen Nordmazedonien.

Der Sieger der Paarung darf sich neben der erstmaligen Teilnahme an einem Großereignis auch über einen Platz in der Österreich-Gruppe freuen. In Gruppe C stehen Duelle darüberhinaus Duelle mit den Niederlanden und der Ukraine und Trips nach Amsterdam und Bukarest auf dem Programm.

ÖFB-Team kennt potenziellen Gegner gut

Unabhängig davon, wer sich letztendlich durchsetzt, das ÖFB-Team ist mit beiden Mannschaften vertraut. Gegen Georgien absolvierte die österreichische Nationalmannschaft zwei Partien im Rahmen der Qualifikation zur WM 2018. Einem 2:1-Sieg in Tiflis folgte ein 1:1-Remis in Wien, die WM in Brasilien wurde verpasst, Teamchef Marcel Koller war nach der Qualifikation seinen Job los.

Gegen Nordmazedonien konnte die ÖFB-Auswahl im Rahmen der EM-Quali für das paneuropäische Turnier, das 2020 stattfinden hätte sollen, zwei Siege einfahren. Im Juni 2019 gewann das Team von Franco Foda 4:1 in Skopje, in Wien gab es ein 2:1, das gleichbedeutend mit der fixen Qualifikation war. Nordmazedonien beendete die Gruppe hinter Polen und Österreich als starker Dritter vor den punktgleichen Slowenen, Israel und Lettland.

Textquelle: © LAOLA1/APA Zum Seitenanfang »

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