Blau-Weiß Linz muss System neu interpretieren

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Sieg, Unentschieden, Niederlage – was hat die Achterbahn der Gefühle für Neo-Chef-Coach Günther Gorenzel-Simonitsch und seinen FC Blau-Weiß Linz im 4. Saisonspiel gegen Liefering (Fr., 18:30 Uhr) zu bieten?

Dem Auftakt nach Maß mit dem klaren 5:1 im ÖFB-Cup bei Karabakh Wien folgt das 1:1 zum Meisterschafts-Start daheim gegen Wacker Innsbruck und zuletzt eine deutliche 0:4-Pleite in Wiener Neustadt - Günther Gorenzel-Simonitsch kennt also bereits die gesamte Palette an möglichen Ergebnissen.

"Zu sorglos" in Wiener Neustadt

"Wir waren zu sorglos und haben uns nicht um die neutralen Bälle gekümmert", analysiert der 45-jährige Grazer die deutliche Abfuhr in Wiener Neustadt.

Die Konsequenz aus der ersten Saison-Niederlage - das 4-3-3 der Linzer soll gegen den FC Liefering neu interpretiert werden: "Das System ist unglaublich flexibel. Wir werden es anpassen, das Zentrum verdichten und in der Defensive kompakter stehen", gibt der Trainer die Devise aus. "Harte Arbeit und hundert Prozent Entschlossenheit sind gefragt, oder wie es Gorenzel-Simonitsch ausdrückt: "Es gilt: Zuerst hart arbeiten und dann Fußballspielen!"

Als Chef-Trainer noch unbeschriebenes Blatt

Der Taktikfuchs ist ein "alter Hase" auf der Betreuerbank, aber als Chef-Coach noch ein eher unbeschriebenes Blatt.

Nach dem Studium der Sportwissenschaft in den 1990er-Jahren in Wien begann Gorenzel seine Co-Trainertätigkeit in St. Veit, ehe er 2000 als Assistent von Walter Schachner zum FC Kärnten wechselte. "Sckoko" nahm Gorenzel-Simonitsch in der Folge mit zu Austria Wien, GAK und 1860 München.

Rubin Kazan in Russland, Kaiserslautern, Hoffenheim und U17-Coach bei 1860 München lauteten die weiteren Stationen in den letzten sieben Jahren. In erster Linie als Co-Betreuer von Marco Kurz.

Nach dem Start in eine neue Ära steht Günther Gorenzel-Simonitsch im LAOLA1-Interview Rede und Antwort.

LAOLA1: Wie kam es zur Entscheidung, den Chef-Trainerposten bei Blau-Weiß Linz zu übernehmen?

Günther Gorenzel-Simonitsch: Wenn man knapp 20 Jahre in diesem Geschäft ist, dann muss man sich fragen, was will man in der zweiten Hälfte seiner Laufbahn erreichen. Ich habe mir gesagt, wenn mich der DFB schon zur UEFA-Pro-Lizenz - in Deutschland heißt das ja Fußballlehrer - zulässt und in mir etwas sieht, dann traue ich mir das auch zu.

LAOLA1: Erfordert ihre neue Aufgabe eine andere Herangehensweise an den Job?

Gorenzel-Simonitsch: Ich sehe in meiner Arbeitsweise keinerlei Unterschiede. Ich sehe mich auch jetzt als Teil eines Teams. Das habe ich auch in der Vergangenheit in der Funktion des Co-Trainers immer so gehalten. Ich habe auch in den letzten Jahren viel Verantwortung in den Trainerteams getragen. Jetzt habe ich zwar die Letztentscheidung, aber von der Arbeitsweise gibt es da überhaupt keine Unterschiede.

LAOLA1: Sie haben in Deutschland und Russland gearbeitet. Was haben sie an Eindrücken, Ideen und Arbeitsweisen im Ausland erfahren, die sie nach Linz bringen?

Gorenzel-Simonitsch: Man kann von jedem Spieler und von jeder Persönlichkeiten in einem Verein lernen. Ich habe mit A-Teamspielern aus 68 verschiedenen Nationen zusammenarbeiten dürfen und mit vielen international sehr guten Trainern. Da kann man sich natürlich viel abschauen und auch Dinge mitnehmen.

LAOLA1: Hierzulande sind sie noch immer als anerkannter Konditions-Trainer bekannt. Erledigen sie die Arbeit noch immer selber?

Gorenzel-Simonitsch: Generell lösen wir alles im Team. Was die physische Arbeit anbelangt, war ich in den letzten zehn Jahren nicht mehr involviert, da habe ich mich rein um taktische Inhalte gekümmert. Aber natürlich, wenn man Trainingswissenschaften studiert hat, dann schaut man mit einem genauen Auge dorthin, was in diesem Bereich passiert.

LAOLA1: Wie lautet der Saisonplan mit Blau-Weiß Linz?

Gorenzel-Simonitsch: Die Mannschaft hat im Frühjahr eine sehr positive Entwicklung genommen und diese Arbeit gilt es fortzusetzen. Wir haben uns vorgenommen Schritt für Schritt eine noch aktivere, variablere Spielanlage zu erarbeiten. Wenn du heute aktiv und variabel bist, dann kannst du in verschiedenen Situationen im Spiel und bei den unterschiedlichen Gegnern noch besser reagieren.

LAOLA1: Die Erste Liga hat viele neue Trainer und neu zusammengestellte Mannschaften. Ist das ein Vorteil für BW Linz?

Gorenzel-Simonitsch: Es herrscht in dieser Liga gerade eine neue Standortbestimmung. Zwei, drei Favoriten werden jetzt ein wenig vorne weg marschieren und dahinter wird sich ein breites Feld von Verfolgern formieren.

LAOLA1: LASK ist aufgestiegen, jetzt ist Ried der Derby-Gegner – wie wichtig sind diese Partien?

Gorenzel-Simonitsch: Wir freuen uns auf die Derbys mit Ried. Das werden sicher Saison-Highlights, aber wir werden alle Spiele – speziell daheim – sehr seriös angehen. Die Vorfreude auf die Spiele gegen Ried wird aber noch einmal um etwas größer sein.

LAOLA1: Wer sind ihre Favoriten auf den Aufstieg?

Gorenzel-Simonitsch: Ich kenne drei Vereine, die lieber heute als morgen in der Bundesliga spielen möchten. Um das von West nach Ost anzugehen, sind das Austria Lustenau, Wacker Innsbruck und die SV Ried. Dieses Trio ist für mich von Budget-Seite und Zielsetzung Favorit auf den Aufstieg.

LAOLA1: Wie sieht ihr Spiel-System bzw. ihre Spiel-Philosophie, die sie jetzt neu interpretieren wollen, aus?

Gorenzel-Simonitsch: Die Grundordnung kann man 4-3-3 nennen. Warum 4-3-3? Weil es ein Mehrlinien-System ist, wo du in der Breite und Tiefe mehrere Ebenen hast und daraus ergeben sich mehrere Möglichkeiten, wie du situativ reagieren kannst. Am Ende des Tages ist für mich nicht die Grundordnung, sprich das System entscheidend, sondern wie die Spieler dann situativ nach Prinzipien in gewissen Spielsituationen reagieren. Das ist für mich entscheidend.

Das Gespräch führte Peter Rietzler

Textquelle: © LAOLA1.at

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