Ried droht Super-Gau: "Wir haben versagt"

 

Die SV Ried steht vor der letzten Runde in der Ersten Liga mit dem Rücken zur Wand!

Das 1:1 in Wattens war laut Kapitän Thomas Gebauer ein weiterer "Nackenschlag", mit drei Punkten Rückstand auf Wiener Neustadt besteht nur dank des besseren Torverhältnisses noch eine Mini-Chance auf Rang drei und die Relegation bzw. den Aufstieg in die Bundesliga.

Der Frust sitzt tief. "Es ist ein Scheißgefühl! Wir haben versagt", bringt es Lukas Grgic mit Tränen in den Augen bei "Sky" unverschönt auf den Punkt.

Sportdirektor Fränky Schiemer beantwortet die Frage, ob Ried mit solchen Leistungen überhaupt berechtigt sei aufzusteigen ganz klar mit: "Nein!"

"Wir reden uns immer auf den Schiri aus"

Dabei scheint es, als würden die Innviertler nicht aus den eigenen Fehlern lernen. Während einige doch Selbstkritik übten und die Verfehlungen in den eigenen Reihen suchten, verflüchteten sich andere in Ausreden und auch in der Kritik am Schiedsrichter.

Doch Grgic hält fest: "Wir reden uns immer auf den Schiri aus, der einen Fehler macht, aber wir machen schon die ganze Rückrunde gravierende Fehler. Wir müssen schauen, dass wir die Spiele gewinnen und dann auf die anderen schauen."

Schiemers Kritik richtete sich ebenfalls an die eigene Mannschaft, auch den Ärger der Fans, die vom Kapitän beruhigt werden mussten, kann er nachvollziehen: "Ich kann es verstehen, die Emotionen gehen hoch. Wir haben uns alle mehr erhofft – die ganze Saison über. Es fehlt immer das Quäntchen. Wir haben schon in zehn Spielen eine Führung hergegeben – ich glaube so oft wie keine andere Manschaft. Momentan haben wir es uns noch nicht verdient aufzusteigen, aber vielleicht haben wir es nach dem letzten Spiel verdient."

Andere jedoch fanden in Schiedsrichter Dominik Ouschan den Sündenbock, dass gegen Wattens kein Sieg herausschaute. Immerhin führte Ried bis zur 90. Minute mit 1:0, ehe ein Foul-Pfiff die Gemüter der Wikinger erregte. Durch den Freistoß fiel schlussendlich der 1:1-Ausgleich in der 92. Minute durch Michael Steinlechner.

Chabbi in Rage und für "Finale" gesperrt

Das vermeintliche Vergehen von Marcel Ziegl an Niko Schneebauer brachte Stürmer Seifedin Chabbi dermaßen in Rage, dass er kaum zu beruhigen war.

"Wir spielen um den Aufstieg. Dann pfeift er ein Foul, das er nie und nimmer geben darf. Das hat mit Qualität zu tun. Das geht einfach nicht. Das ist unglaublich", schimpfte der Torschütze, der Ried noch in der 85. Minute jubeln ließ, darauf los. "Wir führen 1:0, es läuft die 90. Minute, in einer Top-Liga lacht man darüber."

Harte Kritik, die er scheinbar auch nach dem Schlusspfiff lauthals äußerte. Denn für das Poltern gegen den Schiri sah er noch Gelb-Rot, damit fehlt er im entscheidenden Spiel am Freitag gegen den Kapfenberger SV.

"Natürlich, es war dumm von mir, auch für die Mannschaft. Aber in so einem Moment geht man auf 180 und denkt nicht nach", rechtfertigt sich der 22-Tore-Mann. Rückendeckung bekam er von Thomas Weissenböck.

"Dann können wir aufhören, Fußball zu spielen"

Denn auch der Ried-Coach lederte gegen den Referee.

"Ich muss aufpassen, was ich jetzt sage, wenn ich so eine Situation sehe. Wir haben uns wirklich reingebissen, das ist in so einer Situation nicht einfach. Wenn du in Führung gehst und dann so einen Ausgleich bekommst – da habe ich kein Verständnis dafür. Unterm Strich geht es darum, zu gewinnen und das haben wir nicht gemacht. Mit solchen Schiedsrichter-Entscheidungen ist das aber schwierig."

Dabei verteidigte er auch den emotionalen Ausbruch von Chabbi: "In so einer Situation, wenn so ein Freistoß gepfiffen wird, kann ich schon mal nachvollziehen, wenn ein Spieler unzufrieden ist. Wenn solche Schubser immer gepfiffen werden, können wir aufhören, Fußball zu spielen."

Anders hingegen reagierte Gebauer, der von einem "Allerweltzweikampf" sprach, sich jedoch nach Studium der TV-Bilder selbst korrigierte und zugab, dass man den Freistoß geben kann. "Er hat dann doch die Hände dran und drückt. Dann sind wir selber schuld, zu doof in gewissen Situationen. Jetzt haben wir nur mehr ein Spiel, mal schauen, was da rauskommt."

Schiemer muss auf Ex-Kollegen bei Liefering hoffen

Ist der Aufstieg somit abgehakt? Von wegen. Die Rieder wollen zumindest bis zum Schluss kämpfen. "Solange es rechnerisch möglich ist, natürlich, warum nicht", so Chabbi.

Schiemer lässt nichts unversucht, wohlwissend, dass der Liga-Verbleib große Einschnitte für den Verein bedeuten würde - sowohl sportlich als auch finanziell. So hofft er auf seine ehemaligen Weggefährten beim FC Liefering, das am Freitag Wiener Neustadt noch abfangen soll.

"Ich glaube an meine ehemaligen Kollegen in Liefering, dass die noch einen guten Abschluss haben und gewinnen wollen. Wir brauchen schon Glück in der letzten Runde, das wir noch als Sieger vom Platz gehen. Wir können nur hoffen. Gegen Kapfenberg werden wir sicher nochmal sehr viele Leute im Stadion haben und werden alles versuchen. Wir wollen die letzte Chance, die sich uns bietet, wahrnehmen und dazu gilt es, alles reinzuwerfen, was wir haben."

Die weitaus bessere Ausgangsposition hat jedoch Wiener Neustadt.

Neustadt-Coach Mählich: "Den letzten Schritt setzen wir auch noch"

Die Niederösterreicher haben drei Punkte Vorsprung, ein Zähler würde bereits reichen, um - je nachdem wie die Lizenzfrage um Hartberg entschieden wird - entweder für die Bundesliga planen zu dürfen oder zumindest für die Relegation.

"Wir hatten schon viele Schnittpartien. Ein Schritt fehlt noch, und den setzen wir auch noch", ist Trainer Roman Mählich zuversichtlich. "Wir haben uns eine wirlkich gute Ausgangsposition für das Entscheidungsspiel geschaffen. Aber ich weiß, wie schwer es gegen Liefering wird."

Auf ein Ergebnis zu spielen, ist nicht der Plan. Viel mehr will man sich mit jenem Spiel, mit dem man das ganze Jahr über Erfolg hatte, für höhere Aufgaben aufdrängen.

"Unentschieden spielen geht nicht. Das wird noch ein Prüfstein für meine Mannschaft. Aber wir haben uns im Frühjahr auch mental entwickelt. Je näher es dem Ende zugegangen ist, desto kräftiger war der Zusammenhalt und das Nervenkostüm wurde stärker. Das war zuletzt ausschlaggebend."

Wiener Neustadt oder Ried? Für Zweitere wäre der Nicht-Aufstieg der Super-Gau.

Textquelle: © LAOLA1.at

Erste Liga: Nächster Dämpfer für Ried im Aufstiegskampf

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