Fuchs über die Probleme der Liga-Reform

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Erwin Fuchs hat seine Meinung zur Liga-Reform nie für sich behalten.

Der Erste-Liga-Vorsitzende und KSV-Boss ist klarer Gegner des neuen Formats. Ab der Saison 2018/19 wird die Bundesliga bekanntlich auf zwölf Teams aufgestockt, die zweite Spielklasse wird aus 16 Teams bestehen und ist keine reine Profi-Liga mehr. (HIER alle Details zur Reform!)

Fuchs sieht im Gespräch mit LAOLA1 mehrere Probleme auf die zweitklassigen Teams zukommen. Dabei handelt es sich nicht nur um finanzielle Aspekte.

Erwin Fuchs
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Die Jungen können sich nicht mehr zeigen

Einen entscheidenden Nachteil gegenüber dem aktuellen System sieht der KSV-Präsident in der offenen Frage der TV-Übertragung. Noch ist unklar, in welcher Form die zweite Liga zu sehen sein wird.

„Jeder von den jungen Spielern hat gewusst, wenn ich in die zweite Spielklasse gehe, habe ich eine Chance durch die gute TV-Übertragung gesehen zu werden. Das schmerzt natürlich enorm, dass dieser Vorteil mit einem Schnitt verloren ist“, spricht Fuchs die vielleicht größte Problematik neben dem fehlenden TV-Geld an.

Gerade bei einem Ausbildungsverein wie Kapfenberg, der auf Spielerverkäufe angewiesen ist, ist fehlende TV-Zeit doppelt bitter.

„Es wird nicht leichter, an Sponsoren ranzukommen. Wir sind stundenlang zusammengesessen. Jeder sagt, wenn es keine TV-Zeiten mehr gibt, muss man Abstriche bis zu 50 Prozent machen. Das ist sehr schwierig für uns“, fürchtet Fuchs weitere finanzielle Einbußen.


Wird man solche Traumtore in Zukunft noch im TV bestaunen können?

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt!)

Ganz hat der 62-Jährige die Hoffnung aber nicht aufgegeben: „Man muss schauen, dass man das so gut wie möglich weiterverhandelt, damit zumindest ein Spiel pro Runde, oder vielleicht sogar zwei oder drei, übertragen werden. Das ist unsere Hauptaufgabe.“

Wie sieht die Infrastruktur aus?

In Sachen Stadien könnten sich allerdings bereits die nächsten Schwierigkeiten für passable TV-Aufzeichnungen ergeben. „Wir begeben uns auf Amateur-Ebene. Ich hoffe, wir werden dann auch in Stadien spielen, in denen TV-Übertragungen möglich sind“, gibt Fuchs zu bedenken.

An welchen Wochentagen und zu welchen Uhrzeiten gespielt wird ist ebenso noch offen. Alle Spiele am Freitagabend, wie es seit Jahren praktiziert wird, ist nahezu auszuschließen.

„Es wird vermutlich so sein, dass sich die zweite Liga die Termine selbst richten kann, wie zurzeit die Regionalliga. Das ist auf der einen Seite ein gewisser Vorteil, die ordentliche Abwicklung für den Fan geht aber verloren“, ist der Liga-Präsident nicht ganz zufrieden.

Ergibt sich der Aufsteiger von selbst?

Apropos Stadien: Die werden in Zukunft ein noch größeres Kriterium beim Aufstiegskampf spielen. Die Lizenzkriterien für die Bundesliga wurden verschärft.

„Aus heutiger Sicht gibt es nur vier Stadien, die die Möglichkeit bieten, in den nächsten Jahren Bundesliga zu spielen. Das ist Innsbruck, der LASK mit Abstrichen, Kapfenberg muss noch ein paar Maßnahmen treffen und Austria Klagenfurt, die sind aber leider Gottes nicht mehr in der Liga“, so Fuchs.

Zudem wurde in Wiener Neustadt ein Stadion-Neubau beschlossen, in Lustenau wird darüber ebenfalls diskutiert.

Kommt das große „Wettrüsten“?

Auch vor dem kommenden Transfer-Sommer warnt Fuchs. Immerhin gibt es in der Saison 2017/18 zwei Fixaufsteiger, hinzu kommt ein Relegationsspiel zwischen dem Dritten der Ersten Liga und dem Letzten der Bundesliga. Die Chance aufzusteigen ist so groß wie nie zuvor.

Dass einige Teams ein finanzielles Risiko eingehen werden, um den Aufstieg zu schaffen, ist für Fuchs normal: „Jetzt geht es daran, die Lizenzierung für die kommende Saison zu bekommen. Dann werden sicher einige Teams versuchen, mit aller Gewalt vorne dabei zu sein. Das ist ja ganz logisch.“

Ob sein KSV auch aufrüsten wird? „Wir werden uns das in Ruhe überlegen. Pflichtaufstieg – dieses Wort kennen wir nicht“, will der Präsident keinen Druck aufbauen.

Dennoch hofft Fuchs natürlich auf die Bundesliga, vielleicht sogar noch dieses Jahr.

Der Rückstand auf Leader LASK beträgt zehn Punkte: „Ich spekuliere schon mit dem Aufstieg. Zehn Punkte sind natürlich ein großer Unterschied. Aber wenn der Start gut ist, könnte man überlegen noch ein Wörtchen mitzureden. Aber so vermessen bin ich nicht, den Aufstieg als Ziel auszulegen“

Chabbi warnt vor weiteren Problem

Unterstützung erhält Fuchs punkto Liga-Reform von Lustenau-Trainer Lassaad Chabbi, der um seine Berufsgruppe fürchtet: „Ich bin ehrlich gesagt voll gegen die Reform. Wir haben jetzt 20 Profi-Trainer, nach der Reform gibt es vielleicht nur noch zwölf.“

Doch das ist nicht das einzige, was Chabbi Sorgen bereitet: „Die Professionalität wird sinken. Und es wird immer schwieriger werden, von der zweiten Liga in die Bundesliga zu kommen. Der Unterschied ist riesengroß.“

Fuchs versucht positiv zu bleiben

Bei all den Bedenken versucht Fuchs dennoch positiv in die Zukunft zu blicken: „Das ist wie bei einem Wahlkampf. Drei waren dagegen, der Rest war nicht stimmberechtigt oder stimmte für die Reform. Das ist nun so und jetzt muss man gemeinsam diesen Weg beschreiten und das Beste daraus machen.“

Er kann der Reform sogar eine gute Sache abgewinnen: „Mannschaften, die nur in der zweiten Liga spielen wollen und nicht an einen Aufstieg in die Bundesliga denken, haben deutlich weniger Druck bei der finanziellen Situation.“

Möglicherweise ändert sogar noch einer der größten Kritiker seine Meinung zur Reform.

Textquelle: © LAOLA1.at

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