Daxbacher: "Nie wieder unter Schinkels"

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Karl Daxbacher hat ein bewegtes Jahr hinter sich.

Im Februar 2016 sorgte der 63-jährige Trainer-„Sir“ für ein fulminantes Frühjahr des SKN St. Pölten in der Ersten Liga und führte die „Wölfe“ mit Punktrekord in die Bundesliga.

Dort hielt die Euphorie allerdings nicht lange an.

Nach enttäuschenden Ergebnissen sowie Problemen mit Sportdirektor Frenkie Schinkels musste Daxbacher im Oktober seinen Hut nehmen. Nun kehrt er auf die Trainerbank zurück und möchte beim FC Wacker Innsbruck seinen Ruf als „Aufstiegs-Experte“ gerecht werden.

Bei LAOLA1 spricht Daxbacher über den Reiz Wacker Innsbruck, mangelnde Professionalität der Wacker-Kicker und sein Ende bei St. Pölten.

LAOLA1: Wie haben Sie sich in Tirol eingelebt?

Karl Daxbacher: Das war komplett unkompliziert. Das haben mir die anderen Betreuer und die Klubverantwortlichen sehr leicht gemacht. Und ich bin normalerweise auch ein sehr zugänglicher Mensch. Klar ist mir bewusst, dass hier kurzfristig Erfolg her muss, aber das ist wieder eine Herausforderung.

LAOLA1: Sie sind zu einer recht turbulenten Zeit zum Verein gestoßen – es soll finanzielle Schwierigkeiten geben, der Präsident ist zurückgetreten und sportlich verlief der Herbst alles andere als nach Wunsch. Wie haben Sie das mitbekommen?

Daxbacher: Die sportliche Seite natürlich sehr stark. Der Start in die Meisterschaft war nicht gut (nur zwei Siege in den ersten zehn Spielen, Anm.). Aber unter Thomas Grumser ist es gut gelaufen. Von den anderen Schwierigkeiten habe ich eigentlich wenig gewusst. Da bin ich auch nicht genauer informiert, um das einschätzen zu können. Das ist auch nicht meine Aufgabe. Wir hoffen auf einen Aufschwung, sowohl wirtschaftlich als auch sportlich.


VIDEO: So endete für Wacker die Herbstsaison!

(Artikel wird nach dem Video fortgesetzt)


LAOLA1: Wie war der erste Eindruck von der Mannschaft?

Daxbacher: Sie haben durch die letzten Spiele vor der Winterpause noch einmal Selbstvertrauen gewonnen. In der Vorsaison habe ich es miterlebt, wie sie einen tollen Start hingelegt haben und dann ziemlich eingebrochen sind. Dieses Jahr war es fast ein bisschen umgekehrt. Es zeigt aber, was in der Mannschaft steckt. Sie haben gegen Ende des Herbstes LASK und Liefering geschlagen, das sind die Topteams dieser Liga. Der Rückstand ist jetzt natürlich schon so groß, dass es nicht realistisch ist, noch ganz nach vorne zu kommen. Wir wollen ein möglichst gutes Frühjahr spielen, damit der Optimismus bleibt und der Glaube an den Aufstieg nächstes Jahr herrscht. Wir haben das Glück, dass wir fast verletzungsfrei durch die Vorbereitung gekommen sind und uns wahrscheinlich alle Spieler zur Verfügung stehen. Wir haben in der Vorbereitung versucht, aus den Trainingsmöglichkeiten, die da waren, das Optimale herauszuholen. Das Trainingslager hat leider nicht stattgefunden.

LAOLA1: Das Trainingslager in Ägypten wurde abgesagt, da die Spieler Sicherheitsbedenken hatten.

Daxbacher: Die Bedingungen wären sicher gut gewesen, das Angebot eines Reiseunternehmens war toll. Aber ein Großteil der Spieler hat sich dagegen ausgesprochen und da wollte sich der Klub nicht drüber hinwegsetzen. Dem muss man nicht die ganze Zeit nachtrauern.

LAOLA1: Der Turnaround wurde unter Thomas Grumser geschafft. Nachdem er nicht Cheftrainer bleiben konnte, wurde eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Grumser angestrebt. Wie sieht die aus?

Daxbacher: Der Klub hat schon in der Vorsaison das Talente-Projekt „Profiles – going for goals“ gestartet, da werde ich immer dabei sein. Da haben wir Kontakt. Thommy Grumser hat ausdrücklich betont, dass er nicht bereit ist, mit einem „Scheintrainer“ im Team zu bleiben. Ich denke auf jeden Fall, dass er der kommende Mann ist. Dann würde er im Idealfall gleich in der Bundesliga einsteigen.

LAOLA1: Auf welches Spielsystem bzw. welchen Spielstil dürfen sich die Fans im Tivoli gefasst machen?

Daxbacher: Vision ist natürlich immer das eine und Durchführung das andere. Ich bin geprägt von meiner Spielerzeit, dass ich auf eine spielerische Linie Wert lege. Mit Ballbesitz und Kurzpassspiel, an die Mannschaft angepasst natürlich. Auch das frühe Attackieren gefällt mir sehr gut, wie es die Mannschaft zum Schluss unter Grumser betrieben hat. Diese Einstellung sehe ich unabhängig vom System. Wenn ich im vorderen Bereich der Tabelle spielen will, dann muss ich Initiative zeigen und kann nicht nur auf Konter lauern. Ein guter Trainer hat einmal gesagt, mit guten Kontern gewinnt man Spiele, aber keine Meisterschaft. Das ist auch meine Einstellung dazu.

LAOLA1: Sie bevorzugen ein technisch starkes Spiel. In der Winterpause wurden die vielleicht versiertesten Spieler mit Rami Tekir und Alexander Riemann verkauft. Wie gehen Sie mit diesen Abgängen um?

Daxbacher: Riemann hat nicht einmal ein Drittel der gesamten Spielzeit im Herbst gespielt, das sagt aber natürlich nichts über die Qualität des Spielers aus. Bei Tekir war es auch so, dass er oft nicht in der Startelf war. Mit Dorta und Roguljic haben wir zwei sehr gute Spieler für das spielerische Niveau dazu bekommen. Ob sie das auch in dieser kampfbetonten Liga umsetzen können, wird man sehen. Die Voraussetzungen haben sie mit Sicherheit.


VIDEO: Mit seinem letzten Tor rettete Tekir Wacker einen Punkt!

(Artikel wird nach dem Video fortgesetzt)


LAOLA1: Beide Neuzugänge sind recht spät gekommen. Sind sie schon bereit für die Startelf zum Saisonauftakt?

Daxbacher: Das wird man sehen, spielerisch auf alle Fälle. Bei Dorta wird man sehen, ob er zu 100 Prozent fit ist nach zwei Kreuzbandrissen, wobei der zweite auch schon einige Zeit her ist. Bei Roguljic war es so, dass er bei der Admira kaum Einsatzzeiten gehabt hat und zum Schluss auch noch verletzt war. Bei der Fitness ist bei beiden noch Luft nach oben.

LAOLA1: Mein Kollege hat Sie in einem Artikel als „Aufstiegs-Experte“ bezeichnet. Dieses Jahr wird es nahezu unmöglich sein. Nächstes Jahr ist aber das große Ziel, in die Bundesliga aufzusteigen. In der „Tiroler Tageszeitung“ hat Vorstand Thomas Kerle allerdingsgemeint, dass es aufgrund des Budgets und der Konkurrenz sehr schwer mit dem Aufstieg werden könnte.

Daxbacher: Wie ich mich dazu entschieden habe, nach Tirol zu kommen, war für mich völlig klar, dass von mir erwartet wird, nächstes Jahr aufzusteigen. Das erwarte ich von mir selbst auch. Ich versuche immer möglichst viel Erfolg zu haben, das ist mein Antrieb. Man merkt schon, dass sich manche Klubs auf die nächste Saison konzentrieren. Es gibt das Argument, dass zwei aufsteigen, ein Dritter die Chance dazu hat und deshalb ein finanzielles Risiko einzugehen. Der SV Horn redet davon, wahrscheinlich Lustenau und der Absteiger wird auch den sofortigen Wiederaufstieg versuchen. Durch diese Tatsache wird es sicher schwierig, aber es muss einfach unser Anspruch sein. Jedem Spieler, der nächste Saison bei diesem Klub spielt, muss das klar sein.

LAOLA1: Bei ihren Vorgängern Klaus Schmidt und Maurizio Jacobacci sollen sich zumindest Teile der Mannschaft gegen den Trainer ausgesprochen haben. Wie geht man mit so einem Team um? In der Öffentlichkeit wirkt so eine Vorgehensweise nicht gerade positiv.

Daxbacher: Da ist die Frage, wie es wirklich war. Bei Schmidt habe ich den Eindruck gehabt, dass es lange Zeit sehr gut funktioniert hat. Bei Misserfolg werden oft Argumente gebracht, wo man nicht weiß, ob sie stimmen oder nicht. Es hängt einfach sehr stark mit dem Erfolg zusammen. Da sind alle gute Freunde und es stimmt alles zwischen Trainerteam und Spieler. Wenn es nicht mehr so läuft, gibt es Schwierigkeiten. Grundsätzlich spielen die Spieler nicht gegen den Trainer, wenn sie aber nicht zufrieden sind, ist das keine Basis für den ganz großen Erfolg. Es wird aber immer Spieler geben, die unzufrieden sind.

LAOLA1: Bei Jacobacci hat es auch Vorwürfe gegeben, sein Fitnesstraining sei zu extrem, die Spieler seien am Spieltag erschöpft gewesen. Zudem waren auch die strengen Ernährungsregeln immer ein Thema, zumindest in den Medien. Das macht einen Eindruck von mangelnder Professionalität. Wie sehen Sie das?

Daxbacher: Ich kann das nicht richtig beurteilen, da ich selbst nicht dabei war. Die Spieler haben wahrscheinlich, als sie die Leistung nicht gebracht haben, die Schuld dem zu harten Konditionstraining zugeordnet. Und dann haben sie Ausreden bei Kleinigkeiten, wie der Ernährung, gesucht. Wenn du wenig gewinnst, wird auch nicht viel Positives übrigbleiben. Obwohl das durchaus ein guter Trainer sein kann, der woanders wieder Erfolge feiert.

LAOLA1: Ihnen wurde bei Ihrem letzten Klub SKN St. Pölten auch vorgeworfen, Sie hätten den Kontakt zur Mannschaft verloren.

Daxbacher: Das ist ein typisches Thema. Vorher war alles eitel Wonne als wir Meister mit Rekordpunkteanzahl wurden. Dann ist es weniger gelaufen, neue Spieler sind dazu gekommen, die Konkurrenz ist größer geworden, die Erfolge haben sich nicht eingestellt.

LAOLA1: Laut Sportdirektor Frenkie Schinkels haben Sie Neuzugänge im Winter gefordert, weil Sie der Meinung waren, das Team hätte kein Bundesliga-Niveau. Tatsächlich wurden nun sechs neue Spieler geholt. Gibt Ihnen das Recht?

Daxbacher: Mich ärgert es einfach, dass das falsch dargestellt wird. Ich habe mich nie dazu geäußert und möchte das jetzt auch nicht machen. Es stimmt in dieser Form nicht. Ich habe die Neuzugänge kritisiert, aber nicht die Spieler, die schon da waren. Die waren nämlich besser als die Neuzugänge. Mit diesen Spielern wäre es aber auch zu schaffen gewesen.

Mich ärgert es einfach, dass das falsch dargestellt wird. Ich habe mich nie dazu geäußert und möchte das jetzt auch nicht machen. Es stimmt in dieser Form nicht. Ich habe die Neuzugänge kritisiert, aber nicht die Spieler, die schon da waren. Die waren nämlich besser als die Neuzugänge. Mit diesen Spielern wäre es aber auch zu schaffen gewesen.

Karl Daxbacher

LAOLA1: Rückblickend betrachtet, würden Sie noch einmal unter Schinkels arbeiten?

Daxbacher: Nein, keinesfalls.

LAOLA1: Kann der SKN St. Pölten unter Schinkels Erfolg haben?

Daxbacher: Ja natürlich, wieso nicht? Sie haben versucht, sich massivst zu verändern. Der Trainer ist gut, hat bewiesen, dass er gute Arbeit leisten kann.

LAOLA1: Ihre beiden letzten Entlassungen beim LASK und bei St. Pölten waren für Außenstehende kaum zu verstehen. Warum tun Sie sich jetzt mit dem FC Wacker Innsbruck wieder einen schwierigen Klub an?

Daxbacher: Die Möglichkeit, sich wieder zu beweisen, reizt natürlich schon. Ich sehe ja auch eine konkrete Chance. Es wäre für mich persönlich ein großer Erfolg, mit Innsbruck in die Bundesliga zu kommen.

LAOLA1: Wer steigt in dieser Saison auf und auf welchen Platz beendet der FC Wacker die Saison?

Daxbacher: Der LASK ist natürlich der große Favorit, er hat den besten, ausgeglichensten Kader. Lustenau hat natürlich auch noch Chancen. Wir wollen auf jeden Fall eine Rangverbesserung erreichen. Dass man vier Klubs noch überholt ist aber unrealistisch.

Textquelle: © LAOLA1.at

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