Sturm? LASK? Wacker-Kapitän Jamnig begehrt

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Als sich der Verfasser dieser Zeilen zum Interview-Termin mit Wacker Innsbrucks Florian Jamnig auf den Weg machte, musste er zunächst sein Auto von einer dicken Schneeschicht befreien.

In Tirol zu dieser Jahreszeit durchaus nicht ungewöhnlich. "Skifahren war auch immer ein Hobby, aber es hat sich relativ früh herausgestellt, dass es Richtung Fußball geht", hat der 27-jährige Tiroler den grünen Rasen der weißen Piste vorgezogen.

Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich spätestens diesen Herbst herausgestellt hat. Der 27-jährige Flügelstürmer hat keine einzige Sekunde verpasst, dabei sieben Tore selbst erzielt und vier weitere aufgelegt.

"Statistisch gesehen mit Sicherheit meine beste Halbsaison", freut sich der Tiroler. Doch es wäre nicht Jamnig, würde er nicht noch hinzufügen: "Es gibt aber natürlich immer Verbesserungspotenzial. Man lebt auch von seinen Mitspielern und die haben mich gut eingesetzt."

Erst mit 24 Profi

Dieser Ehrgeiz ist es nämlich, den Jamnig seine Profi-Karriere überhaupt zu verdanken hat. Mit 16 Jahren durfte er erstmals für fünf Minuten in der Bundesliga ran. Die 1:6-Niederlage mit dem FC Wacker gegen Mattersburg war der Beginn einer harten Zeit für den Rechtsfuß.


Über dieses Traumtor sagt Jamnig: "Das persönliche Highlight von den Toren war sicher das erste gegen Blau-Weiß Linz."

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Zwei schwere Verletzungen warfen ihn zurück, er wechselte zur Union Innsbruck in die Regionalliga. "Ich habe einen Schritt gemacht, bei dem viele gesagt haben: Deine Karriere ist vorbei", erinnert er sich. Er selbst hat die Karriere aber nie abgeschrieben, aus einem simplen Grund.

"Nach den zwei schweren Verletzungen habe ich einen Athletiktrainer kennengelernt, mit dem ich jetzt seit knapp sieben Jahren zusammenarbeite. Der hat mir damals aufgezeigt, dass es physisch einfach nicht passt und die Verletzungen aus einem gewissen Grund kommen. Er hat zu mir gesagt, dass ich schauen muss, physisch auf ein Toplevel zu kommen und daran arbeite ich tagtäglich", erklärt Jamnig.

Kein Wunder, dass er sich unter anderem Marcel Hirscher als Vorbild nimmt: "Seine Nervenstärke, seine Athletik und seine Physis sind schon sehr vorbildhaft."

Nach einem Jahr bei der Union wechselte er nach Wattens, ehe er 2014 die WSG verließ, nach Innsbruck zurückkehrte und mit 24 Jahren erstmals Fußball-Profi wurde. Sein Ehrgeiz auf und neben dem Platz und seine starke Leistungen bringen den Offensivmann in eine angenehme Lage.

Sturm? LASK? Ausland?

Sein Vertrag bei den Grün-Schwarzen läuft im Sommer aus. "Es geht im Fußball oft schnell. Deswegen will ich jetzt nicht sagen, ich werde für immer hier spielen oder gehe im Sommer weg", legt sich Jamnig noch nicht fest. "Wir (Wacker-Sportdirektor Ali Hörtnagl und Jamnig) haben noch kein Gespräch gehabt, weil wir noch nicht wissen wo es hingeht.“

Verpassen die Tiroler den Aufstieg, wird der Ersatzkapitän wohl kaum zu halten sein. Vor zwei Jahren bekundete Sturm Graz bereits Interesse. "Sturm Graz ist ein toller Verein in Österreich, sehr traditionell, mit tollen Fans und ist sicher eine Top-Adresse. Aber wie gesagt, im Moment kein Thema", hat es seither keine Kontaktaufnahme mehr seitens der Steirer gegeben.

Auf persönlicher Ebene hat sich Jamnig gerade erst zum Jahreswechsel verändert und der Spieleragentur „Stars and Friends“ angeschlossen. Die Frage nach einem Wechsel zum LASK liegt daher auf der Hand, immerhin ist „Stars and Friends“-Boss Jürgen Werner auch als sportlicher Berater bei den Linzern tätig und hat so manchen seiner Spieler in die Stahlstadt gelotst.

"Ich habe aus persönlichen Gründen die Beraterfirma gewechselt, aber wir haben noch gar nicht über den Verein gesprochen. Es war einfach mein persönliches Interesse, mich zu verändern und mir hat es sehr gut gefallen, wie sie mich behandelt haben. Aber das hat keinen Bezug zum LASK", blockt Jamnig auch in diesem Fall ab.

Dass es mit 27 Jahren seine letzte Chance sein könnte, auch nochmal ins Ausland zu wechseln, glaubt er nicht: "Das Alter ist für mich nicht entscheidend, sondern die Qualität. Ich versuche tagtäglich im physischen Bereich an mir zu arbeiten und wenn jemand fit ist und die Qualität hat, ist das Alter nicht das entscheidende. Zum Thema Ausland: Klar, jeder Spieler in Österreich träumt davon, einmal vielleicht in Deutschland spielen zu dürfen."

Ausblick auf das Frühjahr

In erster Linie drehen sich die Gedanken von Jamnig vorerst aber ohnehin um das wichtige Frühjahr mit Wacker Innsbruck. Der Aufstieg gilt am Tivoli als Pflichtaufgabe, die Chance mit zwei Fixaufsteigern und einem Relegationsplatz ist zudem so groß wie noch nie.

"Die Heimstärke war so noch nie da, seit ich in Innsbruck bin. Wir haben wenig Gegentore bekommen. Was wir verbessern können: Auswärts haben wir nicht so eine positive Bilanz, da müssen wir ansetzen", kennt Jamnig die Stärken und Schwächen des zehnfachen österreichischen Meisters.

Ein weiteres Problem im Herbst war das Verletzungspech beim FCW. In dieser Hinsicht nimmt der Dauerbrenner seine Kollegen in die Pflicht: "Natürlich gibt es einfach Verletzungen durch Fremdeinwirkung. Aber es gibt Verletzungen, die man vermeiden kann, wenn man im körperlichen Bereich arbeitet. Meine Einstellung ist, dass das unser Beruf ist und es normal sein sollte, dass ein Sportler für seine Mannschaft so fit wie möglich ist."

Auch um das Tivoli-Stadion in Zukunft wieder voller zu bekommen hat Jamnig einen Plan: "Wir wissen, dass das Tiroler Publikum sehr kritisch ist, aber es kann nur über guten und begeisternden Fußball gehen, mit Toren und Leidenschaft. Die Tiroler sehen es auch sehr gern, wenn sich jeder reinhaut und für jeden Ball kämpft."

Ob sie Florian Jamnig auch nach dem Sommer 2018 im Trikot des FC Wacker Innsbruck kämpfen sehen, steht jedoch noch in den Sternen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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