LASK dominant, aber ineffizent

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Die ersten Lehren der Ersten Liga

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Die Beschnupperungs-Phase in der Ersten Liga ist vorbei.

Nach neun Runden hat jeder Klub alle seine Konkurrenten kennengelernt. Die Tabelle zeigt eine Zwei-Klassengesellschaft. Die eine reicht von Liefering bis Lustenau, die zweite vom FAC bis zum abgeschlagenen Schlusslicht Blau Weiß Linz.

Welche Lehren können die Teams aus dem ersten Viertel ziehen? 

 

REKORD FÜR DIE DEFENSIVE - In den letzten Jahren standen die Jungbullen stets für bedingungslosen Offensivfußball, ohne große Rücksicht auf Verluste. In dieser Saison ist das anders. Mit sieben Gegentoren in neun Spielen gibt die Defensive des FC Liefering nicht nur den besten Arbeitsnachweis der Liga ab, sondern hat zu diesem Zeitpunkt so wenige Gegentore wie noch nie in seiner Erste-Liga-Geschichte kassiert. Der 18-jährige Igor gab neben seinem brasilianischen Landsmann Luan (20) mehr als nur eine Talentprobe ab.

LUFT NACH OBEN IM ZWEIKAMPF - Der traditionell jüngste Kader der Liga lässt sich im physischen Spiel das eine oder andere Mal die Schneid abkaufen. In den drei Spielen, in denen man bisher Punkte abgab (1:1 gegen Wacker, Lustenau, Wattens) war man in der Zweikampf-Bilanz am Ende teilweise klar unterlegen. Dabei bestreitet Liefering nach dem LASK und Wacker die drittmeisten Zweikämpfe. Die Quote der gewonnenen Duelle liegt bei 45 % und ist die schlechteste der Liga.


BESTENS BESETZT - Die Neuzugänge der Schwarz-Weißen können sich sehen lassen und machen den Kader zum besten der Liga. Dmitrovic ersetzt den verletzten Pervan im Tor bestens, Linksverteidiger Otavio (1 Tor/1 Assist) hinterlässt nach einer Eingewöhnungsphase ebenso einen starken Eindruck wie Rep im offensiven Mittelfeld. Ullmann, Michorl, Miesenböck, Imbongo - sie alle saßen gegen Horn nur auf der Bank. Ein Beweis für die Klasse, die Glasner von der Bank bringen kann.

DIE SACHE MIT DER EFFIZIENZ - Der wertvollste Kader spielt den aufwändigsten Fußball, könnte man sagen. Die Linzer wollen ihr Spiel dem Gegner aufzwingen, abgesehen vom 4:0 gegen Wattens fielen Siege nur mit einem Tor Unterschied aus. Gegen Horn hatte man 71 Prozent Ballbesitz - so viel wie seit dem Wiederaufstieg in die Erste Liga nicht mehr. Aber was hats gebracht? Richtig, nur einen Punkt. Der Vergleich zeigt, wie ausbaufähig die Effizienz in der Offensive ist. Wie Liefering hat man 18 Tore erzielt, die Jungbullen haben dafür aber 41 (!) Mal weniger schießen müssen. Überhaupt ist der Wert der Schüsse neben das Tor (82) deutlich höher als bei der Konkurrenz.


DIE BÖHLER-BRASILIANER - Was wäre Kapfenberg nur ohne die Offensiv-Power vom Zuckerhut? Mittelstürmer Jorge Elias (7) und Mittelfeldspieler Joao Victor (4) kommen zusammen auf 11 der 16 erzielten Treffer. Die Art und Weise, wie die Treffer zustandegekommen sind, zeigt den spielerischen Ansatz der Kapfenberger. Kein anderes Team hat so eine hohe Quote bei Toren, die innerhalb des Sechzehners erzielt wurden (12 von 16).

HART IM GEBEN - Das Verhältnis zwischen Fouls und gewonnenen Zweikämpfen klafft bei den Obersteirern weit auseinander. Kapfenberg hat nach Liefering die zweitschwächste Zweikampfquote, begeht aber die zweitmeisten Fouls und hat nach dem LASK (21) die zweitmeisten Gelben Karten gesehen (19).


DER NEUE CHABBI - Wie gut die Austria bisher mit personellen Rückschlägen umgehen kann, ist schon bemerkenswert. Vor der Saison verließ Torjäger und Trianersohn Seifedin Chabbi den Verein, in Runde fünf folgte die schwere Verletzung von Julian Wießmeier im Spiel gegen BW Linz. Kompensiert wurden die beiden Abgänge durch neue Gesichter. Der Chabbi-Ersatz heißt Raphael Dwamena und traf schon sechs Mal in dieser Saison. Hinter ihm macht mit Valentin Grubeck ein weiterer Youngster auf sich aufmerksam. Als hängende Spitze konnte er schon vier Assists verbuchen.

DER ZWEITE ANZUG - Die Rollen im Kader sind derzeit klar verteilt, Trainer Lassaad Chabbi hat seine erste Elf, dahinter wird es aber eng. Ein Ausfall von Dwamena würde schwer wiegen, in der Abwehr und im Mittelfeld finden sich hinter Routiniers wie Bolter oder Stückler eine Reihe unerfahrener Spieler. Will man es im Kampf um den Aufstieg wirklich wissen, zieht man in der Kaderbreite im Vergleich zu anderen Anwärtern klar den Kürzeren.


GESICHTER DES UMBAUS - Der Totalumbau in Floridsdorf fand auf allen Ebenen statt und kennt mehrere Gewinner. Nicht weniger als 17 (!) neue Spieler hat man vor der neuen Saison integrieren müssen und es ist beeindruckend, wie gut das funktioniert hat. Kröpfl, Kreuzriegler, Deutschmann - sie alle kamen neu und haben keine einzige Minute verpasst. In der Offensive sind Marco Sahanek mit vier Toren und vier Assists, aber auch Mario Grbic, der von Stuttgart II kam und schon drei Mal getroffen hat, hervorzuheben. Mit Robert Weinstabl (davor Sollenau) wurde zudem ein junger, innovativer Mann als Co-Trainer installiert.

DIE FRAGE DER LANGFRISTIGKEIT - Sportlich legte der FAC einen passablen Start hin, die finanziellen Sorgen wird man damit aber nicht so schnell los. Langfristige Planung ist bei so knapp bemessenen finanziellen Mitteln schwierig. Die Gefahr besteht, dass dem Neuaufbau 2016, ein Neuaufbau 2017 folgt. 20 der 24 Kaderspieler besitzen nur einen Vertrag für diese Saison.


RUHE BEWAHRT - Im ersten Viertel der Vorsaison lag Wacker noch auf Platz eins, jetzt hat man sich mit einem Sieg gegen Wr. Neustadt gerade noch auf Platz sechs retten können. In einem derart hochemotionalen Umfeld wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn man den Trainer nach dem Absturz auf einen Abstiegsplatz in die Wüste geschickt hätte. Noch dazu, weil er nicht einmal "a Tiroler isch". General Manager Ali Hörtnagl blieb ruhig, sein Präsident Josef Gunsch tat es ihm gleich. Beide stärkten Maurizio Jacobacci den Rücken. Sie wissen: Nach einem Viertel ist noch nichts verloren. St. Pölten lag nach neuen Runden der Vorsaison übrigens auch auf Platz sechs.

ROUTINE NICHT AUF SCHIENE - Von den Routiniers muss mehr kommen. Diesen Satz hört man am Tivoli seit Jahren wie das Amen im Gebet. Erfahrene Spieler wie Pichlmmann, Grünwald, Hauser, Säumel oder Pichler konnten kaum Ruhe herstellen. In acht von neun Spielen geriet das Team in Rückstand, sieben der dreizehn Gegentore erhielt man in der ersten Halbzeit - so viele wie nur die Neustädter. Zwar bäumt man sich nach Rückständen auf, vermag das Ruder aber selten herumzureißen. "Wir stellen uns extrem dumm an", brachte es Harald Pichler in Horn auf den Punkt.


DER ANFANG WAR GUT - Der überlegene Westliga-Meister blieb tatsächlich bis zum 12. August im Kalenderjahr 2016 ungeschlagen. Dabei war man gleich einmal für Überraschungen gut. Nach dem 3:0 zum Auftakt bei Blau Weiß Linz bleibt den Wattenern mit Sicherheit der prestigeträchtige 2:1-Derbysieg am Tivoli gegen den FC Wacker in Erinnerung. Das Team von Thomas Silberberger zeigte in diesen Spielen Zweikampfstärke und auch ahnsehnlichen Kombinationsfußball.

DIE REALITÄT HEISST ABSTIEGSKAMPF - Der Sieg bei Wacker war der vorerst letzte. In den sechs Spielen danach gab es keinen Sieg und man ließ sich gegen den LASK (0:4) und Lustenau (0:4) ordentlich abschlachten. Diese Auftritte hatten keine Erste-Liga-Reife. In der Fremde kassierte man schon 12 Gegentore - so viele wie kein anderes Team. Gleichzeitig traf man zuhause erst drei Mal.


AUSWÄRTS ZUHAUSE - Optimistische Neustadt-Fans sollten sich die aktuelle Auswärtstabelle übers Bett hängen. Drei Siege in der Fremde holten sonst nur Kapfenberg, LASK und Lustenau. Am Einsatz mangelt es bislang auch nicht. Der SCWN gehört zu den zweikampfstärkeren Teams der Liga (4.) - besonders in Luftduellen hat man meist seine Vorteile.

DIE SCHIESSBUDE - Zweikampfstärke und Einsatz in Ehren, die Statistiken stellen den Wr. Neustädtern kein gutes Zeugnis aus. Mit 19 Gegentoren ist man die Schießbude der Liga, gleichzeitig sucht man einen Torjäger im Kader vergeblich. Bernd Gschweidl ist es mit zwei Toren in acht Einsätzen definitiv nicht. Neben Wattens gibt es kein Team, das seltener auf das Tor schießt, als die Niederösterreicher. Noch ein negativer Topwert: Die Passstatistik von 65 Prozent.


ROT-WEISS-ROT RAGT HERAUS - Beim Honda-Klub ist von der fernöstlichen Fußballkunst wenig zu sehen, stattdessen sorgen die Österreicher für die wenigen Highlights. Allen voran Benjamin Sulimani mit seinen drei Treffern. Mit Lukas Denner (zwei Assists) kann ein weiterer Neuzugang aus Grödig überzeugen. Junge Spieler wie Albert Vallci oder Sally Preininiger (beide ein Tor) machten ebenso auf sich aufmerksam.

SCHWER ZU VERSTEHEN - Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Schuhe - auch in der Ersten Liga. Die Horner sind mit großen Ankündigungen aufgestiegen und haben bisher enttäuscht. Von den jungen Japanern konnte keiner überzeugen, spielen müssen sie dennoch. Auch Trainer Hamayoshi, der mit einem Dolmetscher coacht, steht nicht zur Debatte - weil das die Verantwortlichen aus Asien so wollen. Dass dieser Verein wirklich von Bundesliga-Meistertiteln und Champions-League-Teilnahmen spricht, ist einfach lächerlich.


DIE HOFFNUNG HINUM - Blau-Weiß musste dringend reagieren. Fündig wurde man ausgerechnet beim Stadtrivalen LASK. Thomas Hinum, der mit den Stationen Pasching, Schwanenstadt, Ried, LASK und Blau-Weiß endgültig als Harlem GlOÖbetrotter in die oberösterreichische Fußballgeschichte eingeht, hat man spürbare Routine dazugewonnen, auch wenn die ersten beiden Spiele mit ihm ebenfalls verloren wurden. Christian Falk im Angriff soll für die nötigen Tore sorgen.

TORFLAUTE - Sechs Tore in neun Spielen, bei gleichzeitig 16 Gegentreffern sind eine indiskutable Bilanz. Blau-Weiß schießt noch dazu selten auf das Tor und ist schwach im Zweikampf. Sieglos nach dem ersten Viertel war auch der FAC in der Vorsaison - und stieg sportlich ab. All diese Fakten ließen den Klub-Vorstand am Donnerstag zu dem Entschluss kommen, sich von Trainer Wilhelm Wahlmüller zu trennen.

 

Andreas Terler

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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