Austrias Amateure dürfen aufsteigen

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Der Neunte und der Zehnte der Ersten Liga steigt ab, der Meister der Regionalliga Mitte steigt auf, der Meister der Regionalliga Ost spielt gegen den Meister der Regionalliga West in Hin- und Rückspiel den zweiten Aufstiegsplatz aus.

So lauten in der Saison 2016/17 die Auf- und Abstiegsregelungen in Österreichs zweithöchster Spielklasse. Doch schon Mitte März steht fest: So wird es nicht ablaufen.

Ein Jahr bevor die Ligareform in Kraft tritt, die zweite Liga auf 16 Vereine aufgestockt und nur noch semiprofessionell geführt wird, sucht die Bundesliga händeringend nach Klubs, die überhaupt rauf wollen.

Noch sind die Lizenzkriterien nicht aufgeweicht, zahlreiche Auflagen zu erfüllen. Das schreckt viele Vereine ab. Deshalb könnte es soweit kommen, dass schon ab Sommer Amateurteams in die Erste Liga zurückkehren.

Der Westen lässt aus

Doch alles der Reihe nach. Am 15. März ist der Stichtag, um die Lizenzunterlagen bei der Bundesliga abzugeben. Aus der Regionalliga West wird kein Verein eine Lizenz beantragen.

Der SV Grödig führt die Tabelle an, hat nach dem Abstieg im Sommer 2016 schon auf eine Teilnahme an der Ersten Liga verzichtet und auch in der kommenden Saison keine Lust darauf. „Wir stellen keinen Lizenzantrag“, stellt Grödig-Macher Christian Haas fest.

„Wir stellen auch keinen. Die Infrastruktur entsprechend zu adaptieren, ist für uns aktuell noch nicht stemmbar“, sagt Helmut Fraisl, Sportlicher Leister des USK Anif. Die Salzburger sind der einzige Klub, der tabellarisch mit den Grödigern mitkommt. Auf Rang drei folgen schon die Amateure des SCR Altach, aber dazu später.

Posse in Hartberg

"Ob das für den Lizenzantrag reicht, werden wir erst sehen"

Hartberg-Obmann Rindler

Aus der Regionalliga Mitte will nur ein Klub rauf. Und das ist nicht Tabellenführer FC Gleisdorf.

„Das Ansuchen um eine Lizenz für die nächste Saison war für uns hauptsächlich aus infrastrukturellen Gründen kein Thema. Es wären zum Beispiel extrem kostenintensive Investitionen ins Flutlicht notwendig gewesen. Auch das Fehlen von 1000 überdachten Sitzplätzen wäre ein Problem gewesen“, sagt Gleisdorf-Obmann Helmut Sulzbacher. Auch der Drittplatzierte SV Lafnitz verzichtet.

Der aktuelle Zweite TSV Hartberg will es indes versuchen. „Wir waren schon in der Ersten Liga, können den Anforderungen also gerecht werden. Es sind nur kleinere Adaptionen beim Flutlicht und der Länge bzw. Breite des Spielfeldes notwendig“, erklärt Klub-Sekretär Kurt Riedl.

Kurz vor dem Abgabetermin tauchen aber Probleme auf. Wie die „Kleine“ berichtet, hat eine Posse im Hartberger Gemeinderat dazu geführt, dass die geplante Sportförderung in der Höhe von 119.000 Euro nicht beschlossen wurde. Man habe sich aber auf eine schritliche Bestätigung geeinigt, wonach das Geld am 1. Jänner 2018 fließen würde.

„Ob das für den Lizenzantrag reicht, werden wir erst sehen“, wird Obmann Jürgen Rindler zitiert. Hartberg muss also zittern.

Ritzings vierter Versuch

Ähnlich sieht es in der Ostliga aus. Auch aus dieser Regionalliga, die im Sommer selbst nur 15 anstatt der geplanten 16 Teilnehmer gefunden hat, wird nur ein Lizenzantrag eintrudeln. Der SC Ritzing ist derzeit Spitzenreiter und versucht es wieder einmal mit dem Aufstieg.

2014, 2015 und 2016 sind die Burgenländer mit ihren Lizenzanträgen gescheitert. Manager Robert Hochstaffl gibt sich in der „Krone“ aber zuversichtlich, dass es dieses Mal klappt. Der Klub werde auch in die Infrastruktur investieren – ein neues Zutrittssystem und TV-Türme kommen, ein Gästesektor wird installiert und die Kabinen sowie der Spielertunnel werden modernisiert.

„Ich bin überzeugt, dass sie die Lizenz kriegen – sie sollten da mittlerweile genug Erfahrung haben“, sagt Gerhard Milletich, der burgenländische Verbands-Präsident, in der „bvz“.

Das Playoff fällt aus

Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits
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Im Idealfall erhalten also Hartberg und Ritzing die Lizenz. „Wenn das so ist, dann steigen beide direkt auf und das Playoff entfällt“, sagt Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits. Weil der Idealfall im österreichischen Fußball aber eher Ausnahme denn Regel ist, hat die Liga freilich vorgesorgt.

Sollte nur einer der beiden Bewerber oder gar keiner die Lizenz erhalten, dann gibt es nur einen oder gar keinen Absteiger aus der zweithöchsten Spielklasse. Die abstiegsgefährdeten Klubs SV Horn, Blau Weiß Linz und Floridsdorfer AC dürfen also nicht nur auf sportlichen Erfolg, sondern auch auf den Senat 5, den Lizenzausschuss, hoffen.

Was passiert aber, wenn auch einem oder mehreren der bestehenden 20 Bundesliga-Klubs die Lizenz verweigert wird? Aufgrund von Sponsoren-Verträgen und der TV-Deals ist die Bundesliga verpflichtet, die Erste Liga mit zehn Teilnehmern auszutragen. Auch diesbezüglich wurde schon vorgesorgt.

Dann kommen die Amateure

„Für den Fall, dass zu wenig lizenzierte Klubs zur Verfügung stehen würden, würden wir die zweite Spielklasse mit Amateurmannschaften der tipico Bundesliga auffüllen“, sagt Liga-Vorstand Herovits. Das wurde im Dezember mit Zustimmung des ÖFB-Präsidiums beschlossen.

Ursprünglich war geplant, dass erst nach der Ligareform, also im Sommer 2018 bis zu drei Amateure-Teams in der dann auf 16 Klubs aufgestockten zweiten Liga spielen dürfen. Das könnte, sollte das Worst-Case-Szenario eintreten, nun schon früher der Fall sein.

Doch welche Amateure dürfen dann rauf? Es ist jenes Team, das die meisten Punkte gesammelt hat. Wie der ÖFB auf Nachfrage von LAOLA1 erklärt, würde aufgrund der Tatsache, dass Mannschaften in der Regionalliga Ost aufgrund von nur 15 statt 16 Teilnehmern weniger Zähler sammeln können, eine bereinigte Tabelle herangezogen. Bei den Amateur-Teams aus der Regionalliga Mitte und West werden also die gesammelten Punkte gegen den jeweils Tabellenletzten gestrichen.

Die noch nicht bereinigte Tabelle der Amateure-Teams:

Platz Verein Spiele Punkte
1. Austria Amateure 16 34
2. Altach Amateure 18 30
3. LASK Amateure* 16 22
4. Admira Amateure 16 19
5. Rapid Amateure 16 18
6. Sturm Amateure 16 15
7. St. Pölten Amateure 16 10

*LASK spielt (noch) in der Ersten Liga

Die Austria ist bereit

"Ich denke nicht, dass wir nach der Ligareform den Aufstieg in Angriff nehmen"

Goerg Zellhofer über Altachs Amateure

Demnach wäre die zweite Mannschaft der Wiener Austria der erste Kandidat. Die „Jung-Veilchen“ sind derzeit Dritter der Regionalliga Ost (34 Punkte/16 Spiele) und waren im Sommer 2006 auch das erste Amateure-Team, das in die Erste Liga aufgestiegen ist. 2010 trat der Beschluss in Kraft, keine Amateure mehr in der Bundesliga zu erlauben und die Austrianer mussten wieder runter.

„Ja, wir würden auch schon in diesem Sommer aufsteigen wollen“, stellt FAK-Vorstand Markus Kraetschmer klar.

Punktemäßig gefährlich werden könnten am ehesten noch die Amateure des SCR Altach – sie sind mit 30 Punkten aus 18 Partien Dritter der Westliga. Georg Zellhofer, Geschäftsführer Sport der Vorarlberger, winkt ab: „Für uns ist das kein Thema. Ich denke auch nicht, dass wir nach der Ligareform den Aufstieg in Angriff nehmen. Für uns ist das finanziell und infrastrukturell derzeit nicht machbar. Und ich denke auch, dass das für uns gar nicht notwendig ist.“

Sollten sich Vereine, denen die Lizenz verweigert wird, durch den gesamten Instanzenweg kämpfen, wüssten die Amateure erst sehr spät Bescheid, ob sie nach oben dürfen. Bezüglich Lizenz kein Problem, wie Herovits erklärt: „Amateurteams sind keine eigenständige Rechtsperson, das hängt mit der Lizenz der Kampfmannschaft zusammen.“

Die Szenarien der Bundesliga stehen, jetzt ist der Lizenzausschuss an der Reihe.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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