So tickt der neue LASK

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Es sieht gut aus. Es sieht sogar sehr gut aus.

Der LASK ist drauf und dran, nach sechs Jahren Pause in die österreichische Bundesliga zurückzukehren.

Nach neun Siegen in Folge (ex aequo Rekord mit Pasching 2002) führen die Linzer in der Ersten Liga nach zwei Dritteln der Meisterschaft mit 14 Punkten Vorsprung auf den nächsten Aufstiegsaspiranten Austria Lustenau und befindet sich weiter auf Rekordkurs.

Die Linzer wollen in Zukunft eine nachhaltige Rolle spielen - so tickt der neue LASK:

  • Der LASK ist ruhiger geworden

"Wir sind auf einem sehr guten Weg, aber die Reise ist noch nicht zu Ende", sagt General Manager Alexander Friedl bei LAOLA1. "Wir wissen, dass wir in einer sehr guten Position sind. Aber wir wollen uns nicht ausruhen", hält Trainer Oliver Glasner fest. Präsident Siegmund Gruber beteuerte in den "OÖN": "Ich schwöre, dass wir uns weder über Meistertrikots noch über den Ort für eine Feier auch nur einen Gedanken gemacht haben."

Der LASK ist ruhiger geworden und das tut dem Klub merklich gut. Mit 72 Zählern verpassten die Linzer vergangene Saison den Aufstieg in die Bundesliga. St. Pölten hatte am Ende mit 80 Zählern einen neuen Punkterekord aufgestellt, die Oberösterreicher das Nachsehen. In fünf der vergangenen zehn Spielzeiten in der zweithöchsten Spielklasse hätten 72 Punkte für den Aufstieg gereicht. Es wurde richtig reagiert.

"Als ich gekommen bin, war klar, dass wir auf Kontinuität setzen. Das hat sich absolut bewährt, wir haben uns punktuell verstärkt. Die Mannschaft ist sportlich und charakterlich intakt", meint Friedl, der im vergangenen Sommer von der Admira nach Linz wechselte. Früher hätten die Verantwortlichen wohl keinen Stein auf dem anderen gelassen. Dieses Mal gingen die Linzer ihren Weg weiter und werden dafür wohl belohnt.

Glasner ist seit 2015 Trainer und Sportdirektor
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  • Kontinuität als neues Schlagwort

"Wer sich die Transferperioden ansieht, wird sehen, dass wir auf Kontinuität setzen. Wir haben uns von einigen Spielern getrennt, punktuell verstärkt und Spieler von den Amateuren hochgezogen. Wir haben vergangene Saison Mayer und Lageder hochgezogen, diese Saison Reiter und Raguz. Alle Spieler sind länger da, wissen, was wir machen wollen und deswegen funktioniert es", so Glasner, der 2015 einen Vertrag bis 2019 unterschrieb.

Also Trainer und Sportdirektor leitete er einen großen Umbruch ein, der sich nun endgültig auszuzahlen scheint - trotz gewisser Anforderungen vor dieser Saison: „Die Herausforderung war, die Kaderkosten zu reduzieren, aber nicht an Qualität einzubüßen. Das haben wir sehr gut geschafft.“

Gemeinsam mit Jürgen Werner als Architekten des "LASK neu" wurde ein Kader zusammengestellt, der reif für die Bundesliga ist. Auch wegen der Neuzugänge. Glasner: „Otavio war sicherlich ein Glücksfall, aber wir haben einfach auch Scouting in unserer eigenen Liga betrieben. Spieler wie Imbongo, Rep, Riemann waren zum Zeitpunkt, als wir sie geholt haben, bei ihren Klubs Ersatz. Sie hatten zuvor aber sehr gute Leistungen gebracht, das hat uns überzeugt, sie zu holen. Wir suchen einfach nach gewissen Attributen bei Spielern und die wurden allesamt perfekt erfüllt.“

Die Aufsteiger der jüngeren Vergangenheit haben auch gezeigt, dass es sich lohnt, die Mannschaft nicht zu sehr umzukrempeln, nachdem sie den Sprung in die Bundesliga geschafft hat. St. Pölten war und ist in dieser Hinsicht in dieser Saison ein warnendes Beispiel.

Für Friedl ist klar: „Egal, welche Liga es wird, es ist das Ziel, die Mannschaft zusammenzuhalten. Wir haben größtenteils die auslaufenden Verträge verlängert, bei den offenen Personalien gibt es Optionen. Wir werden uns sicher noch zusammensetzen. Sich punktuell zu verbessern, geht immer."


Die letzten 10 Erste-Liga-Meister:

Saison Meister Punkte
15/16 St. Pölten 80 (Rekord)
14/15 Mattersburg 71
13/14 Altach 73
12/13 Grödig 75
11/12 WAC 68
10/11 Admira 75
09/10 Wacker 69
08/09 Wr. Neustadt 69
07/08 Kapfenberg 66
06/07 LASK 76

  • Finanziell ist der LASK breiter aufgestellt

In der Vergangenheit war der LASK stets ein finanzielles Sorgenkind, was sich auch bei der Lizenzierung stets widerspiegelte. "Wir rechnen mit der Lizenz in der ersten Instanz ohne Auflagen", klingt Friedl, der diesbezüglich bei der Admira auch immer seine liebe Mühe hatte, vollends überzeugt.

Punkto Stadion sind die Linzer schon Bundesliga-reif.

„Wir haben die Stadion-Zulassung für die tipico Bundesliga in der Tasche (Anm.: Pasching). Wir haben da auch viele Investitionen getätigt, angefangen von der Rasenheizung, über das neue VIP-Zelt und auch für Verbesserungen bei den Zugängen zu den Sektoren sowie Sanitäranlagen und Kantinen gesorgt."

Am 24. Dezember 2013 übernahmen die "Freunde des LASK" den Klub von Peter-Michael Reichel, der den Klub in die Regionalliga führte. Die Investoren-Gruppe hält sich im Hintergrund, während Sponsoren mit Potenzial den Weg in den Vordergrund gefunden haben. Vor allem "Raiffeisen" ist weder im Stadion noch auf den Ärmeln der Trikots zu übersehen. "Zipfer" ist der zweite so genannte "Leading Partner" beim LASK.

"Wir haben mit 'Raiffeisen' und der 'Brauunion' langfristige Verträge abgeschlossen. Das war auch als Zeichen von beiden Seiten gedacht", erklärt Friedl und spricht von einer sehr großen Sponsoren-Basis. Damit alleine sei es aber auf Dauer nicht getan. Was uns zum nächsten Punkt bringt.


Der neunte Sieg in Folge für den LASK:


  • Das neue Stadion als Kernprojekt

"Wenn wir uns an Vereinen wie Sturm orientieren wollen, kommen wir wieder auf das Stadion zurück. Es braucht Vermarktungsmöglichkeiten, sonst wird es schwierig, in die Sphären von Austria oder Rapid zu kommen. Rapid wäre vom Umsatz her nie dorthin gekommen, ohne ein neues Stadion zu bauen", hält Friedl das fest, was Glasner 2016 in einem LAOLA1-Interview bereits ansprach: "Eine neue Arena ist für den LASK überlebenswichtig."

Das Deutsche Institut für Sportstättenberatung (IFS), das über 50 Projekte betreute und auch bei der Realisierung des Allianz Stadions von Rapid mitwirkte, war und ist bei der Stadionfrage des LASK involviert.

„Es wird immer konkreter. Aber ich will keine Wasserstandsmeldungen abgeben. Wenn es so weit ist, werden wir das kommunizieren. Es gibt auch keinen genauen Zeitpunkt, aber wir sind sehr dahinter", hält sich Friedl diesbezüglich zurück, spricht aber zumindest über die Größe.

„Ein Stadion mit einer Zuschauer-Kapazität von 15.000 bis 20.000 ist eine Größenordnung, die für den Raum Linz wirklich realistisch ist. So könnte man auch Nationalteamspiele abhalten.“

Im Herbst wurde von einer Investition von rund 40 Millionen Euro gesprochen, die kolportierten Kosten wolle man auch durch alternative Nutzung wieder hereinholen. So waren von rund 200 Veranstaltungen in der Haupttribüne pro Jahr die Rede.

Die Politik trägt das Projekt insofern mit, als dass die Landesregierung 2015 ein reines Fußball-Stadion im Arbeitsübereinkommen festgehalten hatte. Nicht zu unterschätzender Aspekt: Der designierte Landeshauptmann Thomas Stelzer ist wie Sportlandesrat Michael Strugl bekennender LASK-Fan.

  • Die Akademie soll eine zentrale Rolle spielen

Der LASK hat einen sportlichen Plan. Auch das war nicht immer so. „Wir wollen langfristig in der Bundesliga nicht ständig gegen den Abstieg spielen, sondern uns nach oben orientieren", nennt Friedl das perspektivische Ziel für die Profis. Das sagten schon viele seiner Vorgänger. Doch in diesem Fall geschehen auch Taten. Denn um dieses Ziel zu schaffen, wurde der LASK im Herbst Gesellschafter in dieser hiesigen Fußball-Akademie Linz.

„Es war ein entscheidender Schritt für die Zukunft, bei der Akademie dabei zu sein, um unsere Inputs einzubringen, so dass die Absolventen auch gewisse spielerische Attribute haben, die wir im Profi-Bereich sehen wollen und verlangen. Mittelfristig ist das Ziel, eine Führungsrolle zu übernehmen und vielleicht sie gänzlich selbstständig zu führen", gibt Friedl Einblick. Durchgängigkeit heißt das klare Ziel.

Glasner soll diese umsetzen: „Neben der täglichen Arbeit mit den Profis beschäftigt mich auch viel die strategische Ausrichtung im sportlichen Bereich, um eine Durchgängigkeit zu schaffen. Die Akademie ist seit Herbst dabei, da gilt es Dinge Schritt für Schritt anzugleichen und zu optimieren. Wir alle denken, dass das für den gesamten Verein LASK und dessen Ausbildungsschiene das Beste ist.“

Junge Spieler wie Dominik Reiter oder Marko Raguz, der beim 3:1 gegen Wacker bei 0:1 debütierte und am Ende den Endstand herstellte, bekommen auch Spielzeit. Glasner: "Wir wären grob fahrlässig, wenn zwei U19-Nationalteamspieler wie Dominik Reiter oder Marko Raguz nicht die ersten Profi-Schritte beim LASK machen, wenn sie vor der Haustür sind."

Friedl ist seit Sommer General Manager
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  • Die Amateure sind ein Thema für die zweite Liga

Auch die Amateure spielen hier natürlich eine wesentliche Rolle und die Liga-Reform öffnet ab 2018 auch die Türen für Amateur-Teams. „Es ist ein Thema, unsere zweite Mannschaft in die neue zweite Liga zu bringen, um ein noch besseres, durchgängigeres Konzept zu haben. Wir sind aktuell am Evaluieren, was für uns das Beste und welcher Zeitpunkt der beste sind. Wir warten auch ab, wie die neue 16er-Liga am Ende aussehen wird.“

Vorrangig ist aktuell freilich, die Profi-Mannschaft nicht nur auf den aktuellen Kurs zu halten, sondern weiter voranzubringen. „Es ist schön, dass wir so da stehen, aber wir wollen uns vor allem fußballerisch ständig verbessern. Das ist unser Antrieb und das gefällt mir auch an der Mannschaft: Egal ob im Test, im Cup oder in der Liga – sie will sich verbessern. Das ist sicher der größte Entwicklungsschritt, der uns gelungen ist."

Glasner geht ins Detail: "In Liefering haben wir nach der Pause extrem kompakt in der eigenen Hälfte verteidigt. Das zeigt, dass wir uns alle weiterentwickelt haben – ohne unsere fußballerische Linie zu verlieren: Was es heißt, im Angriffsbereich Gegenpressing zu spielen. Was es heißt, bei Ballgewinn schnell umzuschalten. Was es heißt, einen kontrollierten Spielaufbau zu bewerkstelligen. Das ist in Liefering nicht gefragt, aber in Wiener Neustadt. Wir versuchen uns ständig etwas Neues einfallen zu lassen. Auch bei Standards, da wollen wir immer einen Schritt weiter vorne sein."

In seiner Zeit in Salzburg war Glasner als Co-Trainer von Roger Schmidt dafür zuständig. Nun ist es Michael Angerschmid. Die Ried-Trilogie beim LASK vollendet Ronald Brunmayr als Trainer der Amateure.

  • Die Fans sollen zurückgeholt werden

"Auch am Verbannungsort besteht die Liebe fort" - dieses Spruchband ist bei jedem Heimspiel des LASK zu sehen.

In Pasching spielen zu müssen, tut den LASK-Fans sichtlich weh, doch das wird noch fünf Jahre anhalten. Denn bis 2022 wird der LASK in Pasching spielen und aufgrund der Investitionen in Stadion und VIP-Klub auch nicht mehr auf die Gugl auswandern.

Als der LASK vor zehn Jahren in die Bundesliga aufstieg, kamen im Schnitt 5000 Zuschauer zu den Heimspielen. In dieser Saison sind es 3000.

"Aufgrund der mageren Jahre hat der LASK sicher viele Fans verloren, vielleicht sogar eine halbe Generation. Da versuchen wir natürlich, die Leute zu überzeugen. Das geht nur mit Arbeit, sportlicher und wirtschaftlicher Natur. Wir sind aktuell mit dem Schnitt zufrieden, die Stimmung bei den Spielen ist großartig", zeigt sich Friedl zufrieden.

Ein Aufstieg würde dabei helfen. Und dahingehend sieht es gut aus. Es sieht sogar sehr gut aus.

Textquelle: © LAOLA1.at

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