Drama bis zum Ende

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Top 5: Legendäre Aufstiegs-Entscheidungen

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Fünf Runden. Fünf Gegner. 15 Punkte. 

Die Erste Liga biegt auf die Zielgerade ein und der Titelkampf ist so spannend wie seit Jahren nicht.

Kein einziger Punkt trennt den LASK und SKN St. Pölten derzeit in der Tabelle voneinander.

Während die Niederösterreicher zum Auftakt des Endspurts Kapfenberg empfangen (18:30 Uhr), können die Linzer am Abend (20:30 Uhr) gegen Austria Lustenau nachlegen (alle Spiele im LAOLA1-LIVE-Ticker).

Drama bis zum Schluss gab es in den letzten zwei Jahrzehnten in Österreichs zweithöchster Spielklasse selten.

Welche waren die denkwürdigsten Zieleinläufe im Kampf um den Aufstieg ins Oberhaus?


Die LAOLA1-Dreierkette widmet Ausgabe 6 dem spannenden Thema "Liga-Reform": Mit Bernhard Kastler sprechen die Redakteure Jakob Faber und Peter Altmann über Lösungen, Gefahren und Versäumnisse, die Markus Kraetschmer aufzeigt:


Foto: © GEPA

  • PLATZ 5: Saison 2008/09 - SC Magna Wiener Neustadt vs. Admira

Es war der Kampf der Mäzene: Frank Stronach gegen Richard Trenkwalder - mit dem besseren Ende für den früheren Austria-Geldgeber und späteren Politiker. Gleich im ersten Jahr seines Engagements in Wiener Neustadt führte der Austro-Kanadier seinen SC Magna in die Bundesliga. Dabei schien dem Team von Helmut Kraft gegen Ende der Saison selbige auszugehen. Zwischen Runde 27 und 29 blieb man sieglos und ließ die Admira heranrücken. Fünf Runden vor Schluss war alles offen: Die Südstädter hatten nur drei Punkte Rückstand, sie ließen dann aber selbst Federn. In der 32. und damit vorletzten Runde - damals spielten zwölf Teams in der Liga - machte Wr. Neustadt das Meisterstück perfekt. 

SC Magna Wr. Neustadt - SKNV St. Pölten 4:1 (3:0)
Stadion der Stadt Wr. Neustadt, 4.400, SR Eisner

Torfolge: 1:0 (8.) Reiter, 2:0 (24.) Aigner (Handelfmeter), 3:0 (31.) Sadovic, 3:1 (69.) Thürauer, 4:1 (81.) Burgstaller

Aufstellung: Fornezzi - Dunst, Johana, Margreitter, Klapf - Wolf (71. Simkovic), Reiter, Kolousek, Burgstaller - Sadovic (83. Grünwald), Aigner (60. Kuljic)


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  • PLATZ 4: Saison 2010/11 - Admira vs. Altach

Die Rückkehr der Admira ins Oberhaus nach fünf Jahren Absenz wurde zur Nervenprobe. Zwar lagen die Südstädter fast über die gesamte Spielzeit auf dem ersten Platz, doch bis zur letzten Runde ließ Verfolger Altach nicht locker. Fünf Runden vor Schluss trennten die Südstädter und Rheindorfer ein Zähler. Die Vorentscheidung brachte ein Kraftakt in Runde 35: Bis Minute 72 lag die Admira gegen Austria Lustenau 1:3 zurück, ehe Toth, Schwab, Jezek und Sulimani noch für ein 5:3 sorgten. Damit reichte in der letzten Runde ein Remis bei der Vienna. Und genau das gelang: Mit einem 0:0 sicherte sich die Admira Aufstieg und Titel, Altach schlug St. Pölten 3:0 und rückte bis auf einen Punkt heran. Ein Jahr darauf sollte die Admira in der Bundesliga über einen Europa-League-Platz jubeln dürfen.

First Vienna FC - FC Trenkwalder Admira 0:0 (0:0)
Hohe Warte, 5.500 (ausverkauft), SR Krassnitzer

Aufstellung: Berger - Plassnegger, Dibon, Drescher, Palla - Bichelhuber (85. Schicker), Schachner, Cemernjak, D. Toth, Jezek - Ledezma (68. Topcagic)


Foto: © GEPA

  • PLATZ 3: Saison 2001/02 - Pasching gegen Lustenau

Wie ausgelassen man Niederlagen feiern kann, bewies Dorfklub Pasching vor 14 Jahren. Der legendäre Durchmarsch von der sechsthöchsten in die erste Spielklasse wurde am letzten Spieltag perfekt gemacht. Drei Vereine waren in der Schlussphase der Saison im Titelkampf. Nach Runde 31 strahlte noch Bad Bleiberg von der Spitze, ehe die Kärntner abfielen. Spannung pur dann am letzten Spieltag: Pasching hatte zwei Zähler Vorsprung auf Austria Lustenau, aber das schlechtere Torverhältnis. Für die Oberösterreicher hätte also ein Remis zu wenig sein können. Das Zünglein an der Waage hieß damals SC Untersiebenbrunn: Die Marchfelder gewannen völlig überraschend in Lustenau durch Tore von Schandl und Aigner bzw. Vujic mit 2:1. In Pasching führten die Hausherren lange, ehe Wagner ausglich. Nach dem Schlusspfiff in Lustenau war Platz eins aber sicher und Köszegi sorgte sogar noch für eine Niederlage des neuen Meisters.

SV Pasching - SV Mattersburg 1:2 (0:0)
Waldstadion, 7.000, SR Stuchlik

Torfolge: 1:0 (69.) Kuljic (Kopf), 1:1 (83.) Th. Wagner, 1:2 (93.) Köszegi

Aufstellung: Schicklgruber - Lesiak, Wisio, Knabel - Hörtnagl, Riegler, Kahramann (65. Mühlbauer), Huspek (84. Köck), Metlitski (60. Laschet) - Kuljic, Sidibe


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  • PLATZ 2: Saison 2009/10 - FC Wacker vs. Admira

Schauplatz Pasching, acht Jahre später. Der FC Wacker Innsbruck stand nach zwei Jahren Pause vor der Rückkehr in die Bundesliga. Zwei Punkte lag man vor der Schlussrunde vor der Admira. Während diese in Hartberg antrat, musste man selbst beim "Auswärtsspiel" (über 3.000 mitgereiste Wacker-Fans) gegen die Red Bull Juniors ran. Die "Jungbullen" machten den Tirolern das Leben richtig schwer, während die Südstädter in der Steiermark schon zur Pause 3:0 führten und letztlich 4:0 gewannen. Da die Admira das bessere Torverhältnis hatte, brauchte Wacker einen Sieg. 13 Minuten vor dem Ende schraubte sich Marcel Schreter nach einer Flanke von rechts hoch und versetzte den Tiroler Anhang mit einem wuchtigen Kopfball in Ekstase, wenig später entschied der Stürmer die Partie endgültig. "Nie mehr Erste Liga!", gröhlten die Fans. 2014 musste man aber doch wieder absteigen und kämpft seither um die Rückkehr ins Oberhaus.

Red Bull Juniors - FC Wacker Innsbruck 0:2 (0:0)
Waldstadion, 3.500, SR Krassnitzer

Torfolge: 0:1 (77.) Schreter, 0:2 (85.) Schreter

Aufstellung: Grünwald - Harding, Winkler, Dakovic, Hauser - Koch, Prokopic, Sara, Löffler (37. Bilgen) - Fabiano (57. Perstaller), Schreter (88. Unterrainer)


Foto: © GEPA

  • PLATZ 1: Saison 1997/98 - Vorwärts Steyr vs. Die Lizenz

Zum letzten Mal hieß die zweithöchste Spielklasse 2. Division, da man sie nach englischem Vorbild auf 1. Division umbenannte. Erst 2003 folgte der ungewöhnliche Name "Erste Liga". Der Titelkampf war nur eine Besonderheit dieser Spielzeit. Die Liga wurde mit 15 Vereinen ausgetragen, da die beiden Erstligavereine LASK und FC Linz sowie der SCN Admira/Wacker mit dem Zweitligaklub VfB Mödling fusionierten. Eine Saison später wurde übrigens die Zehnerliga eingeführt. Aber zum Sportlichen. Der Titelkampf war dramatisch spannend. Vorwärts Steyr hielt drei Runden vor Schluss bei 45 Zählern, Braunau mit einem Spiel weniger bei 43. Die Vienna (42) und Spittal/Drau (41/Spiel weniger) lagen unmittelbar dahinter. Zwei Runden vor Ende dann der Schock: Steyr erhielt keine Lizenz (u.a. 700.000 Schilling Schulden bei der GKK), die Karten schienen neu gemischt. Vor der Schlussrunde war Steyr sportlich Meister, Spittal aber in der vermeintlichen Pole Position um den Aufstieg, auch Braunau und Bregenz hatten Chancen. Zwei Tage vor dem Liga-Finish die Kehrtwende: Steyr durfte mit Auflagen aufsteigen und musste die folgende Bundesliga-Saison mit 3 Minuspunkten beginnen. Steyr beendete die Saison mit vier Punkten Vorsprung auf Spittal. Eine Welle des Protests begann: Altach, das aufgrund dieser Entscheidung in die Regionalliga hätte absteigen müssen, erhielt vom Wr. Landesgericht sogar eine einstweilige Verfügung, zu Relegationsspielen antreten zu dürfen. Das ständig neutrale Schiedsgericht wurde einberufen, Altach brachte davor Klage gegen die Bundesliga ein. Am selben Abend entschied das Schiedsgericht zugunsten von Spittal, aber auch der Vergleich mit Steyr blieb aufrecht. Die Bundesliga hatte plötzlich elf Vereine und drohte wenige Tage vor Saisonstart im Chaos zu versinken. Erst eine außerordentliche Bundesliga-Hauptversammlung brachte die Entscheidung: Ein Antrag des Spielausschusses über eine Liga mit 10 Klubs wurde von den Vereinen mit 110:3 angenommen - nur Spittal war dagegen. Steyr durfte also Bundesliga spielen, Spittal nicht. Danach wurde weitergestritten, bis die Kärntner und Altach letztlich finanziell abgegolten wurden. Eine montelange Fußballposse aus Österreich ging zu Ende. Spittal wurde in der 1. Division 1998/99 Vorletzter und stieg nach den Relegationsspielen gegen Untersiebenbrunn ab. Steyr scheiterte in der Bundesliga kläglich, verlor nach dem Herbstdurchgang in der 1. Division 1999 die Lizenz und ging in Konkurs.

 

 

Andreas Terler


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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