Salzburg vor Lille: Ende zweier Serien als Ansporn

Salzburg vor Lille: Ende zweier Serien als Ansporn Foto: © GEPA
 

41 Pflichtspiele sind eine lange Zeit.

Wenn man vom FC Red Bull Salzburg spricht, kommt man an Rekorden zwangsläufig nicht vorbei. Siegesserien, neue Bestmarken, Superlative - die Bullen sind nicht nur in Österreich wieder einmal das Maß aller Dinge sondern erobern auch Europa.

Am Dienstag (ab 21 Uhr im LIVE-Ticker) haben die Bullen einen weiteren Matchball gegen den OSC Lille, um erstmals ins Achtelfinale der Champions League vorzustoßen. Mit einem Sieg wäre man fix aufgestiegen und zudem Gruppensieger, wenn Wolfsburg nicht gegen Sevilla gewinnen würde.

Die Brust ist breit, auch wenn zwei lange Serien kürzlich zu Ende gingen. Um auf die 41 Pflichtspiele zurückzukommen: Am Samstag beim 0:0 gegen die Admira blieben die Mozartstädter tatsächlich zum ersten Mal seit dem 18. Februar ohne einen eigenen Treffer. Seit der 0:2-Heimniederlage gegen Villarreal in der Runde der letzten 32 der Europa League hatte RBS IMMER getroffen. Bis zum Samstag war dies das einzige Mal in den letzten 50 Partien. Nun zeigten Adeyemi und Co. zum zweiten Mal nach neun Monaten wieder Ladehemmung. Das bedeutete gleichzeitig auch das Ende einer Serie von 43 Heimspielen mit eigenem Torerfolg, was einen neuen Rekord in der Bundesliga bedeutete. Zuletzt gab es am 10. März 2019 ein 0:0-Unentschieden gegen Sturm Graz.

Das zweite Serienende wurde beim letzten Auftritt in der Champions League besiegelt. Mit dem 1:2 beim VfL Wolfsburg wurde nicht nur die vorzeitige Chance auf den Aufstieg vergeben, sondern die Salzburger kassierten auch die erste Pflichtspielniederlage seit dem 2:3 in der Bundesliga bei WSG Tirol - diese war wohlgemerkt am 21. April. In diesem Zeitraum gelangen unfassbare 24 Siege bei vier Unentschieden.

Die beendeten Serien werden Salzburg somit weniger Kopfzerbrechen bereiten, auch wenn Trainer Matthias Jaissle in Wolfsburg sowie auch bei der Admira verzweifelte. Wer Salzburg kennt, weiß aber wohl nur zu gut, dass Negativerlebnisse nur noch einen zusätzlichen Antrieb für das Duell gegen OSC Lille heraufbeschwören.

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Historische Chance aufs Achtelfinale lebt

Noah Okafor, der in den vergangenen Wochen immer besser in Fahrt kam, unterstreicht diese These nur. Warum unnötige Spannung für den letzten Spieltag aufkommen lassen, wenn man den Aufstieg gegen die Franzosen bereits fixieren kann.

"Wir haben uns eigentlich vorgenommen, immer von Spiel zu Spiel zu schauen", bemüht der Schweizer eine Floskel, um dann doch zuzugeben: "Die Tabelle ist immer ein bisschen im Hinterkopf."

Denn trotz Niederlage gegen Wolfsburg und dem Ende der Erfolgsserie ist Salzburg besser als je zuvor unterwegs, kann erstmals in die Runde der letzten 16 der Königsklasse einziehen und hat bereits mehr Punkte in der Champions League als je zuvor eingefahren.

Die ersten drei Gruppenspiele blieb man mit sieben Punkten ungeschlagen - und das gegen Kaliber wie Wolfsburg, Lille und den FC Sevilla. Das Auswärtsspiel bei den Wölfen hätte auch anders laufen können, war aber im Endeffekt ein kleiner Dämpfer, der die Angelegenheit in der Gruppe noch einmal extrem spannend machte.

Immer knapp dran, aber noch nie so gut wie heuer

Trotzdem, sieben Punkte vor dem 5. Spieltag sind ein Novum für die erfolgsverwöhnten Bullen. Bereits zum dritten Mal in Serie vertreten die Salzburger Österreich in der europäischen Eliteliga.

2019/20 landete RBS am Ende auf Rang drei hinter Liverpool und Napoli sowie vor KRC Genk, damals wies man erst am Ende nach sechs Spieltagen sieben Punkte auf - was dieses Jahr auch noch passieren könnte, jedoch aus rot-weiß-roter Sicht hoffentlich nicht der Fall ist. Nach dem vierten Spieltag waren damals lediglich vier Punkte auf Salzburgs Konto.

Ein Jahr später beendete man die Gruppe ebenfalls als Dritter - diesmal hinter Bayern München und Atletico Madrid, aber vor Lok Moskau - und mit insgesamt nur vier Punkten auf dem Konto. Hier hatte man zum Zeitpunkt nach vier Spieltagen lediglich einen Punkt auf dem Konto.

Es spricht also Bände, dass man heuer nach vier Spielen noch immer von der Tabellenspitze strahlt und in den Hinspielen gegen Teams wie den französischen Meister, ein deutsches Top-Team sowie den Europa-League-Rekordsieger unbesiegt blieb und auch in Sevilla noch mehr möglich war. Auch wenn der Auftritt in der Fremde bei den Franzosen keine einfache Aufgabe wird, bleibt selbst im Falle eines Misserfolgs danach noch das Heimspiel gegen Sevilla.

Top-Torquote und defensiv stabil - das neue Salzburg unter Jaissle

Die einzige Pflichtspielniederlage dieser Saison in Wolfsburg wirft Salzburg nicht aus der Bahn - dafür ist die junge Truppe zu hungrig, zu zielstrebig. Schließlich hat man insgesamt 19 der 24 Pflichtspiele in der Spielzeit 2021/22 bisher gewonnen, vier Mal remisiert und eben nur beim neu von Florian Kohfeldt übernommenen Team verloren.

Das Selbstvertrauen, genug Tore schießen zu können, nimmt den Bullen sowieso keiner - auch die Nullnummer gegen die Admira nicht. Denn die Torquote der Jaissle-Elf ist nach wie vor erstaunlich.

In den bereits erwähnten 24 Pflichtspielen erzielten Adeyemi, Okafor, Sesko und Co. sage und schreibe 60 Tore, was einen Torschnitt von 2,5 Toren pro Spiel bedeutet. Selbst auf internationalem Top-Niveau in der Champions League schauten in vier Spielen sieben Treffer heraus, was einen Schnitt von 1,75 bedeutet.

Wenn Salzburg spielt, ist also immer etwas los. Was Matthias Jaissle seit Sommer aber am besten gelungen ist, ist bei aller Offensive, die nötige Stabilität in der Hintermannschaft zu gewährleisten - was in der Vergangenheit unter Jesse Marsch nicht immer der Fall war. So kassierte der Bundesliga-Krösus in den 24 Pflichtspielen nur 17 Gegentreffer, also 0,71 pro Partie. In der Königsklasse waren es fünf in vier Spielen bei einem Schnitt von 1,25 pro Begegnung.

Lilles Unform könnte Salzburg in die Karten spielen

Vorneweg schon einmal zum OSC Lille: Die Doggen können am 5. Spieltag weder vorzeitig weiterkommen noch ausscheiden und brauchen die Punkte noch mehr als Salzburg, wollen sie noch weiterkommen.

Mit dem Sieg in Sevilla beendete Lille eine Unserie von zehn Spielen in der CL-Gruppenphase ohne Sieg (3 Unentschieden, 7 Niederlagen). Zudem sind die Franzosen wahrlich keine Heimmacht. LOSC hat fünf der letzten acht Heimspiele in der CL-Gruppenphase verloren (3 Remis) und wartet im eigenen Stadion seit Ewigkeiten auf einen Sieg - der letzte gelang am 3. Spieltag der Saison 2006/07 mit einem 3:1 gegen AEK Athen. Seitdem folgten 6 Remis und 6 Niederlagen.

Nimmt man die Europa-League-Auftritte dazu, dann gelang mit dem 2:1 gegen Sparta Prag am 5. Spieltag der Saison 2020/21 der einzige Sieg in den letzten 18 Heimspielen auf europäischer Ebene (9 Unentschieden, 8 Niederlagen).

Dazu kommt noch die aktuelle Unform in der laufenden Saison. Der französische Meister hat nur sechs der 19 bisherigen Pflichtspiele 2021/22 gewonnen (7 Remis, 6 Niederlagen). Das heißt auch, dass LOSC seit dem 2:0 gegen Marseille am 3. Oktober keinen Sieg mehr in der Ligue 1 einfahren konnte (Bilanz seitdem 3 Unentschieden, 2 Niederlagen).

Begeisterte Lille in der Vorsaison noch alle und schockte vor allem PSG, hinkt man mit 17 Punkten nach 14 Spielen in der Ligue 1 der eigenen Ausbeute aus der Vorsaison um deutliche zwölf Zähler hinterher. Zudem ist man anfällig auf Gegentore: 21 kassierte man in der Liga bereits, vor einem Jahr waren es nach 14 Partien erst zehn.

Mit nur drei erzielten Toren in vier CL-Spielen in dieser Saison jagt man mit einem Torschnitt von 0,75 Salzburg keinen Schrecken ein, allerdings kassierte man auch nur drei Gegentore, also 0,75 pro Spiel. Salzburg gelangen als einzigem Team bisher zwei Treffer beim 2:1-Sieg in Salzburg. Wenn das kein gutes Omen ist.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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