So denkt Drago über Scheichklubs

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Dragovic: Der Schlüssel zum Erfolg gegen ManCity

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Das Warten hat ein Ende.

Für Aleksandar Dragovic startet das Fußball-Jahr 2016 mit einem echten Kracher.

Der 24-Jährige trifft mit seinem Klub Dynamo Kiev im Achtelfinale der Champions League auf das Star-Ensemble von Manchester City (ab 20:45 Uhr im LIVE-Ticker).

Während die Engländer traditionell auch in den Wintermonaten englische Wochen bestreiten mussten, befand sich Dynamo seit Anfang Dezember in der Winterpause. "Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung waren wir über einen Monat in Spanien, wo wir ein Dutzend Testspiele absolviert und in allen Belangen sehr hart gearbeitet haben", verrät Dragovic.

Der ÖFB-Teamverteidiger spricht im ausführlichen Interview mit LAOLA1 über die Mammutaufgabe Manchester City, den schlechten Ruf des "Scheich-Klubs" und die sich verändernden Anforderungen im Profifußball.

LAOLA1: Aleks, ihr hattet zweieinhalb Monate kein Pflichtspiel, während ManCity voll im Saft steht. Ein Nachteil?

Aleksandar Dragovic: Sicherlich ist das ein kleiner Nachteil. Es ist das wichtigste Spiel in diesem Jahr. Trotzdem: Jammern bringt nichts, wir müssen das Beste daraus machen und werden ihnen nichts schenken. Wir wollen uns für unsere Fans aufopfern und das Optimum rausholen.

"Wir müssen alle defensiv kompakt stehen und nach hinten arbeiten. Es wird der Schlüssel zum Erfolg sein, ob wir kompakt die Räume eng machen oder offen sind wie ein Scheunentor."

Aleksandar Dragovic

LAOLA1: Mit Samir Nasri und Kevin de Bruyne fallen zwei Topstars aus. Könnte sich das als kleiner Vorteil für euch erweisen?

Dragovic: Es hängt nicht von einem Spieler ab, Fußball ist ein Mannschaftssport. Da braucht man sich nicht auf de Bruyne, Aguero oder Toure speziell fokussieren, sondern auf die ganze Mannschaft. Wir werden alles geben in den beiden Spielen.

LAOLA1: Apropos Aguero. Läuft alles nach Plan, wird er dein Gegenspieler. Wie läuft bei dir die Vorbereitung auf ein Duell mit solch einem Sturm-Kaliber ab?

Dragovic: Dadurch, dass ich auch in meiner Freizeit viel Fußball schaue, kenne ich die meisten Spieler bereits, so auch Kun. In den letzten Wochen hatte er eine hervorragende Bilanz. Es wird eine schöne Erfahrung, gegen so einen Weltklassespieler zu spielen, aber es hängt natürlich nicht alleine von mir ab, sondern von der ganzen Mannschaft. Wir müssen alle defensiv kompakt stehen und nach hinten arbeiten. Es wird der Schlüssel zum Erfolg sein, ob wir kompakt die Räume eng machen oder offen sind wie ein Scheunentor.

LAOLA1: ManCity genießt bei Fußball-Fans nicht den allerbesten Ruf, gilt als Scheich-Klub. Wie stehst du zu solchen Vereinen?

Dragovic: Manchester City ist ein super Klub. Sie haben die Chance, wieder Meister zu werden, dazu den meiner Meinung nach besten Trainer der Welt verpflichtet. Ob Scheich-Klub oder nicht, sie versuchen auch nur, ihre Aufgaben zu erledigen. Trotzdem lebt der Fußball von Emotionen. Die Fans sind das Wichtigste für einen Verein.

Dragovic freut sich auf das Duell mit ManCity

LAOLA1: Dir wird nachgesagt, ein großer Fan der Premier League zu sein. Was fasziniert dich an ihr?

Dragovic: Für mich ist England sicherlich eine der besten Ligen. Es wäre ein Traum, wenn ich mal dort spielen dürfte. Wenn jetzt aber eine Mannschaft aus Deutschland, Italien oder Spanien käme, würde ich auch nicht nein sagen. Mit der Premier League würde aber ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen.

LAOLA1: National macht euch Shakhtar Donetsk das Leben schwer, ihr bildet punktegleich die Tabellenspitze. Siehst du einen Favoriten oder bleibt es ein enges Rennen bis zum Saisonfinish?

Dragovic: Wir spielen erst am Saisonende gegen sie, daher wird es sich erst dann entscheiden, wer Meister wird. Möge der Bessere gewinnen, ich hoffe auf ein glücklicheres Ende für uns.

LAOLA1: Das 0:3 im Hinspiel zuhause ist eure bislang einzige Niederlage. Schmerzt sie immer noch?

Dragovic: Es ist menschlich, dass wir auch mal verlieren, wir haben die ganze letzte Saison ja nie verloren. Es ist ärgerlich gegen den Erzrivalen, aber so ist nun mal der Fußball. Man will jedes Spiel gewinnen, aber natürlich schafft man das nicht. Wir haben eine Rechnung offen.

LAOLA1: Deine Position des Innenverteidigers hat in den letzten zehn, 15 Jahren eine enorme Entwicklung erlebt. Wie hast du sie wahrgenommen?

Dragovic: Früher war Kopfballstärke gefragt, der Innenverteidiger musste nie wirklich Fußball spielen können, sondern reingrätschen und reinhauen. Heutzutage zählt das Spielerische, selbst der Tormann muss schon sehr, sehr gut sein.

 

LAOLA1: Verbessern kann man sich immer und überall, wo siehst du selbst das größten Potenzial?

Dragovic: Ich muss torgefährlicher werden. Ich trainiere das immer wieder, aber irgendwie will der Ball manchmal nicht zu mir kommen oder ich stehe am falschen Ort. Ich bin aber zuversichtlich, dass das auch kommt. Zwei Tore habe ich ja schon in der Champions League (lacht) - mit dem Eigentor und einem Tor für uns (gegen Chelsea, Anm.). Ich mache mir nicht so viel Druck. Einfach weiter trainieren, dann hoffe ich, dass das schon kommt und ich meine zwei bis drei Tore pro Saison erziele.

LAOLA1: Stichwort Flexibilität: Pep Guardiola zelebriert es bei den Bayern, du selbst hast auch schon als defensiver Mittelfeldspieler agiert. Denkst du, dass Fußballer in Zukunft immer wandlungsfähiger werden müssen?

Dragovic: Vielleicht müssen wir, ich glaube trotzdem, dass man sich darauf spezialisieren sollte, wo man seine Stärken hat. Wenn mal Not am Mann ist, ist es gut, einen Spieler wie David (Alaba) zu haben, der alle Positionen spielen kann. Ich glaube aber, dass man sich auf eine Position spezialisieren sollte.

LAOLA1: Die EURO ist für euch ein ständiger Begleiter, die Fragen dazu häufen sich. Inwieweit versuchst du, das jetzt noch auszublenden?

Dragovic: Ich blende es komplett aus, weil ich noch wichtige Spiele vor der EM habe. Mit Manchester City warten jetzt zwei wichtige, in der Meisterschaft geht es gegen Shakhtar, dazu wollen wir wie im Vorjahr wieder ins Cup-Finale und diesen verteidigen. Natürlich hat man es im Hinterkopf, aber das muss man ausblenden.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christoph Nister

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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