So packt es Neo-Sportchef Bickel bei Rapid an

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Das 3:1 gegen die SV Ried war das zweite Spiel, dass der neue Geschäftsführer Sport Fredy Bickel live im Allianz-Stadion mitverfolgte.

Die schlimmste Krise scheint überstanden, Rapid ist seit vier Pflichtspielen ungeschlagen und konnte in der Bundesliga das zweite Spiel in Folge für sich entscheiden.

„Das sind Spiele, die wir einfach gewinnen müssen. Die Vorstellung zeugt von Charakter. Es war keine Galavorstellung, aber man sieht, dass das Team lebt“, lautete Bickels Einschätzung nach dem Sieg.

Offensichtliche Probleme und genaues Studium

Der neue Sportchef ist in den vergangenen Wochen schon in die Materie eingetaucht. Seit dem ersten Kontakt mit den Hütteldorfern vertieft er sich in den Verein und bereitet sich auf seine offiziell am 1. Jänner 2017 beginnende Funktion vor.

„Seit drei, vier Wochen habe ich jedes Spiel im TV gesehen, gegen SKN war ich so wie heute da und ich werde sicher auch nach Altach reisen. Was ich kann, werde ich tun. Vielleicht gehe ich auch ein wenig zurück, um mir noch ältere Spiele anzuschauen. Wichtig war es mir bisher, hier die Menschen zu spüren, dafür habe ich auch Interviews nachgelesen, von Trainern, Spielern, Verantwortlichen bis zu Fans der Ultras“, erklärt Bickel.



Dass der 51-jährige Schweizer ehrlich seine Meinung sagt, war schon bei seiner Präsentation offensichtlich. Auch in Bezug auf die Mannschaft war für ihn in den letzten Wochen die Verunsicherung ganz deutlich zu erkennen.

„Jeder kann die Probleme sehen, da spreche ich keine großen Geheimnisse an. Aber das werde ich zuerst mit dem Trainer besprechen. Wichtig ist, dass ich den Willen, den Charakter in der Mannschaft sehe und wie das Team funktioniert.“

Bickel und Canadi müssen erst zusammenfinden

Seit seiner Ankunft bei den Grün-Weißen gab es noch kein offizielles Gespräch zwischen ihm und Canadi – das soll sich schleunigst ändern.

Zwar trafen die beiden im Sommer aufeinander, damals war Bickel jedoch noch bei den Young Boys Bern und der jetzige Rapid-Trainer in Altach.

„Wir hatten ein Gespräch, aber beide wussten nicht, dass wir irgendwann zusammen arbeiten werden“, meint Bickel und Canadi ergänzt: „Jetzt hat es geheißen, wir kennen uns schon, dabei haben wir damals nur zwei Minuten geplaudert und gefragt, wie es uns geht.“

Dass der Trainer vor dem Sportdirektor da war, stellt für beide Seiten kein großes Problem dar. Es wird eine von Bickels ersten Aufgaben sein, sich mit Canadi zu arrangieren und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Canadi: „Habe viele ähnliche Aussagen wie bei mir gehört“

Der Rapid-Trainer verfolgte die Anstellung von Bickel mit großem Interesse und nimmt die Zusammenarbeit – auch was das Personal betrifft - zuversichtlich in Angriff.

„Wir haben einen 29-Mann-Kader, werden uns zusammensetzen und Entscheidungen gemeinsam treffen. Es ist wichtig, dass jetzt ein Sportdirektor da ist, mit dem sich der Trainer austauschen kann, der Entscheidungen treffen kann, was wir tun können und was nicht. Wie wir ticken, kann man jetzt nur wahrnehmen über Interviews. Ich habe mir Bickels Pressekonferenz angeschaut und viele ähnliche Aussagen wie bei mir gehört. Ich bin ein bisschen länger da, habe die Vorhut. Wir werden ab Winter etwas Neues beginnen und schauen, wie wir die vom Verein ausgegebenen Visionen erreichen können. So sehe ich jetzt unsere gemeinsamen Aufgaben für die nächsten Wochen und Monate.“

Bickel selbst stellte sich als Sportchef dar, der sich nicht in die Belange des Trainers einmischt, jedoch immer sehr nahe an der Mannschaft dran sein will.



Für üblich saß der Sportchef bei seinen bisherigen Stationen auch auf der Trainerbank. Ob das bei Canadi vereinbar ist, wird sich weisen. Bickel hat das zumindest auch vor.

Rapid soll erste Adresse für Nachwuchsspieler werden

Die erste Aufgabe des Schweizers wird es definitiv sein, den Verein und alle Beteiligten kennenzulernen. Die Spieler selbst konnten sich bisher noch kein Bild vom neuen Sportchef machen, bestätigten sie LAOLA1. Louis Schaub, Thomas Murg und Co. sind jedoch schon gespannt.

Dem Verein wird wohl einmal mehr eine neue Identität verliehen – vom Nachwuchs bis hin zu den Profis. Ob in dieser Hinsicht wieder eine einheitliche Philosophie angestrebt wird?

„Wir sprechen die gleiche Sprache, das ist uns allen sehr wichtig. Ich habe schon angedeutet, dass Österreich und Schweiz Ausbildungsligen sind. Es wird immer schwieriger, auch mit der UEFA-Reform. Wichtig ist es, dass man eine gute Ausbildung betreibt. Der Anspruch war immer, dass dort, wo ich war, die beste Adresse für Nachwuchsspieler ist. Das haben wir mit Zürich und in Bern geschafft und ist auch hier der Anspruch. Die Kampfmannschaft steht immer im Fokus, aber vom Fundament her ist der Nachwuchs zuerst wichtiger. In nicht allzu langer Zeit muss Rapid wieder die erste Adresse für Nachwuchsspieler sein“, lautet Bickels Einstellung.

Gleiche Linie, aber nicht unbedingt gleiches System

Dass sich dabei von der U6 bis ganz oben dasselbe System durchziehen muss, sagt der Sportchef nicht. Seiner Meinung nach können Spieler, die in einem 4-4-2 funktionieren auch in anderen Ausrichtungen funktionieren, wenn sie denn eine ausgewogene Ausbildung genießen.

„Ich werde nicht sagen, dass wir die gleiche Handschrift bis unten haben müssen. Viel wichtiger ist, dass wir die gleiche Linie, eine gute Ausbildung und Disziplin haben“, ist sich Bickel sicher.

Die ersten Tage, Wochen und Monate werden unter genauer Beobachtung stehen. Transfers im Winter will der neue Sportchef nicht ausschließen, trotzdem ist er überzeugt, dass Rapid bereits über hohe Qualität verfügt.

Alexander Karper



Textquelle: © LAOLA1.at

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