Thomas Goiginger auf dem Weg zu alter Stärke

Thomas Goiginger auf dem Weg zu alter Stärke Foto: © GEPA
 

Der Zeitpunkt, an dem die bis dahin perfekt laufende Saison 2019/20 des LASK zu bröckeln begann, lässt sich ziemlich genau auf den 8. März 2020 einschränken.

Die Linzer, bis dahin Tabellenführer der Bundesliga und frischgebackener Europa-League-Achtelfinalist, verloren beim Auswärtsspiel gegen den SV Mattersburg an diesem Tag Schlüsselspieler Thomas Goiginger mit einem Kreuzbandriss.

Nur kurz darauf wurde der Meisterschaftsbetrieb Corona-bedingt unterbrochen, der LASK absolvierte in dieser Unterbrechung unerlaubte Mannschaftstrainings und verspielte schließlich, auch aufgrund eines Punkteabzugs, ohne den verletzten Goiginger eine Top-3-Platzierung in der Bundesliga-Endtabelle.

Nun ist der LASK wieder auf den Platz an der Sonne zurückgekehrt, Goiginger schoss seine Athletiker mit einem Traumtor beim 3:0-Erfolg über die SV Ried (Spielbericht>>>) auf Kurs Derby-Sieg und damit an die Tabellenspitze. Doch ist der 27-Jährige nach seiner schweren Verletzung schon wieder der Alte?

"Das weiß ich auch noch nicht genau", antwortet der gebürtige Salzburger auf diese Frage bei "Sky". Fakt ist allerdings, dass Goiginger etwas früher als gedacht seinen Stammplatz beim LASK zurückerobern konnte. Nachdem er Ende Oktober erste Joker-Einsätze nach seiner Rückkehr auf den Platz bestritt, stand der Rechtsfuß gegen Ried zum bereits dritten Mal in Folge in der Startelf des LASK.

"Freue mich über jede Minute"

Ein Umstand, der Goiginger positiv stimmt: "Ich freue mich über jede Minute, die ich spielen kann. Ich will einfach immer Gas geben, will mich weiterentwickeln und will wieder zu meiner alten Form kommen. In gewissen Situationen bin ich schon wieder da, aber in gewissen Situationen noch nicht. Da heißt es auch, an sich glauben und gewisse Dinge mehr probieren", sagt der antrittsschnelle Blondschopf.

Woran hapert es denn noch? "In meinen Dribblings, in meinen Aktionen, die mich auszeichnen, merke ich noch ab und zu, dass mir auch mit mir selbst noch die Abstimmung fehlt. Man darf nicht vergessen, ich habe sieben bis acht Monate nicht gespielt. Das vergisst man immer schnell."

(Text wird unter VIDEO fortgesetzt)

Goiginger musste sofort funktionieren

Tatsächlich musste Goiginger rascher wieder funktionieren, als ursprünglich vorgesehen. Nach den Verletzungen von Marko Raguz, dem mit einem Kreuzbandriss das gleiche Schicksal wie Goiginger im Frühjahr zuteil wurde, sowie dem Ausfall von Husein Balic fehlten LASK-Coach Dominik Thalhammer schlicht die Alternativen in der offensiven Dreierreihe. Während Goiginger bis auf ein Joker-Tor direkt bei seinem Comeback großteils noch Luft nach oben zeigte, ging der Trend bei ihm zuletzt in die richtige Richtung.

Beim 3:3 in der Europa League gegen Tottenham erledigte er seine Aufgabe ordentlich und sammelte zudem einen Assist, im Oberösterreich-Derby gegen Ried brach er den Bann gegen einen defensiv eingestellten Gegner mit einem absoluten Zaubertor. Der gebürtige Salzburger, der einst über den USV Köstendorf (1998 bis 2008) zum Fußball kam, zog nach 22 Minuten von links zur Mitte und schlenzte die Kugel traumhaft über SVR-Keeper Samuel Sahin-Radlinger hinweg ins Kreuzeck.

"Bin noch nicht bei 100 Prozent"

"Ich habe einfach versucht, dass ich nach innen gehe. Dass er dann so gut passt, hat mich gefreut", analysiert Goiginger seinen Treffer. Der Außenspieler, der nie eine Fußball-Akademie von innen sah, gilt schon seit jeher als Spieler für die besonderen Momente, der knappe Matches mit Einzelaktionen kippen lassen kann.

Traumtore wie jenes gegen Ried bestärken sein Selbstvertrauen, welches essenziell für die Spielweise des Flügelspielers ist. Er findet: "Es ist für mich wichtig nach der langen Verletzungspause, dass ich einfach immer wieder Erfolgserlebnisse habe, weil ich weiß, dass ich noch nicht ganz bei 100 Prozent bin und noch eine gewise Zeit brauche. Aber solche Tore geben mir natürlich ein gutes Gefühl."

Schafft es Goiginger noch zur EURO?

Findet Goiginger wieder in die Spur zurück, ist auch der EURO-Zug für ihn noch nicht abgefahren. Der österreichischen Nationalmannschaft fehlten zuletzt kreative Offensiv-Spieler, die auch über die Seiten kommen können, wie ein Bissen Brot. Im letzten ÖFB-Lehrgang 2019 durfte Goiginger bereits auf Nationalteam-Ebene beim 0:1 gegen Lettland debütieren - im "höheren" Fußballer-Alter von 26 Jahren.

Goigingers spätes Debüt für Österreich - wo das durchschnittliche Alter eines aktuellen Kader-Spielers beim Debüt bei knapp über 22 Jahren liegt - kommt wenig überraschend, sieht man sich den bisherigen Karriere-Verlauf des heute 27-Jährigen an: Nachdem er es aufgrund der starken Konkurrenz in seinem Jahrgang nicht in die Salzburger Akademie schaffte, kämpfte sich der Köstendorfer über den Regionalligisten Union Vöcklamarkt in den Profifußball.

Vom Zivildiener des Jahres zum LASK-Schlüsselspieler

Um sich anderweitig abzusichern, absolvierte Goiginger neben seinem "Nebenberuf" Fußball eine Lehre zum Industriekaufmann. Im Alter von 20 Jahren, wenn die meisten österreichischen Kicker ihre Karriere im Profifußball langsam ins Rollen bringen, trat Goiginger seinen Zivildienst in der Justizanstalt Salzburg an und wurde für "seine Genauigkeit, den diskreten Umgang mit Daten über Insassen und seine schnelle Auffassungsgabe" sogar als Zivildiener des Jahres des Landes Salzburg von der damaligen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ausgezeichnet.

Erst danach, im Sommer 2014, unterschrieb Goiginger seinen ersten Profivertrag - beim SV Grödig. Nach wenig Einsätzen in der Bundesliga und dem Abstieg Grödigs wechselte er 2016 zu Blau-Weiß Linz. Beim Erzrivalen des LASK überzeugte Goiginger in der zweiten Liga so sehr, dass die Athletiker ihn bei ihrem Bundesliga-Aufstieg 2017 gleich wieder mit ins Oberhaus nahmen.

Beim LASK etablierte sich der unkonventionelle Profi schnell als Stammspieler, war bis zu seiner schweren Verletzung einer der Hauptverantwortlichen für den kometenhaftigen Aufstieg der Linzer und ist momentan auf dem besten Weg, wieder der "alte" Goiginger zu werden.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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