Florian Flecker: Ausland ist nur aufgeschoben

 

Die Floskel, dass es im Fußball manchmal sehr schnell gehen kann, stimmt bisweilen eben doch.

Im vergangenen Sommer wurde Florian Flecker beim Wolfsberger AC trotz laufenden Vertrags ausgemustert. Einen starken Herbst bei Neo-Arbeitgeber TSV Hartberg später wäre sogar ein Auslands-Transfer möglich gewesen.

Unter anderem hat der deutsche Zweiligist Union Berlin angeklopft, die Gespräche waren schon recht konkret.

"Sicher wäre es eine reizvolle Geschichte gewesen", erklärt Flecker im Gespräch mit LAOLA1, doch Hartberg ließ ihn nicht ziehen: "Wir haben das zusammen abgeklärt, das halbe Jahr in Hartberg ist für meine Entwicklung noch sehr gut. Ich hoffe, dass ich weitere Spiele sammeln und mit Topleistungen aufzeigen kann. Dann wird man sehen, was sich noch ergeben wird."

Keine Illusionen bei Hartberg

Beim TSV Hartberg gibt man sich nicht wirklich Illusionen hin. Fleckers Vertrag läuft am Saisonende aus. Den Flügelflitzer halten zu können, erscheint aus aktueller Perspektive sehr unwahrscheinlich.

"Wenn er sich so weiterentwickelt, bin ich überzeugt, dass er spätestens im Sommer im Ausland ist."

Markus Schopp

"Wenn er sich so weiterentwickelt, bin ich überzeugt, dass er spätestens im Sommer im Ausland ist", sagt Trainer Markus Schopp.

Warum hat man den Steirer eigentlich nicht schon jetzt im Winter ziehen lassen und somit die letzte Chance auf eine Ablöse genutzt? Letztlich war ein Frühjahr mit Flecker mehr wert als die Höhe der Angebote.

Schopp: "Flo hat Vertrag bis Sommer und ich plaudere kein Geheimnis aus, wenn ich sage, dass man als TSV Hartberg für ein paar Monate nicht die großen Gelder bekommt. Man fragt sich: Was ist der Preis? Gibt man einen Spieler her und verliert ein wichtiges Element, um die eigenen Ziele zu erreichen? Oder nimmt man einfach das Geld und fragt sich nachher: War es das, was es uns wert ist? Das war aus meiner Sicht einfach nicht gegeben. Deswegen freut es mich, dass er weiter bei uns ist."

Schopp: "Interessante Erfolgs-Story"

Mit Flecker hätten die Oststeirer in der Tat ein wichtiges Element ihres Spiels verloren. Mit steigendem Selbstvertrauen drehte der 23-Jährige zunehmend auf und überzeugte vor allem mit seinem Speed.

Mit fünf Toren und vier Assists ist er hinter Rajko Rep Hartbergs Topscorer in der Liga. Vor allem dem 3:3 beim LASK drückte er mit einem Doppelpack und einer Torvorlage seinen Stempel auf.

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"Flo ist eine absolut interessante Erfolgs-Story aus dem Herbst", findet Schopp, "als Steirer war er für mich natürlich jemand, den ich schon länger im Blickwinkel hatte - nicht nur beim WAC, sondern auch schon davor in Kapfenberg. Daraus ergibt sich ein Bild. Die Frage ist dann immer, inwieweit ein Spieler nach so einer negativen Erfahrung noch Interesse hat, wieder durchstarten zu wollen."

Flecker lieferte seinem Coach prompt die Antwort: "Flo hat von Tag eins an versucht, das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen zu lassen, und das ist ihm richtig gut gelungen. Er belohnt sich mit richtig guten Leistungen. Er versucht, geradliniger zu werden, seine Schnelligkeit ganz anders einzusetzen, wird im Spiel einfacher - auch mit dem Rücken zum Tor."

WAC plante nicht mehr mit Flecker

Bei allem Lob findet Schopp jedoch auch, dass Flecker das eine oder andere "noch besser machen" und auch "noch weiter wachsen" könnte. So gesehen könnte es auch gut tun, sich im Frühjahr in einem Umfeld weiterzuentwickeln, das ihm augenscheinlich gut tat.

"Ich hätte bis Sommer 2019 Vertrag in Wolfsberg gehabt. Dann kam der Trainer-Wechsel und über Umwege habe ich erfahren, dass nicht mehr mit mir geplant wird."

Florian Flecker

Zumindest besser als jenes beim WAC in der vergangenen Saison. Für die Kärntner kam Flecker zwar immerhin auf 31 Liga-Spiele, dabei konnte er jedoch nicht so aufzeigen, wie es ihm zuvor beim Kapfenberger SV oder danach in Hartberg gelungen war.

"Ich hätte bis Sommer 2019 Vertrag in Wolfsberg gehabt, und eigentlich war geplant, dass ich auch bis dorthin dort bleibe. Dann kam der Trainer-Wechsel und über Umwege habe ich erfahren, dass nicht mehr mit mir geplant wird. Deshalb musste ich mich auf die Suche nach einem neuen Verein machen. Das hat sich mit Hartberg gut ergeben, weil ich in Graz wohne und das so beibehalten wollte. Wie man gesehen hat, war es eine sehr gute Entscheidung", erläutert Flecker.

Warum endlich der Knopf aufging

Dass der Schritt in die Oststeiermak ein guter gewesen sei, habe er von Anfang an gemerkt. Schon die ersten Pflichtspiele hätten gezeigt, dass einiges möglich sei, auch wenn die guten Ergebnisse zu diesem Zeitpunkt teilweise noch ausblieben: "Gerade das erste Spiel in Graz (2:3; Anm.d.Red.) war für uns alle eine sehr richtungsweise Partie, weil wir gemerkt haben, dass wir fußballerisch mithalten können. Das war ein ausschlaggebender Punkt für den restlichen Herbst."

Und auch in persönlicher Hinsicht war bald zu merken, dass es nun besser als beim WAC läuft: "Ich habe immer hart daran gearbeitet, dass es passiert und mir der Knopf aufgeht. Die Mannschaftsleistung hat natürlich geholfen, weil es einfach überragend war, wie wir Fußball gespielt haben. Auch das Vertrauen des Trainers spielt immer eine große Rolle, das habe ich hier bald bekommen. Der Zusammenhalt der Mannschaft macht das Ganze einfach leichter."

Und Schopps Philosophie sowieso: "Unsere Spielanlage mit schnellem Gegenpressing und schnellen Umschaltmomenten kommt mir sehr zu Gute."

Der große Traum vom Ausland

Wenn ein Spieler einer großen Schritt nach vorne macht, bleibt dies auch anderen Klubs nicht verborgen. "Natürlich ist es schön, wenn man hört, dass andere Vereine Interesse haben, aber ich bin Hartberg-Spieler, werde das jetzt auch bleiben und das ist sehr gut so", betont Flecker.

"Sicher ist es mein Ziel, dass ich auf meiner Karriere-Leiter noch weiter raufkomme. Wenn die Leistung weiter stimmen sollte, bin ich sicher nicht abgeneigt, ein neues Abenteuer einzugehen."

Florian Flecker

Die nächste Beförderung erscheint ohnehin nur bis zum Sommer aufgeschoben, am notwendigen Ehrgeiz mangelt es nicht: "Sicher ist es mein Ziel, dass ich auf meiner Karriere-Leiter noch weiter raufkomme. Wenn die Leistung weiter stimmen sollte, bin ich sicher nicht abgeneigt, ein neues Abenteuer einzugehen."

Auch die Traumdestinationen sind kein Geheimnis: "Natürlich sind Deutschland und England immer präsent. Wenn man schon als kleiner Bub sieht, welcher Fußball dort gespielt wird, wie groß das Interesse ist, ist es schon ein großer Traum von mir, auch ins Ausland zu wechseln."

Nächstes Highlight gegen Rapid?

Mit Hartberg bleibt der Klassenerhalt das große Ziel. Und das eine oder andere Highlight kann man auch mit den Oststeirern erleben - zum Beispiel gleich im ersten Frühjahrs-Pflichtspiel, wenn es im ÖFB-Cup-Viertelfinale zu Rapid geht.

Flecker: "Die Vorfreude auf dieses Spiel ist riesig. Für Hartberg ist es schon sehr schön, ein zusätzliches Spiel auswärts bei Rapid bekommen zu haben. Natürlich wollen wir weiterkommen, das ist ganz klar."

Dass der TSV in der Bundesliga-Tabelle vor den Hütteldorfern rangiert, bezeichnet der Steirer als "schöne Momentaufnahme". Der 3:0-Heimsieg gegen Rapid, bei dem Flecker ein Tor und ein Assist beigesteuert hat, sei das Highlight schlechthin im Herbst gewesen:

"Das Rapid-Spiel war generell unser bestes Spiel im Herbst und auch der speziellste Moment. Das Stadion war ausverkauft, es war einmalig. Dass wir gegen Rapid 3:0 gewinnen können, hätte uns vorher keiner zugetraut."

Kein Trennungsschmerz vom "Zwilling"

Wie Flecker legte übrigens auch sein "Zwilling" Dominik Frieser einen guten Herbst mit sieben Pflichtspiel-Toren für den LASK hin. Das Duo spielte gemeinsam in Kapfenberg und übersiedelte im Doppelpack nach Wolfsberg, ehe sich im Sommer die Wege trennten.

"Trennungsschmerz war es keiner", lacht Flecker, "aber wir sind nach wie vor sehr viel in Kontakt. Natürlich verfolge ich seine Laufbahn weiter und es freut mich immer wieder, wenn ich sehe, dass er spielt und vor allem trifft. Das vergönnt man einem guten Freund einfach."

Hartberg-Trainer Markus Schopp zu Gast in der LAOLA1-Sendung "Fußball Total - der Talk":

Textquelle: © LAOLA1.at

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