"Das war nie mein Plan!"

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Wenn am kommenden Mittwoch die Generalversammlung der Wiener Austria ansteht, gibt es keinen Zweifel darüber, dass Wolfgang Katzian als Präsident wiedergewählt wird.

Der 60-Jährige ist bereits seit zehn Jahren im Amt und wird das noch mindestens vier weitere bleiben – so lange wie noch nie ein anderer Mann an der Spitze der Violetten.

„Es war ja nie mein Plan, Präsident zu sein. Und es war auch nie mein Plan, der längstdienende Präsident am Stück zu sein“, sagt der gebürtige Stockerauer.

Der Vorsitzende der GPA-DJP (Gewerkschaft) hat den FAK übernommen, als Frank Stronach drauf und dran war, den Geldhahn abzudrehen. In seine Ära fällt die Neuaufstellung des Vereins, die Ausgliederung in eine AG, die Teilnahme an die Champions League, der Meistertitel mit Punkterekord und im Sommer 2018 dann auch die Eröffnung des runderneuerten Stadions.

Im LAOLA1-Interview spricht Katzian darüber, wie lange er noch Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender bleiben will, warum er sich das damals überhaupt angetan hat und welche Pläne der FAK in Zukunft verfolgt.

LAOLA1: Ich gehe davon aus, dass die Generalversammlung am Mittwoch recht entspannt ablaufen wird, oder?

Wolfgang Katzian: Das hoffe ich! (lacht) Wir haben wirtschaftlich und sportlich keine schlechten Rahmenbedingungen. Es gibt zwar immer viel zu diskutieren, aber ich denke, im Großen und Ganzen passt alles.

LAOLA1: Noch nie war jemand so lange am Stück Austria-Präsident wie Sie.

Katzian: Ist das so? Wahnsinn!

LAOLA1: Was bedeutet Ihnen das?

Katzian: Das ist eine schöne Bestätigung, dass das, was ich mache, geschätzt und gewürdigt wird. Es war ja nie mein Plan, Präsident zu sein. Und es war auch nie mein Plan, der längstdienende Präsident am Stück zu sein. Ich komme ja von der Fan-Seite, war vorher nie Funktionär. Ich war in meiner Jugend auf jedem Spiel, als ich mich beruflich weiterentwickelt habe, musste ich von der Zeit her Abstriche machen. Ich kann ja heute noch nicht mit dem Anzug im Stadion sitzen. Für mich ist Fußball Emotion, ich brauche mein Austria-Shirt und meine Austria-Jacke.

LAOLA1: Wie war das damals im Jänner 2007?

Katzian: Frank Stronach ist ausgestiegen und der Klub war in einer Situation, von der viele gesagt haben: „Das ist das Ende, das überlebt der Verein nicht.“ Bürgermeister Michael Häupl hat mich angerufen und gesagt: „Es sind Leute gefragt, die nicht nur leer reden, sondern hingreifen und etwas tun.“ Ich habe gesagt: „Wenn ich mithelfen kann, mache ich das.“ Ich habe damals einen zutiefst frustrierten und verunsicherten Verein vorgefunden. Wir waren Vorletzter der Tabelle und hatten außer Stronach und dem Verbund de facto keine Sponsoren. Das war eine ordentliche Herausforderung.

Alexander Grünwald spricht über seine Zukunft:

(Interview wird unter dem Video fortgesetzt)


LAOLA1: Warum tut man sich das an?

Katzian: Jeder Mensch hat – neben seinem Beruf – irgendwas im Herzen, wofür er brennt. Ich bin in einem einfachen Arbeiterhaushalt aufgewachsen, wir hatten keinen Fernseher, mein Vater war violett bis auf die Knochen und wir haben Sport im Radio gehört. Als ich fünf Jahre alt war, bin ich zum ersten Fußballspiel mitgenommen worden. Seitdem ist da diese Emotion, die ganz, ganz tief geht. Wenn dann auf einmal ein Problem da ist und die Leute bitten dich um Hilfe, stellt sich die Frage fast nicht, ob man es macht oder nicht.

LAOLA1: Also war es eine leichte Entscheidung?

Katzian: Es war damals keine ganz so leichte Zeit in meiner beruflichen Tätigkeit in der Gewerkschaft. Das war unmittelbar am Höhepunkt der Bawag-Krise. Einige Leute haben gesagt: „Jetzt hat er keine anderen Sorgen, als bei einem Fußballverein Präsident zu werden?“ Gott sei Dank ist es mir gelungen, beide Aufgaben zu lösen.

LAOLA1: Erleben Sie Austria-Spiele anders, seit Sie dieses Amt bekleiden?

Katzian: Ich habe immer schon geflippt und bis zur letzten Sekunde die Panik, dass noch etwas passiert. Jetzt habe ich aber im Hinterkopf nicht nur die mögliche sportliche Schmach, sondern auch die wirtschaftlichen Folgen und so weiter. Wenn es um die Emotion geht, habe ich aber ein gutes Beispiel.

LAOLA1: Nämlich?

Katzian: Ich habe voriges Jahr eine neue Hüfte bekommen. Im Spital habe ich mir eine Woche nach der OP auf dem Fernseher über meinem Bett ein Heimspiel gegen die Admira angesehen. Genau in dem Moment, als die Admira das zweite Tor schießt, kommt die Schwester, um Blutdruck zu messen. Ich hatte einen wahnsinnig hohen Wert. Sie wollte sofort Maßnahmen ergreifen. Ich habe dann gesagt: „Kommen Sie in einer Stunde wieder, dann ist der Blutdruck wieder normal.“ So war es dann auch.

"Wir versuchen, so etwas wie die Austria-Familie zu etablieren, wollen Frauen und Kinder im Stadion haben – da ist kein Platz für Gewalt, kein Platz für Rechtsextremismus!"

LAOLA1: Wie lange wollen Sie noch Austria-Präsident bleiben?

Katzian: Für Dinge, die ich gerne mache, nehme ich mir kein Ende vor. Man muss merken, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um aufzuhören. Natürlich besteht immer die Gefahr, diesen Zeitpunkt zu übersehen. Aber es gibt Signale, die man dann erkennen muss. Ich umgebe mich nicht nur mit Ja-Sagern, sondern auch mit Leuten, die solidarisch-kritisch sind.

LAOLA1: Die Errungenschaften in Ihrer Amtszeit sind bekannt. Aber was war Ihr allergrößter Erfolg als Austria-Präsident?

Katzian: Das auf eine Geschichte zu reduzieren, ist schwer. Das Erste und Wichtigste war, das Überleben des Vereins zu sichern. Das Zweite war die Champions League und das Dritte ist, aus dem alten Horr-Platz ein Schmuckkästchen zu machen.

LAOLA1: Gibt es auch Negativ-Erlebnisse, die hängengeblieben sind?

Katzian: (stöhnt) Ach Gott! Bilbao daheim, ich stehe am Zaun mit dem Megaphon und sage: „Leute, reißt euch zusammen!“ 0:4 im Cup gegen Lustenau! Posen, 94. Minute, Majstorovic spielt im Sechzehner einen wunderschönen Pass zum Gegner und wir kommen nicht in die Gruppenphase. Und Pilsen ist noch so nahe, da brauche ich gar nichts zu sagen.

LAOLA1: Sie haben Bilbao angesprochen. Wie sehr haben Ihnen die Fan-Probleme der Austria wehgetan?

Katzian: Das hat mir wirklich im Herzen wehgetan. Wir versuchen, so etwas wie die Austria-Familie zu etablieren, wollen Frauen und Kinder im Stadion haben – da ist kein Platz für Gewalt, kein Platz für Rechtsextremismus! Wir haben immer sehr intensiv mit der Polizei zusammengearbeitet, haben auf sie gehört, die haben gesagt: „Lasst sie, da haben wir sie zum Teil unter Beobachtung.“ Irgendwann geht es nicht mehr. Wir haben vor einigen Jahren eine Linie gezogen, haben Stadion- und Hausverbote ausgesprochen. Bei den Auswärtsspielen haben wir es nur bedingt in der Hand. Es ist nach wie vor ein schwieriges Umfeld. Es ist besser geworden, aber nicht endgültig gelöst. Es ist eine permanente Auseinandersetzung. Ich werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass bestimme Dinge bei der Austria nicht gehen, dass es dafür in der violetten Welt keinen Platz gibt.

Wolfgang Katzian bejubelt den Meistertitel 2013
Foto: © GEPA

LAOLA1: Die Eröffnung des neuen Stadions ist dann das nächste große Highlight Ihrer Amtszeit.

Katzian: Natürlich. Aber vorher hoffen wir noch auf sportliche Highlights. Die Stadioneröffnung soll etwas ganz Besonderes werden, ein Erlebnis für alle Austrianer. Wir werden ein wirklich geiles Eröffnungsspiel haben.

LAOLA1: Sie halten sich – im Gegensatz zu so manchem Kollegen – in der Öffentlichkeit sehr zurück. Warum?

Katzian: Das mache ich absichtlich. Ich habe ja auch eine politische Tätigkeit, die immer wieder auch etwas mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat. Es würde keiner verstehen, würde ich mich permanent im Sport zu Wort melden. Ich gebe fallweise Interviews und Stellungnahmen ab. Aber wir haben eine klare Rollenverteilung im Verein und in der AG. Es muss nicht immer der Präsident die Kommunikation nach außen machen. Ich versuche, mich nicht wichtiger zu nehmen, als ich bin.

LAOLA1: Wie weit werden Sie bei alltäglichen Entscheidungen, wie etwa Transfers, um Ihre Meinung gefragt?

Katzian: Ich will immer am Laufenden sein. Wir haben derzeit ja wieder ein Transferfenster und im Vorfeld schon unsere Ziele festgelegt. Wenn es etwas gibt, was sich in den Randzonen des Vorbesprochenen bewegt, dann treffen wir die Entscheidung gemeinsam.

LAOLA1: Seit Thomas Parits in Pension ist, ist Markus Kraetschmer der einzige Vorstand. Ist das in Ihrem Sinne oder spielen Sie mit dem Gedanken, doch wieder auf eine Doppelspitze aufzustocken?

Katzian: Wir haben uns das offen gelassen. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir wollen, dass sich Franz Wohlfahrt auf den sportlichen Bereich konzentrieren kann. Das funktioniert sehr gut. Im Moment würde ich nichts ändern, ausschließen würde ich aber nichts. Es kann durchaus sein, dass wir irgendwann wieder eine andere Struktur haben.

LAOLA1: Es ist auch einmal zur Diskussion gestanden, Anteile der AG zu verkaufen. Ist das noch ein Thema?

Katzian: Das ist im Moment kein Thema. Aufgrund der Bestimmungen ist es möglich, dass jemand bis zu 49 Prozent der Anteile kaufen kann. Den zu finden, der 49 Prozent zahlt, aber sonst den Mund hält und sich nicht einmischt, ist ein bisschen schwierig (lacht). Daher muss man sich gut überlegen, ob man das tun will. Wenn ein Investor am Klub beteiligt ist, hat der bestimmte Erwartungshaltungen. Die Frage ist, ob sich diese Erwartungshaltungen mit jenen des Vereins decken.

LAOLA1: Es hat also noch kein chinesischer Investor angefragt?

Katzian: (lacht) Nein!

LAOLA1: Die Austria hat immer wieder große Projekte, die sie umsetzt. Der Stadionumbau ist so ziemlich das größte der vergangenen Jahre. Was steht dann als nächstes an? Oder wird es ganz ruhig bei der Austria?

Katzian: Ganz ruhig wird es nie. Wir haben die verschiedensten Ideen. Ich will hier nicht alles vorankündigen, was ich am Mittwoch sagen werde. Aber wir haben in der internationalen Vernetzung noch Luft nach oben und in der Präsentation der Veilchen in der digitalen Welt auch. Es gibt noch viel. Aber wir machen einen Schritt nach dem anderen. Wer zwei Schritte zugleich macht, sitzt am Hintern.

LAOLA1: Durch die CL-Reform geht die Schere zwischen den Top-Klubs und Vereinen wie der Austria immer weiter auf. Kommt man aus diesem Strudel irgendwie wieder raus?

Katzian: Das ist schwierig. Wir haben eine Situation, in der der Fußball, der sehr auf Europa und Südamerika fokussiert war, mittlerweile weltweit unterwegs ist – wenn ich mir die Investitionen in China ansehe, ist die Spielfläche eine größere geworden. Das ist Big Business. Für kleine Vereine wird es immer schwieriger, im Konzert der Großen dabei zu sein. Unsere Nachwuchsarbeit und die Akademie kosten rund zwei Millionen Euro im Jahr. Und dann verliere ich einen Spieler, bevor ich ihm mit 16 Jahren einen Jungprofi-Vertrag geben kann, und bekomme nur eine Ausbildungsentschädigung. Die Rahmenbedingungen sind schwer, die kleinen Vereine sind benachteiligt.

LAOLA1: Abschließend noch eine sportliche Frage: Was ist drinnen für die Austria in dieser Saison? Sie haben sich bei der Weihnachtsfeier vom Christkind den Meistertitel gewünscht.

Katzian: Den muss ich mir wünschen! Wir waren in der vorigen Saison Dritter, da kann ich mir ja nicht wünschen, dass wir Vierter werden. Wir wollen immer vorne dabei sein, müssen aber nicht. Das Wichtigste ist, international zu spielen. Jeder träumt vom Meistertitel. Wir haben das erlebt und wollen das wiederhaben. Es ist aber nicht mein Stil, das als Must auszugeben.

Textquelle: © LAOLA1.at

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