Schösswendter: Umstellung auf Deutschland war groß

 

133 Spielminuten hat Christoph Schösswendter im Trikot von Union Berlin absolvieren dürfen. In eineinhalb Saisonen.

Durchgespielt hat der 30-Jährige zuletzt im Mai 2017, bei seinem letzten Auftritt im Trikot des SK Rapid.

Jetzt ist "Schössi" zurück bei "seiner" Admira, für die er bislang in 102 Pflichtspielen auflief. Die Mission ist heikel, der Bundesliga-Klassenerhalt vor dem Frühjahr ernsthaft in Gefahr.

"Ich weiß, worauf ich mich hier einlasse", sagt Schösswendter im Gespräch mit LAOLA1. Vor seinem Wechsel nach Deutschland ist ihm das aber nicht ganz bewusst gewesen.

Umstellung von Rapid auf Union größer als gedacht

"Der Zeitpunkt des Wechsels war im Nachhinein betrachtet unglücklich. Ich bin damals zum Ende der Vorbereitung zu Union gekommen. Eine Woche später hat die Meisterschaft begonnen", erinnert sich der Innenverteidiger.

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"Es ist viel physischer, mit mehr Tempo drin. Es wird härter gespielt."

Über den Unterschied zwischen Deutschland und Österreich

Der Umstellung von Rapid auf die 2. deutsche Bundesliga war keine einfache: "Sie war doch größer, als ich gedacht habe. Es ist einfach ein ganz anderer Fußball. Viele fragen mich immer, ob besser oder schlechter als in Österreich, aber das kann man gar nicht so beantworten. Es ist einfach eine ganz andere Art und Weise. Es ist viel physischer, mit mehr Tempo drin. Es wird härter gespielt. Da habe ich eine Zeit gebraucht, bis ich mich darauf eingestellt habe."

Gegen Sandhausen durfte Schösswendter im September 2017 zum ersten und einzigen Mal in der Liga von Beginn an spielen: "Da musste ich gleich verletzt ausgewechselt werden und war fünf, sechs Wochen außer Gefecht. Danach wurde der Trainer ausgewechselt, dann ist das einfach in eine falsche Richtung gelaufen."

Konkurrenz war zu stark

Jens Keller wurde überraschend entlassen, da lag Union auf Platz vier der zweiten Bundesliga. Sein damaliger Co-Trainer Andre Hofschneider führte die Saison zu Ende. Union wurde Achter. Seit Sommer ist Urs Fischer am Werk, unter dem Schösswendter es noch einmal wissen wollte.

"Ich habe gedacht, dass sich vielleicht etwas ändert und ich eine neue Chance bekomme", war die Hoffnung groß. Die Berliner spielen unter Fischer eine beeindruckende Saison, stellen als aktueller Vierter die beste Defensive der Liga.

"Meine Konkurrenten (Marvin Friedrich und Florian Hübner, Anm.) haben richtig stark gespielt. Da muss man so ehrlich sein, dass sich herauskristallisiert hat, dass im Winter etwas passieren muss", sah Schösswendter ein. Berlin verließ er nicht mit Reue - im Gegenteil.

Union-Coach Fischer "leistet großartige Arbeit"

"Es ist interessant, dass man aus solchen Phasen einiges lernt und viel Positives mitnehmen kann. Ich habe mich irrsinnig wohlgefühlt, obwohl das Sportliche auf Dauer nicht gepasst hat", will er seine Deutschland-Erfahrung nicht missen und traut seinem Ex-Klub den ersehnten Aufstieg in die 1. Bundesliga zu:

"Vor zwei Jahren hat im Endeffekt einfach die Konstanz über eine Saison hinweg gefehlt. Damals war man bis März Tabellenführer, ist erst am Ende ein bisschen eingebrochen. Mit Trainer Fischer hat man jetzt einen ganz entscheidenden Faktor auf seiner Seite. Er leistet wirklich großartige Arbeit. Nicht nur fachlich, sondern auch menschlich ist er absolut top. Außerdem gibt es jetzt eine Breite im Kader, die bei so vielen Spielen in einer Saison entscheidend werden kann."

Die Einstellung im Union-Kader passt, das strich Sportdirektor Oliver Ruhnert unlängst hervor und meinte damit insbesondere Spieler wie Schösswendter, der trotz wenig Aussicht auf Spielzeit im Training alles gab.

Sich hängenlassen war keine Option

"Man ist Profi, man hat einen Vertrag bei dem Verein, von dem man gutes Geld bezahlt bekommt. Da war es für mich das Mindeste, dass ich mich trotzdem tagtäglich reinhaue", ist für den Routinier klar.

"Es ist bei mir auch der Punkt gekommen, an dem ich gewusst habe: Es wird danach wieder eine Chance kommen und wenn ich mich jetzt hängen lasse, dann wird es bei meiner nächsten Station auch vielleicht blöd laufen. So habe ich einfach versucht, an mir im Training zu arbeiten. Ich bin körperlich richtig gut beieinander, fühle mich gut. Deswegen bin ich jetzt an einem Punkt, an dem ich sagen kann, ich kann bei der Admira von Anfang an eine wichtige Rolle übernehmen und auch eine Hilfe sein."

"38 Gegentore aus 18 Spielen sind bei weitem zu viele. So eine starke Offensive kann man gar nicht haben, um das zu kompensieren. Ich weiß, dass viele Standardtore gefallen sind und auch viele durch individuelle Fehler passiert sind. Das waren Leichtsinns-Fehler."

Über die Admira

Das wird die Südstädter freuen. Defensive Stabilität braucht die Admira nach dem abgelaufenen Herbst wie einen Bissen Brot. "38 Gegentore aus 18 Spielen sind bei weitem zu viele. So eine starke Offensive kann man gar nicht haben, um das zu kompensieren. Ich weiß, dass viele Standardtore gefallen sind und auch viele durch individuelle Fehler passiert sind. Das waren Leichtsinns-Fehler", legt Schösswendter den Finger in die Wunde.

"Das gilt es abzustellen. Ohne jemanden schlechtreden zu wollen, aber wir haben jetzt nicht die Mannschaft, mit der wir pro Spiel drei, vier Tore machen. Deswegen wird es wichtig sein, in erster Linie die null zu halten."

Auch Rapid "wird Weg da raus finden"

Und in weiterer Folge die Klasse. Schösswendter sieht sich dabei nicht nur auf dem Platz als Führungsspieler. "Es sind viele junge Spieler da, die gerade erst einmal in das Profigeschäft reinschnuppern. Ich weiß, was das für eine Hilfe sein kann. Ich habe das selbst mit Anfang 20 genossen, dass ich Spieler gehabt habe, auch bei Rapid, die mir irrsinnig weitergeholfen haben. Dieser Rolle bin ich mir bewusst."

Auch mit Trainer Reiner Geyer führte der neue Admira-Leader schon ein langes Gespräch. "Ich glaube, er hat eine ganz genaue Vorstellung davon, wie wir spielen und auftreten sollen. Das Training ist super, wir machen sehr viel mit dem Ball. Es ist ein Plan dahinter."

Auf Ex-Klub Rapid würde Schösswendter im Frühjahr nur treffen, wenn die Hütteldorfer tatsächlich in die Qualifikations-Runde müssen. Auch aus der Ferne ist ihm nicht verborgen geblieben, dass sich bei den Hütteldorfern seit seinem Abgang nicht viel verbessert hat.

"Ich glaube dennoch, dass dort einiges passiert ist. Es ist ein neuer Trainer da und trotz allem eine gute Mannschaft. Ich glaube, dass sie genauso wie wir den Weg da raus finden werden."


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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