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Ex-Talent Valentino Müller: "Habe mir zu viel Druck gemacht"

Valentino Müller galt einst als Mega-Talent. Kürzlich absolvierte er mit 24 Jahren sein 100. BL-Spiel für die WSG. Mit LAOLA1 spricht er über seinen Werdegang.

Ex-Talent Valentino Müller: Foto: © GEPA

Der „Guardian“ listete Valentino Müller als Teenager 2016 gemeinsam mit Havertz, de Ligt oder Donnarumma unter den besten 60 Spielern seines Jahrgangs. Am Sonntag absolvierte der heute 24-Jährige sein 100. Bundesligaspiel.

Mit 17 Jahren debütierte der Vorarlberger für Altach in der Bundesliga. Die Medien hypten ihn als Mega-Talent.

Doch es lief nicht rund. In seinem letzten halben Jahr in Altach kam er nicht mehr zum Einsatz, der Wechsel zum LASK brachte schwierige Zeiten mit sich.

"Im Nachhinein habe ich mir den Wechsel sicherlich anders vorgestellt“, sagt der Mittelfeldspieler im LAOLA1-Interview über seine Zeit in Linz.

Müller spricht über den damaligen Hype, seine "extreme Herausforderung“ beim LASK und wie er bei der WSG Tirol die Kurve gekriegt hat.

LAOLA1: Wann hat es sich für dich abgezeichnet, dass du Fußballprofi wirst?

Valentino Müller: Seit ich mich erinnern kann, wollte ich Fußballprofi werden. In der Akademie (Vorarlberg, Anm.) war ich dann schon immer einer der Besten. Ich war überzeugt, dass es möglich ist. Du musst aber auch bedenken, dass viele richtig talentierte Spieler gescheitert sind. Es gehört viel mehr dazu als Talent. Mein erster Vertrag bei Altach hat das Ganze noch einmal nähergebracht. So wirklich realisiert, habe ich es aber erst mit meinem ersten Bundesligaspiel.

 

Müller bei seinem BL-Debüt gegen Salzburg. Der Vorarlbeger ist gerade einmal 17 Jahre alt.
Foto: © GEPA

LAOLA1: Damals warst du gerade einmal 17 Jahre. Dein erstes Spiel war ein 0:0 gegen Salzburg mit Altach. Was hast du für Erinnerungen daran?

Müller: Das war ein besonderer Moment. Da bin ich ganz zum Schluss noch von Damir Canadi eingewechselt worden. Als er mich zu sich gerufen hat, ist mir der Puls gleich in die Höhe geschossen. Ich habe es damals kaum erwarten können, dass es endlich so weit ist. Da hat alles gestartet. Ich glaube, das ist eine ganz schöne Geschichte.

 

 

 

"Mich persönlich hat es (Guardian-Artikel, Anm.) kalt gelassen. Die Medien ticken da ein bisschen anders."

LAOLA1: Der „Guardian“ hat dich 2016 unter den besten 60 Spielern deines Alters gelistet. Was war das für ein Gefühl?

Müller: Für mich war das völlig überraschend. Es war schon eine große Ehre, weil es waren auch ganz andere Namen auf der Liste. Mich persönlich hat es aber kalt gelassen. Die Medien ticken da ein bisschen anders. Ich war dort gelistet, weil ich schon sehr jung in der Bundesliga gespielt habe und Kapitän in den Nachwuchsnationalteams war. Auf diese Dinge schauen die Medien. Solche Geschichten werden dann eben hochgepusht. Ich wurde dann dadurch von außen mehr wahrgenommen. Das hat mich aber nicht unter Druck gesetzt. Den habe ich mir schon selbst auferlegt. Ich bin ein ehrgeiziger Typ und habe mir viel zu viel Druck gemacht. Ich wollte alles zerreißen. Der Druck hat aber überhaupt nichts mit dem Artikel des „Guardian“ zu tun.

LAOLA1: Wie wichtig war es, schon mit 17 Jahren Bundesliga zu spielen?

Müller: Es ist sicherlich positiv, wenn du so früh wie möglich auf höchstmöglichem Niveau spielen kannst. Es gibt aber auch die Sichtweise, dass es besser ist, noch länger auf einem Niveau zu spielen, wo du dominierst. Es hat aber sicher geholfen, dass ich schon sehr früh mit den Profis mittrainieren konnte und auch Bundesligaluft schnuppern durfte. Man weiß aber nie, was passiert wäre, hätte ich einen anderen Weg gewählt. Das kannst du abschließend nicht beurteilen.

LAOLA1: In der zweiten Saison als Profi gelang dir im Herbst der Durchbruch bei Altach. Dann hattest du aber immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Wie bist du damit umgegangen?

Müller: In Altach bin ich drei Mal für jeweils ungefähr drei Monate ausgefallen. Das war immer in einer Phase, in der ich mich als Stammspieler durchgesetzt hätte. Es war nicht leicht, damit umzugehen. Im Nachhinein habe ich mir damals zu viel Druck auferlegt. Ich wollte zu schnell zu viel erreichen. Vom Körper war das dann ein Signal in die Richtung: Moment einmal, das gehen wir jetzt langsamer an. Aus diesen Phasen lernst du allerdings sehr viel. Langfristig gesehen hat mich das geprägt. In dem Moment hätte ich mir aber natürlich gewünscht, fit zu sein.

LAOLA1: In deinem letzten halben Jahr bei Altach hast du dann gar nicht mehr gespielt. Wie ist es dazu gekommen?

Müller: Es gab einen Trainerwechsel. Alex Pastoor hat damals neu bei Altach als Trainer übernommen. In der Zeit war ich verletzt. Er hat dann seine Mannschaft gefunden, die funktioniert hat. Dann ist es natürlich schwer, sich zurück in die Mannschaft zu kämpfen. Daher bin ich in der Rückrunde auch zu keinem Einsatz gekommen.

Den Wechsel zum LASK hat sich Müller im Nachhinein anders vorgestellt.
Foto: © GEPA

LAOLA1: Dennoch hat dich der LASK geholt. Dort bist du in zwei Jahren allerdings nur zu neun Einsätzen gekommen. Wie beurteilst du den Wechsel im Nachhinein?

Müller: Das Interesse vom LASK hat schon mit Oliver Glasner viel früher gestartet. Der LASK ist natürlich ein Topverein, der sich sehr, sehr gut entwickelt hat. Mich hat es gereizt, dass der Klub auch international vertreten war. Durch die Doppelbelastung habe ich mir Einsätze erhofft. Am Anfang hat das auch gut gepasst. Irgendwann hat es aus verschiedenen Gründen einfach nicht mehr geklappt. Im Nachhinein habe ich mir den Wechsel sicherlich anders vorgestellt. Du nimmst aber dennoch viel mit. Der Einblick in einen Topverein war enorm spannend. Sie haben eine klare Spielphilosophie. Dort wird immer Vollgas gearbeitet. Du siehst schon den Unterschied zwischen einem kleineren Verein und einem Topklub. Sie machen dort einfach mehr richtig.

 

"Ich hatte zu dem Zeitpunkt erst gar nicht das Gefühl, eine realistische Chance zu bekommen. (...) Im Nachhinein habe ich mir das völlig anders vorgestellt" (über das zweite Jahr beim LASK).

LAOLA1: In deiner zweiten Saison (2020/21) beim LASK bist du dann ausschließlich bei den Amateuren in der 2. Liga aufgelaufen. Mit 17 Jahren hast du davor aber schon Bundesliga gespielt. Wie bist du mental damit umgegangen, mit 21, 22 Jahren in der 2. Liga festzustecken?

Müller: Das war nicht leicht. In der ersten Saison bin ich ja noch zu meinen Einsätzen gekommen, habe mein erstes Bundesligator erzielt und ein paar Spiele durchgespielt. Es ist dann aber sehr schnell gegangen, dass ich gar keine Rolle mehr gespielt habe. So eine extreme Herausforderung war für mich etwas Neues. Das war alles andere als leicht. Ich war damals völlig alleine in Linz. Dadurch hast du dann genug Zeit nachzudenken. Das ist in so einer Phase alles andere als förderlich. Im Sommer hat der LASK noch einmal zwei Spieler auf meiner Position geholt. Ich habe dem Verein klar kommuniziert, dass ich in der zweiten Mannschaft spielen will, um Spielpraxis zu sammeln. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt erst gar nicht das Gefühl, eine realistische Chance zu bekommen, mich oben zu zeigen. Regelmäßige Einsätze in der 2. Liga sind da wesentlich besser. Im Nachhinein habe ich mir das völlig anders vorgestellt. Dennoch habe ich aus der Zeit viel mitgenommen. Das hilft mir jetzt bei Wattens. Ich schätze die Situation hier sehr und bin dankbar.

LAOLA1: Du hast den Wechsel zur WSG bereits angesprochen. Der Klub ist dann doch etwas kleiner als der LASK. Wie ist es dir mit dem Schritt zurück ergangen?

Müller: Das ist mir sehr leichtgefallen. Klar war ich bei einem Topverein, aber ich muss auch ehrlich sagen: Ich habe in der zweiten Mannschaft gespielt. Auf dem Papier ist es ein Schritt zurück. Aber eigentlich bin ich ja von der 2. Liga wieder in die Bundesliga. Ich glaube, dass der Wechsel auch für beide Seiten sehr gut funktioniert hat.

Bei der WSG Tirol ist Müller wieder Stammspieler in der Bundesliga.
Foto: © GEPA

LAOLA1: Was war es für ein Gefühl, wieder ein wichtiger Bestandteil einer Bundesligamannschaft zu sein?

Müller: Es war die ganze Saison ein Supergefühl, wenn du deinen Beitrag leistest. Das Gefühl ist enorm wichtig. Davor hat es sich zwei Jahre völlig anders angefühlt. Das war wichtig für mein Selbstvertrauen und meine Karriere. Ich war aber auch immer überzeugt, dass ich in der Lage bin, Bundesliga-Stammspieler zu sein. Beim LASK habe ich mich nie hängenlassen und auf meine Chance bei einem Bundesligaverein gewartet. Ich bin froh, dass das zustande gekommen ist und ich jetzt in Wattens bin.

LAOLA1: Am Sonntag hast du dein 100. Bundesligaspiel gegen Altach absolviert. Was bedeutet dir diese Marke?

Müller: Ehrlich gesagt hat es für mich keine große Bedeutung. Es freut mich natürlich, aber so viel Beachtung schenke ich dem Ganzen nicht. Ich hätte mir am Ende des Tages vielleicht ein anderes Ergebnis gewünscht (0:1 Niederlage).

LAOLA1: Damit seid ihr Zweiter in der Qualigruppe. Fünf Punkte vor einem Abstiegsplatz. Was sind eure Ziele für die laufende Saison?

Müller: Der Start in die Qualigruppe ist nicht geglückt. Jetzt geht es darum, in die Gänge zu kommen und zu unserem Spiel zu finden. Das Wichtigste ist, dass wir unsere Leistungen auf den Platz bringen. Das grundsätzliche Saisonziel ist der Klassenerhalt. Aufgrund der Entwicklung war es dann schon so, dass man nach oben schaut. Wir haben die Meistergruppe ganz knapp verpasst. Jetzt ist es eine mentale Challenge, die Situation zu akzeptieren und die Qualigruppe anzunehmen.

In den Jugendnationalteams lief Müller als Kapitän auf. Vom A-Team ist er aktuell "ganz weit weg. Aber wer weiß?"
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LAOLA1: Du warst in den Jugendnationalteams Österreichs lange Zeit Kapitän. Denkst du, dass das A-Team für dich noch ein Thema werden könnte?

Müller: Für einen Österreicher ist es immer das Größte, für das Nationalteam aufzulaufen. Das ist ein Riesentraum. Im Moment ist das aber vermutlich ganz, ganz weit weg. Aber wer weiß? Im Fußball kann Vieles passieren. Es kann in beide Richtungen sehr schnell gehen. Ganz abschreiben werde ich das sicher nie. Ich bin aber schon realistisch genug, dass da noch einiges passieren muss.

LAOLA1: Was sind deine persönlichen Ziele für die Zukunft?

Müller: Natürlich will man immer mehr und nach Höherem streben. Ein Topverein in Österreich wäre auf jeden Fall überragend. Mich würde aber auch das Ausland reizen. Eine andere Liga und Spielkultur – dieses Ziel habe ich in meiner Karriere auf jeden Fall noch.

 

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