Baumeister: "Ich hatte auch ein Angebot"

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Admira-Sportdirektor Ernst Baumeister hätte im Winter auf die Trainerbank zurückkehren können.

Im Interview mit LAOLA1 erklärt er das Aus von Oliver Lederer und zeigt sich mit dessen offensiven Umgang mit angeblichen Angeboten anderer Klubs wenig begeistert.

Dabei verrät Baumeister: "Ich hatte im Winter auch ein gutes Angebot als Trainer, das hat keiner erfahren. Weil ich gleich abgesagt habe, da ich bei der Admira sehr glücklich bin und mir die Arbeit Spaß macht."

"So oder so ähnlich hätte er es auch handhaben können, das wäre vermutlich besser gewesen", so der 59-Jährige.

Wie er Lederers Entlassung erklärt, welche Rolle Flyeralarm dabei spielte, wie mächtig der Sponsor bei der Admira wirklich ist, was er über den Ärger der Fans denkt und wie er zu den Vergleichen mit Red Bull steht, verrät Ernst Baumeister im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Wirklich ruhig wurde es in der Winterpause bei der Admira nicht, es kam zum Knalleffekt rund um die Entlassung von Oliver Lederer. Wie hat sich das aus Ihrer Sicht abgespielt?

Ernst Baumeister: Knalleffekt - vielleicht für Außenstehende. Intern war es eigentlich gar nicht so eine große Überraschung. Ausschlaggebend waren mehrere Gründe. Wenn ein Trainer Vertrag bei einem Verein hat, soll er sich zu diesem Klub auch richtig bekennen. Unglücklich war die Aussage bezüglich Rapid, dann kam Altach dazu. Auf einer Seite sind Angebote ein Lob für den Trainer, ich glaube aber, dass man anders damit umgehen kann. Wenn er sich - wie er zum Schluss plötzlich gesagt hat - zur Admira bekennt, kann man es anders lösen. Dann hätte er heimlich, still und leise zu Altach sagen können, dass es ihn nicht interessiert. Und nicht zwei bis drei Wochen verhandeln und alles in die Öffentlichkeit bringen. Ich hatte im Winter auch ein gutes Angebot als Trainer, das hat keiner erfahren. Weil ich gleich abgesagt habe, da ich bei der Admira sehr glücklich bin und mir die Arbeit Spaß macht. Ich stehe zur Admira und habe bis 2018 Vertrag, deshalb habe ich gar nicht erst überlegt. So oder so ähnlich hätte er es auch handhaben können, das wäre vermutlich besser gewesen. Ich glaube, dass durch das alles Unruhe in die Mannschaft gekommen wäre. Bis jetzt ging es gut, weil wir eine Mannschaft mit sehr gutem Charakter haben. Ich habe mich aber gefragt, wie lange das noch gut gegangen wäre.

LAOLA1: Können Sie uns verraten, welcher Klub Sie zu einem Trainer-Comeback überreden wollte?

Baumeister: Namen und Details will ich nicht verraten, das ist nicht meine Art. Es handelte sich um einen Klub aus den ersten beiden Spielklassen Österreichs. Ich musste aber, wie gesagt, gar nicht erst überlegen, weil ich bei der Admira sehr glücklich bin und hier bleiben will. Deshalb habe ich gleich bei der ersten Anfrage abgesagt.

Admiras neuer Trainer stellt sich vor:
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

LAOLA1: Zurück zur "Causa Lederer": Sie haben sich also schon nach einem neuen Trainer umgesehen, als Lederer mit Rapid und Altach in Verbindung gebracht wurde?

Baumeister: Nein, nicht wirklich. Man hat sich einfach Gedanken gemacht, wie es weitergeht. Bei Rapid haben wir mit ihm gesprochen, dass das nicht in Ordnung ist. Dann kamen Altach und noch ein paar Kleinigkeiten dazu. Das hat sich summiert, bis wir entschlossen haben, uns im Guten zu trennen. Ich denke nämlich trotzdem, dass Oliver ein sehr guter Trainer ist und seinen Weg machen wird. Die Konstellation hat aber einfach nicht mehr gepasst.

LAOLA1: Viel wird über die neue Führung rund um Sponsor Flyeralarm diskutiert. Hat das eine Rolle bei der Entlassung gespielt?

Baumeister: Jein. Ich sehe die ganze Sache sehr positiv, weil die Admira in den letzten Jahren finanziell immer so dahingeschwommen ist. Ich denke, dass wir jetzt gut aufgestellt sind. Es wird nicht von heute auf morgen alles hundertprozentig funktionieren, aber der Weg stimmt. Wenn jemand neuer kommt, will er auch neue Sachen ausprobieren. Aber das alleine war bei Oliver nicht ausschlaggebend, das war ein Entschluss von uns allen. Nicht nur von Flyeralarm, sondern vom ganzen Vorstand.

LAOLA1: Die Aufregung bei den Fans ist dennoch groß, da Lederer beliebt war und Erfolge gefeiert hat. Können Sie den Ärger der Anhänger verstehen?

Baumeister: Natürlich. Ich habe gesagt, wenn wir das machen wird eine kleine Bombe einschlagen. Es ist ja klar, die Fans sehen nur das Äußere und nicht das Innenleben. Die kleineren Probleme, die ich ja schon angeschnitten habe, bekommt niemand mit. Jetzt sind sie erst einmal negativ eingestellt, aber das Fußballgeschäft ist heutzutage sehr schnelllebig, es hängt alles von den Erfolgen ab. Wir haben keine Garantie, ob wir jetzt mehr oder weniger Erfolg haben. Das kann man auch gar nicht messen, weil wer weiß, wie es mit Oliver ausgesehen hätte? Wenn wir gut in die Saison starten und erfolgreich sind, werden sich die Fans auch wieder beruhigen. Mit der Zeit kommen die Hintergründe immer Schritt für Schritt ans Tageslicht, dann werden die Leute es vielleicht noch besser verstehen.

LAOLA1: Wie mächtig ist Flyeralarm nun tatsächlich?

Baumeister: Flyeralarm war bislang Hauptsponsor und hat den Verein mittlerweile fast übernommen. Größtenteils haben sie also das Sagen. Ich denke aber nicht, dass Flyeralarm kommt und etwas Schlechtes machen will. Das wäre für ihren Namen nicht gut. Sie wollen etwas bewegen. Man muss schon bedenken: Wie wäre es ohne Flyeralarm weitergegangen? Wäre es in zwei bis drei Monaten überhaupt weitergegangen? Deshalb muss man das Ganze schon positiv sehen. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Klar nehmen sie Einfluss, aber es wurde alles abgesteckt. Gerhard Bürgler (Admira-Aufsichtsratschef und Flyeralarm-Geschäftsführer/Anm.), Manager Amir Shapourzadeh und ich treffen alle Entscheidungen. Umso kleiner die Gruppe ist, die alles entscheidet, desto besser. Speziell Amir und ich sind rund um die Uhr da und für sportliche Dinge verantwortlich, Gerhard ist für das Finanzielle zuständig. Ich denke, das ist ein guter Weg.

"Man muss schon bedenken: Wie wäre es ohne Flyeralarm weitergegangen? Wäre es in zwei bis drei Monaten überhaupt weitergegangen? Deshalb muss man das Ganze schon positiv sehen."

LAOLA1: Es tauchen bereits erste Vergleiche mit dem Red-Bull-Imperium um RB Salzburg und RB Leipzig auf. Verständlich?

Baumeister: Natürlich gibt es diese Zusammenarbeit mit Würzburg, wo Flyeralarm Hauptsponsor ist. Das ist auch in unserem Interesse, nicht nur in ihrem. Ich höre überall, dass der Admira jetzt die Spieler weggenommen werden. Bis jetzt ist - außer bei Jörg Siebenhandl - noch nichts passiert und es ist vorerst auch nichts geplant. Wenn sich Spieler aufdrängen und die Kickers einen wollen, werden wir uns nicht querlegen. Entscheidend ist aber ohnehin der Spieler, ob er will oder nicht. Man muss nur überlegen, was in den letzten Jahren passiert ist. Die besten Spieler sind uns immer abhanden gekommen. Für die Admira macht es keinen großen Unterschied, ob die Spieler zu Rapid, Austria oder Würzburg gehen. Für den Spieler aber schon. Es ist als Spieler doch eine gute Geschichte, die Chance auf die 2. deutsche Liga zu haben, die Liga ist für Österreicher sehr reizvoll. Das kann auch ein Ansporn sein.

LAOLA1: Ärgern Sie die Vergleiche mit Red Bull?

Baumeister: Nein, überhaupt nicht. Der Ablauf ist vielleicht ähnlich, den Rahmen kann man aber nicht vergleichen - speziell finanziell. Für die Admira bieten sich dadurch gute Möglichkeiten, die es in den letzten Jahren nicht gab. Wenn etwas Neues kommt, ist man immer ein wenig skeptisch - speziell wir Österreicher (lacht). Man sollte dem Ganzen einmal eine Chance geben. Flyeralarm will etwas bewegen, das kann nur positiv sein.

Transfer-Sperre für Christoph Monschein:
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

LAOLA1: Gibt es schon Gespäche über mögliche Trabsfers zwischen Würzburg und der Admira im Winter?

Baumeister: Bislang eigentlich noch gar keine, es ist nichts geplant. Es kann höchstens sein, dass der eine oder andere weg will. Ich habe aber weder in die eine, noch in die andere Richtung etwas vernommen. Wir haben nicht vor, aktiv zu werden. Sollte uns ein guter Spieler hineinlaufen, werden wir uns nicht wehren - wenn wir es uns leisten können. Wir haben aber einen großen Kader und müssen eher abspecken.

LAOLA1: Bei Christoph Monschein haben sie einen Transfer im Winter ausgeschlossen. Warum?

Baumeister: Erstens brauchen wir ihn aus sportlichen Gründen. Wir können es uns nicht leisten, ihn zu verlieren, es liegt noch eine lange Saison vor uns. Neun Punkte an das Tabellen-Ende sind nicht so viel, oft geht es sehr schnell. Natürlich hat nicht nur er die Punkte besorgt, das war schon die ganze Mannschaft. Aber mit seinen Toren war er ein sehr wichtiger Faktor. Zweitens denke ich, dass es für ihn selbst und seine Entwicklung sinnvoll ist. Das sage ich als Privatperson und nicht als Klub-Verantwortlicher. Er hat sich hier ein Standing erarbeitet, wo anders beginnt er wieder bei Null. Christoph ist ein sehr sensibler Spieler, er braucht den richtigen Trainer, sein Umfeld und Zuspruch. Er ist erst vor kurzem explodiert, zuvor hat er auch eine gewisse Anlaufzeit gebraucht. So ein schneller Transfer wäre für ihn nicht gut.

LAOLA1: Wie sieht er selbst die ganze Sache?

Baumeister: Ich habe schon mit ihm gesprochen. Natürlich hat er gehört, wo er plötzlich was verdienen kann. Aber er ist ein guter Junge. Ich habe ihm erklärt, was ich für das Beste halte. Nicht für mich, sondern für ihn und seine Entwicklung. Wir sind auf einem guten Weg.

LAOLA1: Es ist aber schon so, dass man einen Spieler wie Christoph Monschein nun eher zu Partnerklub Würzburg als zu Bundesliga-Konkurrent Austria abgeben würde, oder?

Baumeister: Das ist nicht gesagt. Wenn ihn jemand will und er unbedingt dort hin will, kann es auch anders laufen. Ich kann ja keinen Spieler zwingen, irgendwo hinzugehen. Vorausgesetzt, wir lassen ihn ziehen. Das können wir uns jetzt im Winter aber sportlich nicht leisten. Wenn er jetzt das halbe Jahr weiterhin so explodiert, können wir im Sommer über alles reden (lacht).

Textquelle: © LAOLA1.at

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