Pro & Contra: Macht transnationaler Bewerb Sinn?

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Ein transnationaler Frühjahrs-Bewerb gemeinsam mit der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Schottland und Dänemark?

Die Bundesliga befindet sich mit Vertretern dieser Fußball-Nationen in einem Brainstorming, an dessen Ende zum Beispiel ein gemeinsames Turnier stehen könnte - in einer Phase, in der die Vereine dieser Länder nun noch selten im Konzert der Europacup-Großen mitspielen dürfen.

Dies bestätigt Liga-Vorstand Christian Ebenbauer bei "90minuten.at".

Wie solch ein Wettbewerb konkret aussehen könnte, weiß zum aktuellen Zeitpunkt natürlich niemand. Gesprächsstoff bietet diese Initiative aber trotzdem.

Ist dies zwangsläufig eine Schnapsidee oder sollte man sich in dieser Causa nicht zumindest engagieren? Kann dies von vornherein nur ein "Verlierer-Cup" werden oder müssen sich gerade Klubs aus diesen Ländern neue Wege einfallen lassen, um im internationalen Fußball der Zukunft eine sinnvolle Position zu finden?

Meinungen kann es zum diesen Thema viele geben, erlaubt sind sie sowieso - zwei LAOLA1-Redakteure tauschen ihre Argumente und Blickwinkel aus:

PRO: Lasst sie brainstormen!

„Za wos brauchma des?“

Das wäre der typisch österreichische Reflex auf die Idee eines transnationalen Wettbewerbs im Frühjahr, nur funktioniert der im konkreten Fall nicht von vornherein.

Zugegeben, mein erster Gedanke, als ich von diesem Brainstorming las, war auch, dass sich hier eine Art „Verlierer-Liga“ bildet.

Zweiter Gedanke: Na und? Wenn man so will, sind gerade Fußball-Nationen der Größenordnung der Niederlande, Schweiz, Belgien, Schottland, Dänemark und auch Österreich ohnehin die Verlierer der internationalen Entwicklung im Vereins-Fußball in den letzten zwei Jahrzehnten.

Die Großmannssucht und Profitgier der Top-Klubs aus den Topligen (die ihr gutes Recht ist, um dies klarzustellen. Es ist nicht zu ungewöhnlich, auf Solidarität zu pfeifen, wenn man das beste Produkt anbietet…) verunmöglicht es inzwischen, dass Vereine wie Ajax Amsterdam seriöse Chancen auf den Gewinn der Champions League haben. Auch österreichische Europacup-Finalisten sind nur noch schwerlich vorstellbar.

Die Schere zwischen den Topligen und dem Rest Europas ist aus Gründen der Vermarktung (zu) weit auseinandergegangen. Die Schere innerhalb dieser Ligen zwischen Champions-League-Schwerverdienern und dem Rest ebenso. Dies gilt für große Ligen ebenso wie für kleine – Stichwort Schweizer Serienmeister FC Basel, um ein Beispiel zu nennen.

Die ab 2018 gültige Champions-League-Reform wird diesen Trend nur noch weiter befeuern.

Das kann man jetzt je nach Blickwinkel gut oder schlecht finden, nur aufhalten wird sich diese Entwicklung kaum lassen – zumindest so lange den Top-Vereinen nicht vor lauter Langeweile ein nachhaltiger Liebesentzug des Publikums droht.

Also heißt es für jene Länder, Ligen und Vereine am falschen Ende der immer weiter auseinanderklaffenden Lücke, sich auf die Hinterbeine zu stellen und Ideen zu entwickeln, wie man sich im internationalen Fußball der 2020er-Jahre möglichst sinnvoll positionieren kann.

Genau deshalb begrüße ich ein derartiges Brainstorming. Ob etwas Vernünftiges dabei herauskommt? Niemand weiß das. Wenn nicht, war es zumindest den Versuch wert.

Denn es ist immer schlauer, selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen und Visionen zu entwickeln, als weiter blinder Passagier des Ego-Trips der Top-Konzerne aus Deutschland, England oder Spanien zu sein. Und mir ist durchaus recht, wenn die Bundesliga bei diesen Überlegungen von Beginn an mit an Bord ist, als die Entwicklung zu verschlafen.

Wer weiß, vielleicht findet sich ja eine sinnvolle Alternative zum hierzulande ohnehin wenig geliebten Stiefkind namens ÖFB-Cup oder es ist der Grundstein zu einer Art zweiten Leistungsstufe hinter einer geschlossenen Europa-Liga der reichsten Klubs dieses Kontinents.

Der Fantasie sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt in einem Business, das sich in einer Zeitenwende befindet, die neue Ideen und Experimente – Stichwort Bundesliga-Reform – begünstigt und teilweise auch dringend erfordert.

Fakt ist: Der Fußball – in Europa und hoffentlich/vielleicht/möglicherweise auch in Österreich – wird 2025 ein anderer sein. Man lasse sie also brainstormen!

CONTRA: Bitte kein "Cup der Verlierer"

Obwohl man etwas nicht ablehnen sollte, bevor man die Details kennt: Ich stehe einem weiteren internationalen Fußball-Wettbewerb generell skeptisch gegenüber.

Dies hat mehrere Gründe.

Zum einen herrscht bereits jetzt Reizüberflutung. Die ganze Woche jeden Tag Fußball, von Montag bis Sonntag - selbst mir als Liebhaber ist das auf Dauer zu viel. Richtige Pausen gibt es weder im Winter noch im Sommer, irgendwo wird immer gespielt. Ein weiterer Wettbewerb würde diesen Überfluss nur weiter verstärken.

Zugegeben, die Idee, einen Wettbewerb, in dem es im Idealfall zu Duellen wie Rapid Wien gegen die Glasgow Rangers oder Austria Wien gegen Ajax Amsterdam kommt, klingt gar nicht so übel. Aber für mich bleibt das selbe Problem wie bei Ideen wie der „Alps Premier League“: Es kommt zwangsläufig auch zu Spielen wie Altach gegen Lyngby (aktuell Dritter der dänischen Liga).

Wer will das sehen? Wohl eher kaum jemand.

Das Vorhaben hat für mich irgendwie etwas vom UI-Cup, der nicht zu Unrecht „Trost-Cup“ genannt wurde. „Cup der Verlierer“ könnte man auch sagen.

Ganz ehrlich: Wie groß ist das Interesse an der Europa League? Ich würde behaupten, es ist überschaubar. Die Champions League mit all ihren Stars interessiert die Leute. Die „zweite Liga“ Europa League hat weit weniger Glanz und wird dementsprechend weniger angenommen. Ich kann mir schon denken, wie „gut“ ein Bewerb, der noch einmal eine Stufe darunter steht, zieht.

Irgendwie erscheint mir die Idee dieses Wettbewerbs auch als zu einfach. Nämlich als zu einfacher Ausweg einer größeren Misere. Österreichische Klubs sind nicht gut genug, um in der Champions League mitzuhalten. In der Europa League reicht es teilweise für Achtungserfolge, in dieser Saison leider nicht.

Anstatt alle Hebel in Bewegung zu setzen, den Anschluss an die beiden wichtigsten Klub-Wettbewerbe zu finden, will man nun einfach mit anderen Ländern einen neuen Bewerb gründen? Das wäre ja fast so, als würden Argentinien, Belgien, und Polen einen neuen Ski-Alpin-Wettbewerb parallel zum Weltcup der FIS gründen.

Oder als würden sich Haas, McLaren und Sauber von der Formel 1 abkapseln und eine eigene Rennserie starten. Das mag hart klingen, in Wahrheit ist die Idee dieses Fußball-Wettbewerbs nichts anderes.

Es wird immer ein „Cup der Verlierer“ von Vereinen, die bei den „Großen“ nicht mitspielen dürfen, bleiben. Ja, es ist schwer in die Champions League zu kommen und es wird ab der Reform 2018 wahrscheinlich noch härter für kleinere Klubs. Aber es muss trotzdem das große Ziel bleiben.

Dort spielt die Musik, dort fließt das Geld, dort spielen die Stars und dort sehen schließlich auch Millionen Leute zu.

Hat Rapid den Europacup verdient?


Textquelle: © LAOLA1.at

Aufregung um Basel-Stürmer Marc Janko im Schweizer Cup

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