SVR-Kapitän Reifeltshammer kontert den Kritikern

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14 Punkte nach acht Runden, Platz drei mit vier Zähler Rückstand auf Leader Austria Klagenfurt. Drei Spiele ungeschlagen und Aufstieg ins Achtelfinale des ÖFB-Cups.

Auf den ersten Blick scheint die SV Ried vor dem LAOLA1-Topspiel der HPYBET 2. Liga am Sonntag bei Blau-Weiß Linz (10:30 Uhr, LIVE-Stream und LIVE-Ticker) im Soll zu liegen.

Die Stimmung im Innviertel ist aber dennoch eher bescheiden. Das stört auch SVR-Urgestein und -Kapitän Thomas Reifeltshammer, der sowohl auf seiner Facebookseite, als auch im Interview mit LAOLA1, eine klare Botschaft an die Kritiker schickt.

LAOLA1: Gratulation zum Cup-Aufstieg. Kann man sagen, dass dieses 4:3 in Steyr ein Sinnbild eurer bisherigen Saison war?

Reifeltshammer: Danke. Ja, das kann man schon so sagen. Wir sind, wie schon häufiger in dieser Saison, in Führung gegangen, was uns eigentlich eine breite Brust geben sollte. Haben aber dann in der zweiten Halbzeit wieder eine Phase dabei gehabt, wo wir den Gegner zurück ins Spiel geholt haben. Das ist uns heuer auch in der Meisterschaft schon des Öfteren passiert. Wir schaffen es einfach nicht, dass wir es über 90 Minuten durchziehen und souverän gewinnen.

LAOLA1: Woran liegt es, dass ihr es nicht über ein ganzes Spiel durchziehen könnt?

Reifeltshammer: Es liegt natürlich an uns selber, weil wir wieder viele Wechsel und Umstellungen in der Mannschaft gehabt haben. Wir haben uns noch nicht ganz gefunden, aber da sind wir jetzt auf einem guten Weg. Es ist trotzdem noch relativ früh in der Meisterschaft. Aber es liegt natürlich auch an den Gegnern. Die haben gegen uns nichts zu verlieren, werfen alles nach vorn. Im Moment geht den Gegnern auch viel auf, wenn ich da an Kapfenberg denke, die die erste Chance genützt haben. Im Cup in Steyr war es genauso. Das ist einfach ein Produkt aus vielen Faktoren.

LAOLA1: Dass ihr euch noch nicht gefunden habt ist auch der Grund, warum die Betonabwehr der letzten Saison plötzlich so anfällig ist?

Reifeltshammer: Ja klar. In der Meisterschaft haben wir uns in den letzten Runden stabilisiert, ich glaube, dass wir im Moment zehn Gegentore bekommen haben. Wir wollen unter einem Gegentor im Schnitt sein, da sind wir aktuell knapp darüber. Es hat vor allem zu Beginn der Saison viele Gegentore gegeben, was wir von früher auch nicht gewohnt waren. Das haben wir ganz klar angesprochen und hängt natürlich damit zusammen, dass in der Mannschaft wieder eine Veränderung da war.



"Es soll nicht so sein, dass wir auf ihn angewiesen sind.Man sollte nicht den ganzen Druck auf ihn legen und sagen, dass er unsere Waffe in der Offensive ist."

Reifeltshammer über Youngster Marco Grüll

LAOLA1: Die Veränderung betraf aber überwiegend die Offensive, im Cup gegen Steyr hat Marco Grüll vor allem vor der Pause groß aufgespielt. Ist es besonders wichtig, dass er schnell wieder zu seiner alten Form findet?

Reifeltshammer: Genauso wie in der Defensive gehört es auch in der Offensive dazu, dass die Abläufe passen und man eingespielt ist. Davon profitiert natürlich auch Marco Grüll, aber es soll nicht so sein, dass wir auf ihn angewiesen sind. Man sollte nicht den ganzen Druck auf ihn legen und sagen, dass er unsere Waffe in der Offensive ist. Er ist eine von vielen, sagen wir so.

LAOLA1: Drei Spiele in der Liga ungeschlagen und Aufstieg im Cup. Wie schätzt du euch vom Leistungsniveau aktuell ein?

Reifeltshammer: Das ist ganz schwer einzuschätzen, aber zu 100 Prozent da fehlt schon noch einiges, da ist noch viel Luft nach oben. In allen Mannschaftsteilen haben wir noch Verbesserungspotenzial. Andererseits habe ich das Gefühl, dass wir schön langsam wieder mehr Vertrauen in das gewinnen, was in unserer Mannschaft steckt. Und natürlich mit so einer kleinen Serie steigt auch das Selbstvertrauen und dann kann das Werkl auch anfangen zu laufen.

LAOLA1: Für euch sind ja aktuell Derby-Wochen, zwei habt ihr schon gewonnen, jetzt stehen noch einmal zwei auf dem Programm. Wie hoch ist die Bedeutung von Derby-Siegen wirklich?

Reifeltshammer: Es sind mittlerweile schon so viele Derbys und am Ende bringen sie auch nur drei Punkte, oder eben einen Cup-Aufstieg. Gerade in der ausgeglichenen Liga heuer ist jedes Spiel wichtig. Es bringt uns nichts zur die Derbys zu gewinnen. Natürlich bringen solche Spiele zusätzliche Brisanz, vor allem für die Fans, aber wenn wir auf dem Platz stehen, müssen wir gegen Lafnitz oder Kapfenberg genauso motiviert sein.

LAOLA1: Du hast nach dem Sieg im Cup auf Facebook Dampf abgelassen gegen eure Kritiker. Gefährdet diese Unruhe im Umfeld eure Ziele?

Reifeltshammer: Das kann oder will ich gar nicht beurteilen. Mir war es einfach wichtig, weil ich über Wochen oder Monate gemerkt habe, dass da eine gewisse Unzufriedenheit herrscht bei manchen Teilen der Zuschauer. Ich wollte das einfach mit Fakten aus der Welt schaffen, aber das war für mich nicht so, dass uns das als Mannschaft belastet. Ich wollte ein Zeichen setzen, dass uns solche negativen Stimmen, wenn man Meister werden will, nicht weiterbringen. Wenn du vier Spiele nicht verlierst und trotzdem immer wieder Kritik laut wird, dann kann ich das nicht ganz nachvollziehen und wollte das aus der Welt schaffen.



Jubel mit den Trainern
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LAOLA1: Gegen die Juniors kamen so wenige Zuschauer wie zuletzt 2004 zu einem Rieder Heimspiel. Woran liegt das?

Reifeltshammer: Für mich ist das schwierig zu beurteilen. Natürlich wäre es den Fans lieber, wenn wir in der Bundesliga gegen Salzburg oder Rapid spielen würden, keine Frage. Da sind wir aber momentan nicht. Das Anspruchsdenken der Fans und des Umfelds ist halt einfach Bundesliga-Zeiten von Ried gewöhnt, das muss auch unser Anspruch als Verein sein. Aber mit jedem Jahr, in dem du den Aufstieg nicht schaffst, werden auch die finanziellen Mittel weniger, du kannst nicht mehr so in die Qualität der Mannschaft investieren, aber da heißt es dann trotzdem zusammenstehen. So ist ja Ried damals auch in die Bundesliga aufgestiegen, mit wenig Mitteln, mit viel Leidenschaft und Herz hat man es damals geschafft. Unter dem Strich wirst du die Leute so wieder ins Stadion holen. Aber es war jetzt ein Spiel, in dem wir mal unter 3.000 Zuschauern waren. Es ist eh lobenswert, die 3.000 die immer kommen seit drei Jahren die wir in der 2. Liga sind. Da gilt es einen großen Dank an die auszusprechen, die kommen.

LAOLA1: Auch an Trainer Gerald Baumgartner kam Kritik auf, obwohl ihr unter ihm erst zwei Spiele verloren habt. Nach deinem Tor gegen die Juniors bist du zur Trainerbank gelaufen, ein Zeichen, dass ihr voll hinter Gerald Baumgartner steht?

Reifeltshammer: Generell bin ich zum Co-Trainer gelaufen, weil er für Standardsituationen zuständig ist. Da wollte ich mich einfach bedanken, weil Andi Heraf da sehr akribisch arbeitet, das war eigentlich der Grund. Aber für mich ist es einfach absolut unverständlich, dass bei uns Stimmen laut werden, die den Trainer kritisieren. 25 oder 26 Spiele unter ihm und zwei Niederlagen, ich glaube so eine Statistik hat in Österreich nur Salzburg – auch wenn das Bundesliga ist und wir in der 2. Liga sind. Aber du musst trotzdem erst einmal schaffen, dass du bei 26 Spielen nur zwei verlierst, das ist ein absolutes Qualitätsmerkmal auch vom Trainerteam.

LAOLA1: Du hast es vorher angesprochen, in der Liga geht es sehr eng zu. Was sagt das über die Qualität der Liga aus?

Reifeltshammer: Ich glaube, dass das ein gutes Zeichen ist. Es ist einfach keine Mannschaft mehr da, die überragend ist, aber im Durchschnitt ist die Liga besser geworden in den letzten zwei Jahren in denen wir jetzt dabei sind. Das merkt man schon, es sind viele Spieler mit Bundesligaerfahrung dabei. Man merkt auch, dass Vereine wie Horn oder Lafnitz langsam auf Profibetrieb umstellen, das hebt sicher das Niveau der Liga.



"Als SV Ried kannst du aber nicht hergehen und sagen, dass du im gesicherten Mittelfeld spielen willst."

Über die Zielsetzung der SV Ried

LAOLA1: Für euch geht es jetzt gegen Blau-Weiß Linz, die aktuell einen Punkt hinter euch liegen. Was überwiegt: Druck oder Vorfreude?

Reifeltshammer: Beides. Den Druck haben wir in der Meisterschaft in jedem Spiel, damit müssen wir umgehen können und den wollen wir auch nicht weg reden – das ist so. Blau-Weiß Linz hat viel Qualität in ihrer Mannschaft und sie haben sicher auch den Anspruch vorne mitzuspielen. Auch wenn sie es vielleicht nicht laut sagen oder es nie offen kommunizieren werden. Von der Qualität her sind sie sicher im vorderen Drittel der Liga.

LAOLA1: Ein interessanter Punkt. Bringt es mehr, wenn man seine Ziele klar kommuniziert, oder schadet Understatement manchmal nicht?

Reifeltshammer: Das ist ganz verschieden. Wenn du offensiv nach außen gehst und sagst, dass du Meister werden willst, dann baust du dir einen gewissen Druck selber auf. Als SV Ried kannst du aber nicht hergehen und sagen, dass du im gesicherten Mittelfeld spielen willst. Da lügst du dich ja selber, die Sponsoren und die Fans an. Wir gehen jetzt nicht her und sagen, dass wir fix Meister werden, aber wir wollen Meister werden. Das ist unser Anspruch. Während einer Saison kann viel passieren, deshalb muss man auch immer vorsichtig sein. Aber es ist unser Anspruch, dass wir mit unserer Qualität am Ende ganz vorne stehen.

LAOLA1: Wattens hat letzte Saison klar gesagt, dass sie aufsteigen wollen und hatten damit Erfolg. Lustenau, die viel in die Mannschaft investiert haben, vermied heuer die Meisteransage.

Reifeltshammer: Stimmt, das sind zwei ganz verschiedene Zugänge. Es ist einfach ein Prozess, so eine Meisterschaft ist ein Marathon. Natürlich geht jeder mit einer gewissen Zielsetzung rein. Unter dem Strich ist Wattens letztes Jahr alles aufgegangen. Sie sind reingegangen, haben gesagt, dass sie Meister werden wollen und sind es auch geworden. Wenn es am Ende gut ausgeht, dann ist das in Ordnung.

LAOLA1: Und bei der SV Ried geht es in dieser Saison gut aus?

Reifeltshammer: Von dem bin ich überzeugt.

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