Liefering-Co: "Adeyemi Everybody's Darling"

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Es war ein durchwachsener Herbst, den die jungen Talente des FC Liefering hinter sich gebracht haben. Doch mit Fortdauer der - aktuell unterbrochenen - Saison lief es für die Jung-Bullen immer besser. Mit vier Siegen aus fünf Spielen schafften es die Salzburger in der HPYBET 2. Liga bis auf den fünften Tabellenplatz.

"Wir haben viele ganz, ganz junge Talente dazubekommen, viele Spieler aus der U18 hochgezogen. Es hatte fast niemand Zweitliga-Erfahrung", begründet Fabio Ingolitsch die anfänglichen Probleme. Der 27-Jährige ist seit Sommer 2017 Co-Trainer des FC Liefering.

Im LAOLA1-Interview spricht der Coach, der in den kommenden UEFA-Pro-Lizenz-Kurs des ÖFB aufgenommen wurde, über Training in Zeiten von Corona, die vielen Ausschlüsse und Supertalent Karim Adeyemi.

LAOLA1: Wie beschäftigst du dich dieser Tage?

Fabio Ingolitsch: Für uns als Trainer gibt es trotzdem sehr viel zu tun. Wir sind in ständigem Austausch mit unseren Burschen. Wir achten darauf, dass sie ihr Heimprogramm ordentlich machen. Neben der athletischen Komponente schauen wir, dass sie trotzdem technisch-taktisch und kognitiv gefordert sind. Da machen wir sehr viel mittels Video-Clips. Unseren Spielern werden etwa individualtaktische Clips zugeschickt, aus denen sie dann Aufgaben ableiten und beschreiben sollen.

Liefering-Co Fabio Ingolitsch
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LAOLA1: Am Ende des Tages wird es mindestens ein Monat sein, in dem kein Mannschaftstraining stattfinden konnte. Über eine so lange Zeit sind das Fußballer nicht gewohnt. Wie wird sich das deiner Meinung nach auswirken?

Ingolitsch: Es ist eine ganz besondere Zeit, keiner von uns hat so etwas schon erlebt. Wir versuchen das als Chance wahrzunehmen, lernen viel daraus und kommen mit Sicherheit gestärkt und mit vielen neuen Erfahrungswerten aus dieser Situation. Wir wollen unsere Spieler durch ein professionelles, stark individualisiertes Heimprogramm auf einen noch besseren athletischen Zustand bringen, an ihren Problemen und ihren Positionsanforderungen arbeiten. Gleichzeitig versuchen wir, uns mittels Videos im technisch-taktischen Bereich zumindest in der Theorie weiterzuentwickeln. Hoffentlich können wir am Tag X dann beides am Platz umsetzen.

LAOLA1: Wenn man sich die Leistungen des FC Liefering vor der Pause ansieht, kommt man zum Schluss, dass die Pause für euch eher ungelegen kommt.

Ingolitsch: Ein Großteil unserer Mannschaft hat die Youth-League-Spiele sehr gut absolviert, sind aufgestiegen und waren auch in der Liga in den drei Spielen jeweils überlegen, haben sieben Punkte geholt. Unser Weg war richtig gut, die Burschen waren auf einem ganz anderen Niveau als im Herbst.

"Die erwachsenen, abgekochten Profis sind dann auch oftmals raffiniert und haben unsere Jungs versucht, zu provozieren."

LAOLA1: Gibt es eine Erklärung dafür, warum es im Herbst nicht nach Wunsch gelaufen ist?

Ingolitsch: Die Kaderzusammenstellung war so jung wie noch nie. Wir haben viele ganz, ganz junge Talente dazubekommen, viele Spieler aus der U18 hochgezogen. Es hatte fast niemand Zweitliga-Erfahrung. Wir haben sie Schritt für Schritt aus dem Jugend- in den Erwachsenen-Fußball geführt. Es war uns bewusst, dass das eine gewisse Zeit braucht. Das haben wir aber immer besser hinbekommen.

LAOLA1: Mit Bryan Okoh, Maurits Kjaergaard und Benjamin Sesko sind drei Spieler gekommen, die eben erst 16 Jahre alt wurden. Wie hast du sie erlebt? Wie schwierig ist es, Spieler in diesem Alter in den Profi-Fußball zu integrieren?

Ingolitsch: Es ist eine sehr spannende, sehr herausfordernde Aufgabe. Die drei Jungs sind hochtalentiert, bringen eine super Hardware mit. Jetzt geht es darum, sie behutsam auf- und einzubauen. Im ersten Halbjahr war es wichtig, sie athletisch in die Spur zu bringen, damit sie auch gegen Erwachsene spielen können und damit sie in unsere Spielprinzipien reinfinden. Wir haben viel Geduld mit ihnen, geben ihnen die nötige Zeit und unser Vertrauen.

LAOLA1: Auffällig ist, dass der FC Liefering in dieser Saison acht Ausschlüsse zu verzeichnen hatte – vier Mal Rot, vier Mal Gelb-Rot. Gibt es dafür eine Erklärung?

Ingolitsch: Wir mussten dieses Thema im Herbst in der Mannschaft ansprechen. Wirwaren oft am Limit, haben immer alles gegeben. Vielleicht waren sie es nicht gewohnt, so knappe Spiele zu bestreiten, im Nachwuchs waren sie ja oft klar überlegen. Die erwachsenen, abgekochten Profis sind dann auch oftmals raffiniert und haben unsere Jungs versucht, zu provozieren. Es war ein riesiger Lerneffekt, dass wir diszipliniert blieben müssen, dass wir uns weniger mit dem Gegner, sondern ausschließlich mit uns selbst beschäftigen müssen.

LAOLA1: Ein letzter Name: Karim Adeyemi. Er ist in aller Mundes, nicht nur in Österreich. Wie geht er mit diesem Hype um seine Person um? Und was macht ihn als Fußballer so besonders?

Ingolitsch: Er ist letzte Saison als damals 16-Jähriger zu uns gekommen. Er ist Everybody’s Darling, weil er ein ganz lässiger, bodenständiger, cooler Typ ist. Er bildet sich nichts auf seinen aktuellen Fame ein – er macht einfach sein Ding, denkt gar nicht viel darüber nach, ist er selbst. Als Fußballer zeichnen ihn seine unfassbare Geschwindigkeit und sein Instinkt aus. Er hat in jedem Spiel immer wieder spielentscheidende Szenen dabei, die ihn unausrechenbar machen. Er kann in jedem Spiel zum Matchwinner werden, stellt sich aber immer in den Dienst der Mannschaft.

Textquelle: © LAOLA1.at

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