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Steyr-Coach Milot: "Liga-Erhalt hat Priorität"

von Maximilian Girschele

Die österreichische 2. Liga ist ein schnelllebiges Geschäft. Sie gilt für Spieler und Trainer gemeinhin als Sprungbrett für die Bundesliga, teils gar für das Ausland. Das belegen nicht zuletzt die Abgänge bei Meister Blau-Weiß Linz, viele entschieden sich für den Sprung in die höchste Spielklasse Österreichs, Fabian Schubert wechselte in die Schweiz.

Die 2. Liga ist aber auch für Trainer die ideale Plattform, so schaffte unter anderem Bo Svensson in der vergangenen Saison den großen Sprung vom FC Liefering in die deutsche Bundesliga zu Mainz 05, sein Nachfolger Matthias Jaissle ist nun bei Serienmeister Red Bull Salzburg am Werk. Meister-Coach Ronald Brunmayr ist nun bei Eintracht Frankfurt als Co-Trainer von Oliver Glasner tätig.

Dass die Schnittstelle zwischen Amateur- und Profi-Fußball aber auch ein Kampf um das nackte Überleben ist, zeigt folgender Umstand: Neun von 16 Vereine gehen mit einem neuen Chefbetreuer die Spielzeit 2021/22 an. Nicht jeder von ihnen entließ seinen Coach nach der vergangenen Saison, dennoch zeigt dieser Fakt auf, wie hart das Trainer-Geschäft ist.

Einer, der seinen Posten über den Sommer hinweg behalten hat, ist Andreas Milot. Der 51-Jährige folgte im vergangenen Oktober auf Wilhelm Wahlmüller, wurde erst interimsmäßig angestellt, erhielt nach starken Leistungen in der ersten Saisonhälfte aber einen fixen Vertrag bis Juni 2022.

Auf starke Leistungen folgte allerdings der Absturz im Frühjahr, eine sieglose Serie von sieben Spielen zum Frühjahrs-Auftakt ließ die Oberösterreicher dem Tabellenende entgegenpurzeln. Zwar holte man Anfang April drei Siege in Serie, in den verbleibenden sieben Spielen gelang allerdings nur ein Sieg, dazu kamen wiederum sechs Niederlagen. Die Folge war der 16. und letzte Tabellenplatz, welcher den Abstieg in die Drittklassigkeit bedeutet hätte.

Dennoch überlebte Milot diesen Sommer, ist weiterhin Trainer der Steyrer. Warum? "Vorwärts Steyr ist ein Verein, der keine Schnellschuss-Handlungen vollzieht und längerfristig mit dem Trainer plant", erklärt der Chefbetreuer im LAOLA1-Gespräch und schmunzelt: "Dazu habe ich noch einen Vertrag bis zum nächsten Sommer."

Milot: "Das ist mein Herzensverein"

(Artikel wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

Milot hat gut lachen, gilt als Urgestein von Vorwärts Steyr als nahezu unantastbar. Seit Jänner 2013 ist er, mit einer halbjährigen Unterbrechung in der Akademie der SV Ried, bei den Oberösterreichern tätig. Co-Trainer, Interimstrainer, Trainer der zweiten Mannschaft - Milot hat beinahe alle möglichen Trainer-Posten in Steyr durchlebt.

Daher kam die Cheftrainer-Bestellung im Oktober 2020 keineswegs überraschend, kennt er den Verein doch wie seine eigene Westentasche. Milot ist in Steyr geboren, wohnt "nur zehn Gehminuten vom Stadion entfernt", erzählt er.

"Das ist mein Herzensverein. Ich habe viele Jahre als Co-Trainer unter den verschiedensten Cheftrainern gearbeitet, wo ich mich sehr gut weiterentwickeln konnte", meint der Steyrer weiter.

Umso schöner war für ihn der Herbst, in dem er mit seiner ersten Anstellung als Profi-Trainer belohnt wurde. Auch die Ergebnisse passten zu Beginn seiner Amtszeit, nur eine Niederlage setzte es gegen Winterkönig Lafnitz vor der Winterpause. Sonst: Zwei Siege, unter anderem gegen Liefering, dazu vier Remis.

"Der Herbst war mit nur einer Niederlage sehr gut. Wir haben das System umgestellt, offensiveren Fußball spielen lassen. Das hat die Mannschaft gut angenommen, auch die Ergebnisse haben gepasst. Es waren zwar viele Unentschieden dabei, aber die Leistungen waren da", spricht Milot die ersten Spiele unter seiner Ägide an.

"Es war wichtig, wieder neuen Schwung und Erfahrung in die Mannschaft zu bringen. Dazu musste auch die Enttäuschung verdaut werden, immerhin wären wir in der letzten Saison abgestiegen."

Andreas Milot

Dann kam aber das Frühjahr, "das war wirklich nicht zufriedenstellend. Wir haben das System beibehalten, haben versucht, den einen oder anderen jungen Spieler einzubauen, um diese auch weiterzuentwickeln. Das ist uns auch gut gelungen. In der zweiten Frühjahrs-Hälfte hatten wir Pech mit vielen verletzten Spielern. Dann konnten wir leider nicht an der ersten Saisonhälfte anschließen."

Nach 16 Punkten aus 13 Saisonspielen und Platz elf im Herbst, folgten 14 Punkte aus 17 Begegnungen und Rang 16 zum Saisonabschluss. Zu wenig, nach dem Geschmack von Vorwärts Steyr und Andreas Milot, das Frühjahr wurde "intensiv" aufgearbeitet. Und wie? 

"Wir hatten doch eine Abgangs-Welle, haben elf Spieler verloren. Dafür kamen bisher neun Neuzugänge. Es war wichtig, wieder neuen Schwung und Erfahrung in die Mannschaft zu bringen. Dazu musste auch die Enttäuschung verdaut werden, immerhin wären wir in der letzten Saison abgestiegen. Dies gelang uns mit der Ankunft von motivierten Spielern, die auch die nötige Qualität mitbringen", erklärt der Inhaber der UEFA-A-Lizenz.

Oliver Filip? "Brauchen wir in unserer Mannschaft"

Die nötige Qualität bringen viele der Neuzugänge mit. Da wären Michael Lageder, ein waschechter Steyrer, sowie Christoph Freitag, die jeweils von Austria Lustenau kamen. Beide Spieler haben auch viel Erfahrung in der Bundesliga bzw. der 2. Liga gesammelt, zählen zu den Routiniers der Steyr-Truppe.

"Michael Lageder ist ein Steyrer, da freuen wir uns sehr, dass er zurückkommt. Dazu kommt mit Christoph Freitag ein ebenfalls erfahrener Spieler, der schon mehrere Stationen durchgemacht hat – auch eine Liga höher. Das ist für unsere Mannschaft, in der viel Jugend steckt, sehr wichtig", sagt Milot.

Oliver Filip im Testspiel gegen Austria Wien

Ein weiterer äußerst interessanter Mann ist Oliver Filip. Der 23-Jährige galt als großes Talent, schaffte aber bei diversen Stationen nicht den Durchbruch. Auch zuletzt bei Meister Blau-Weiß Linz lief es eher dürftig, nun soll in Steyr der Umkehrschwung in seiner Karriere erfolgen.

Milot weiß um die Probleme des Flügelflitzers: "Es war für ihn nicht einfach, er war beim Bundesheer, bei Blau-Weiß waren die Offensiv-Positionen gesetzt. Die Spieler dort waren kaum verletzt, mit Fabian Schubert stellten sie den Torschützenkönig. Es war daher nicht einfach, dass er in die Mannschaft reinrutscht. Zudem war er mit dem Coronavirus infiziert, es war ein schwieriges Jahr für ihn."

Dennoch steckt er seine Hoffnungen in Filip, der bei der 1:2-Auftaktniederlage in Horn einen Assist lieferte: "Er kommt als Meister, ist ein sehr positiver Typ. Wir hoffen, dass er die Qualitäten, die er bestimmt nicht verloren hat, bei uns zeigen wird und uns weiterhilft." Was den 51-Jährigen so zuversichtlich stimmt?

"Das sieht man schon im Training. Er bringt ein irrsinniges Tempo mit, hat einen guten ersten Kontakt. Er bringt schon Fähigkeiten mit, bei denen wir wissen, die brauchen wir in unserer Mannschaft. Oliver kann uns auch bei den jungen Spielern helfen, weil wir da sehen, dass diese doch noch Aufholbedarf haben. An ihm können wir sie sehr gut messen."

Auch Flügelstürmer Philip Ablinger wurde nach seiner Leihe in der letzten Saison nun fix von Blau-Weiß Linz verpflichtet. In der Vorbereitung konnte der 19-Jährige überzeugen, erzielte auch das spielentscheidene 2:0 in der ersten Runde des ÖFB-Cups in Kitzbühel.

"Er ist ein junger Spieler, der eine sehr gute Dynamik mitbringt, den man sowohl als Flügelspieler als auch als Stürmer aufstellen kann. Seine Unbekümmertheit zeichnet ihn aus, er denkt nicht viel nach und das kann im Spiel ein großer Vorteil sein", beschreibt Milot die Stärken Ablingers.

Steyr baut auf Fan-Rückkehr

"Gott sei Dank dürfen wieder Fans in die Stadien. Gerade in Steyr sind sie der zwölfte Mann. Ich bin mir sicher, dass sie uns in der vergangenen Saison gepusht hätten und wir mit ihnen nicht im letzten Drittel gelandet werden"

Andreas Milot

Mit ihnen und fünf weiteren Neuen soll die kommende 2. Liga-Saison positiver gestaltet werden. Dazu einen Teil beitragen sollen auch die Fans, die ab sofort wieder in Hülle und Fülle in Österreichs Stadien erlaubt sind. Der Chefbetreuer ist bereits voller Vorfreude auf das erste Heimspiel.

"Gott sei Dank dürfen wieder Fans in die Stadien. Gerade in Steyr sind sie der zwölfte Mann. Ich bin mir sicher, dass sie uns in der vergangenen Saison gepusht hätten und wir mit ihnen nicht im letzten Drittel gelandet werden", ist sich Milot sicher.

Die Grundlage für eine positive Saison sei auch mit dem Kader gestellt. Außerdem wolle man weiter "guten, offensiven Fußball zeigen. Dazu haben und wollen wir uns defensiv verbessern, da haben wir letzte Saison zu viele Gegentreffer erhalten. Offensiv haben wir im Gegensatz dazu nicht viele Tore erzielen können, da müssen wir uns verbessern. Mit dem Kader, den wir derzeit haben, sind wir aber sowohl defensiv als auch offensiv gut aufgestellt", meint Milot.

Vorrangig steht aber das Saisonziel Klassenerhalt im Mittelpunkt. "Innerhalb vom Verein und der Mannschaft besteht der Wunsch, dass wir die Saison zwischen Platz 10 und 13 beenden. Das ist über dem Strich und das Wichtigste für Vorwärts Steyr. Wir wollen uns über mehrere Jahre hinweg in der 2. Liga etablieren."

Dass es aber ganz schnell Richtung Spitzenplätze gehen kann, bewies die 2. Liga zur Genüge. Auch dessen ist man sich in Steyr bewusst: "Nach oben ist alles offen. In der Vorsaison hat man gesehen, wenn man das nötige Glück hat und im Flow ist, dann ist sehr viel mehr möglich", betont der Cheftrainer.

Dennoch erwartet der 51-Jährige die üblichen Verdächtigen im Kampf um den Meistertitel, "die auch mit dem Budget besser dran sind. Unten wird es bestimmt wieder eine enge Partie, womöglich auch mit Überraschungsmannschaften", vermutet Milot. Nachsatz: "Wir hoffen einfach, dass wir nicht hinten sind und zumindest drei Mannschaften hinter uns lassen."

Denn: "Der Liga-Erhalt hat Priorität." 

Textquelle: © LAOLA1.at