Das Ende einer Herrschaft

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Das Ende der Zojer-Herrschaft

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Es fühlt sich nach einem Neustart an.

Die außerordentliche Generalversammlung des heimischen Eisschnelllauf-Verbandes (ÖESV) brachte mit Ernst Falger zwar den erwarteten neuen Präsidenten. Den Eindruck des Neustarts prägte aber vor allem die Neu-Besetzung des Präsidiums.

Die Ära Manfred Zojer, der mit Unterbrechungen über zwei Jahrzehnte die Geschicke des ÖESV leitete, ging jedoch alles andere als friktionsfrei zu Ende. Es handelte sich vielmehr um ein Rückzugsgefecht, das unter der Woche mit den überraschenden Ausschlüssen dreier oppositioneller Vereine sowie des Wiener Landesverbandes (WLESV) begann.

Früher Fingerzeig

Das vermeintliche Fehlen eines Anti-Doping-Paragraphen in den Vereins-Statuten hatte die Verbands-Führung zum Anlass genommen (LAOLA1 berichtete), um die Vereine vor der Wahl auszuschließen.

Ein Schachzug, den das Gros der noch zugelassenen Klubs aber nicht guthieß. Nach rund eineinhalb-stündiger Debatte und einer schlussendlichen Abstimmung (ohne Gegenstimme bei einer Enthaltung) wurden die drei Klubs sowie der WLESV am Freitag wieder zugelassen, ehe mit der eigentlichen Tagesordnung überhaupt begonnen werden konnte. Selbst die drei Kärntner Vereine, für welche Zojer zeichnungsberechtigt ist, stimmten gegen den Vorschlag des Präsidenten. Ein deutlicher Fingerzeig, in welche Richtung die Generalversammlung gehen würde.

Falger wurde in Folge ebenfalls einstimmig (bei sechs Enthaltungen) zum Nachfolger bestimmt. Der Innsbrucker wurde zwar im Vorfeld von kritischen Stimmen als „Strohmann“ des alten Regenten bezeichnet, aufgrund der Berufung der Zojer-kritischen Irene Stelzmüller (Vize-Präsidentin), Dagmar Puffing (Kassierin) und Martin Gschwendtner (Schriftführer) in das Präsidium verliert die ursprüngliche Befürchtung jedoch an Gewicht.

Zojer beharrt auf Standpunkt

Trotz des nicht zu übersehenden Machtwechsels innerhalb des ÖESV versuchte Zojer im Anschluss gute Miene zum bösen Spiel zu machen. „Alles wunderbar! Es ist alles nach Plan verlaufen“, so der langjährige Funktionär in einer ersten Reaktion gegenüber LAOLA1. Schließlich habe er ohnedies vorgehabt, sich zurückzuziehen.

Die von praktisch allen abgelehnten Ausschlüsse verteidigte Zojer weiterhin. „Die Vereine wurden sehr wohl im Vorfeld gemahnt. Diese Geschichte geht bereits über Monate“, behauptete er. Die Klubs verneinen jedoch vehement, in vergangener Zeit diesbezüglich einen eingeschriebenen Brief vom Verband erhalten zu haben.

Dass der ÖESV den Vereinen im Nachhinein keine Einspruchsfrist eingeräumt hat, erachtete Zojer nicht als notwendig. „Die steht schließlich nicht in den Verbandsstatuten drinnen.“ Dass die ÖESV-Richtlinien in dieser Hinsicht dann womöglich aber dem Vereinsrecht widersprechen und als sittenwidrig einzustufen sind, wollte der Ex-Präsident gar nicht verneinen. Nichtsdestoweniger prophezeite er Konsequenzen für alle Beteiligten, auch wenn sich damit der nächste Vorstand herumschlagen müsse.

Bunt zusammengewürfelter Vorstand sucht Richtung

Für Nachfolger Falger heißt das vorrangige Ziel Konsolidierung und „Ruhe reinbringen“. Bei der Frage nach den Zielen kommt dem Innsbrucker mit einem Augenzwinkern schnell das Wort „Olympiasieg“ über die Lippen.

„Nein, im Ernst gehe es jetzt vorrangig einmal wieder darum, die Jungen zu forcieren, um dafür zu sorgen, dass wieder etwas nachkommt.“

Von einer breiten Masse im Erwachsenen-Sektor will er dennoch nicht träumen. „Auch in erfolgreichen Zeiten waren wir immer ein eher kleiner Verband, der allerdings ein, zwei wirkliche Top-Athleten vorzuweisen hatte.“

Ein sportliches Konzept habe er keines bei der Hand, „weil wir schließlich ein bunt zusammengewürfelter Vorstand sind“. Vorrangig müsse sich dieser nun einmal an einen Tisch setzen und sich auf eine Vorgehensweise festlegen.

Kassasturz soll Klarheit bringen

Falger bekräftigte nach seiner Wahl seinen Wunsch, Michael Hadschieff als neuen Sportdirektor einsetzen zu wollen. Der frühere Olympiamedaillen-Gewinner, der bis zuletzt als möglicher Zojer-Nachfolger galt, würde damit in die Fußstapfen des umstrittenen Marek Stanuch treten, dessen Vertrag laut Zojer mit 30. April ausgelaufen sein soll.

Hadschieff erbat sich Bedenkzeit, signalisierte gegenüber LAOLA1 aber eine prinzipielle Bereitschaft.

„Das wäre eine Funktion, in der ich mich einbringen und auch etwas bewirken könnte. Allerdings möchte ich noch keine fixe Zusage geben, solange ich nicht weiß, wie es im Verband genau aussieht“, spielt er auf die ungewisse finanzielle Situation im ÖESV an.

Seit Jahren hatte kein vom Verband gewählter Rechnungsprüfer mehr Einsicht in die Bücher erhalten. Zudem wiesen Kassa-Berichte einen enormen Rückgang der Verbands-Rücklagen auf. Somit überrascht es wenig, dass der alte Vorstand nicht entlastet wurde, um im Falle des Falles Regressions-Forderungen geltend zu machen.

Zojer macht sich in Sachen Finanzen aber keine Sorgen: „Ich bin seit 40 Jahren Steuerberater – ich weiß, was ich tue.“

Reinhold Pühringer

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