Freunds "Frühstart" regt auf

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Freund-Start bei Gelb: Walter Hofer klärt auf

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"Warum wurde Severin Freund nicht disqualifiziert?"

"Der ist doch bei gelbem Licht gestartet. Das ist nicht erlaubt."

"Die FIS traut sich nicht, den Sieger zu disqualifizieren."

Die Reaktionen in den Internetforen nach dem zweiten Skisprung-Bewerb in Oslo waren eindeutig - Severin Freund hätte aus der Wertung genommen werden müssen.

Warum das so ist, erklärt sich schnell bei einem Blick auf die TV-Bilder. Diese zeigen eindeutig, dass der 26-jährige Deutsche bei gelbem Licht gestartet war.

Genau das ist laut FIS-Reglement nicht erlaubt. Erst wenn die Ampel auf Grün umspringt, darf ein Springer in die Spur gehen.

Keine Schiebung, kein Betrug, kein Skandal

Von einer Disqualifikation war beim Internationalen Skiverband jedoch keine Rede, Freund gewann vor Evergreen Noriaki Kasai (JPN) sowie den ex aequo drittplatzierten Kamil Stoch (POL) und Peter Prevc (SLO). Stefan Kraft musste als bester Österreicher mit Rang fünf vorlieb nehmen.

Schiebung? Betrug? Skandal? Keineswegs, denn alles war im Rahmen des Regulativs, wie FIS-Renndirektor Walter Hofer im Gespräch mit LAOLA1 erklärt.

Der interne Ablauf ergab keine Probleme

Demnach gibt es eine Datenservice-Datei mit Inputs vom Startsignal, vom Wind und weiteren Komponenten. Die FIS sendet diese wieder aus. Miran Tepes, der Technische Delegierte, steuert diese Ampel, woraufhin die Trainer das Signal bekommen und den Athleten das Freizeichen erteilen.

Jenes Signal erhält auch das Grafik-Mobil, welches die Daten für die TV-Grafik generiert. Hierbei kam es allerdings offensichtlich zu einer Verzögerung. "Für uns intern war der Ablauf normal", meint Hofer, am Trainerturm wäre längst Grün gewesen, womit Freund korrekt in die Anlaufspur ging.

Ein Protest der Konkurrenz blieb aus

"Es stehen zu jenem Zeitpunkt 20 Trainer oben. Würde auch nur einer sehen, dass er bei Gelb wegfährt, hätten wir sofort einen Protest", erläutert der Renndirektor plausibel.

Brisanz bekam die Angelegenheit vor allem deshalb, weil es sich beim frisch gebackenen Weltmeister um einen absoluten Topspringer handelte, der zudem um die große Kristallkugel für den Gesamtweltcup-Sieg kämpft.

"Es ist natürlich genauso, dass es bei einem Athleten passiert, wo es richtig heiß ist. Es war nicht bei einem Vorspringer, sondern bei Severin", kann Hofer die Aufregung durchaus nachvollziehen.

Alles auf Video festgehalten

Dabei war der DSV-Adler kein Einzelfall, denn bereits am Samstag ereignete sich exakt derselbe Vorfall. "Wir hatten das auch bei (Anders) Bardal, der ist aber ebenfalls bei Grün weggefahren." Lediglich das Fernseh-Signal übertrug das Umschalten der einzelnen Phasen zeitversetzt.

"Wir müssen das ja alles in Evidenz halten, es wird alles aufgezeichnet", stellt er klar. Warum es in Oslo gleich in doppelter Ausführung einen Fehler gab, darüber lässt sich nur spekulieren. Hofer und seinem Team ist der Fauxpas allerdings auch sofort aufgefallen.

"Das wird intern aufgelistet, nach der Saison gibt es dann eine Sitzung mit Swiss Timing. Diese Vorfälle werden dann natürlich aufgearbeitet."

Freund kann den Sack zumachen

Die Aufregung war groß, letzten Endes dürfte nun aber auch den größten Zweiflern klar sein, dass Severin Freund zu Recht seinen 18. Weltcup-Sieg feierte und in der ewigen Bestenliste zu Sven Hannawald aufschloss.

Der 26-Jährige liegt bereits auf Rang elf und nähert sich den Top-10 (Andreas Goldberger ist mit 20 Siegen Zehnter). Vorrangig schielt er jedoch nach der großen Kristallkugel.

Vor der letzten Weltcup-Station in Planica liegt er 94 Zähler vor Prevc sowie 175 vor Kraft. Bereits am Freitag - das Skifliegen ab 15:15 Uhr im LIVE-Ticker - kann er den Sack zumachen.

Aufregung sollte dann nur noch deshalb herrschen, weil er damit eine 15-jährige Durststrecke der deutschen Skispringer beenden könnte.


Christoph Nister

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