"Ich müsste Superman sein"

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Svendsen: "Hoffe, dass es beim ÖSV bald besser läuft"

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Er ist der Überflieger. Der neue Superstar. Der legitime Nachfolger von Ole Einar Bjørndalen. Und die aktuelle Nummer eins im Weltcup.

Emil Hegle Svendsen, der derzeit beste Loipenjäger der Welt.

Trotz all seiner Erfolge will sich der 26-Jährige nicht mit seinem Landsmann und Teamkollegen Bjørndalen vergleichen. Vielmehr freut er sich über die gute Atmosphäre im hochkarätig besetzten norwegischen Team.

Im Interview mit LAOLA1 erklärt der Doppel-Olympiasieger von Vancouver außerdem, wer denn nun der Boss bei den Wikingern sei, warum ihn der einzige Makel in seiner so erfolgreichen Karriere nicht weiter belangt und weshalb er den gebeutelten ÖSV-Stars Mut macht.

LAOLA1: Emil, du führst den Gesamtweltcup an. Kann man davon ausgehen, dass du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden bist?

Emil Hegle Svendsen: Ich würde sagen, es läuft ganz gut. Die ersten beiden Weltcups liefen gut, der letzte vor Weihnachten leider weniger, danach ging es wieder besser. Insgesamt bin ich sehr zufrieden.

Können diese Augen lügen? E.H. Svendsen stand LAOLA1 Rede und Antwort

LAOLA1: Björndalen hat 92 Biathlon-Weltcuprennen (plus eines im Langlauf, Anm.) gewonnen. Ist das ein Ziel für dich?

Svendsen: (lacht) Nein!  So viele Rennen werde ich in meiner Karriere nie gewinnen. Da müsste ich ja noch mindestens 15 Jahre laufen. Zudem wird es (aufgrund der Dichte) immer schwieriger, Weltcupbewerbe zu gewinnen. Ich müsste schon Superman sein, um das zu schaffen.

LAOLA1: Im Stehendschießen hast du dich im Vergleich zum letzten Jahr verbessert, liegend läuft es dafür nicht ganz so gut. Wie erklärst du dir das?

Svendsen: Wenn ich bloß eine Erklärung hätte. Das gehört eben dazu. Manchmal ist man im einen Bereich stärker, dann wieder im anderen. Es fällt mir schwer, das zu beschreiben. Das Schießen ist auch eine Kopfsache. Wenn du mental top drauf bist, läuft es.

LAOLA1: Die Österreicher rackern sich ab, doch es läuft derzeit nicht. Wie ist dein Verhältnis zu Sumann, Landertinger und Co.?

Svendsen: Ja, wir haben guten Kontakt. Die Österreicher sind gute Freunde und tolle Kerle. Sie hatten einige richtig starke Jahre, nur in diesem Winter klappt es bei ihnen nicht so gut. Auch wenn ich die Hintergründe nicht kenne, würde ich mir wünschen, dass es bald wieder besser läuft, da es immer großen Spaß macht, gegen sie zu konkurrieren.

LAOLA1: Im Biathlon-Zirkus fällt auf, dass viele Männer und Frauen liiert sind. Sind die Biathletinnen so hübsch oder wie würdest du das begründen?

Svendsen: (lacht) Gute Frage. Ein Grund ist sicher, dass man viel Zeit miteinander verbringt. Auch, dass die Partnerin dasselbe Leben führt und sich in eigene Situationen hineinversetzen kann, macht ein Zusammenleben einfacher.

LAOLA1: Zu Saisonbeginn hattest du noch Probleme mit deinen Beinen, die dir große Schmerzen bereiteten. Wie konntest du das Problem lösen?

Svendsen: Das Equipment war neu. Die Ski hatte ich noch nie benutzt, daher gab es zunächst große Probleme. Wir haben aber einige Veränderungen und Anpassungen vorgenommen, sodass es inzwischen wieder passt und ich keine Probleme mehr habe.

LAOLA1: Was dürfen wir uns in dieser Saison noch von dir erwarten? Welche Ziele verfolgst du?

Svendsen: Meine großen Ziele sind eindeutig der Gewinn des Gesamtweltcups sowie eine Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften.

LAOLA1: Die WM findet in Ruhpolding statt, die Stimmung wird atemberaubend sein. Ist es der größte Event, den es im Biathlon je gab?

Svendsen: Ich denke schon. Es wird eine fantastische Atmosphäre vorherrschen. Ich freue mich schon darauf und hoffe natürlich, dass ich punktgenau in Topform bin, um den Fans eine richtig gute Show bieten zu können.

LAOLA1: Für die Öffentlichkeit ist häufig Olympia-Gold am wichtigsten, viele Sportler stufen den Gesamtweltcup höher ein. Welcher Titel hat für dich den größten Stellenwert?

Svendsen: Meiner Meinung nach ist eine Olympische Goldmedaille das Größte, was man erreichen kann. Die Spiele finden eben nur alle vier Jahre statt, was es ungleich schwieriger macht, Gold zu gewinnen. Man muss extrem fokussiert sein, viele Chancen bieten sich einem schließlich nicht. Die Chance, den Gesamtweltcup zu gewinnen, bietet sich einem jedes Jahr. Auch Weltmeisterschaften gibt es bei uns häufiger (in allen nicht-olympischen Jahren, Anm.), was ich aber sehr begrüße.

LAOLA1: Mit Tarjei Bø und Ole Einar Bjørndalen stehen zwei weitere Top-Stars im norwegischen Team. Wer ist denn der Boss?

Svendsen: (überlegt) Einen richtigen Boss gibt es bei uns nicht. Ich habe den Eindruck, dass der den Ton angibt, der in der besten Form ist. Das ist dann unser König.

LAOLA1: Wie muss man sich die Stimmung im Team vorstellen bei drei Häuptlingen? Kommt ihr gut miteinander aus?

Svendsen: Es ist ziemlich cool bei uns. Wir verstehen uns abseits der Loipen richtig gut, verbringen viel Zeit miteinander und haben jede Menge Spaß. Wir sind gute Freunde. Natürlich will jeder den anderen im Wettkampf schlagen, außerhalb ist davon aber nichts zu sehen. Es ist außerdem immer gut, in einem so starken Team zu sein. Wenn du im Training ganz vorne bist, weißt du, dass du die stärksten Athleten der Welt geschlagen hast.

LAOLA1: Du hast inzwischen 26 Rennen gewonnen, dazu den Gesamtweltcup, Olympia- und WM-Gold. Wie schwierig ist es, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren?

Svendsen: Das ist eigentlich gar nicht so schwierig, schließlich gibt es immer Dinge, die es zu verbessern gilt. Als ich jünger war, hatte ich immer den ersten Weltcup-Sieg, die erste WM-Goldmedaille, den Gesamtweltcup oder Olympia-Gold als Ziel. Inzwischen betrachte ich es anders. Ich schaue mir an, wie ich noch schneller in der Loipe werde oder besser schieße.

LAOLA1: Das Einzige, was dir noch fehlt, ist der Verfolgungsweltcup. Wurmt dich das?

Svendsen: Das stört mich gar nicht. Für mich gibt es deutlich wichtigere Ziele wie die WM oder den Gesamtweltcup.

LAOLA1: Abschließend noch ein kurzer Abstecher zum Radsport. Du warst zu im letzten Jahr Gast bei der Tour de France. Was macht für dich den Reiz dieser Sportart aus?

Svendsen: Es ist einfach toll, den Profis im Sommer zuzusehen. Zugleich motiviert es mich ungemein für mein eigenes Training. Es war auch toll, einmal dabei zu sein.

LAOLA1: Hast du persönlichen Kontakt zu Thor Hushovd oder Edvald Boasson Hagen?

Svendsen: Nicht wirklich. Ich habe sie aber getroffen, als ich zu Gast war, und habe mir von beiden Unterschriften geholt. Das hat echt Spaß gemacht.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Christoph Nister

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