Kraft hofft auf einen Rausch

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Kraft: "Ich hoffe, in einen Rausch zu kommen"

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Stefan Kraft hatte die grüne Linie knapp verpasst.

Der Salzburger wusste, dass es nicht mit der Führung klappen würde, die Medaille war in Gefahr.

Als Zweiter nach dem ersten Durchgang richtete er ein kurzes Stoßgebet nach oben.

„Bitte lass wenigstens den 2er da stehen“, dachte der amtierende Gewinner der Vierschanzen-Tournee.

Vom Skisprung-Gott erhört

Der Skisprung-Gott erhörte ihn. Hinter dem Norweger Rune Velta und dem Deutschen Severin Freund schnappte sich der 21-Jährige die Bronzemedaille. „Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen, es ist extrem cool.“

Für die kommenden Aufgaben sei es deutlich einfacher, bereits Edelmetall in der Tasche zu haben.

Dabei war Kraft auch auf der Normalschanze vor dem Finaldurchgang nervös. „Ja, das war ich schon. Ich wusste, dass Severin 96 Meter gesprungen war, ich wusste aber auch, dass ich das ebenfalls drauf habe.“ Als Vorteil erwiesen sich dabei die letzten Wochen, in denen Kraft ständig im Fokus stand und großem Druck ausgesetzt war.

„Die Erfahrung, die ich in B'hofen gemacht habe, hat mir sicher geholfen.“

Ammann half bei Plan-Findung

Hilfreich war überdies, dass er am Freitag die Qualifikation sausen ließ und es sich stattdessen im Bungalow gemütlich machte. Dort hat er im TV der Konkurrenz auf die Beine geschaut und einen Plan entwickelt, den er schließlich perfekt umsetzte.

„Ich habe gesehen, dass Simi (Ammann, Anm.) ihn voll rausgelassen hat und geflogen ist.“ Ab diesem Moment war klar, man müsse volles Risiko nehmen und dürfe keinesfalls einen braven Sprung auf der Normalschanze zeigen.

Auch die Idee, das Skifliegen in Vikersund auszulassen und sich stattdessen auf der Kleinschanze in Villach für die Nordische Ski-WM in Falun vorzubereiten, betrachtet „Crafter“ als Glücksgriff.

„Auch wenn das keine Medaille geworden wäre, bin ich fest davon überzeugt, dass es das Beste war. Es ist auf alle Fälle aufgegangen.“

Alpine dienen als Vorbild

Mit seiner ersten Medaille bei einem Großereignis hat Kraft Blut geleckt. Der 21-Jährige, im Vorjahr nicht für die Olympischen Spiele in Sotschi nominiert, will weiteres Edelmetall mit nach Hause nehmen.

Als Vorbild dienen ihm dabei Österreichs alpine Skistars um Anna Fenninger und Hannes Reichelt, die mit ihren Erfolgen gleich zu Beginn der Titelkämpfe den größten Druck vom Team nahmen.

„Die haben danach eine Medaille nach der anderen geholt. Ich hoffe, dass ich auch in so einen Rausch komme“, hat er Großes vor.

Es geht Schlag auf Schlag

Rein sportlich ist ihm das ohne Zweifel zuzutrauen, was den Konsum alkoholischer Getränke betrifft, hält er sich selbstverständlich zurück.

Bereits am Sonntag steht ab 17 Uhr (LIVE im LAOLA1-Ticker) der Mixed-Bewerb auf dem Programm, in dem Kraft neben Daniela Iraschko-Stolz, Jacqueline Seifriedsberger und Zimmerkollege Michael Hayböck erneut um Gold, Silber und Bronze kämpft.

Für den Schwarzacher hat die Entscheidung „höchste Priorität“, daher werde es „nur bei einem kurzen Anstoßen bleiben“.


Aus Falun berichtet Christoph Nister

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