Mit der Hilfe eines TV-Killers

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Mit der Hilfe eines TV-Serienkillers

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Ein Serienkiller hat es Michael Hayböck angetan.

Der Oberösterreicher, der in der ersten Woche bei der Nordischen Ski-WM in Falun ordentlich durchgeschüttelt wurde und weit hinter den Erwartungen blieb, lenkte sich mit einem Mörder ab.

Hayböck und Zimmerkollege Stefan Kraft sind große Fans der Serie „Dexter“, in der ein Forensiker Selbstjustiz verübt und zum Serienmörder wird.

„Mittlerweile sind wir bei der finalen Staffel“, erklärt der Oberösterreicher im Gespräch mit LAOLA1. Begonnen haben die beiden im Sommer damit, acht Staffeln mit insgesamt 96 Folgen gibt es.

Killerinstinkt bewiesen

Ein Killer steckt auch in ihm, glaubt Hayböck, allerdings im übertragenen Sinne. Beim abschließenden Springen der Vierschanzen-Tournee in Bischofshofen feierte er seinen ersten Weltcupsieg und bewies seinen Kritikern, dass er sehr wohl ein stabiles Nervenkostüm hat.

Danach riss allerdings der Faden, auch in Falun lief es bislang nicht wie am Schnürchen. Im ersten WM-Einzelbewerb kam er nicht über Platz 21 hinaus, im Mixed-Event blieb er ebenfalls deutlich hinter den Erwartungen zurück und musste sich mit seinen ÖSV-Kollegen mit Blech zufrieden geben.

Keine Einflüsterer nötig

Anschließend sprach der 23-Jährige von einem „Filmriss“. „Ich war von Informationen von außen und mir selbst überladen.“ Der freie Montag hat dabei geholfen, wieder klar zu werden und sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu fokussieren.

Ganz oben steht dabei das Vertrauen in das eigene Können. „Ich kann jetzt wieder frisch an den Start gehen, will von null loslegen und ein gutes Gefühl finden. Ich will wenige Inputs von außen und vor allem auf mich hören.“

"Nachts um 3 Uhr ..."

Ein Hauptproblem war, dass er versuchte, immer noch einen drauf zu setzen. Bei der Sensibilität, die das Skispringen kennzeichnet, wirkte sich das fatal aus. Der Schuss ging nach hinten los, Hayböck konnte sich nicht mehr aus seiner Situation befreien.

„Alex Diess hat gemeint, wenn er mich um 3 Uhr nachts geweckt und mir gesagt hätte, ich soll die Ski anschnallen, wäre ich fünf Meter weiter gesprungen“, berichtet Hayböck und gibt damit das Motto vor: Kopf ausschalten und laufen lassen.

Kämpfen macht müde

Auch der Müdigkeit muss der Tournee-Zweite ein Schnippchen schlagen. Hayböck ist zum ersten Mal eine volle Saison im Weltcup-Team und spürt jetzt die Strapazen. Über die Ausgebranntheit meint er: „Die kommt eher dann, wenn du kämpfen musst.“ So sei die Tournee ein Selbstläufer gewesen und habe kaum Substanz gekostet.

„Sobald du aber herumdokterst, kämpfst und siehst, dass es nicht ganz so läuft, wie du es dir vorgestellt hättest, wird es auch im Kopf anstrengend.“

Der freie Tag sei deshalb umso wichtiger gewesen. Um im Kopf wieder klar zu werden. Um sich seiner Stärken wieder bewusst zu werden. Und um den Killer in sich zu wecken.


Aus Falun berichtet Christoph Nister

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