"Es wäre ein perfektes Ende"

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"Die Gegner und Experten zählen uns dazu"

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1980, 1981, 1982, 1983.

Vier Jahre, die in der Geschichte der New York Islanders als golden bezeichnet werden dürfen. In diesen wurde jeweils der Stanley Cup ins Nassau Veterans Memorial Coliseum nach Long Island geholt.

Ehe die Isles im Herbst für ihre Heimspiele ins schmucke Barclays Center nach Brooklyn ziehen, könnte sich ausgerechnet im letzten Jahr in Uniondale noch einmal der ganz große Coup ausgehen.

„Das wäre natürlich das perfekte Ende einer Story“, hat auch ÖEHV-Legionär Michael Grabner im LAOLA1-Interview etwas für Kitsch über. Kein Wunder, geht es doch auch um seinen Lebenstraum.

Höhenflug der Islanders

Die Endspiel-Serie der NHL ist wie die Playoffs noch weit weg. Aber in dieser Saison sieht es für die sonst so gebeutelten Islanders-Fans gut aus.

Der All-Star-Break tat dem Höhenflug (Story) keinen Abbruch, ohne den verletzten Stürmer-Star Kyle Okposo wurde Stadtrivale Rangers 4:1 weggefegt. Die Islanders sind „for real.“

Grabner, in seinem fünften Jahr bei den Islanders, spricht über die Gründe für den Run, seine Zukunft und warum er sich am Ende doch über einen Super-Bowl-Sieg der Seahawks freuen könnte.

LAOLA1: Vor einem Jahr waren wir bei dir zu Gast und damals die New York Islanders Schlusslicht in ihrer Division. Nun sind sie Erster und auf Playoff-Kurs. Was ist seither passiert?

Michael Grabner: Jeder ist ein Jahr älter geworden, jeder hat wieder an Erfahrung gewonnen. Wir waren vor zwei Jahren zwar auch schon in den Playoffs, haben zuvor super gespielt, aber letztes Jahr gab es eine Enttäuschung, auch weil wir keinen guten Start hatten und immer hinterhergelaufen sind. Im Sommer haben alle hart gearbeitet, jeder weiß, was unser Ziel ist, nämlich in die Playoffs zu kommen und den Stanley Cup zu gewinnen. Man sieht auch auf dem Eis, dass wir auf einer Welle sind. Wir sind eine der härtesten Mannschaften zu spielen, weil alle vier Linien das gleiche System umsetzen. Vor dieser Saison hat der General Manager (Garth Snow) zudem ein paar gute Spieler geholt, die früher bereits Erfolg gehabt haben. Johnny Boychuk und Nick Leddy haben schon den Stanley Cup gewonnen. Wir haben zudem einen sehr guten Tormann (Jaroslav Halak, Anm.) geholt. Die Position war bei uns eine Problemstelle in den letzten Jahren. Mikhail Grabovski und Nikolai Kulemin sind zwei solide Stürmer, die uns noch mehr Tiefe im Kader geben. Wir hatten nun einen guten Start und haben nie zurückgeschaut. Wir haben nie viele Spiele hintereinander verloren. Es ist aber auch noch früh, wir haben noch viele Partien und das müssen wir jetzt einfach durchhalten. Der Weg ist bei 82 Spielen einfach ein langer und es geht eng zu. Du spielst oft gegen direkte Konkurrenten und da darfst du dir nicht viel leisten. Danach beginnt erst der richtige Spaß.

LAOLA1: Sollte es so weitergehen: Kann das Team auch in den Playoffs eine gewichtige Rolle spielen?

Grabner: Sicher! Wir haben Pittsburgh geschlagen, wir haben die Rangers geschlagen, wir haben im Westen mit Los Angeles und Anaheim Top-Teams geschlagen. Die Gegner und Experten zählen uns schon zu den Mannschaften, die eine Chance haben. Aber es geht einfach darum, in die Playoffs zu kommen. Das ist die halbe Miete. Dann ist alles möglich. Egal, ob du als Erster oder Achter in die Postseason startest. Die Kings sind 2014 auch reingerutscht und haben am Ende gewonnen. Das ist dann eine ganz andere Atmosphäre, wenn du bis zu sieben Mal gegen eine Mannschaft spielst.

LAOLA1: Apropos Atmosphäre: Was geht im und rund um das Coliseum in seiner letzten Saison ab?

Grabner: Unsere Fans waren schon immer Weltklasse, auch wenn wir nicht immer sehr gut gespielt und verloren haben. Sie sind immer hinter uns gestanden und haben Stimmung gemacht. Heuer ist es das Zehnfache. Die Halle ist immer ausverkauft, die Leute haben eine Freude und natürlich gibt uns das auch noch zusätzliche Energie. Das macht es auch für die Gegner im Coliseum schwierig, die Punkte zu stehlen. Vor zwei Jahren habe ich es in den Playoffs gemerkt, wie laut es sein kann. Jetzt ist das schon sehr nahe dran. Und es wäre natürlich ein perfektes Ende einer Story, wenn man im letzten Jahr hier noch einmal den Stanley Cup gewinnt, nachdem hier in den 80ern vier Mal in Folge der Titel geholt wurde. Aber wir schauen nicht so weit nach vorne. Ein Spiel nach dem anderen.

LAOLA1: Gut, dann schauen wir etwas zurück: Wie geht es dir nach deinen Verletzungen?

Grabner: Es geht schon wieder besser. Für einen Eishockey-Spieler ist das keine schöne Operation (Leiste, Anm.) und es ist dann schwer, zurückzukommen und den Muskel wieder aufzubauen. Da gab  es den einen oder anderen Rückschritt in der Rehabilitation. Jetzt muss ich eben weiter viel arbeiten, früher in der Halle sein, ordentlich aufwärmen. Da muss man aufpassen, dass auf der anderen Seite nichts passiert. Es ist auch nicht mehr so wie vor einigen Jahren, wo man aufs Eis geht und dann wieder heimfährt. 2014 war überhaupt ein hartes Jahr, ich hatte die Gehirnerschütterung nach Olympia, verpasste die letzten Spiele der vergangenen Saison. Nun hatte ich eben wegen der OP Probleme, aber jetzt hoffe ich, dass 2015 besser wird. Zuletzt ist es mir schon ganz gut gegangen.

LAOLA1: Wie gefällt es dir in deiner Linie?

Grabner: Wir haben eine sehr gute Balance in der Mannschaft, egal mit wem du zusammenspielst, die Chemie stimmt. Ich spiele jetzt mit Kulemin und Brock Nelson in einer Linie, da haben wir zuletzt auch einige Punkte gemacht. Nelson ist noch jung, aber der wird eine tolle Zukunft in der Liga haben.

LAOLA1: Da es immer etwas zu verbessern gibt, was wär das in eurem Fall – auch punkto Playoffs?

Grabner: Wir müssen sicher ab und zu schlauer spielen. Wenn wir gut spielen, dürfen wir uns nicht etwa mit vielen Turnover ins eigene Bein schießen. Da wollen wir dann den Extra-Pass machen anstatt tief zu spielen. Das war etwa in Montreal der Fall. Du kannst einem schnellen Team nicht die Scheibe an der blauen Linie geben. Ganz wichtig ist, konstant weiterzuspielen.

LAOLA1: Dein Fünfjahresvertrag läuft nach der kommenden Saison aus. Irgendwelche Präferenzen?

Grabner: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Wegen der Verletzungen habe ich mich jetzt in erster Linie einmal aufs Körperliche konzentriert. Im Sommer werde ich mir sicher mehr Gedanken darüber machen. Ich weiß noch nicht, was der Plan ist.

LAOLA1: Im Frühjahr 2014 gab es ein Trade-Gerücht mit dir und den Kings. Ist alles möglich?

Grabner: Das gehört zum Geschäft dazu. Ich bin schon einmal getradet worden (von Vancouver nach Florida) und da kann es immer passieren, dass du von einem Tag auf den anderen von New York nach Los Angeles ziehst. Aber an das kann man auch nicht denken, man muss es so nehmen, wie es kommt. Ich versuche, mich auf meine Saison zu konzentrieren und schaue dann, wie es weiter geht.

LAOLA1: Du bist sehr heimatverbunden, aber eine frühzeitige Rückkehr kommt nicht in Frage, oder?

Grabner: Es kommt immer darauf an. Erstens, wie die nächste Saison so läuft, ob mich die Islanders weiter wollen, welche andere Mannschaften mich wollen. Das hängt von der Leistung ab, ob man weiter einen Platz in der Liga hat. Ich hoffe schon, dass ich hier noch ein paar Jahre spielen kann.

LAOLA1: Bist du noch viel in Kontakt mit Thomas Vanek? Mit VSV-Kumpel Michael Raffl wohl ohnehin...

Grabner: Mit Thomas schreibe ich öfters hin und her oder wir telefonieren, fragen nach, wie es uns geht. Michael war zuletzt vor unserem Duell bei mir, wir haben gekocht und mit meinem Sohn gespielt. Das ist auch für ihn schön, wenn er nicht nur im Hotel sitzt. In Kontakt sind wir aber immer.

LAOLA1: Wie bewertest du die erste bisherige Saison deines Ex-Kollegen Vanek in Minnesota?

Grabner: Es ist eine neue Mannschaft und das braucht auch Zeit. Auch wenn er im Sommer dort immer gewohnt hat, ist es etwas Neues. Da sind andere Leute und da muss man sich eingewöhnen. Auf die Spieler, auf die Trainer. Die Fans wollen, dass er 40, 50 Tore in der Saison schießt. Das kann er auch, aber es braucht eben Zeit. Heuer hat er schon viele Assists erzielt (20), zuletzt ist es mit dem Toreschießen auch besser gegangen. Talent hat er, das wissen wir, der Rest wird kommen.

LAOLA1: Wie wichtig ist für dich eine statistisch herausragende Saison oder zählt nur Teamerfolg?

Grabner: Natürlich ist es wichtig, seine Punkte zu machen. Weil du eben auch der Mannschaft damit hilfst. Die letzten zwei, drei Jahre ist das aber eher in den Hinterkopf gerückt, der Erfolg des Teams muss einfach stimmen. Da will ich meinen Teil beitragen, dass wir in den Playoffs landen, dort so weit wie möglich kommen und am Ende vielleicht den Stanley Cup gewinnen. Dann passen auch die Stats.

LAOLA1: In dieser Woche eine Frage, die zu stellen ist: Schaust du am Sonntag die Super Bowl?

Grabner: Ja, die schaue ich mir natürlich an. Ich bin in den letzten Jahren ein großer Football-Fan geworden. Vorher hat es mich nicht so interessiert, aber jetzt bin ich reingekommen. Eigentlich bin ich ja ein Fan der San Francisco 49ers, deswegen taugt es mir nicht unbedingt, dass die Seattle Seahawks dabei sind…

LAOLA1: Aber wenn sie gewinnen, kannst du dich für Eat-the-Ball-Partner Russell Wilson freuen.

Grabner: Genau! Er ist schon ein toller Quarterback, weil er nicht nur den Ball wirft, sondern auch zu Fuß ganz gut unterwegs ist. Er hat mehrere Waffen und es ist einfach schön, ihm zuzusehen. Dass er, wie ich seit kurzem, auch im Athleten-Team von „Eat the Ball“ dabei ist, das ist schon eine coole Sache. Da bin ich neben ihm und David Alaba ohnehin einer der kleineren Fische (lacht), deswegen schaue ich, einen Stanley Cup zu gewinnen, um näher in ihre Richtung zu kommen. Mir taugt das Brot, ich habe es auch hier in den USA, ebenso das gesamte Marketing mit den Sportlern. Es freut mich, dass sie im Sommer auf mich zugekommen sind, und ich nun Teil des Teams bin.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

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