Der Bann ist gebrochen!
Doug Lynch erlöste Meister Salzburg in der Overtime gegen Zagreb. Schon nach 30 Sekunden schlug ein „Blue Line“-Hammer zum 4:3-Endstand im Netz ein.
Das Ende der fünf Spiele währenden Unserie.
Ob es die ersehnte Initialzündung im Hinblick auf die Playoffs war, darüber wird der Freitags-Schlager gegen die Black Wings Linz (LIVE-Stream bei LAOLA1.tv ab 19:15 Uhr) Aufschluss geben.
Die in der Platzierungsrunde makellosen Oberösterreicher untermauerten ihre Vormachtstellung. In acht Begegnungen hatte zuletzt stets die Konkurrenz das Nachsehen.
Ausgerechnet gegen den legitimen Nachfolger wollen die "Bullen" ihren kurzzeitigen Aufwärtstrend prolongieren. Wie Linz‘ Dominanz zu brechen ist und wo der Fehler im System liegt, verrät Kapitän Matthias Trattnig gegenüber LAOLA1.
LAOLA1: Am Dienstag konnte Salzburg die längste Erfolglosigkeit seit der Premieren-Saison 2004/05 beenden. Wie groß ist die Erleichterung?
Matthias Trattnig: Auf jeden Fall sehr groß! Wir haben bei den Niederlagen jedes Mal vier bis sieben Gegentore erhalten. Da ist es sehr schwer. Gegen Zagreb waren es drei, somit gab die Defensive den Ausschlag. Es war ein ausgesprochen wichtiger Sieg für uns.
LAOLA1: Vermeidbare Fehler, sprich Turnovers und Konzentrations-Mängel, wurden euch häufig zum Verhängnis. Kannst du dir solche Unzulänglichkeiten erklären?
Trattnig: Mit der Zeit schleichen sich oftmals kleine Defizite ein. Dank unseres Spielstils bewegt sich der Puck zumeist in unseren Reihen. Wir forcierten zuletzt einfach die Offensive zu stark und hatten vergleichsweise wenig Scheibenbesitz. So passieren viele folgenschwere Turnovers. Unser System ist natürlich sehr aggressiv und offensiv. Wenn man dann solche leichten Fehler begeht, funktioniert es überhaupt nicht mehr.
LAOLA1: War möglicherweise eine Portion Leichtsinn dabei?
Trattnig: Wir haben einen gewissen Druck verspürt, mehr Tore schießen zu müssen. Schon davor lief es nicht wie gewohnt. Das ist nach hinten losgegangen. Wir bekamen mehr Gegentore und erzielten weniger. Gott sei Dank passierte es in der Zwischenrunde. So haben wir etwas Zeit, das umzustellen.
LAOLA1: Salzburg ist dafür bekannt, erst zum Saison-Höhepunkt den Leistungs-Zenit zu erreichen. Inwiefern spielt Müdigkeit aufgrund des prall gefüllten Kalenders und der Trainings-Intensität eine Rolle?
Trattnig: Das ist mit Sicherheit ein Faktor. Es gibt stets Phasen im Jahr, wo sich zur körperlichen noch die mentale Müdigkeit gesellt. Bei uns kommt hinzu, dass die Leistungskurve zu Saisonbeginn auf das Red Bulls Salute getrimmt war. Danach hatten wir einen Einbruch. Wenn man positiv eingestellt und hungrig ist, generiert man irrsinnig viel Energie. Mir fehlte das in den letzten Spielen. Eigentlich sollte es in dieser Zeit nicht passieren, weil es um das Heimrecht in den Playoffs geht. Aber ich hoffe, wir konnten positive Kraft tanken, um in den verbleibenden fünf Spielen voll anzugreifen.
LAOLA1: Wie belastend war das Krisen-Gerede?
Trattnig: Schon sehr, das war uns am Dienstag anzumerken. So etwas verunsichert natürlich. Zudem gerieten wir gleich zu Beginn nach einem blöden Defensiv-Fehler in Rückstand. Es war nicht leicht für die Mannschaft. Andererseits können wir Spieler daran wachsen und noch stärker zurückkommen.
LAOLA1: Wurden nach den blamablen Auftritten gegen Fehervar (1:7) oder bei Ljubljana (1:5) interne Konsequenzen gezogen?
Trattnig: Wir sind als Team enger zusammengerückt, hatten zwei Meetings, in denen wir grundlegende Dinge ansprachen, die im Moment fehlen. Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Es waren mental recht intensive Tage.
LAOLA1: Heißt das, euch fehlte zuletzt der Zusammenhalt?
Trattnig: Unser System verleitet dazu, zu glauben, dass alles offensiv sein muss. Andererseits sollten auch fünf Mann verteidigen. Wenn man die Chance bekommt, greift man geschlossen an. Fährt man dann ein oder zwei Mal daneben und spielt gegen Mannschaften, die schnell umschalten, kommt es zu vielen Gegenstößen. Wir taten uns vorne schwer und waren in der Abwehr völlig daneben. Einige Gegentore bekommt man dann nur, weil der Gegner gegen dich alles trifft. Da fragt man sich: Was ist da los?
LAOLA1: Wie verhält sich Head Coach Pierre Page nach solch Debakeln? Wird er in der Kabine richtig laut oder analysiert er sachlich und spricht euch Mut zu?
Trattnig: Es kommt auf das Spiel und die Leistung an. Nach dem 1:7 gegen die Ungarn war er relativ ruhig, bei so deutlichen Ergebnissen braucht man nicht herumzuschreien. Aber er wird schon des Öfteren laut. Obendrein ist der Trainer ein wichtiger Motivator. Da sind auch die Routiniers gefordert, positiv zu bleiben und dies der Mannschaft mitzugeben. Es hilft nichts, auf den Anderen zu zeigen, sich gegenseitig zu beschimpfen. Kampfgeist und Teamspirit muss in den Vordergrund gestellt werden.
LAOLA1: Ob der Triumph über Zagreb der Befreiungsschlag war, wird sich gegen Leader Linz zeigen. Wie ist ihnen die erste Pleite seit acht Spielen zuzufügen?
Trattnig: Sie sind eine Mannschaft, die sehr schwer zu schlagen ist. Um den Sieg einzufahren, müssen wir unser Bestes abrufen. Vom System her sind die Black Wings dank Rob Daum gut gecoacht, treten als Mannschaft auf, die Rollen sind verteilt und jeder haut sich voll rein.
LAOLA1: Die Oberösterreicher agieren bislang ähnlich dominant wie Salzburg in der Vergangenheit. Wie könnt ihr die Wachablöse abwenden, oder ist diese schon vollzogen?
Trattnig: Wir können das erst in den Playoffs verhindern. Es ist wieder eine andere Geschichte als der Grunddurchgang. Wir zeigten das in den Jahren zuvor, waren erst in der heißen Phase dominant. Der Unterschied derzeit ist, dass Linz alle knappen Spiele gewinnt. Nähert es sich dem Ende, können sie noch einen Gang zulegen. Genau das zeichnete uns aus, dass wir in den entscheidenden Momenten zuschlugen. Ich glaube fest daran, dass Kampfgeist und Siegeswille in den Playoffs für uns sprechen.
LAOLA1: Gegen die Black Wings feiert Star-Verpflichtung Marty Turco sein EBEL-Debüt zwischen den Pfosten. Kann er euch mit seinen 538 NHL-Einsätzen den Rückhalt verleihen, der zuletzt fehlte?
Trattnig: Beim Salute-Triumph zeigte er, wie groß die Qualität ist. Wie er mit der Scheibe umgeht und diese spielt, wird uns sicher weiterhelfen, um weniger Druck im eigenen Drittel zu bekommen. Wenn die Gegner tief spielen, wird er häufig eingreifen. Wir werden es uns ersparen, den Puck von hinten zu holen (lacht). Er spielt ihn dir gleich auf den Schläger.
LAOLA1: Ist die Tormann-Diskussion der vergangenen Wochen mit dem Engagement des 36-jährigen Kanadiers endgültig ad acta gelegt? Was sind seine Vorzüge?
Trattnig: Man kann annehmen, dass Marty die Nummer eins sein wird. Er ist ein All-Star der NHL, da sollte es keine Diskussionen geben. Mir steht nicht zu, über die Notwendigkeit der Verpflichtung eine Aussage zu tätigen. Was ihn auszeichnet? Alles! Nicht nur auf dem Eis ist er Weltklasse. Er ist ein sehr guter Charakter in der Kabine, „down to earth“ wie man im Englischen sagt, hilft jungen Spielern, gibt Ratschläge und unterstützt das Team. Zusätzlich ist er mental ein Rückhalt, denn Gegner machen sich wohl etwas mehr Gedanken, wie sie ihn bezwingen können. Marty hilft uns überall.
Salzburg vs. Black Wings, LIVE-Stream bei LAOLA1.tv ab 19:15 Uhr
Das Gespräch führte Christoph Köckeis