Der große EBEL-Defender-Check

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Soucting Report: Defender-Check, Teil 2

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Keine Position ist auf dem Eishockey-Transfermarkt so schwer zu besetzen wie die des „Einser-Verteidigers“:

Damit ist ein defensiv solider Defender, der an die 25 Minuten auf dem Eis stehen kann, in allen Situationen im ersten Paar spielt und vor allem im Powerplay eine Waffe ist gemeint.

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Letzteres kann oft der Tie-Breaker in der Bewertung eines Spielers sein, denn bei allen offensiven Qualitäten lässt sich selbst über die „All-Around-Fähigkeiten“ von NHL-Norris-Trophy-Gewinnern wie P. K. Subban oder Erik Karlsson diskutieren.

Die EBEL-Teams im Check

LAOLA1 wirft in zwei Teilen einen Blick auf die EBEL-Defensiven:

Wer hat richtige Einserverteidiger, wo teilen sich die Defender ihren Offensivbeiträge auf? Und welches Team braucht im Sommer Glück, Geschick und gutes Geld bei der Verteidigersuche?

 

In Teil eins (Hier gehts zum ersten Teil) wurden die unteren sechs Mannschaften der Tabelle in die Mangel genommen, im zweiten Teil widmen wir uns den Verteidigern von Fehervar, Linz, Znojmo, Graz, den Capitals und Salzburg:

 

Fehervar AV19:

Michael Boivin, bei Salzburg aussortiert, erwies sich in Szekesfehervar als Offensivinjektion, noch dazu mit einem für die Ungarn bewältigbaren Restgehalt. Er muss seine Leistung über den Rest der Saison konservieren, in Salzburg wechselten sich gute Offensivbeiträge mit schrecklichen Defensivfehlern ab. Er könnte aber im Sommer einen besser zahlenden EBEL-Arbeitgeber finden.

Johan Ejdepalm spielt solide, doch sein Schuss schreckt niemanden. Bence Sziranyi könnte dagegen seinen Hammer noch öfters einsetzen, wenn er nicht so lange ausholen müsste.

Kevin Wehrs spielt die Scheibe schnell genug ab, um nicht in Schwierigkeiten zu kommen. Insgesamt sind die Ungarn defensiv so tief wie noch nie zuvor aufgestellt, das könnte im Rennen um die Top-6 ein Vorteil sein.

 

Black Wings Linz:

Sebastien Piché brauchte etwas Anlaufzeit und agiert insgesamt nicht so dominant wie letzte Saison in Bozen, natürlich gehört er aber auf die Liste der EBEL-Einserverteidiger. Niemand in der Liga kann seinen Schuss so lange verzögern und sich damit lateral in eine bessere Position bringen wie der Frankokanadier.

Allerdings: Eine jüngere Variante von Curtis Murphy wäre ihm schon vorzuziehen, aber woher nehmen und nicht stehlen? Mit 39 Jahren ist das Karriereende für Murphy doch schon nah, auch wenn er es selbst noch anders sieht. Nicht völlig auszuschließen, dass die Linzer ihn noch für ein Jahr verlängern, aber anzustreben ist diese Variante auch wieder nicht.

Murphy gehört nach wie vor zu den Besten

Dass er erst im Alter von 35 Jahren den Weg in die EBEL fand, dort aber in seiner ersten Saison zur überragenden Figur wurde, ist leicht erklärbar: An Spieler wie ihn klammern sich Vereine in Topligen wie der Schweiz so lange es nur irgendwie geht, jüngere Versionen seiner selbst können aus unzähligen europäischen Ligen wählen.

Marc-Andre Dorion ist ein sehr guter Verteidiger fürs zweite Paar, den Sprung zum Topmann hat er (noch) nicht ganz geschafft. Robert Lukas gibt heutzutage nur mehr seltene (wenn überhaupt) Gastspiele im Powerplay, hat sein Spiel aber über die Jahre konsolidiert.

 

HC Znojmo:

Mit Jakub Grof und Lubomir Stach bilden zwei ähnliche Spielertypen das erste Paar – körperlich in Zweikämpfen mitunter mit Problemen, aber läuferisch gut und einem harten Schuss ausgestattet.

Vor allem der agile Stach gehört schon seit Jahren zu den besseren Defendern der Liga. Oldboy Richard Pavlikovsky ist im Powerplay weiter eine wichtige Waffe,  im Alter von 39 Jahren muss seine Eiszeit aber gut gemanagt werden.

Die lettische Nachverpflichtung Maris Jass gibt den Tschechen vor allem bei Verletzungen Tiefe. Nach dem Ausfall von Martin Baca fehlt ein physisch starker Mann, vielleicht legen die Znaimer hier noch vor den Playoffs nach.


Graz 99ers:

Mit Matt Kelly fand Coach Todd Bjorkstrand einen Mann, der nach Jahren in Italien und der DEL2 nun auch in der EBEL bewies, dass er offensive Akzente setzten kann. Seine defensiven Fehler werden im Grazer System reduziert, vor allem im Powerplay gehört Kelly aufgrund seines genauen Schusses zu den besten seines Faches in der EBEL.

Mitch Ganzak wartet ab und zu mit überraschenden Aktionen auf, ist aber bestenfalls ein Mann für das zweite Powerplay-Unit. Nachdem man Jesse Jyrkkiö wieder ziehen ließ, fehlt – vor allem nach der Verletzung von Kelly – ein Puckmover an der blauen Linie.

Mit der Verpflichtung von Tyler Cuma gelang Graz ein Glücksgriff

Jake Marto ist zu vielen Spielern physisch unterlegen, als dass er große Offensivbeiträge hinlegen könnte.

Nicht nur durch den Zuzug des verlässlichen Tyler Cuma und seines österreichischen Passes haben sich die Grazer im Rahmen ihrer Möglichkeiten solide verstärkt, aber gerade in der Defensive sollten sie im Sommer etwas mehr Geld in die Hand nehmen als heuer.



Vienna Capitals:

Jamie Fraser gehört eisläuferisch und von seinen Möglichkeiten als Puckträger zu den besten Leuten der Liga und ist auch jede Saison für knapp zehn Tore gut. Ab und an fährt er in Sackgassen, hat aber die läuferischen und technischen Fähigkeiten zur Fehlerkorrektur. Sein Vertrag mit den Wiener läuft noch für eine weitere Saison, sonst wäre er etwa für den KAC eine aufgelegte Variante.

Florian Iberer – im Sommer aufgrund von Off-Ice-Issues lange auf dem Markt – stellte sich wie erwartet als Qualitätsverteidiger vor und hat in den letzten Jahren vor allem an seiner körperlichen Verfassung gearbeitet, was ihm in den Zweikämpfen hilft, ihn allerdings vielleicht auch etwas an Beweglichkeit gekostet hat.

Brett Carson wurde als potentieller Einserverteidiger geholt, eine für ihn neue Rolle in seiner Karriere. Er präsentiert sich in Wien so wie in der AHL oder Schweden – Keine dummen Strafen, hält das Spiel einfach, nicht sehr beweglich, guter Schuss, hat im Powerplay  mitunter Probleme, die Linie zu halten. Seine Vorstellungen dürften auch stark von seiner mentalen Tagesverfassung abhängen. Markus Schlacher und Patrick Peter sind als Rechtsschützen die Kandidaten für den vierten Platz im Powerplay neben Fraser.


RB Salzburg:

Beim Blick auf die Offensivfähigkeiten der Salzburger Defensive kann die Konkurrenz nur neidisch werden. Matthias Trattnig kam letzte Saison mit 34 Jahren nach einer schweren Knieverletzung zurück und gehört wieder zu den dominanten Größen der Liga.

Dominique Heinrich – zuletzt etwas unter seinen Möglichkeiten – ist ein begnadeter Puckmover und Powerplay-Experte, seine Größennachteile sind in unserer Liga ohne Belang.

Brian Fahey ist nicht nur aufgrund seines Bombenschusses ein EBEL-Topmann, er findet auch immer wieder Lücken im Rücken der gegnerischen Verteidiger.

Troy Milam wäre als Rechtsschütze bei den meisten anderen Team der Liga im ersten Powerplay-Unit gesetzt, in Salzburg ist er eher die Nr. 4. Zdenek Kutlak ist aufgrund dieser Leute fast schon redundant – und das als langjähriger Qualitätsdefender in der Schweiz!

Kein Wunder, dass die Roten Bullen mit dieser Offensivqualität auf fast ein Verteidiger-Tor pro Spiel kommen. Die einzige blaue Linie der Liga, der ein offensives Downgrade fast guttun würde.

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