Der Weg nach Indianapolis wird kürzer und kürzer.
Nur noch zwei Spiele trennen uns von der Super Bowl XLVI am 5. Februar im Lucas-Oil-Stadium in Indiana.
An diesem Wochenende verkleinerte sich der Kreis der Kandidaten für "The Big Game" auf vier.
Die San Francisco 49ers und die New York Giants duellieren sich kommenden Sonntag innerhalb der NFC um ein Ticket, die New England Patriots und die Baltimore Ravens im AFC-Championship-Game.
Doch ehe der Blick nach vorne gerichtet wird, gibt es noch einen zurück. Das hat sich das vergangene Woche mehr als verdient.
LAOLA1 beleuchtet in seiner Playoff-Rubrik „High Five“ fünf Themen der Divisional-Playoffs:
Giant Surprises
Die vier Spiele vom Wochenende können getrost in zwei Kategorien eingeteilt werden: Erwartbar und überraschend. Die 45:10-Lehrstunde New Englands für Tim Tebows Denver Broncos sowie der 20:13-Heimsieg der Baltimore Ravens gegen die Houston Texans fällt in die erste Kategorie, der 36:32-Erfolg der San Francisco 49ers gegen die New Orleans Saints und vor allem der 37:20-Erfolg der New York Giants bei den Green Bay Packers in die zweite. "Ich wusste schon am Mittwoch, dass wir sie schlagen würden", meinte Running Back Brandon Jacobs. Garantien sind seit jener legendären von Jets-Quarterback Joe Namath vor Super Bowl III vor allem im "Big Apple" zur Gewohnheit geworden, dieses Mal ging auch wieder eine auf. Die Giants nutzten die Gunst der schwachen Packers-Stunde und sind nun das Team der Playoffs - kein Wunder, ist "Big Blue" auch das letzte verbliebene Wildcard-Team. Der momentane Lauf erinnert schon leise an die Saison 2007/08, als die Giants als fünftplatziertes Team drei Auswärtsspiele gewannen und dann in der Super Bowl auch noch die damals bislang ungeschlagenen Patriots bezwingen konnten. Die Neuauflage dieses Endspiels ist in Reichweite, sollten beide Teams ihre Championship Games gewinnen. Die Giants müssen auswärts beim zweiten Überraschungs-Team aus San Francisco antreten. Apropos auswärts: Sollte Head Coach Tom Coughlin das auch noch gewinnen, hätte er mit sieben Road-Wins in der Postseason einen NFL-Rekord egalisiert. Gegen Ende der Regular Season stand Coughlin übrigens noch auf der Abschussliste - so schnell kann es gehen!
California Dreaming
Die Nacht vom 14. auf den 15. Jänner 2012 werden die meisten Fans der San Francisco 49ers nicht so schnell vergessen. Was war das für eine fulminante Rückkehr auf die Postseason-Bühne? Neun lange Jahre mussten die aus den 80ern und 90ern erfolgsverwöhnten Fans warten, ehe sich ihr Team wieder für die Playoffs qualifizierte. Und dann wird auch noch das Team der Stunde, die New Orleans Saints, eliminiert. Jenes Team, das vor dieser Niederlage neun Spiele en suite gewinnen konnte, und Offensiv-Rekorde knackte. Es kann Head-Coach-Rookie Jim Harbaugh gar nicht hoch genug angerechnet werden, was der 48-Jährige aus diesem nur punktuell veränderten Team in der kurzen Offseason fabrizierte. Eine Saison zuvor endete der Grunddurchgang noch mit einer 6-10-Bilanz, heuer mit 13-3. Harbaughs Vorgänger war Mike Singletary. Dieser hatte 2008 Tight End Vernon Davis Egoismus unterstellt und während einer bitteren Pleite gegen Seattle in die Kabine geschickt sowie nachher gemeint, "mit solchen Spielern kann ich nicht spielen, nicht gewinnen, nicht coachen. Das kann ich nicht. Ich will Gewinner! Ich will Spieler, die gewinnen wollen." Gut, dass Davis Gewinner ist und gewinnen will, hat er gegen die Saints gezeigt. Vor allem sein Touchdown neun Sekunden vor Schluss geht in die 49ers-Geschichte ein - analog zu den 49ers-geschichsträchtigen "The Catch" (nach Joe Montanas Pass) und "The Catch II" (nach Steve Youngs Pass) soll dieser nun laut Davis "The Grab" heißen. Dieser Pass kam vom einst kritisierten Alex Smith, dem Harbaugh trotzdem zu Saisonbeginn das Vertrauen schenkte. Ein weiterer Grund, warum vom sechsten Super-Bowl-Titel geträumt werden darf.
Let's talk about Tight Ends
Turnover-Festival
Eine bittere Niederlage, aber nur eine Niederlage
Wo es Sieger gibt, gibt es auch Verlierer. Und mit den Green Bay Packers könnte es nach den Divisional-Playoffs keinen größeren geben. Da schaffen Quarterback-Superstar Aaron Rodgers und Co. als erst fünftes Team in der Super-Bowl-Ära eine Regular Season mit 15 Siegen und nur einer Niederlage, um dann im ersten Postseason-Spiel auf dem Grill zu landen. Letzteres passierte den vier vorangegangen Teams (49ers/1985, Bears/1986, Vikings/1999, Steelers/2005) übrigens nicht. Die Fassungslosigkeit ob der schwachen Leistung war den Spielern und Coaches anzusehen. Zwei Fragen stellten sich nach dem 20:37 zu Hause gegen die Giants: 1. Inwieweit war es sinnvoll, am letzten Spieltag der Regular Season Rodgers und andere prominente Starter wie Charles Woodson, Clay Matthews oder den damals wieder genesenen Greg Jennings zu schonen, wenn sowieso eine Bye-Week in der Postseason wartete? Scheinbar nicht sehr, wie die matte Performance mit ungewohnt vielen Turnovers und Drops zeigte. 2. Inwieweit spielte die Tragödie rund um Offensive Coordinator Joe Philbin, der Anfang der Woche seinen Sohn verloren hatte, hinsichtlich der Spielvorbereitung eine entscheidende Rolle? "Tief in uns drinnen, denke ich, wollten wir dieses Spiel für Joe gewinnen", meinte ein zerknirschter Rodgers. Wie auch immer die Antwort auf die zweite Frage lautet, eines ist gewiss: Auch wenn diese Niederlage sehr weh tut - es ist nur Football, nur ein Spiel. There's always a next season, but just one life...
Bernhard Kastler