Das Ende einer Ära

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Vom mächtigsten Manager Italiens zum Fiat-Problemfall

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Nach 23 Jahren an der Spitze des Sportwagenherstellers Ferrari ist Firmenpräsident Luca Cordero di Montezemolo zurückgetreten.

Zum neuen Ferrari-Präsidenten rückt der CEO des Mutterkonzerns Fiat Chrysler, Sergio Marchionne, auf.

Der 67-jährige Montezemolo wird am 13. Oktober den Konzern verlassen.

Abschied

"Ich will Montezemolo für all das danken, was er in diesen Jahren für Fiat und Ferrari getan hat", kommentierte Fiat-Präsident John Elkann.

Montezemolo selbst spricht von dem "Ende einer Epoche" für den Sportwagenhersteller.

"Ferrari hat eine wichtige Rolle für Fiat gespielt. Nach der Fusion mit Chrysler und der im Oktober geplanten Notierung an der Wall Street beginnt eine neue Phase und es ist richtig, dass das Unternehmen von CEO Sergio Marchionne geführt wird".

Schmerzhafter Wendepunkt

Jahrelang galt Montezemolo als mächtigster Manager Italiens, er kann wie kein anderer in seiner Heimat auf eine erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft zurückblicken. Die Trennung von Ferrari ist ein schmerzhafter Wendepunkt im Leben des erfolgreichen Industriekapitäns.

Montezemolo wurde 1947 in Bologna geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und spezialisierte sich an der New Yorker Columbia University auf internationales Recht. 1973 wurde er zum Assistenten von Enzo Ferrari ernannt und trug zum zweimaligen WM-Sieg von Niki Lauda bei.

Nach mehreren Jahren bei Fiat wurde er Anfang der 80er-Jahre vom damaligen Fiat-Patriarchen Giovanni Agnelli beauftragt, die Verlagsabteilung Fiats zu leiten. International bekannt wurde Montezemolo zwischen 1986 und 1990, als er die Leitung des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft in Italien übernahm.

Aus der Krise geführt

Montezemolo, der beste Beziehungen zur Fiat-Gründerfamilie Agnelli hat, wurde 1991 die Leitung des Sportwagenherstellers Ferrari anvertraut, den der Turiner Autokonzern von Enzo Ferrari erworben hatte.

Ferrari steckte sowohl sportlich als auch kommerziell in einer schweren Krise, als Montezemolo 1991 das Steuer übernahm. Nach einer schwierigen Umstrukturierungsphase schaffte der Manager sowohl im sportlichen als auch im unternehmerischen Bereich die Wende.

1995 nahm er Michael Schumacher als Formel 1-Pilot unter Vertrag. Im Jahr 2000 holte der Deutsche als erster Ferrari-Pilot seit 21 Jahren den Formel-1-Weltmeistertitel zurück. Ein kollektiver Traum ging in Italien in Erfüllung.

Symbolfigur

Ferrari und Fußball haben Montezemolo in Italien zu einem Symbol des erfolgreichen "Made in Italy" gemacht. 2004 rückte er zum Präsidenten des Industriellenverbands Confindustria und zum neuen Fiat-Chef auf. Dieses Amt bekleidete er bis 2010. 2006 gründete Montezemolo Europas erste Privatbahn im Hochgeschwindigkeitsbereich NTV. Bis 2012 bekleidete er hier das Amt des Vorstandsvorsitzenden.

Auch mit seinem Privatleben sorgte Montezemolo für Schlagzeilen. In den 90er-Jahren hatte der Unternehmer wegen seiner Beziehung zu einem ehemaligen Star von Erotikfilmen, Edvige Fenech, für Aufsehen gesorgt. Nach dem Ende der Beziehung mit der brünetten Schauspielerin heiratete Montezemolo, der aus seiner ersten Ehe bereits zwei erwachsene Kinder hat, 2001 eine um 25 Jahre jüngere Unternehmenstochter, mit der er drei Kinder hat.

In den letzten Jahren scheint Montezemolos Erfolgskurs allerdings gestoppt: Seit sieben Jahren schaffte Ferrari in der Formel 1 keinen WM-Titel mehr. Die Bahngesellschaft NTV hat in drei Jahren Verluste von 190 Mio. Euro angesammelt. Erst im April hatte Montezemolo den glücklosen Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali durch Marco Mattiacci ersetzt - doch der Wechsel zeigte bisher keinerlei Wirkung.

Sportlich passte es nicht mehr

Meinungsverschiedenheiten traten zwischen Montezemolo und dem Chef des Mutterkonzerns Fiat, Sergio Marchionne, über Ferraris Zukunft auf. Nach der Fusion von Fiat mit dem US-Partner Chrysler will Marchionne einen Pool von Luxusautoherstellern aus Ferrari, Alfa Romeo und Maserati gründen. Montezemolo befürchtet jedoch eine "Amerikanisierung" des Konzerns aus Maranello, der unter der Führung eines globalen Kolosses wie Fiat Chrysler seine Unabhängigkeit verlieren könnte.

Die letzte Pleite Ferraris beim Großen Preis von Monza brachte das Fass zum Überlaufen. Die wirtschaftlichen Ergebnisse Montezemolos als Unternehmer seien sehr gut, urteilte Marchionne, aber im Fall von Ferrari müsse man auch die sportlichen Ergebnisse berücksichtigen. "Seit sechs Jahren gewinnen wir nicht mehr", klagte er und besiegelte somit die Scheidung vom Ferrari-Boss.

Montezemolo wird nach der schmerzhaften Trennung von Ferrari nicht arbeitslos bleiben. Ihm winkt eine neue Rolle als Sanierer der verschuldeten Airline Alitalia, die nach dem Einstieg der arabischen Airline Etihad auf eine bessere Zukunft hofft.

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